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Rizinus, die Krautrock-Pioniere. Die Geschichte einer Band, die es nie gab

Die vergessene deutsche Band Rizinus muss endlich gewürdigt werden. Wie? Sie haben den Namen nie gehört? Dabei waren die Musiker absolut richtungsweisend in den frühen 70er-Jahren. Woher ich das weiß und warum es von dieser Band nur Zeichnungen, aber keine Fotos gibt?

Ganz einfach: Ich habe sie selbst erfunden, etwa 1971. Da nämlich machte ich mir als 15jähriger Rockfan die Welt gerade so wie sie mir gefiel und zeichnete Plattencovers imaginierter Bands, erfand Songtitel und Bandbesetzungen und brachte diese wunderlichen Kapellen dann auf die Bühne meiner lautstarken Fantasie.


Als ich die Rizinus-Zeichnungen (und ein paar andere mehr) wieder entdeckte, dachte ich mir: Mache es dir ausnahmsweise einfach. Gib der KI ein paar „Fakten“ über die Band und lasse sie eine schöne Biografie erstellen, ergänze sie um ein paar eigene Gedanken und entlasse das in den Kosmos. Hier nun da Ergebnis, das ich – ich gebe es ungern zu – alleine kaum besser hingekriegt hätte. Perplexity & Thomas Zimmer – fifty/fifty – proudly present:

The Untold Story Of Rizinus

Die deutsche Band Rizinus gehört zu jenen rätselhaften Erscheinungen der frühen 1970er Jahre, die sich jeder eindeutigen Kategorisierung entziehen. Gegründet 1968 im Raum Heidelberg/Karlsruhe, entstand die Gruppe aus einem losen Kollektiv von Musikstudenten, politischen Aktivisten und Autodidakten, die sich gleichermaßen für amerikanische Westküsten-Psychedelia wie für die düsteren Klangexperimente des britischen Hard Rock interessierten.

Ihr einziges, 1970 veröffentlichtes Doppelalbum „Signs For Peace“ gilt heute – zusammen mit dem im gleichen Jahr erschienen Konzeptwerk „World“ der Hamburger Band Atomic Bomb „als verschollenes Kultdokument zwischen Krautrock, Acid Jam und proto-doomiger Schwere“. In einer Zeit, in der sich die deutsche Rockmusik gerade erst vom angloamerikanischen Vorbild zu emanzipieren begann, entwickelte Rizinus einen eigenwilligen Sound: lange, fließende Improvisationen, die sich aus folkigen Gitarrenfiguren in eruptive, verzerrte Klangwände steigerten. Stücke wie „Abortion““ oder „Old Man II“ überschritten mühelos die 20-Minuten-Marke und verbanden tranceartige Wiederholungen mit abrupten Tempowechseln und dissonanten Passagen.

Instabil in jeder Beziehung

Die Bandbesetzung war dabei ebenso instabil wie ihr Sound. Zentrum der Gruppe war der Gitarrist und Sänger Holger Veith, dessen Spiel zwischen lyrischer Zurückhaltung und brachialer Entladung oszillierte. Veith beschrieb seine Inspiration in einem Interview mit SOUNDS später so: „Musik ist bemalte Zeit plus Pilzragout in Minz-Sauce. Mal flüssiger, mal fester“. Unterstützt wurde Veith von der klassisch ausgebildeten Organistin Marianne Kühn, deren Orgelklänge oft die hypnotische Grundstruktur der Stücke vorgaben, sowie dem Schlagzeuger Dieter Lang, der mit jazzinspirierter Freiheit agierte und feste Rhythmen eher andeutete als vorgab – ähnlich wie der vom Free Jazz kommende Mani Neumaier von Guru Guru.

Textlich bewegte sich Rizinus in einem Spannungsfeld aus Naturmystik, latenter Gesellschaftskritik und bewusst kryptischer Symbolik. Einige der von Fans bei Konzerten lauthals mitgesungenen Schlüsselsätze lauteten: „See the old man, sittin’ in a tree. No matter how hard you try, on trees you can’t grow apple pie“. „When I reached Valhallas door, my achin’ feet I couldn’t ignore“ oder auch „Listen to the wise man, be a learner: cook your meals on a Bunsen burner“. Der Bandname selbst – eine Anspielung auf die giftige wie heilende Rizinuspflanze – wurde von Zeitgenossen gern als programmatisch gelesen: Musik als bewusstseinserweiterndes, aber nicht ungefährliches Experiment.

Berauschende Live-Erlebnisse

Live galt Rizinus denn auch als unberechenbar. Berichte sprechen von Konzerten, die eher rituellen Zuständen als klassischen Auftritten glichen: Stücke wurden spontan verlängert oder ineinander überführt, das Publikum saß oder lag am Boden, oder entledigte sich in Trance säntlicher Textilien, während die Band ihre Klangflächen über Stunden ausdehnte. Die Konzerte endeten oft mit einem Ritual: Roadies der Band bereiteten während des Auftritts spezielle Speisen für das Publikum zu. Manch einem Konzertbesucher erinnern seine Erlebnisse in der Rückschau an die afri cola-Werbespots von Charles Wilp. Hansdieter Klemm-Frei (78) erinnert sich an einen Auftritt im Frankfurter Volksbildungsheim im Januar 1971, veranstaltet von einer Gruppe namens „Der heilige Odem Zarathustras“: „Es sah aus wie eine alternative Karnevalsveranstaltung. Der ganze Laden war voll Räucherwerk, nicht so kleine Räucherstäbchen, sondern riesige Bündel. Die Luft wurde knapp. Und dann kamen zarte Mädels und drückten uns freundlich jeweils eine fette Tüte in die Hand plus diese komischen Speisen. So ein Topf voll dampfender brauner Masse“. Ernst-Fidel-Che Volkmann (82) ist ganz sicher: „Das war ein Erlebnis, als hätte man sein eigenes Sperma geraucht. Das war nur vergleichbar mit dem Gefühl, in Fehmarn im September 70 an einem Plektrum von Jimi Hendrix lutschen zu dürfen“. Eine aufwändige Light-Show ergänzte das Konzerterlebnis der Band. Dazu gehörten vier Projektoren, mit denen Speisereste und Fäkalien auf eine riesige Leinwand projeziert wurden. Ein Konzept, das später von der Band Nektar mit ölgefüllten farbigen Dias in ähnlicher Form kopiert werden sollte.

Nachdem jedoch sogar Rolf-Ulrich Kaisers Ohr-Label die Band abgelehnt hatte, erschien „Signs For Peace“ in einer Kleinstauflage auf einem unabhängigen Label aus Frankfurt und wurde damals kaum rezipiert. Erst in den 1990er Jahren, im Zuge der Wiederentdeckung obskurer Krautrock-Produktionen, tauchten vereinzelte Bootlegs auf, die Rizinus posthum zu einem Geheimtipp unter Sammlern machten. „Signs Of Peace“ Es wird gelegentlich als missing link zwischen den improvisatorischen Exzessen von Amon Düül II und der Dunkelheit früher Black-Sabbath-Aufnahmen beschrieben. Das Album wird derzeit mit Preisen bis zu 2500 Euro gehandelt. Bei Vinylbörsen soll es zu Prügeleien unter Sammlern mit mehreren Verletzten gekommen sein.

Where are they now?

Nach 1971 verliert sich die Spur der Gruppe weitgehend; interne Spannungen, finanzielle Probleme und die zunehmende Politisierung einzelner Mitglieder machten die Zusammenarbeit zunehmend schwierig. Veith, der sich in Glastonbury von einer Hexe die Zukunft hatte lesen lassen, wollte künftig nur noch mittelenglische Texte vertonen und deklamierte wo immer er ging, stand oder lag Geoffrey Chaucers „Canterbury Tales“. Dabei verkleidete er sich immer öfter als Erzbischof Thomas von Canterbury. (1118-1170). Schlagzeuger Dieter Lang wiederum soll sich – abwechselnd verkleidet als Richard Wagner oder Klaus Kinski – mehrfach erfolglos als Dirigent bei der Politrock-Truppe Ton Steine Scherben beworben haben. 1972 verliert sich seine Spur in Indien, wo er versucht haben soll, die Musiker der Band Embryo aufzuspüren und sich ihnen unter dem Pseudonym Rainer Barzel als „Politikberater“ anzudienen.

Holger Veith indes lebt heute zurückgezogen in einem alten Eisenbahnwaggon auf einem Abstellgleis des Güterbahnhofs Wanne Eickel. Er schreibt seit 1980 an einer siebenbändigen Autobiografie mit de Titel „Der Friedensficker“ und stellt gegen Vorkasse Duplikate der von Walter Westrupp (Witthüser & Westrupp) erfundenen Teebeutel-Hebemaschine her. In einem seiner seltenen Interviews bekannte er, sein größter Wunsch sei, in diesem Leben „noch ein Duett mit Arthur Brown aufzunehmen, sozusagen I am the god of hellfire revisited“. Für die Autobiographie sucht er nach wie vor einen Verlag: „Ich bin auch bereit, das gesamte Werk ohne Honorar als Hörbuch einzusingen“, bietet er an. Zudem sprach er im gleichen Interview um ersten Mal über das Schicksal eines weiteren Albums mit dem Arbeitstitel „Pieces Of A Sign“, das ebenfalls 1970 eingespielt, aber nie veröffentlicht wurde. „Die Masterbänder sind leider bei einem Brand im Studio zerstört worden. Wir haben dann im Kollektiv beschlossen, die Asche gemeinsam in dicken Tüten zu zu rauchen und darüber Stillschweigen zu bewahren. Es war ein kathartisches Erlebnis.“

So bleibt Rizinus ein unvollendetes Phantom und Phänomen der deutschen Rockgeschichte – eine Band, die ihrer Zeit voraus war und gerade deshalb fast vollständig aus ihr herausgefallen ist.

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Über Thomas Zimmer

Wollte mal Lehrer werden. Anglistik und Geschichte studiert, Journalist geworden. Erst Radio, dann Print. Alles, nur nicht Wirtschaft und Sport. Vorzugsweise Rock, Pop und Folk. Vier Semester Dozent für Pop- und Rockgeschichte an der Musikhochschule Karlsruhe. Biografie des BAP-Drummers Jürgen Zöller und ein Buch mit Konzertkritiken aus 20 Jahren. Interviews mit Rock-Größen wie Phil Collins, Ian Gillan, Beth Hart u.v.a. Interview-Podcast „Das Ohr hört mit“ - mit Musikern und anderen Kulturmenschen. Bei "Starke Meinungen" schreibe ich über alles, was mir gerade durch den Kopf rauscht. Zunehmend auch Politisches. Die Zeiten sind danach. Podcast hier: https://open.spotify.com/episode/18TWjOfWR07gezCpidAsKV Homepage: www.thomaszimmermusik.de

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