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Ein Duftzerstäuber als Staatsfeind Nr. Eins: Siegmund und der SPIEGEL

Eigentlich weiß jeder, der im Geschichtsunterricht nicht geschlafen hat und die aktuellen politischen Debatten aufmerksam verfolgt, dass Ulrich Siegmund ein gefährlicher Mann ist. Ein Wahlsieg seiner AfD in Sachsen-Anhalt könnte einen Domino-Effekt auslösen.

Die potenziellen Wähler der Faschistenpartei würden sich ermutigt fühlen, in weiteren Bundesländern würde sie noch mehr Zulauf bekommen und so Schritt für Schritt der Demokratie den Todesstoß versetzen. Um das zu wissen, braucht es den SPIEGEL nicht. Vor allem braucht es kein Titelbild, das den beliebtesten Menschen-Ver-Führer der AfD prominent zeigt. Weiterlesen

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Molotov-Cocktails gegen die DDR: Wie mutige Metal-Fans den „antifaschistischen Schutzwall“ angriffen

Am 13. August vor 65 Jahren wurde die Berliner Mauer gebaut. Als Privilegierter, der sein ganzes Leben in einem Land der Freiheit und Sicherheit und in geradezu brüllendem Wohlstand gelebt hat, frage ich mich immer wieder: Wie hätte ich in einer Diktatur wie der DDR gelebt?

Gerade in diesen Zeiten, da wieder bis zu 50 Prozent der Bevölkerung im Osten die Rückkehr zur Diktatur wählen. Hätte ich mich in einer „Nische“ eingerichtet? Hätte ich gegen das Regime aufbegehrt oder wäre ich ein Mitläufer gewesen? Weiterlesen

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Hugo Egon Balder erklärt Ringo Starr

Um den Kollegen Alan Posener zu zitieren: Reden wir von den wichtigen Dingen. Das wichtigste Ding überhaupt ist das Schlagzeug und was man damit macht. Es gibt intelligentes und strunzblödes Schlagzeugspiel. Was nicht heissen soll, dass die jeweiligen Trommler intelligent oder dumm sein müssen. Es geht allein um ihre Kunst und den verfehlten Einsatz vorhandenen Talents.

Beginnen wir mit einem Beispiel aus dem so genannten Progressive Rock, dorts ist das Phänomen am häufigsten zu beobachten. Was hat das nun aber mit Hugo Egon Balder und Ringo Starr zu tun, und was um Himmels willen die beiden miteinander? Gemach, ich komme gleich zum Thema. Weiterlesen

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Rock im Schatten der Shoa

Geddy Lee beim Interview eines amerikanischen Radiosenders. Screenshot Youtube

Wie Malka und Moshe Weinrib den Holocaust überlebten. Und welche Lehre ihr Sohn, der kanadische Rockstar Geddy Lee, daraus zieht.

„Ihr kennt mich wahrscheinlich als Geddy Lee, aber mein Geburtsname war Gershon Eliezer Weinrib, nach meinem Großvater mütterlicherseits, der im Holocaust ermordet wurde“. Nicht die Worte, mit denen üblicherweise eine Rockstar-Autobiographie beginnt. Geddy Lee, 1953 geborener Bassist und Leadsänger der größten Band Kanadas, der Progressiv-Rocker Rush, hat die Geschichte seiner Familie in seiner 2023 erschienen Autobiographie „My Effin’ Life“ erzählt.

Eine Geschichte, die für sein Leben und Handeln prägend war und ist. „Ich habe das Gefühl, wir leben in einer Zeit, die offenbar vergessen hat, was passieren kann und auch wird, wenn der Faschismus sein Haupt erhebt“, schreibt er vor dem Hintergrund des Schicksals seiner Familie, einer Familie polnischer Juden. Weiterlesen

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Keine Angst. Igor Levit und Danger Dan – und was das mit „Militant Democracy“ zu tun hat

„Die Ereignisse von 1933 bis 1945 hätten spätestens 1928 bekämpft werden müssen. Später war es zu spät. Man darf nicht warten, bis der Freiheitskampf Landesverrat genannt wird. Man darf nicht warten, bis aus dem Schneeball eine Lawine geworden ist. Man muss den rollenden Schneeball zertreten. Die Lawine hält keiner mehr auf. Sie ruht erst, wenn sie alles unter sich begraben hat“.

So fasste Erich Kästner das Versagen der Demokratie in der Weimarer Republik zusammen. Er, dessen Bücher von den Nazis verbrannt wurden, steht bestimmt nicht im Verdacht, ein Linksradikaler oder gar Gewaltbefürworter zu sein. Hätte ZDF-Intendant Norbert Himmler in Kästners Worten einen Gewaltaufruf gesehen, wäre er denn ein Zeitgenosse des Schriftstellers gewesen? Weiterlesen

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Rizinus, die Krautrock-Pioniere. Die Geschichte einer Band, die es nie gab

Die vergessene deutsche Band Rizinus muss endlich gewürdigt werden. Wie? Sie haben den Namen nie gehört? Dabei waren die Musiker absolut richtungsweisend in den frühen 70er-Jahren. Woher ich das weiß und warum es von dieser Band nur Zeichnungen, aber keine Fotos gibt?

Ganz einfach: Ich habe sie selbst erfunden, etwa 1971. Da nämlich machte ich mir als 15jähriger Rockfan die Welt gerade so wie sie mir gefiel und zeichnete Plattencovers imaginierter Bands, erfand Songtitel und Bandbesetzungen und brachte diese wunderlichen Kapellen dann auf die Bühne meiner lautstarken Fantasie.

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Keine Demo mit falschen Freunden. Bekenntnisse eines Demo-Muffels

Eine Demonstration. Konstantin Wecker sitzt auf der Bühne mit violettem Kopf. Schweiß in Fontänen verspritzend verkündet er „Man muss den Flüssen trauen“. So prügelt er „seine unerhörte poetische und musikalische Sensibilität für das Leben“ hinein in die Tasten des Flügels und hinaus in den Abendhimmel. Vor Tausenden Menschen, die seinen schweißgetränkten Flüssen trauen.

Wecker singt ein Plakat nach dem anderen, seine Band spielt dazu mit der tückischen Harmlosigkeit eines Kaffeehausorchesters. Als nächstes kommen die Bots: „Das weiche Wasser bricht den Stein“. Ich erwache schweißgebadet und muss brechen. Ein Blick ins dunkle Zimmer: Es war nur ein Alptraum. Gottseidank. Schnitt. Weiterlesen

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Ilko-Sascha Kowalczuks neuer Weckruf

„Faschismus und faschistische Haltungen sind keine Meinungen, sondern müssen strikt strafrechtlich verfolgt werden. Jede Gesellschaft braucht Grenzen des Sagbaren, des Machbaren. Faschismus steht außerhalb der Grenzen, wie sie das Grundgesetz zieht.“ So steht es in den „Zehn Grundsätzen“, die der Historiker Ilko-Sascha Kowalczuk seinem neuen Buch „Faschismus ist keine Meinung – Stabil bleiben in autoritären Zeiten“ voranstellt.

Damit ist der Ton gesetzt für einen Rundumschlag über den neuen Hang zum Autoritären. Es ist eine erhellende und zugleich erschreckende Abrechnung mit den Akteuren und Verharmlosern des neuen erstarkenden Faschismus und zudem eine Argumentationshilfe für die Verteidiger von Freiheit und Demokratie. Dazu einige persönliche und sicher unvollständige Anmerkungen. Weiterlesen

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Die letzten Punk-Patrone der Demokratie: Die Toten Hosen treten ab

Ich habe den Toten Hosen den Punk nie so ganz geglaubt. Was daran liegen mag, dass ich sie erst im Jahr 2000 zum ersten Mal live erlebt habe. Okay, ich gebe zu: Jahre zuvor war das noch anders. Ich besaß ein Tour-T-Shirt der Band mit der poetischen Aufschrift „Ficken Bumsen Blasen“. Das ich aber nicht tragen konnte, weil mir ein anderes mit der Aufschrift „Bier formte diesen wunderschönen Körper“ viel besser passte.

2000 also hatte ich sie als eine routinierte Stadionrock-Band empfunden und sie in meiner Rezension schnöde abgekanzelt: „Und so rumpelt es in einem fort, in schnöder Bierseligkeit bis zur bitteren Unsterblichkeit. Kein Punk. Vielleicht Volksrock. Früher hätte man mit der daraus destillierten Energie Häuser besetzen lassen. Ach was, ganze Straßenzüge. Aber heute?“

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Demokratiefeinde im TV? Das muss nicht sein

Ich bekenne mich schuldig. Ich habe den Meinungskorridor massiv verengt. Schon lange bevor dieser Kampfbegriff überhaupt die Runde machte. Was war geschehen? Es war in den 90er Jahren, die rechtsextremen Republikaner hatten gerade einen erschreckenden Höhenflug in Baden-Württemberg. Ich war verantwortlich für die Wahlsendung eines regionalen Privatsenders.

Nun also ein hohes Ergebnis für die braune Partei in Pforzheim. Aus dem dortigen Studio meldet sich die Marketing-Abteilung: Der örtliche Republikaner-Chef müsse unbedingt mit einem wichtigen Statement auf Sendung. Und noch wichtiger: Er sei auch ein wichtiger Werbekunde.

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Ein Ahnungsloser auf der Suche nach Bob Dylan.

„Star struck“ bin ich eigentlich nicht. Aber ab und an empfinde ich ein wohliges Kribbeln, wenn ich im gleichen Raum bin wie irgendein „bedeutender“ Mensch. Dabei muss ich diesen Menschen gar nicht besonders verehren. Es könnten auch Orte sein, die dieses undefinierbare Gefühl auslösen. Ein Freund wollte unbedingt mal auf der Wiese von Yasgurs Farm stehen. Sie wissen schon, der Acker der berühmtesten Schlammschlacht des 20. Jahrhunderts. Ein anderer hat im Abbey Road Studio mit Paul McCartneys Toningenieur eine CD aufgenommen. Ich wollte vor einigen Jahren mal unbedingt in der Arena von Verona stehen. An der Stelle, an der Jahre zuvor Ian Paice am Schlagzeug gesessen hatte. Aber die Arena war just an diesem Tag wegen Soundcheck von Al Bano und Romina Power geschlossen.

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