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Mit dem Wischen wächst der Zerfall

Auf dem Touchscreen swipen. Die apolitischste Bewegung der Gegenwart. Man berührt als Homo tapiens einen Bildschirm mit einem Finger – oder mehreren, je nach Erfordernis, Geschick oder Unbeholfenheit oder in einem Mix aus allem. Sofort passiert dann was. Egal was. Wichtig: sofort. Jetzt. Kein Zögern. Satisfaktionstsunami(s). Verwirklichte Utopie. Alles. Für mich. Auf mich zugeschnitten. 24/7 – jederzeit b(e)reit.

Maschinen erleichtern das Leben. Immens. Großartig. Die Industrielle R/Evolution kompensierte die schwächliche Menschen-Physis eingedenk vorangegangener bärenstarker Menschen-Geistesarbeit, überhaupt Maschine X zu konstruieren.

Kalter Truthahn

Nun ersetzt das Digitalmaschinenrechenzentrum den Geist. Ich beharre stur auf diesem Begriff »Maschine«. Was sonst ist all das Digitale mit der Höllenklimax KI. »Ich frag mal die KI, was SIE dazu sagt…« Ich könnte kotzen. Was es – das Rechnenzentrum – errechnet. Mehr nicht. Nicht sie: es.

Wer sich in eine KI verliebt – geschieht immer mehr im hach so glorreichen Westen –, ist geisteskrank. Der ist ein schwer kranker Mensch, dem kaum mehr zu helfen ist. Wie dem Junkie. Ist – volens volens – dem Tod geweiht, er ist Zombie. Digitalzombie. Ihm offenbart sich die Leere vorm Zerfall (siehe »Lehre vom Zerfall«, E. Cioran).

Ich sage: weg damit. Mit dem Rechenzentrum für alle. In den Abgrund der Hölle. Jajajaja, forscht im Medizinischen, wo auch immer, aber stoppt das KI-Monstrum = Skynet als totalitäre Alltagsbestimmungsmaschine. Kalter Entzug.

Schützt alle KI-nder!

Und wir Erwachsenen lassen auch noch diese diabolische Maschine kollektiv auf Kinder, auf Schutzbefohlene los. Das Rechenzentrumsmonster gehört aber nicht in Kinder- und Jugendlichenhände. Keine Debatte. Ich lehne jedes Gegenargument ab. Jedes. Lesen Sie Bücher dazu von Jonathan Haidt. Erschütternd. Ernüchternd.

Kunst zeigt sich, wie nicht selten, prophetisch, was uns allen blüht. Auf Zelluloid:

»Everything’s gonna be put on electricity and run on a paying basis. Out with old spiritual mumbo-jumbo, the superstition and the backward ways. We’re gonna see a brave new world where they run everyone a wire and hook us all up to the grid. Yessir, a veritable age of reason – like they had in France. And not a moment too soon« – Ulysses Everett McGill in »O Brother, where art thou?«.

»Die Seele ist die Aufgabe des Menschen« – Davila

Mensch wird auf eine Reiz-Reaktionsmaschine eingedampft – nicht wird, er tut es selbst. Freien Willens. Schande. Das digitale Dauerfeuer der Dauerbefriedigung (DDDDD), egal für welche Synapsen, hypersensibilisiert und enthemmt Mensch zugleich, denn »sensibilisierte Menschen, die unter Entzugsangst leiden, sind zum Schlimmsten fähig! Die Enthemmung der Verwöhnten ist gefährlicher als der Anspruch der Armen am Reichtum.«

Das war Sloterdijk. Der spricht nun, prophetisch:

»Das Gute bei der Maschine ist, dass wir ihr gegenüber keine Schuldgefühle haben. Wir müssen den menschlichen Sklaven rehabilitieren und sind an ihm schuldig geworden. An Maschinen wird man nicht schuldig. Maschinen werden vermutlich nicht das entwickeln, was man Seele nennt. Sie werden zwar Selbstbezüglichkeit entwickeln, sie beruhen ja ganz auf reflexiven Mechanismen, aber sie werden wahrscheinlich nicht lieben und sie werden wahrscheinlich nicht beten. Darin werden sie auch uns immer ähnlicher, denn diese beiden Tätigkeiten fallen uns auch immer schwerer.«

 

 

 

 

 

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Über Axel Claudius Knappmeyer

Axel Claudius Knappmeyer, geb. 1973 in Ibbenbüren/Westf., ist Jazz-Musiker, Komponist, Lehrer, Verleger und Autor. 1993–1998 Jazzstudium an der Folkwanghochschule, Essen, freischaffendes Dasein. 2006–2008 Referendar in Düsseldorf als Quereinsteiger. Seit 2008 Studienrat für Musik und seit 2010 auch Praktische Philosophie in Mönchengladbach. 2021 Gründung eines eigenen Verlags "oea" (odi et amo) – www.oea-verlag.de. Daneben tätig als Tenorsaxophonist/Komponist – www.axel-knappmeyer.de

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