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Die offene Gesellschaft und ihre islamischen Feinde

CSD-Trubel am Samstag am Potsdamer Platz. Foto: Ludwig Greven

Zufällig lief ich am Samstag im Berliner Tiergarten exakt an der Stelle vorbei, wo zwei Stunden später ein Islamist mit einem Auto in CSD-Feiernde raste, um ein Blutbad anzurichten. Es hätte also auch mich treffen können. Zufall war der Terroranschlag jedoch nicht, und nicht überraschend.

Ich hatte eineinhalb intensive Tage in Berlin hinter mir, in denen es auch um Islamismus ging, als ich zum Hauptbahnhof eilte, um zurück nach Hamburg zu fahren. Wegen der Hunderttausenden, die zum jährlichen größten deutschen CSD gekommen waren, inzwischen eine Art Karneval queerer Kultur und des Kommerz, fuhren keine Bahnen und Busse. Deshalb quetschte ich mich durch die Menschenmegen und lief durch den Tiergarten, um meinen Zug zu bekommen.

Vorher hatte ich mit einem alten schwulen Schulfreund und dessen Freund lange in einem Café gesesessen und auch über den CSD gesprochen, während Einige mit Prideflags, kostümiert und bemalt vorbei liefen. Am Potsdamer Platz sah ich dann einige der Wagen des Umzugs und hörte bollernde Ravemusik, am Tiergarten standen Freß- und Getränkestände wie bei jedem Volksfest.

Am Freitag hatte ich zuerst einen jüdischen Journalistenkollegen getroffen, den ich als Autor für dieses Blog gewinnen möchte. Und mit ihm über den grassierenden Juden- und Israelhass seit dem 7. Oktober gesprochen. Und über die wahnwitzige Allianz von „Queers for Palestine“ mit ihren schlimmsten Feinden, den Islamisten in Gaza und im Fatah-Gebiet. Genauso wie danach mit dem jüdischen Autor Tuvia Tenenbom, den ich zu seinem Buch über israelische Siedler interviewte – das nun wieder bevorzugte Feindbild von Linken, Islamisten und etlicher Medien, nachdem der angebliche israelische „Genozid“ im Gazastreifen etwas in den Hintergrund getreten ist.

Scheuklappen vor der islamistischen Bedrohung

Der islamistische Anschlag auf den CSD, dessen Opfer ich hätte werden können, wenn ich noch zwei Stunden länger mit meinem Freund zusammengehockt wäre, passt deshalb genau da rein: In eine Gesellschaft, die sich selbst dafür feiert, wie offen, tolerant und divers sie (angeblich) ist, die aber fest die Augen davor verschließt, genauso wie maßgebliche Parteien und Politiker, dass die Feinde dieser Freiheit mitten unter uns leben. Und das nicht nur und vor allem auf der Rechten, worüber eine Runde linksliberaler Bildungsbürger sprach, zu der ich am Freitag abend eingeladen war. Sondern ebenso auf der Linken und besonders im radikalen Teil der muslimischen Community.

Doch im linksgrünen Teil der Gesellschaft möchte man das immer noch nicht wahrhaben. Dafür steht beispielhaft die Erklärung der Grünen-Fraktionsvorsitzenden Britta Haßelmann und Katherina Dröge, mit der sie das Attentat verurteilten. Dass ein Islamist die „entsetzliche Terrortat“ im Tiergarten verübt hat, davon reden sie mit keinem Wort. Vermutlich weil es nicht in ihr Weltbild passt, dass so etwas nur „Rechte“ tun können. Stattdessen formelhaft:

„Dieser feige Anschlag zielte auf queere Menschen und ihre Freund*innen, die für gleiche Rechte und gegen Hasskriminalität demonstriert haben. Wer Menschen angreift, die den CSD feiern, greift queeres Leben, Sichtbarkeit und das Recht an, frei, offen und ohne Angst zu leben. Es ist ein Angriff auf das ganzes Land, auf unseren freiheitlich-liberalen Rechtsstaat und alles, was ihn ausmacht.“

Das stimmt – aber anders, als sie es wahrscheinlich meinen. Islamisten sind Rechtsextremisten, Hassverbrecher, Freiheitsfeinde, Gegner von Vielfalt und Toleranz. Sie greifen genauso wie „biodeutsche“ Rechts-, aber auch Linksxtremisten unsere freie, offene Geselschaft an, wovon Karl Popper in andererem Kontext schon vor einem halben Jahrhundert schrieb. Der gemeinsame Feind der beiden rechtstextremen Strömungen sind Andersgläubige und Andeslebende. Die Opfer sind Frauen, Schwule, Queere, Migranten. Der gemeinsame Feind aller drei extremistischen Strömungen sind Jüdinnen und Juden – stellvertretend für alle Menschen, die sich ihren jeweiligen Ideologien nicht unterwerfen. Und die sie deshalb zutiefst hassen und auslöschen wollen, stellvertretend ihren jüdisch-demokratischen Staat Israel.

Wann wird die Mehrheit der Gesellschaft endlich begreifen, woher die größte Gefahr droht? Wann werden die verantwortlichen Politiker dagegen endlich entschlossen vorgehen?

Es ist schon sehr spät, die islamistische Unterwanderung und alltägliche Gewalt ist weit fortgeschritten. Aber noch nicht zu spät.

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Über Ludwig Greven

Ludwig Greven hat für verschiedene Medien als politischer Autor, Bonner und Berliner Korrespondent, Politikchef, Redakteur und Reporter gearbeitet, zuletzt für ZEIT online. Als freier Publizist führt er u.a. Interviews für "Politik & Kultur", die Zeitung des Deutschen Kulturrats, und schreibt Meinungsbeiträge für den Kölner Stadt-Anzeiger. Er ist Administrator und presserechtlich Verantwortlicher dieses Blogs.

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