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Gas geben gegen den fossilen Völkermord

Das Denkmal „Verwüstete Stadt“ in Rotterdam erinnert an die fast vollständige Zerstörung der Hafenmetropole durch die deutsche Luftwaffe im Zweiten Weltkrieg

Während ich dies schrieb, versuchte die niederländische Polizei, Demonstranten einer Aktivisten-Gruppe namens „Geef Tegengas“ – was so viel bedeutet wie „Gas in die andere Richtung geben“ – von Gleisen zum Rotterdamer Hafen zu entfernen, auf die sich gelegt hatten. 

Der Hafen schlägt jährlich mehr als 400 Millionen Tonnen Fracht um, darunter Kohle, Eisenerz, Getreide, Öl, Chemikalien, flauschige Teddybären aus China und – offenbar – Waffen für Israel.

Die Gruppe verkündete bereits nach drei Tagen stolz, sie habe dem Hafen 30 Millionen Euro an entgangenen Einnahmen gekostet. Die Güterzüge werden sich wahrscheinlich bis nach Basel, wenn nicht bis nach Chiasso zurück stauen. Das ist das europäische Landäquivalent zur Blockade der Straße von Hormus. Weiterlesen

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Verizid

Die Dashcam eines Autos zeigt den Angriff von Hamas-Terroristen am 7. Oktober 2023 auf einen Schutzraum des Kibbuz Re’im. Quelle: Wikimedia

Ich weiß nicht, ob ich der Erste bin, der dieses Wort verwendet, es erfunden hat. Aber ob nun ja oder nein, es ist ein Wort, das ich auf so vieles anwenden möchte, was man heute in den Medien sieht und liest. Ich definiere es als „die absichtliche Ermordung der Wahrheit“.

Das ist nicht dasselbe wie ein Fehler, der auf schlechte Kommunikation oder unzureichende Fakten, eine Fehlübersetzung oder eine unzuverlässige Quelle zurückzuführen ist. All das kann passieren; ein professioneller Journalist wird sein Bestes tun, um sicherzustellen, dass das, was geschrieben und veröffentlicht wird, so wahr wie möglich ist. Aber nun ja, es wird immer ein gewisses Maß an Selektivität geben, eine Entscheidung darüber, welcher Kontext relevant ist, redaktionelle Entscheidungen hinsichtlich des Einbeziehens oder Weglassens bestimmter Absätze. Das ist bedauerlich, aber normal. Man kann „die Wahrheit“ haben, ohne „die ganze Wahrheit“ zu kennen. Weiterlesen

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Werbung für Tote

Irans geistlicher und politischer Führer Khamenei, abberufen durch israelische Raketen. Foto: Wikimedia. CC BY 4.0

In Deutschland ist man Wahlkampfplakate mit Gesichtern von Politiker gewohnt. Vor ein paar Tagen war ich im Süden Brandenburgs und sah dort Bilder eines lächelnden Schimpansen. Ich brauchte einen Moment um zu verstehen, dass es Werbung für einen Zoo, nicht für Stimmen war. Und was erscheint jetzt auf den Straßen von Teheran? Riesengroße Bildnisse lächelnder, winkender Generäle und Geistlicher, die alle vor kurzem befördert wurden zum höheren Dienst im Jenseits.

Kaum ist der Staub wieder zu Ruhe gekommen (ich meine der Staub der Betonbunker, nicht derer, die darin waren), laufen Fußgänger und fahren Autos an Bannern vorbei, die ganze Häuserwände bedecken. Wie schafft man das? So schnell? Ich bin einfach neugierig. Ich sehe aus meiner Perspektive mehrere Herausforderungen. Weiterlesen

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Nicht nur Juden tun das

Hinrichtung durch den Strang. Bild von ArtWithTammy auf Pixabay

Als liberaler Rabbiner bin ich eigentlich kein Befürworter der Todesstrafe. Aber ich kann dennoch Fälle erkennen, in denen sie relevant sein könnte. Trotz aller moralischen Argumente. Denn es gibt und gab schon immer Gründe dafür und dagegen.

In Israel – einem auf Beschluss der UN nach der Ermordung von sechs Millionen Juden durch Deutsche gegründeten demokratischen Staat, dessen Existenz seit der Gründung 1948 von seinen Nachbarn bedroht wird und der seitdem von den UN weder geschützt noch unterstützt wurde – ist es einer Gruppe rechter Politiker gelungen, im Parlament ein Gesetz durchzusetzen, um die Todesstrafe auf den Mord an Israelis auszuweiten. So formuliert klingt es sehr einfach. Aber natürlich ist es das nicht. Weiterlesen

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Der Fall Shapira, Judenhass und das Gerücht von Gerechtigkeit

Israelfeindliche Parole auf einem Stromkasten. Foto: Jan Kehrberger

Ich habe als Beobachter an der Berufungsverhandlung zum Angriff eines arabischen Palästinensers auf den jüdischen Studenten Lahav Shapira im Februar 2024 in Berlin teilgenommen. Das Verfahren ist noch nicht abgeschlossen, es könnte noch einmal ins Berufung gehen. Daher werde ich nicht viele Details nennen. Aber die zentrale Frage war, ob der junge Mann das Opfer deshalb schwer verprügelt hat, weil er jüdisch oder „bloß“, weil er Israeli ist.

Für das Opfer ist dies ein wichtiger Unterschied, und so hatte er dafür gekämpft, dass das wahre Motiv im ursprünglichen Urteil eindeutig festgestellt wurde. Über das Geschehene gab es keinen Streit – der Angreifer hatte gestanden, Ort, Zeit und das Ausmaß der Verletzungen waren akribisch festgestellt worden. Aber über das Motiv der Tat wurde viel diskutiert.

 Es stand viel auf dem Spiel.

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Trinität und Pietät

Die Dreifaltigkeit mit der Weltkugel – Gott Vater, der Sohn Jesus Christus, über ihnen schwebend der Hl Geist. Ikone von Elias Moskos oder Michail Damaskinos, 16. Jh. Quelle: Wikimedia

Vorbemerkung: „Werter Hr. Rothschild, wie kriegt man es als Rabbi hin, die Vorahnungen in der Tora über die Trinität des Herrn abzulehnen, Gen 1,1-3, Gen 1,26, aber an des ‚Herrn‘ Stimme aus einem ‚brennenden Dornbusch‘ zu glauben?“ So hat ein Leser auf meinen ersten Beitrag zu Ostern und Pessach gefragt. Hier die Antwort des Rabbiners.

Was ist der Unterschied zwischen Trinität und Pietät?

Die Trinitätslehre ist besonders wichtig für Christen, die Gott und den Sohn Gottes theologisch gesehen auf einer Stufe stehen sehen wollen und den „Heiligen Geist“, der beispielsweise die Jünger an Pfingstern inspirierte, als Teil Gottes – etwa als Gottes Stimme – oder als eigenständiges Wesen innerhalb der Gottheit charakterisieren. Aber wie soll ein Jude das verstehen? Weiterlesen

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Frohe Ostern??

Kreuzigung, Gemälde von Antonello da Messina, 1475, Königliches Museum Antwerpen. aus Wikimedia

Diese Woche finden sowohl das Pessachfest der Juden als auch das Osterfest der Christen statt. Beide bilden heute in weiten Teilen Europas religiöse Minderheiten. Doch bevor sie gänzlich verschwinden, lohnt es sich, einen Blick auf diese Frühlingsfeste zu werfen.

Pessach hatte und hat mehrere Bedeutungsebenen. Auf einer grundlegenden Ebene ist es eine Art, den Frühling zu feiern – die Wiedergeburt der Erde nach den Strapazen des Winters, das Erscheinen neuer grüner Triebe aus dem Boden, die Geburt einer neuen Tiergeneration, eine Gelegenheit, aufzuräumen und neu anzufangen. Die Tage werden länger, die Temperaturen steigen – all das ist Teil eines Kreislaufs, wird aber dennoch geschätzt. Weiterlesen

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Rabbinergeschichten: Der moderne Hethiter

Liberaler Rabbi, Schriftsteller, Liedermacher, Jazz-Musiker und promovierter Experte für palästinensische Eisenbahnen Walter Rothschild. Foto: privat

Es war nur eine Zeile im Gemeindebrief, die all die Erinnerungen wieder hochkommen ließ. In der Liste der Verstorbenen sprang mir sein Name sofort ins Auge. Nennen wir ihn André. Dort standen sein Geburtsdatum und sein Sterbedatum, mehr nicht. Ich versuchte mehr herauszufinden, doch durfte mir aus Gründen des „Datenschutzes“ niemand etwas sagen, nicht einmal, ob er nahe Verwandte hinterlassen habe, die ich kontaktieren könnte. Jetzt, da er tot war, wollten ihn alle beschützen. Aber ich wusste, dass ihn niemand beschützt hatte, als er noch lebte.

Viele betrachten König David als Helden. Er mag zwar ein bedeutender politischer und militärischer Führer gewesen sein – aber er war kein netter Mensch. Selbst die Bibel macht dies deutlich. Er mag einige gute Gedichte verfasst haben oder auch nicht, aber er liebte Intrigen und Gewalt, war ein Kontrollfreak und völlig amoralisch. Er lebte, sowohl als Milizführer als auch später als König, nach dem Prinzip, dass ein Mann viele Ehefrauen haben darf, von denen nur eine seine eigene sein muss. Weiterlesen

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