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Der ratlose Rezensent. Selbstzensur in der Musikkritik

Eine Geschichte, die sich um den schwedischen Musiker Christian Kjellvander dreht. Auch. Aber auch um etwas ganz anderes.

„A Village Natural Light is an album about living, loving and dying. When I listen to these songs I think about how important it is to really live your life“. Ja, nun. Das schrieb „ein Freund“ auf der Homepage des schwedischen Musiker Christian Kjellvander über das genannte Album. Es sind zwei Sätze, bei denen man sich unvermittelt fragen sollte: Warum um Gottes willen versenkt der Autor dieser Zeilen unmittelbar nach Abfassung jene nicht mit vor Schamesröte glühendem Gesicht im Papierkorb?

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German Television Proudly Presents. Die glorreichen „Rockpalast“-Jahre. Eine Hommage

Rockpalast-Moderator Albrecht Metzger

Am 23. Juli 1977 war plötzlich ein Mann im Fernsehen, der kam nachts auf die Bühne und sprach die magischen vier Worte: „Dschörmän Televischn praudii presents…“. Albrecht Metzger hieß er. Die erste „richtige“ Rockpalast-Nacht. Von da an hieß es: Wenn die war, dann war Ausnahmezustand. Das war unser Straßenfeger, nix Star Trek, nix Disco.

Das bedurfte umfänglicher Vorbereitungen. Schon Wochen vorher, wenn die ersten Gerüchte schwirrten, wer denn da so spielt, gab’s erregte Diskussionen, ob es denn das war, was wir hören und im Fernsehen sehen wollten. Im Fernsehen natürlich, das ging nicht anders, denn an live gucken war nicht zu denken. Kaum einer hatte ein Auto. Und 400 Kilometer weit zu einem „Gammlertreffen“ mit ungewissem Ausgang zu fahren, das hätten wir Bildungsbürgerkinder uns dann doch nicht getraut. Merkwürdig: Bis heute ist mir keiner begegnet, der je eine dieser legendären ersten Rockpalast-Nächte leibhaftig miterlebt hat. Weiterlesen

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81 and still rockin‘: Ian Gillan (Deep Purple) in his own words

Am 19. August ist Ian Gillan 81 Jahre alt geworden. Seine Band hat Anfang Juli ein neues Album mit dem Titel „Splat!“ veröffentlicht. Die laufende Welttournee umfasst nahezu 100 Konzerte. Gillan ist zwar „nur“ einer von vier Sängern, die der Band seit ihrer Gründung vor 58 Jahren vorstanden. Aber für Gläubige der Holy Church Of Deep Purple ist er der Sänger, kein anderer.

Interviews  mit ihm (die ich leider immer nur am Telefon führte) waren für mich immer mehr als Frage-Antwort-Spielchen, sondern ein Quell höchster Weisheit und Vergnügens. Musik-Debatten, die man sonst nur im Freundeskreis bei gutem Wein führt. Weiterlesen

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Dumm klickt gut: Lokaljournalismus am Abgrund. Eine Polemik

Bild von pexels by pixabay

Kürzlich hatte ich Post in meinem E-Mail-Fach. Die Zeitung, für die ich noch gelegentlich schreibe, teilte mir mit: „Wir möchten die Mitarbeiter belohnen, die in einem Jahr die stärksten Artikel, gemessen nach Mediatime, schreiben. Dafür loben wir Prämien aus, die wir zum Ende des Jahres vergeben… Für den ersten Platz gibt es 300 Euro, für den zweiten 200 Euro, für den dritten 100…“ Ich traute meinen Augen nicht. Stand das da wirklich? Weiterlesen

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Ein Duftzerstäuber als Staatsfeind Nr. Eins: Siegmund und der SPIEGEL

Eigentlich weiß jeder, der im Geschichtsunterricht nicht geschlafen hat und die aktuellen politischen Debatten aufmerksam verfolgt, dass Ulrich Siegmund ein gefährlicher Mann ist. Ein Wahlsieg seiner AfD in Sachsen-Anhalt könnte einen Domino-Effekt auslösen.

Die potenziellen Wähler der Faschistenpartei würden sich ermutigt fühlen, in weiteren Bundesländern würde sie noch mehr Zulauf bekommen und so Schritt für Schritt der Demokratie den Todesstoß versetzen. Um das zu wissen, braucht es den SPIEGEL nicht. Vor allem braucht es kein Titelbild, das den beliebtesten Menschen-Ver-Führer der AfD prominent zeigt. Weiterlesen

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Molotov-Cocktails gegen die DDR: Wie mutige Metal-Fans den „antifaschistischen Schutzwall“ angriffen

Am 13. August vor 65 Jahren wurde die Berliner Mauer gebaut. Als Privilegierter, der sein ganzes Leben in einem Land der Freiheit und Sicherheit und in geradezu brüllendem Wohlstand gelebt hat, frage ich mich immer wieder: Wie hätte ich in einer Diktatur wie der DDR gelebt?

Gerade in diesen Zeiten, da wieder bis zu 50 Prozent der Bevölkerung im Osten die Rückkehr zur Diktatur wählen. Hätte ich mich in einer „Nische“ eingerichtet? Hätte ich gegen das Regime aufbegehrt oder wäre ich ein Mitläufer gewesen? Weiterlesen

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Hugo Egon Balder erklärt Ringo Starr

Um den Kollegen Alan Posener zu zitieren: Reden wir von den wichtigen Dingen. Das wichtigste Ding überhaupt ist das Schlagzeug und was man damit macht. Es gibt intelligentes und strunzblödes Schlagzeugspiel. Was nicht heissen soll, dass die jeweiligen Trommler intelligent oder dumm sein müssen. Es geht allein um ihre Kunst und den verfehlten Einsatz vorhandenen Talents.

Beginnen wir mit einem Beispiel aus dem so genannten Progressive Rock, dorts ist das Phänomen am häufigsten zu beobachten. Was hat das nun aber mit Hugo Egon Balder und Ringo Starr zu tun, und was um Himmels willen die beiden miteinander? Gemach, ich komme gleich zum Thema. Weiterlesen

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Rock im Schatten der Shoa

Geddy Lee beim Interview eines amerikanischen Radiosenders. Screenshot Youtube

Wie Malka und Moshe Weinrib den Holocaust überlebten. Und welche Lehre ihr Sohn, der kanadische Rockstar Geddy Lee, daraus zieht.

„Ihr kennt mich wahrscheinlich als Geddy Lee, aber mein Geburtsname war Gershon Eliezer Weinrib, nach meinem Großvater mütterlicherseits, der im Holocaust ermordet wurde“. Nicht die Worte, mit denen üblicherweise eine Rockstar-Autobiographie beginnt. Geddy Lee, 1953 geborener Bassist und Leadsänger der größten Band Kanadas, der Progressiv-Rocker Rush, hat die Geschichte seiner Familie in seiner 2023 erschienen Autobiographie „My Effin’ Life“ erzählt.

Eine Geschichte, die für sein Leben und Handeln prägend war und ist. „Ich habe das Gefühl, wir leben in einer Zeit, die offenbar vergessen hat, was passieren kann und auch wird, wenn der Faschismus sein Haupt erhebt“, schreibt er vor dem Hintergrund des Schicksals seiner Familie, einer Familie polnischer Juden. Weiterlesen

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Keine Angst. Igor Levit und Danger Dan – und was das mit „Militant Democracy“ zu tun hat

„Die Ereignisse von 1933 bis 1945 hätten spätestens 1928 bekämpft werden müssen. Später war es zu spät. Man darf nicht warten, bis der Freiheitskampf Landesverrat genannt wird. Man darf nicht warten, bis aus dem Schneeball eine Lawine geworden ist. Man muss den rollenden Schneeball zertreten. Die Lawine hält keiner mehr auf. Sie ruht erst, wenn sie alles unter sich begraben hat“.

So fasste Erich Kästner das Versagen der Demokratie in der Weimarer Republik zusammen. Er, dessen Bücher von den Nazis verbrannt wurden, steht bestimmt nicht im Verdacht, ein Linksradikaler oder gar Gewaltbefürworter zu sein. Hätte ZDF-Intendant Norbert Himmler in Kästners Worten einen Gewaltaufruf gesehen, wäre er denn ein Zeitgenosse des Schriftstellers gewesen? Weiterlesen

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Rizinus, die Krautrock-Pioniere. Die Geschichte einer Band, die es nie gab

Die vergessene deutsche Band Rizinus muss endlich gewürdigt werden. Wie? Sie haben den Namen nie gehört? Dabei waren die Musiker absolut richtungsweisend in den frühen 70er-Jahren. Woher ich das weiß und warum es von dieser Band nur Zeichnungen, aber keine Fotos gibt?

Ganz einfach: Ich habe sie selbst erfunden, etwa 1971. Da nämlich machte ich mir als 15jähriger Rockfan die Welt gerade so wie sie mir gefiel und zeichnete Plattencovers imaginierter Bands, erfand Songtitel und Bandbesetzungen und brachte diese wunderlichen Kapellen dann auf die Bühne meiner lautstarken Fantasie.

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Keine Demo mit falschen Freunden. Bekenntnisse eines Demo-Muffels

Eine Demonstration. Konstantin Wecker sitzt auf der Bühne mit violettem Kopf. Schweiß in Fontänen verspritzend verkündet er „Man muss den Flüssen trauen“. So prügelt er „seine unerhörte poetische und musikalische Sensibilität für das Leben“ hinein in die Tasten des Flügels und hinaus in den Abendhimmel. Vor Tausenden Menschen, die seinen schweißgetränkten Flüssen trauen.

Wecker singt ein Plakat nach dem anderen, seine Band spielt dazu mit der tückischen Harmlosigkeit eines Kaffeehausorchesters. Als nächstes kommen die Bots: „Das weiche Wasser bricht den Stein“. Ich erwache schweißgebadet und muss brechen. Ein Blick ins dunkle Zimmer: Es war nur ein Alptraum. Gottseidank. Schnitt. Weiterlesen

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