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Ein starker DGB ist nötig. Jetzt! Eine Erwiderung

Kein Kanzler hatte es je so schwer wie Friedrich „Mimimi“ Merz. Alle sind gegen ihn. Wo er doch der einzige Kanzler zweiter Wahl ist, also praktisch doppelt gewählt. Dann ist auch noch das Flugbenzin für seinen Privatjet knapp und teuer. Sollte es nicht auch für ihn Tankrabatt geben? Und Schutz vorm bösen DGB, den der Blog-Kollege Frank Schmiechen subito auflösen möchte?

Mein Mitleid ist kaum noch zu toppen. Nein, Spaß Ende: Was Merz auf dem DGB-Kongress gesagt hat, hätte einen viel lauteren Sturm der Entrüstung auslösen und Millionen Menschen auf die Strassen treiben müssen.

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10.000 CDs braucht der Mensch. Bekenntnisse eines Musik-Süchtigen

Das ist schon ein paar Jahre her, aber immer noch aktuell. Ich habe es wieder entdeckt und jetzt aufgeschrieben. Ich, im folgenden ich genannt, unterhalte mich mit Arnim Töpel. Im Folgenden Arnim genannt. Ein ganz wunderbarer Bluesmann, Pianist, Sänger, Kabarettist.

Musikkabarettist würde man ihn besser nicht nennen, das könne als Beleidigung aufgefasst werden in einer Zeit, in der unter diesem Etikett all zu viel Flachkarätiges tourt. Wir unterhalten uns also.

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Der Mief des Anti-Imperialismus: Ein Buch über linken Antisemitismus. Eine Lese-Empfehlung

Als ich noch ein jungdummer Vulgär-Antiimperialist war, führte ich ein Interview mit dem damaligen ARD-Nahost-Korrespondenten Friedrich Schreiber. Ich fragte ihn doch tatsächlich, ob denn Israel nicht irgendwie ein repressiver Polizeistaat sei. Das war damals common sense meiner Redaktion. Daraufhin stauchte mich Schreiber dermassen wirkungsvoll zusammen, dass ich schlagartig vor Scham im Boden versinken wollte, in mich ging und anfing, mich zu bilden. Was manche meiner „antiimperialistischen“ Freunde bis heute nicht geschafft haben. Ganz zu schweigen von den heutigen Free Palestine—Aktivisten. Deren kollektiver Wahn in Teilen dessen, was sich selbst für links hält, seine Wiedergeburt in nur schlecht als Israelkritik camoufliertem Judenhass feiert. Der zeigt sich seit dem 7. Oktober 2023 immer unverhüllter, schamloser und aggressiver in der Öffentlichkeit.

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Der seltsame Herr Lindenberg. Eine halbe Hommage zum 80.

Udo Lindenberg wird 80 Jahre alt. Die Presse überschlägt sich sich geradezu panisch vor Lobeshymnen. Der Rolling Stone, die Prawda des Musikjournalismus, macht ihn zur Titelgeschichte. Die ZEIT druckt eine ganzseitiges Interview mit Benjamin Stuckrad-Barre, dem Lindenberg-Verehrer, -verklärer und -erklärer der Nation.

Wir erfahren darin Sensationelles: Der kleine Benjamin, der sich schon im Alter von sieben Jahren als Udos Freund betrachtete, hat kürzlich mit Udo telefoniert, und der habe ihn mitten im Gespräch gefragt, wo denn wohl der Lichtschalter in seinem, Udos Hotelzimmer, sein könne. Weiter berichtet Stuckrad-Barre noch, Udo habe auch nicht gewusst, wo die Küche in seiner Berliner Wohnung ist. Na, wozu hat man gute Freunde. Aber sonst ist heute wieder alles klar? Keine Panik auf der Andrea Doria? Oder so?

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I’m in love with my car. Ansichten eines grünversifften Auto-Liebhabers

Wenn wir drei Stunden lang im Stau stehen, eigentlich aufs Klo müssten, aber man das Fahrzeug auf der Überholspur der A 5 besser nicht verlässt, kann es schon mal passieren, dass die Liebste kalt lächelnd raunt: „Tja, mein Lieber. Wenn man schon Auto fährt, darf’s wenigstens keinen Spaß machen“.

Wenn wir mit der Bahn unterwegs sind, und die Bahn teilt uns genauso kalt mit, dass unser Wagen gleich verschrottet wird und wir bitteschön mit dem „Schienenersatzverkehr“ weiterfahren sollen, morgen wieder ab 12 Uhr im Zwei-Stunden-Takt, dann schnaube ich wutentbrannt: „Ich will, dass die Deutsche Bahn in einem Feuerball verglüht“. Sie merken schon: es ist kompliziert.

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East Of Omaha. Die musikalische Geschmacksfindung der frühen Jahre.

1976 ff. soll es eine Punkwelle gegeben haben, liest man immer wieder. Dergestalt, das alles andere weggefegt wurde. Ich weiss nicht, was ich mit diesem Mythos anfangen soll. Ich jedenfalls fuhr 1977 mit Freunden in einem klapprigen R 4 zu einem Festival im rappelvollen Stadion in Saarbrücken, und dort war keine Punkwelle. Wir ließen uns den ganzen Tag und die halbe Nacht vollregnen, und hörten Lake, der John Miles Band, Manfred Mann‘s Earthband und vor allem Genesis zu. Also: Unser Punk war Progressive Rock.

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Give Peace A Chance. Oder doch nicht? Erinnerungen an die eigene Kriegstüchtigkeit.

Dieses merkwürdige Foto ist 50 Jahre alt, mein jüngeres Ich leistet widerwillig seinen Grundwehrdienst ab. Schütze Zimmer dient in der Nachschubkompanie. Bringt es mit Eifer zum per Zeugnis dokumentierten Lochkartenprüfer – ein schöner Beruf mit guten Zukunftsperspektiven. Denkt beim Schießen und Handgranaten-Weitwurf aber nicht an Krieg und auch nicht an Frieden, sondern an die Mittagspause und die anschliessende Wochenend-Heimreise.

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Von Duzern und Siezern. Eine ganz komische Sache. Aber echt jetzt

Ist es nicht wie Ostern, Pfingsten und Weihnachten gleichzeitig? Keine Deepfakes, kein Trump, kein Krieg. Friede, Freude Eiersuchen. Hätten wir nicht die Qualitätsmedien, wüssten wir nicht, was die aktuell wirklich wichtigen Themen sind. Ein Buckelwal liegt vor der Küste rum, die Nachrichtensendungen sind voll Mitgefühl. Ein Raumschiff ist unterwegs zum Mond. Wir fiebern mit, und der SPIEGEL betrachtet das Thema: „Duzen, wenn ja und warum dann vielleicht doch nicht?“ als titelwürdig.

Ja, das ist doch mal ein „softes“ Thema, zu dem jeder was sagen kann. Sogar der alte Zimmer, der sich schon seit seiner Jugend damit rumschlägt und sich dabei nachhaltig amüsiert. Weiterlesen

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Die Perversion des Normalen. Wie Extremisten die bürgerliche Mitte zerstören

„Normal is not something to aspire to, it’s something to get away from.” Normal ist nicht etwas, was man anstreben sollte, sondern etwas, von dem man möglichst Abstand nehmen sollte. Soll Jodie Foster gesagt haben. Man könnte fast annehmen, sie hätte die Wahlplakate jener Partei gekannt, auf denen vor Jahr und Tag stand: „Deutschland – aber normal“.

Die „normalen“ Freunde dieser Partei sagen gerne: „Wenn der Faschismus wieder kommt, wird er nicht sagen: ich bin der Faschismus, sondern er wird sagen: ich bin der Antifaschismus.“ Was ist das? Eine absurde Verkehrung der Tatsachen, die Demokraten als Faschisten brandmarkt. Denn die Grundlage jeder Demokratie, insbesondere der deutschen, kann nur der konsequente Antifaschismus sein. Sonst hat sie keinerlei Legitimation. Das wussten die Väter des Grundgesetzes.

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„Ich freue mich sehr auf spannende Gäste“. Das ultimative Talkshow-Massaker

Fünf Alkoholiker aus sieben Ländern diskutieren die aktuelle Weltlage. Erinnern Sie sich noch? Von 1952 bis 1987 lief jeden Sonntag „Der internationale Frühschoppen“ im WDR unter der Leitung des Schankwirts Werner Höfer. Dazu rauchte und trank man, bis der Fernsehzuschauer nichts mehr sah und kein Wort mehr verstand.

Ich saß mit meinem Großvater vor dem Fernseher. Der rauchte abgeschnittene Senoussi-Zigaretten in einer silbernen Zigarettenspitze, meine Großmutter trank dazu Stonsdorfer Kräuterschnaps. Aufhören wollte Höfer nach eigener Aussage erst, „wenn ich mit dem Glase in der Hand tot umfalle“. Na, denn Prost. Anschnallen!

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