
Seichtheit, Tüdeligkeit, Senilität!“
(Foto: Danny Birchall / FLICKR)
Liebe Genossinnen und Genossen, werte Funktionärinnen und Funktionäre, und alle, die gerade nicht in endlosen Workshops zur „sensiblen Kommunikation“ verschwunden sind: Es ist Zeit für den finalen Befreiungsschlag. Der DGB, dieser kolossale, ehrenwerte Riese der Arbeiterbewegung, ist an sein Ende gekommen. Aus einer Bewegung wurde ein bewegungsunfähiger Scheinriese. Aus der Unterstützung für gebeutelte Arbeiter und Arbeitnehmer ist eine Gefahr für unser Land geworden.
Wenn man in die Gesichter der Besucher des DGB-Kongresses 2026 in Berlin schaut, kommen sofort diese Bilder hoch. Während die fleißigen Facharbeiter in Deutschland um 5:30 Uhr den Wecker verfluchen, betreten die Genossinnen und Genossen des DGB Stunden später ihre Büros, die niemand braucht, und werfen wie eh und je die brutzelnden Kaffeemaschinen an. Ein abgestandener Geruch hängt in der Luft. Alles riecht nach Gedankenarmut und 1981, Filterkaffee und Filterzigaretten. Hauptsache Filter.
Die DGB-Chefs sitzen derweil in klimatisierten Vorstandsetagen, trinken ihren fair gehandelten Soja-Latte und diskutieren, ob der Begriff „Handwerker“ nicht doch zu maskulin und daher durch „Handwerkende Person mit diversen Werkzeugen“ ersetzt werden muss. Alle gemeinsam freuen sich auf die „Tarifverhandlungen“. Da darf man voller Inbrunst in die hingehaltenen Mikrofone rufen: Freiheit, Brüderlichkeit, Solidarität! Geblieben sind Seichtheit, Tüdeligkeit, Senilität.
Als wäre der Leibhaftige erschienen
Derweil beklagt man weinerlich, dass die Gewerkschaft in vielen jungen Betrieben keinen guten Ruf hätte. Betriebsräte gäbe es kaum noch. Schuld seien die fiesen Unternehmer, die keine Arbeitnehmervertreter wollten. Liebe DGB-Frösche. Ich verrate euch mal was. Es hat einen anderen Grund: Ihr werdet nicht gebraucht! Die jungen Leute haben viel effektivere Mittel, um ihre Interessen durchzusetzen. Smart, cool und völlig selbstbestimmt. Du kannst Feierband machen, lieber DGB. Ab in den Wohlverdienten. Aus. Vorbei. Zurück in deinen Teich.
Kanzler Friedrich Merz ist vor den DGB getreten. Er hat das gesagt, was eigentlich jeder deutsche Arbeitnehmer für selbstverständlich erklärt und sofort unterschreiben würde. Deutschland braucht Bewegung, Reformen und muss sparen. Sonst ist es aus mit dem Wohlstand und damit auch mit dem gemütlichen Funktionärsleben. Doch der Haufen bärbelbasiger Breitärsche von DGB-Funktionären fährt bei diesen Selbstverständlichkeiten aus der Haut, als wäre ihm der Leibhaftige erschienen.
Weich, warm und komplett nutzlos
Der DGB ist das Musterbeispiel darf, was in diesem Land schief läuft. Reformen werden abgelehnt. Frische Ideen werden erstickt. Leute mit Ideen müssen sich erstmal durch das tausendseitige Betriebsverfassungsgesetz arbeiten. Haben wir schon immer so gemacht. Schicken Sie mir doch ein Fax. Ohne Teeküche mit Fenster leider kein Startup. Bevor ich dazu etwas sagen kann, muss ich erstmal ihn den Gremien nachfragen. Auf der Terrasse werden nur Kännchen serviert. Kollege kommt gleich.
Der DGB ist nicht mehr Gewerkschaft. Er ist ein riesiges, selbstreferentielles, ideologisch aufgeblasenes Furzkissen aus der guten alten Zeit. Weich, warm, total inklusiv – und absolut nutzlos, wenn man zur Abwechslung mal wirklich kämpfen müsste. Deshalb mein dringender, demokratischer, diverser, basisdemokratischer und absolut basisnaher Aufruf:
Zerschlagt den DGB. Jetzt!
Bevor seine Unfähigkeit zu Reformen und guten Ideen endgültig das gesamte Land platt drückt und nur noch ein leises, wohlmeinendes „Aber, wir lieben euch doch alle…“ übrig bleibt.
Zerschlagen! Jetzt! Sofort! Bevor der nächste Workshop beginnt.
Frank Schmiechen ist Journalist und Musiker. Er startete als Reporter bei der Bergedorfer Zeitung, war später unter anderem Stellv. Chefredakteur der WELT und Chefredakteur des Online-Mediums Gründerszene. Seit einigen Jahren arbeitet er als Kommunikationsberater. In den 70er Jahren begann er seine Musiker-Karriere als Songschreiber, Bassist, Gitarrist und Pianist. Sein Herz schlägt auch für guten Wein und den HSV. Frank Schmiechen lebt in Berlin und hat vier Töchter.
Bravo, Herr Schmiechen! Sie schreiben das, was ich oft denke, aber nicht zu schreiben wage. Leider gibt es aber in Deutschland weder eine Maggie Thatcher noch ein Mehrheitswahlrecht. Also wird alles so bleiben, wie es ist. Vielleicht könnte man trotzdem damit anfangen, sogenannte Warnstreiks zu verbieten, die in den letzten Jahren zur Massenplage geworden sind. Wie auch immer, Danke für Ihre starke Meinung.
Es ist doch imer wieder bemerkenswert, dass Menschen Maggie Thatcher noch feiern. Die ein ganzes Land so in den Abgrund gestürzt hat, dass es sich bis heute nicht davon erholt hat. Faszinierend.
Ich kann dem Ersteller dieses Artikels in nichts beipflichten.
Der DGB ist die letzte Bastion, die die arbeitende Bevölkerung vor Merz Rotstift schützt. Reformen sind nötig – ja sicher. Aber Reform bedeutet bei Merz: Die Opfer bringen nur die Armen, die Rentner und die arbeitende Bevölkerung. Schlechtere Altersvorsorge, schlechtere medizinische Versorgung – aber diejenigen, die in der PKV versichert sind oder gar von Kapitalerträgen leben, sind ausgenommen von den Zumutungen des Herrn Merz. In diesem Land muss viel passieren – aber warum sollen es mal wieder die Ärmsten richten, während die ohnehin schon Überversorgten immer mehr gepampert werden?
Na ja, lieber Frank Schmiechen,
eine Gewerkschaft „ist gut“ als Rechtsschutzversicherung bei Klagen vorm Arbeitsgericht. Kündigungsschutzklagen, Klagen und „die richtige Eingruppierung“ im Öffentlichen Dienst, um Urlaubsansprüche und Urlaubsabgütungen und so.
Hatte mal zwei Mandanten, Polizisten, die böser (AfD-)Äußerungen beschuldigt wurden und gegen die ein Disziplinar-Verfahren eröffnet wurde.
Die eine Gewerkschaft sagte Vertretung zu und zahlte mir meine Anwaltsgebühren.
Die andere Gewerkschaft schloß meinen Mandanten auf der Stelle aus der Gewerkschaft aus. Wechens Demokratiefeind und so. Das können Sie dann vorm Ordentlichen Gericht anfechten, der Prozess dauert Jahre. Und leider glaubt meiner Einschatzung nach die Mehrzahl auf diesem Blog sowieso, dass AfD-Typen sowieso keinerlei Schutz des Rechts verdient hätten.