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Kaputt in Hollywood – eine Hommage an Marvin Gaye und den Soul

PR Photo of Marvin Gaye taken by Jim Britt in 1973, during recording sessions for the album „Let’s Get It On“ at the Hitsville West Studio in Los Angeles

Es ist noch nicht richtig Frühling. Deshalb warmer Soul und heißer Funk mit Marvin Gaye. Das verlorene Album Marvin Gayes „You’re the Man“ als Einstieg in eine himmlische Stimme, deren Leben mitunter die reine Hölle war. Alle Gegensätze vereinen sich zu einer Tragödie shakespeareschen Ausmaßes. Aber lest und hört nur selbst.

Das 2019 posthum veröffentlichte Album „You’re The Man“ ist mehr als ein Archivfund. Es ist ein Dokument. Ein Einstieg in eine Stimme von beinahe überirdischer Sanftheit – und in ein Leben, das von Beginn an unter Hochspannung stand.

Als Marvin Gaye 1972 den Song „You’re The Man“ veröffentlichte, formulierte er einen offenen Brief an den Präsidenten der Vereinigten Staaten. Der Ton: geschmeidig. Der Vorwurf: scharf. Egomanie, Rassismus, Demagogie, Lüge. Gemeint war Richard Nixon. Die Parallelen zu Gegenwart und dem jetzigen Amtsinhaber des Grauens drängen sich auf.

Doch der Zorn war damals konkret. Viele Afroamerikaner hatten genug vom rechtsnationalen Kurs des Amtsinhabers. Gaye antwortete nicht mit Parolen, sondern mit Groove. Weiterlesen

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Weißer Weihnachtsirrsinn

In Berlin sollte an einer evangelischen Kirche Weihnachten „dekolonialisiert“ werden – mit muslimischen Aktivisten. Vorläufiger Höhepunkt einer langen Entwicklung, christliche Feste und Traditionen zu entleeren und der Islamisierung der Gesellschaft Vorschub zu leisten.

An den endemischen Wahnsinn nicht nur, aber besonders in linken Kreisen hat man sich längst gewöhnt. Verfolgt man die Hervorbringungen von Verfechtern des Postkolonialismus oder der sogenannten Genderstudies, wird man mit Ideologiefragmenten zugeballert, die man selbst bei größter Anstrengung kaum verstehen kann. Die jeweils „Sprechenden“ wohl meist auch nicht. Als ich nun aber las, das Berliner Forum der Religionen lade zur Weihnachtsführung an der Friedenskirche Charlottenburg unter dem Titel „Decolonizing Christmas“, fragte ich mich wie andere kritische Geister, was bitteschön an der Erinnerung an die Geburt eines jüdischen Kindes namens Jesus vor über 2000 Jahren, dem Anfang des Christentums, rassistisch, gar kolonialistisch sein soll? Weiterlesen

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Tall Dark Stranger – Eine Hommage an Robert Mitchum

„Ich jogge nicht, schwimme nicht, fahre nicht Rad. Meine einzige körperliche Ertüchtigung: Ich huste viel.“ (Robert Mitchum)

Als Schauspieler eine Legende, als Mensch ein ironisch-sarkastisches Rauhbein mit goldenem Herzen plus viel Humor und als Musiker ein talentierter Sänger und Songwriter.

So in etwa beschreibt man Robert Mitchum in einem Satz. Schon das abenteuerliche Leben jenes Mannes, der beim Set gern Whiskey aus Wassergläsern trank (ohne Eis versteht sich – kein Tüdelkram für Bobby!), wäre einen eigenen Film wert. Weiterlesen

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Närrischer Kanzler

Einen schwarzen Politiker als „Hofnarren“ und „Feigenblatt“ herabzuwürdigen, ist rassistisch. Da beißt die Maus keinen Faden ab. Und übler als Laschets Lacher 2021. Dass Scholz sein Opfer nichts sofort um Entschuldigung bat, sondern es abtat, unterstreicht, dass er dem Amt auch charakterlich nicht gewachsen war.

Ich habe Joe Chialo Ende 2020 für „Politik & Kultur“, die Zeitung des Deutschen Kulturrats, porträtiert, als er für den Bundestag kandidierte und politisch noch völlig unbekannt und nicht Berliner Kultursenator war. Das Gespräch mit ihm via Zoom hatte etwas Komisches, weil er in einem dunklen Raum saß und auch wegen seiner Hautfarbe kaum zu erkennen war. Hätte ich einen Witz darüber gemacht, hätte er sicher gelacht. Denn er hat Humor. Habe ich aber nicht. Ihn zu beleidigen, wäre mir erst recht niemals in den Sinn gekommen. Ich weiß, was sich gehört. Olaf Scholz offensichtlich nicht. Weiterlesen

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Randy Newmans Lieder (8): Rednecks

Dieser Song ist neben „Short People“ vielleicht Newmans bekanntester. Aber ist er noch aktuell?

Man könnte ja meinen, dass ein Song aus dem Jahr 1974, der den rassistischen Populismus in den Südstaaten der USA thematisiert, dank der Bürgerrechtsbewegung und der Reformgesetzgebung Lyndon B. Johnsons, nur noch von historischem Interesse ist. Schließlich sind wir derart sensibel geworden gegenüber dem Rassismus, dass dieser Song deshalb nicht mehr im Radio gespielt wird, weil das Wort „nigger“ so oft darin vorkommt. (Und ich wurde von einer Frau, die später im Vorstand eines bedeutenden Medienkonzerns auch für Diversität zuständig war, schon mal kritisiert, weil ich zustimmend Yoko Onos Spruch zitierte: „Woman is the nigger of the world“.) Manche Leute meinen, die „woke Meinungsdiktatur“ sei das eigentliche Problem. Dazu gleich mehr.

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Randy Newmans Lieder (1): Short People

Zu sagen, Juden hätten den Rock’n’Roll erfunden, wäre vielleicht etwas übertrieben. Aber ohne den jüdischen Beitrag wäre die populäre Musik erheblich ärmer. Die Welt ohne Beatles, die der Film „Yesterday“ schildert, wäre ohne Brian Epstein Wirklichkeit. Und das ist nur der Anfang.

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Ist der Antisemitismus eine Spielart des Rassismus?

Aufgrund eines Server-Absturzes musste der Beitrag neu gepostet werden. In Einzelheiten – Zwischenüberschriften etwa – weicht er vom Original ab.  A.P.)

Ist der Antisemitismus eine Spielart des Rassismus? Die Frage mag abwegig klingen. Schließlich trieben die Nationalsozialisten ihren Rassenantisemitismus so weit, dass sie meinten, faktisch das ganze jüdische Genpool (so haben sie es nicht genannt, aber darauf lief es hinaus) auslöschen zu müssen: Männer, Frauen, Kinder, Säuglinge. Sonst wäre die arische Rasse und damit die gesamte Menschheit nicht sicher vor dem zerstörerischen Wesen des Judentums.

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Asal Dardan lebt wieder hier

Asal Dardan ist eine deutsche Kulturwissenschaftlerin. Vor zwei Jahren gab sie an, in Deutschland wegen des hier grassierenden Rassismus nicht mehr leben zu wollen. Jetzt ist sie wieder da. Ich freue mich darüber. Aber nicht über die kulturrelativistischen Thesen, die sie hier publiziert.

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Alter weißer Mann

Im Lauf einer dieser unerfreulichen Twitter-Verkampfungen, bei denen es oft nur darum geht, sich gegenseitig niederzuschreien, wurde ich von einer Frau als „alter weißer Mann“ kritisiert. Ich bin natürlich schuldig im Sinne der Anklage.

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Auf braunen Pfaden

Beim sogenannten Kyffhäuser-Treffen der extrem rechts angesiedelten AfD-Gruppe „Der Flügel“ im September 2017 sagte der Fraktionsvorsitzende der AfD im Deutschen Bundestag Alexander Gauland  „[Wir] haben…das Recht, stolz zu sein auf die Leistungen deutscher Soldaten in zwei Weltkriegen“.   Gleichzeitig forderte er, einen Schlussstrich unter die Beschäftigung mit dem Nationalsozialismus zu ziehen. Für ihn sind die  Jahrhundertverbrechen der Nationalsozialisten eine „falsche Vergangenheit“, die man zwar zu bedauern habe, die man aber auch einmal hinter sich  lassen müsse.  Öffentlichkeit und Politik empörten sich kurz über diesen Tabubruch, dann ging man wieder zur Tagesordnung über: zum vor Spannung vibrierenden Wahlduell zwischen Angela Merkel und Martin Schulz, das gerade  in die Zielgerade einbog. Inzwischen sind die skandalösen Sätze Gaulands schon wieder  Geschichte. Weiterlesen

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Patrick Bahners und der Antisemitismus

Kürzlich veröffentlichte die FAZ einen Beitrag ihres Kulturkorrespondenten Patrick Bahners unter der Überschrift: „Die Angst vor dem A-Wort“. Die wichtigste – wenn auch nicht belegte – Aussage des Beitrags lautete: „Nichts müssen Amtsträger in Deutschland mehr fürchten als das A-Wort.“ Unsinn natürlich. Würde man einen x-beliebigen deutschen Amtsträger – sagen wir: einen Finanzminister, Bürgermeister, Schulleiter oder General – fragen, wovor er sich am meisten fürchtet, wären die Antworten so vielfältig wie die Aufgaben: vom Ausbruch einer neuen Griechenlandkrise über rechtsextreme Gewalt gegen das geplante Asylantenheim, die nächste Bildungsreform bis hin zu einem russischen Angriff auf die Truppe in Litauen. Mit ziemlicher Sicherheit aber würde keiner sagen: „Davor, als Antisemit bezeichnet zu werden“.  Das zu unterstellen, ist an sich schon antisemitisch.

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