Fritz Cremer: Bleiche Mutter. Foto: Manfred Brückels, Wikimedia commons
Eva Quistorp hat gemeint, man soll den Patriotismus nicht den Rechtsextremen überlassen, und da hat sie Recht.
Es folgen nach dieser Feststellung fünfzehn Definitionen dessen, was es heißt, deutsch zu sein. Und im Wesentlichen stimme ich diesen Definitionen zu, zumindest als Wunschvorstellung, obwohl ich persönlich Oper nicht mag und das deutsche Kabarett mit wenigen Ausnahmen für eine Katastrophe halte. (Punkt 8: „Wenn deutsch sein heißt, die deutsche und europäische Musik, Literatur, Malerei, Theater, Opern, Kabarett zu lieben in ihrer Bandbreite und Vielfalt …“) Aber sie reichen nicht.
Bis auf vier – Beherrschung der deutschen Sprache, Kenntnisse der Geschichte, Liebe zur Kultur und Höflichkeit – sind sie Aspekte dessen, was Dolf Sternberger einmal Verfassungspatriotismus nannte. Und gegen Verfassungspatriotismus ist nichts zu sagen.
Aber nehmen wir diesen Song vom großen Gunter Gabriel aus dem Jahr 1982:
Deutschland ist
Die Elbe bei Cuxhaven
Das grüne Gras im Allgäu
Der Timmendorfer Strand
Der rote Fels von Helgoland
Deutschland ist
Goethes Haus in Weimar
Das Porzellan aus Meißen
Die Fischer von Schwerin
Und der Ku-Damm in Berlin
Deutschland ist
Hermann Prey und Maffay
Die Knef und Nina Hagen
Die Kneipen voller Qualm
Und Liebe auf der Alm
Schwarz
Wie die Kohlen im Revier
Rot
Wie die Lippen der Mädchen hier
Gold
Wie der Weizen und das Bier
Das sind die Farben
Die Farben von dir
Deutschland ist
Heinrich Böll und Simmel
Lindenberg und Rühmann
Und der alte Vater Heuß
Und der Maler Josef Beuys
Deutschland ist
Bundesligaspiele
Der HSV und Bayern
Köln und Werder Bremen
FKK und sich nicht schämen
Deutschland ist
Ein Schäfer auf der Heide
Und Pferde auf der Weide
Und Mut nach vorn zu sehn
Und Krisen überstehn
Schwarz
Wie die Kohlen im Revier
Rot
Wie die Lippen der Mädchen hier
Gold
Wie der Weizen und das Bier
Das sind die Farben
Die Farben von dir
Deutschland ist
In den Menschen die wir lieben
In dem wie wir sind und leben
Ist ein Stück von dir
Deutschland sind wir alle hier
Deutschland ist
Nicht nur in Paragrafen
Wach sein und nicht schlafen
Und was wird mit diesem Land
Das liegt ganz in unsrer Hand
Nun ist das ein Deutschlandbild, dem man die Zeitbezogenheit anmerkt. Kohlen werden schon lange nicht mehr im Revier gefördert, Kneipen voller Qualm sind zum Glück selten geworden, und sicher ist Deutschland 2026 auch Dönerteller und Pizza, Sido und Sara Nuru. Und das hätte Gunter Gabriel weder geleugnet noch bedauert.
Was aber der Song klarmacht, ist: Was ein Land ausmacht, ist nicht allein, vielleicht nicht in erster Linie die politische und gesellschaftliche Verfassung; und darum ist der Patriotismus, die Liebe zur Heimat, nicht ausschließlich abhängig davon, wie es um die Verfassung steht. Wie schrieb Bertolt Brecht 1933:
„O Deutschland, bleiche Mutter! / Wie sitzest du besudelt / Unter den Völkern. / Unter den Befleckten / Fällst du auf. […] O Deutschland, bleiche Mutter! / Wie haben deine Söhne dich zugerichtet / Dass du unter den Völkern sitzest / Ein Gespött oder eine Furcht!“
Deutschland bleibt die „Mutter“, auch wenn ihre Söhne sie schlimm zurichten. Später schrieb Brecht voller Trauer über die Rückkehr:
Die Vaterstadt, wie find ich sie doch?
Folgend den Bomberschwärmen
Komm ich nach Haus.
Wo denn liegt sie? Wo die ungeheueren
Gebirge von Rauch stehn.
Das in den Feuern dort
Ist sie.
Die Vaterstadt, wie empfängt sie mich wohl?
Vor mir kommen die Bomber. Tödliche Schwärme
Melden euch meine Rückkehr. Feuersbrünste
Gehen dem Sohn voraus.
In der „Kinderhymne“ schließlich, Brechts Gegenentwurf zu Johannes R. Bechers DDR-Nationalhymne, heißt es:
Anmut sparet nicht noch Mühe,
Leidenschaft nicht noch Verstand,
dass ein gutes Deutschland blühe,
wie ein andres gutes Land.
Dass die Völker nicht erbleichen
wie vor einer Räuberin,
sondern ihre Hände reichen
uns wie andern Völkern hin.
Und nicht über und nicht unter
andern Völkern wolln wir sein,
von der See bis zu den Alpen,
von der Oder bis zum Rhein.
Und weil wir dies Land verbessern,
lieben und beschirmen wir’s.
Und das liebste mag’s uns scheinen
so wie andern Völkern ihrs
Was Gunter Gabriel und Bertolt Brecht verbindet, und was den AfD-Ideologen und ihren Apologeten ganz und gar fehlt, ist dieses „und das liebste mag’s uns scheinen“, dieses „Deutschland sind wir alle hier“; diese positive Beziehung zu den Menschen, die hier leben und arbeiten. Die AfD verbreitet nur Hass und Trotz; sie liebt Deutschland nicht, allenfalls abstrakt, aber nicht die Deutschen: im Gegenteil, sie verachtet „Böll und Grass und Beuys“ und Bauhaus und Brecht und Sido sowieso. Ihr geht es nicht um die bleiche Mutter, sondern darum zu leugnen, wie und von wem sie zugerichtet wurde, um eine „erinnerungspolitische Wende um 180 Grad“.
Viele Linke hatten und haben Probleme mit dem Patriotismus; wer will es ihnen verdenken? Deutschland ist, wie „Vater Heuss“ wusste, ein „schwieriges Vaterland“. Das zu leugnen freilich ist nicht Patriotismus, das ist Verdrängung, die zur Neurose führt. Es gibt auch schwierige Eltern. Aber es sind die Eltern, es ist die bleiche Mutter. Deutschland ist, wie Gunter Gabriel als Antwort auf Sternberger sang, „nicht nur in Paragrafen“, oder wie Brecht schrieb, auch deshalb liebenswert, „weil wir es verbessern“. Übrigens seit 1986 verbessert haben.
Lieber Alan Posener,
Wir alle können nicht ganz genau wissen, was John Lennon wirklich gemeint hat. Es kann gut sein, dass Sie richtig liegen. Meine Deutung ist aber nicht ganz ohne Wert, zumindest wenn es um „das Paradies“ geht.
Nur aufgrund der Nennung von Himmel und Hölle auszuschließen, dass „Imagine“ seine Vorstellung vom Paradies ist, halte ich für zu einfach. Im Kontext von Imagine ist „Heaven“ mehr als nur der deutsche „Himmel“.
Lennon schreibt sinngemäß davon, sich eine Welt vorzustellen, in der es keinen Himmel und keine Hölle gibt. Entscheidend ist dabei der Gegensatz: Wenn es keinen „Heaven“ und keine „Hell“ gibt, entfallen die religiösen Vorstellungen von einem Jenseits mit Belohnung und Bestrafung.
Deshalb kann man „heaven“ hier durchaus als „Paradies“ bzw. „himmlisches Paradies“ verstehen. Allerdings steckt noch eine interessante Mehrdeutigkeit darin:
„Himmel“ → der religiöse Ort im Jenseits
„Paradies“ → der Ort der Erlösung und Belohnung
Lennon stellt sich aber gerade eine Welt vor, in der solche religiösen Jenseitsvorstellungen nicht mehr nötig sind.
Und dadurch bekommt die Zeile eine gewisse philosophische Spannung: Das „Paradies“ soll nicht nach dem Tod irgendwo im Himmel liegen – Lennon verlegt die Vorstellung vom Paradies gewissermaßen auf die Erde. Die Menschen sollen eine friedliche, geeinte Welt hier und jetzt schaffen. Was soll daran „dumm“ sein?
Das ist, wie ich schrieb, Vulgärmarxismus. Dann aber lieber das Kommunistische Manifest.
Lieber Alan Posener,
im „Paradies“ oder „Jenseits“ gibt es keine Grenzen und auch keinen Besitz mehr, jedenfalls nicht in dem Sinne, wie wir es heute kennen. Natürlich auch keinen Patriotismus.
Mein Gedanke ging dahin, dass der Song „Imagine“ dieses „Jenseits“ meint. In dem Song steht auch nichts davon, dass er Gott abschaffen oder leugnen will. Er bezieht sich auf „no Religion“. Ich glaube nicht, dass es im Paradies noch Religionen gibt, die sind mehr oder weniger alle von Menschen gemacht.
Nein, Lennon meinte nicht dieses Paradies. Der Song beginnt ja mit der Zeile „Imagine there’s no heaven …“ Man muss sich schon an den Text halten und nicht alles in einen Song hineinfantasieren, was einem so in den Sinn kommt.
„Vulgärkommunismus der schlimmsten Sorte: „Imagine no possessions …“
Lieber Alan Posener, ich denke, das ist nicht das, was John Lennon im Sinn hatte. Immerhin hat er auch den Song „Revolution“ geschrieben, wo er sich eindeutig gegen eine Revolution, die sich der Gewalt (Mao etc.) und Unterdrückung bedient, ausspricht.
Was mich an „Imagine“ irritiert, ist der Hinweis auf eine Welt ohne Religion. Ich verstehe zwar, dass John Lennon vermutlich alles Böse, was durch Religionen verursacht worden ist, meint. Aber eine Welt ohne Religion? Nein, das nehme ich ihm nicht ab. In „Cold Turkey“ schreit er nach Gott, er solle ihn erlösen. Das wirkt sehr echt. Vielleicht meint Lennon in Wirklichkeit das, was sowohl Juden als auch Christen glauben: Es gibt ein Jenseits, den ewigen Frieden.
Übrigens, Ihre Benutzung des Begriffs „Halbwissen“ läßt mich erschaudern. Sowas hab ich noch in Erinnerung von meinem Philosophie-Professor, der meinte, ich habe eben nur Halbwissen. Menschen, die sowas sagen, glauben offenbar, sie haben das 3/4 oder sogar Vollwissen. Wie überheblich sowas ist, meinen Sie nicht auch?
Lieber Hans Happe, Sie folgen Lennon also dort, wo er Länder und Besitz abschaffen will, aber nicht dort, wo er Gott abschaffen will. Mir geht es umgekehrt. Würden die Muslime etwa morgen aufhören, an Gott zu glauben, könnten wir uns sehr schnell über Grenzen und Besitz einigen. Was Halbwissen angeht: Ja, wer den Begriff verwendet, ist überheblich. Aber manche Überheblichkeit ist gerechtfertigt.
In den Sockel des Ernst-August-Denkmals, das in Hannover vor dem Hauptbahnhof steht, sei, so Schmidt in „Das steinerne Herz“, ein Staatshandbuch des Landes Hannover eingemauert. Ich halte das für eine durchaus menschliche Utopie: Bei allen Unterschieden eint die Staatsbürger vor allem dies: Sie sind Teil der Verwaltung resp. des Verwaltetwerdens. Mehr wird nicht verlangt.
Den Gegenentwurf konnte man gestern an der Karmaschstraße begutachten: „Für ein schönes Stadtbild“ tönte da ein Plakat am AfD-Stand. Der Bezug auf Merz‘ grässlichen Spruch von ihn dort störenden Migranten macht deutlich, dass hier diejenigen, die als „hässlich“ stigmatisiert werden, ausgegrenzt, ja entfernt werden sollen. Zugehörigkeit wird willkürlich gewährt, wie ja auch der Patriotismus weniger auf Gemeinschaftsgefühlen, sondern auf Abgrenzung beruht.
Lieber Thomas Schweighäuser, der Staatsbürger mag „Teil der Verwaltung resp. des Verwaltetwerdens“ sein. Doch vom Staatsbürger singt weder Gunter Gabriel noch redet Bertolt Brecht. Sondern vom angehörigen jenes Deutschen (ja, im Original großgeschrieben) Volks, das sich „im Bewusstsein seiner Verantwortung vor Gott und den Menschen, von dem Willen beseelt, als gleichberechtigtes Glied in einem vereinten Europa dem Frieden der Welt zu dienen, kraft seiner verfassungsgebenden Gewalt dieses Grundgesetz gegeben“ hat. Die Frage ist, wer will zu diesem Volk gehören? Wer bekennt sich zu ihm, zu seinen Irrungen und Wirrungen, seinen Leistungen und Träumen? Dieses Volk verändert sich, klar, wie alle Völker. Aber es ist da und soll nicht weggedacht werden.
Für mich heißt Patriotismus nicht sowas wie Landschaft, Sprache oder Traditionen. Sondern das Verständnis, dass wir hier in Deutschland, in der Mitte Europas, eingebettet in Europa und zusammen mit unseren europäischen Nachbarländern (möglichst vielen, d.h. nicht nur Frankreich und England) eine Chance haben, uns zu behaupten. Ansonsten werden wir zum Spielball aggressiver Mächte (wie China, USA, Russland). Das zeigt sich ja immer wieder. Das heißt wir sind angewiesen auf andere Sprachen und Kulturen im Außenverhältnis und auch nach innen. Multikulturalismus, Mehrsprachigkeit, Multi-Perspektivismus. Dies wird viel zu wenig berücksichtigt in der allgemeinen Einheitsduselei, Selbstbespiegelung und Nabelschau.
Ich teile Ihre Analyse, lieber Roland Ziegler. Ich nenne sie nur nicht „Patriotismus“. Ich nenne sie „Realpolitik“. Und habe darüber auch ein Buch geschrieben.
Ich glaube, es ist mehr als Realpolitik, mehr als Mittel, die zu Zwecken führen. Es geht um das Verständnis, wie wir uns selbst behaupten. Und ich möchte nicht, dass wir unter die Räder kommen. Wenn wir es schaffen, uns selbst zu behaupten, dann können wir im patriotischem Sinne stolz sein. Aber nicht auf das, was Generationen vor uns geleistet haben – daran haben wir keinen Anteil. Das ist bereits geschehen. Sondern auf das, was wir jetzt beitragen, sofern wir etwas beitragen.
Eigentlich ist es Kreativität, glaube ich, was ich sehen möchte. Gerade auch wirtschaftliche Kreativität. Warum gibt es keine deutsche KI (sondern nur französische), kein deutsches Smartphone? Usw. (Biontech war eine Ausnahme.) Hier werden nur langweilige Verbrennerautos produziert und immer weiter verbessert, bis sie keiner mehr haben will. Statt rechtzeitig etwas Neues anzufangen und das durchzuziehen.
Für mich ist das Patriotismus: stolz sein auf das, was man zum Erfolg beiträgt oder beigetragen hat. Aber nicht auf Dinge, die andere in der Vergangenheit gemacht haben. Wenn diese meine Haltung nicht als Patriotismus durchgeht, tja, dann habe ich an der Stelle eben nichts zu bieten, wo andere einen Überschwang fühlen. Für mich ist das nicht tragisch – es ist ja kein grundsätzlicher Mangel an Gefühlen, unter dem ich zu leiden hätte.
Lieber RZ, ich bin ganz bei Ihnen, was Kreativität betrifft. Aber warum soll ich auf Biontech stolzer sein als auf Pfizer? Ich hatte mit Biontechs großer Leistung in Sachen mRNA-Impfstoff gar nichts zu tun. Mir geht es aber auch nicht um Stolz, und von Stolz reden weder Gunter Gabriel noch Bertolt Brecht. Es geht um ein Gefühl von Zugehörigkeit. Es geht um das, was man mit anderen Menschen gemeinsam hat, wozu halt das Land, die Sprache und die überkommene Kultur gehören, auch jene, die man ablehnt, z.B. den „Tatort“ oder Xavier Nadoo, und um das, was man gemeinsam mit anderen aus dem Land machen kann. Nicht, weil man es nicht mag, sondern weil man es mag.
Wenn es nicht darum geht, auf etwas stolz zu sein, was unser Land hervorbringt (Fußball fällt ja sowieso weg, aber Biontech könnte was sein, was eien Grundstein legen könnte) sondern nur darum, was uns alle verbindet – was soll ich dazu sagen? Kreativität ist es jedenfalls nicht. In Japan vielleicht, in Asien generell und in den USA sowieso. Aber hier nicht. Hier verbindet uns eine gewisse Grundbräsigkeit, due muss man nicht unbedingt abfeiern.
Jetzt fragen Sie vielleicht, warum ich hier dann noch wohne? Und z.B. nicht nach Asien ziehe? Weil meine Familie hier lebt und versucht, etwas aus sich und dem Land zu machen, da möchte ich natürlich dabei sein. Außerdem – und da teile ich unsere Grundbräsigkeit – ist es für mich so am bequemsten.
„Aber warum soll ich auf Biontech stolzer sein als auf Pfizer?“ Die Gründer von Biontech sind zwei Immigranten mit türkischen Wurzeln, wenn ich mich recht erinnere. Sie sind beide Deutsche und sie (oder ihre Eltern) haben mit der Migration nach Deutschland das Richtige gemacht. Sie konnten das Richtige machen, weil das gesellschaftliche Klima, die Spielregeln, die Bildungschancen, die unternehmerischen Möglichkeite hier zwar nicht super waren und sind, aber es eben doch ermöglicht haben. Daran hat im Grudne jeder heutige Deutsche einen gewissen kleinen Anteil, und sei es auch nur, dass er vernünftige Parteien gewählt und Steuern gezahlt hat. Die AfD hätte die beiden am liebsten gleich reimigriert, als zwei von Millionen, für deren Abtransport die Reifen der Flugzeuge auf den Startbahnen künftig rauchen sollen, wenn ich es richtig verstanden habe.
„um das, was man gemeinsam mit anderen aus dem Land machen kann.“ – Ja. „weil man es mag“ – warum nicht. Aber muss man das unbedingt aus „Liebe zum Vaterland“ machen? Und mit Xavier Naidoo und dem Tatort verbinde ich nur jene Grundbräsigkeit, aber keine Liebe.
Reicht nicht auch ein Interesse an überraschenden Ergebnissen, Lust an freier Entfaltung, Gestaltung von guten Produkten, Austausch mit Fremden? Wenn das nicht reicht, dann bin ich eben kein Patriot. Ist auch nicht so schlimm.
Lieber Roland
Europa als EU ist bis jetzt zu keinem Zeitpunkt bereit, eine Ordnungsmacht zu sein. Dazu gehört mit dem russischen Imperium Raumpolitik zu betreiben. Per Vertrag, was mir lieber wäre, aber auch militärisch, mit Rolands und Stevans irgendeinem Sergei das Bajonett in die Augenhöhle rammend. Die EU ist kein Imperium und auch nicht auf dem Weg dorthin. Das Buch bleibt Programm. Abgesehen vom Unwillen der Nachbarn, Polen und Ungarn (die Briten sind ja schon raus) aber auch Tschechen…du verstehst. Multikulturalismus, Mehrsprachigkeit, Multi-Perspektivismus klingt nach europäisiertem John Lenon (siehe Gespräch Happe). Und ob die EU wirklich Multi-Perspektivisch ist, ich bezweifle es. Der Binnenmarkt funktioniert für so viele Teilnehmer gut. Dir kritisch zu Nahe tretend: Wo hier alle gerade ihr Comingout als Patrioten haben, bringst du Europa ins Spiel, weil du reflexartig die emotionale Flucht vor Deutschland antrittst? Gar kein deutscher Patriot sein willst?
Was bleibt dann, für unsere patriotischen Gefühle, wenn wir EU abziehen? Deutschland. Einheitsduselei, Selbstbespiegelung und Nabelschau. Ist doch nicht das Schlechteste, wenn es um uns in Deutschland geht. Patriotismus ist nach innen gerichtet und ins lächerliche gezogen, genau das, was du aufgeführt hast. Wir können aber auch üben, ungarische Ortsnahmen korrekt auszusprechen. Unterhaltsamer als „Schwarzbraun ist die Haselnuss“ wäre es allemal.
@R.Z.
… der Reihe nach, werter R.Z., um sich international zu behaupten, braucht es zuerst Identität, persönlich, sozial und kollektiv. Liebe zum eigenen Vaterland eben. Mit Ideologie locken Sie im 21. Jahrhundert kaum noch jemanden, für was auch immer, dazu. Und das ist auch gut so.
Um es kurz zu machen, als Antwort an alle: Bei der Frage, wie wir uns behaupten können, geht es nicht darum, was wir uns wünschen. Die einen wünschen sich eine gemeinsame Identität, d.h. wahrscheinlich: mehr Ähnlichkeit untereinander – alle machen mehr oder weniger dasselbe und sehen auch ähnlich aus – andere wünschen sich Liebe und Geborgenheit, andere eine schöne Landschaft ohne Windräder, wieder andere ein ruhiges Arbeitsleben ohne Stress und alle gemeinsam eine pünktiche Deutsche Bahn, deren Fahrpreistickets wir uns noch leisten können, aber ohne dass der Staat was aus Steuern dazuzahlt und die auch in den Käffern vorbeifährt. Alles berechtigt, aber leider illusorisch. Es geht nur so, wie ich es oben in Kürze beschrieben habe, oder es geht gar nicht.
Den Patriotismus von Franzosen mit Baguette unterm Arm, in Papier eingeschlagenen Käse und Gitanes im Mundwinkel fanden wir immer entspannt, den italienischen von Adriano Celentano je nach Geschlecht lustig oder sexy und den von Amerikanern wie Humphrey Bogart oder Clint Eastwood cool. Und wir brüsten uns selber damit, keinen zu haben bzw. darüber zu stehen. Ich stelle nur fest.
Genau. Und deshalb habe ich Gunter Gabriel gepostet.
Lieber Alan Posener,
Ich bin dumm, da gebe ich Ihnen recht. Irgendein weiser Mensch, mir fällt wegen Dummheit grad der Name nicht ein, sagte mal: ICH WEISs DASS ICH NICHTS WEISs.
Vielleicht erinnern Sie sich noch an meinen Song „Ich bin dumm“, den Link zu YouTube hatte ich hier mal erwähnt.
Na ja, Imagine als dummen Song zu bezeichnen, damit werden Sie vermutlich nicht viele Unterstützer finden. Aber : I hope some day you will join us!
Nun ja, ich habe weder gesagt, dass Sie dumm sind, noch dass John Lennon dumm war. Ich habe gesagt, dass der Song dumm ist. Vulgärkommunismus der schlimmsten Sorte: „Imagine no possessions …“ Das schrieb ein Multimillionär, der mal völlig zu Recht Barry Gordons „Money“ gecovert hat: „Your lovin‘ gives me a thrill / But your lovin‘ won’t pay my bills / I need money …“ So isses.
„bedienen Sie sich mit dem bloßen zitieren hinsichtlich Wucherzinsen antijudaistischer Klischees“
Hä? Das Alte Testament bedient sich antijudaistischer Klischees?
„Das Bundesbuch verknüpft dieses Gesetz direkt mit der Identität Israels: Das Volk war selbst in Ägypten versklavt und von Gott befreit worden. Wer nun seinen eigenen Landsmann durch Wucher in die Sklaverei trieb …“
In Ex 22,20 geht es um Ausländer, ist also alles andere als oT … den Vers überspringen Sie … siehe:
וְגֵ֥ר לֹא־תוֹנֶ֖ה וְלֹ֣א תִלְחָצֶ֑נּוּ כִּֽי־גֵרִ֥ים הֱיִיתֶ֖ם בְּאֶ֥רֶץ מִצְרָֽיִם׃
Gen 11 ist Urgeschichte, also vor aller staatlicher Zeit. Es geht um die Hybris der Menschen, siehe V4:
וַיֹּאמְר֞וּ הָ֣בָה ׀ נִבְנֶה־לָּ֣נוּ עִ֗יר וּמִגְדָּל֙ וְרֹאשֹׁ֣ו בַשָּׁמַ֔יִם וְנַֽעֲשֶׂה־לָּ֖נוּ שֵׁ֑ם פֶּן־נָפ֖וּץ עַל־פְּנֵ֥י כָל־הָאָֽרֶץ
„Im Kapitel 11,34 bei Jesus-Sirach“
Ist apokryph, tut mir leid, interessiert mich nicht …
@GW
… dass bei den Lutheranern so einiges ‚apokryph‘, obwohl Jesus Sirach in der ‚Lutherbibel‘ auch geschrieben steht, gilt, ist nicht neu. Und was Sie, GW, interessiert oder nicht interessiert – ignoriere ich nicht ‚mal.
Jesus Sirach 11,34 – Der Vers steht im Zusammenhang einer Warnung vor unüberlegter Gastfreundschaft und zweifelhaften Charakteren. (Übeltätern und Hochmütigen) Das sollten auch Irrgläubige nachvollziehen können.
Frage: Warum bemühen Sie hier im Blog die hebräische Schrift?
Weil ich Bibeltexte grundsätzlich im Original lese …
Und zu Jesus Sirach: ja, auch in der Lutherbibel zu finden, aber eben mit dem Vermerk „apokryph“ und keineswegs mit gleicher Autorität wie die kanonischen Schriften …
Nebenbei: sie verkennen (oder ignorieren) den historischen Kontext, der ein vollkommen anderer ist als z.B. im Bundesbuch. Exegese ist schwierig.
Und Sie lesen sehr selektiv.
btw.: Zu ihrem
„Zudem lehrt die Kirche Christi …“
DIE Kirche Christi lehrt gar nichts, weil sie in dieser realen Welt nicht existiert, allen falls „IHRE Kirche“ lehrt …
„MEINE Kirche“ lehrt gar nix, da können Sie Päpste zitieren wie sie wollen … bin halt ein fröhlicher Ketzer … ach ja: das Ketzersein ist mühsam, denn das erfordert eigenständiges Denken …
Und damit: wünsche Ihnen auch ein fröhliches Leben!
GW: Weil ich Bibeltexte grundsätzlich im Original lese …
… au-haua-ha! Sehr interessant. Sind nicht alle so gebildet, wie Sie es sind. Ich bin Techniker von Beruf.
Sie beherrschen Bibel-Hebräisch und haben Zugang zur ältesten vollständige Torarolle (Sefer Tora)? Oder Sie können die Schriftrollen vom Toten Meer übersetzen? Respekt.
Und ich Hornochse dachte schon, dass von Ihnen bemühte hebräisch ist ‚google-hebräisch‘. Auch glaubte ich, dass das Genesis-Apokryphon und Teile von Henoch in den Qumran-Handschriften hauptsächlich verschiedene aramäische Dialekte verwendet.
… aaaber ich lerne gern.
„Sie beherrschen Bibel-Hebräisch und haben Zugang zur ältesten vollständige Torarolle (Sefer Tora)?“
Ja und Nein. Wir benutzen textkritische Ausgaben, die Abweichungen verschiedener Handschriften aufführen.
Und anscheinend verwechseln sie die „älteste vollständige Torarolle“ – aus dem 12. bis 13. Jahrhundert, kann man nicht genau datieren – mit den Qumran-Rollen. Die „Referenzausgabe“ der Tora – die dann textkritisch und masoretisch mit Anmerkungen versehen wird – ist der Codex Leningradensis, ca 1008. Eine ältere Ausgabe ist der – unvollständige – Aleppo-Kodex um 930. Beides sind aber keine Rollen …
„Oder Sie können die Schriftrollen vom Toten Meer übersetzen?“
Ja.
Und ja: nicht nur in den Qumran-Handschriften finden sich aramäische Dialekte, auch im alttestamentlichen Kanon gibt es aramäische Abschnitte. Ist aber kein Problem, Aramäisch der biblischen und Qumran-Zeit ist mit dem Hebräischen eng verwandt, hat man schnell drauf.
Und hin und wieder bis oft ist es sehr nützlich, sich den ursprünglichen Text anzusehen, beispielsweise wenn es um die sozialen Errungenschaften des Bundesbuches geht, die auch „Fremdlinge“ einschließen.
P.S.: Bitte nicht so bescheiden:
„Sind nicht alle so gebildet, wie Sie es sind. Ich bin Techniker von Beruf.“
Auch Techniker sind gebildet. Klar: auf einem anderen Gebiet als Theologen.
Aber damit sind Sie auf ihrem Gebiet besser gebildet als ich.
GW: Wir benutzen textkritische Ausgaben, die Abweichungen verschiedener Handschriften aufführen.
… Sie machen mich neugierig, wer sind ‚Wir‘? Ich habe nix verwechselt. Zuvor haben Sie geschrieben;
GW: „MEINE Kirche“ lehrt gar nix, da können Sie Päpste zitieren wie sie wollen … bin halt ein fröhlicher Ketzer … ach ja: das Ketzersein ist mühsam, denn das erfordert eigenständiges Denken …
… ich würde, wenn es Ihnen nix ausmacht, gerne wissen, welche – ‚textkritische Ausgaben … verschiedener Handschriften – Sie hier im Diskurs verwenden. Mit dem Hinweis auf einen ‚alttestamentlichen Kanon‘ kann ich nix anfangen. Tanach? Kirche Christi? Lutherbibel?
„Sie machen mich neugierig, wer sind ‚Wir‘?“
Theologen, bzw fachspezifisch: Alttestamentler.
Textkritische Ausgaben: Biblia Hebraica Stuttgartensia (BHS).
Alttestamentlicher Kanon: Bibel (ohne Apokryphen) / Tanach.
Ich halte von Patriotismus wenig bis gar nichts.
John Lennon hat für mich die richtige Antwort dazu:
„Imagine there′s no countries
It isn’t hard to do
Nothing to kill or die for
And no religion too“
Solange es Länder gibt, die ihren eigenen Stolz, ihre eigene Überlegenheit zelebrieren oder aber durch Kriege und Siege sichern wollen, ist die Vaterlandsliebe nur etwas, was die Massen binden soll, damit die Herrschenden sie dazu bewegen können, notfalls ihr Leben zu opfern für das Wohl des Vaterlands.
Und besonders Deutschland ist durch die sogenannte Vaterlandsliebe verseucht. Wenn jemand diese Liebe verweigert, wird er nicht mehr akzeptiert oder sogar bekämpft.
Ich erinnere mich an meine Jugendzeit, an eine Reise durch Europa nach dem Abitur 1968. Ich habe mich in England, Frankreich und Italien wohl gefühlt und hatte ein mulmiges Gefühl, als ich mit der Eisenbahn über die deutsche Grenze fuhr.
Und heute? Ich fühle mich in Deutschland nicht mehr wirklich wohl, diese AfD Tendenz in der Bevölkerung läßt mir keine Ruhe.
Lieber Hans Happe, John Lennons Song ist eins der dümmsten Lieder, die je geschrieben wurden, und das sage ich als Lennon-Fan und -Biograf. Dass es nichts geben würde, wofür man sterben und töten soll, wenn es keine Nationalstaaten gäbe, ist Quatsch. Es wurde im Gegenteil im 20. und 21. Jahrhundert getötet und gestorben für die Rasse, für die Klasse, für Faschismus und Kommunismus, für den Islam und beim Versuch, den Juden das Recht auf ihren eigenen Nationalstaat abzuerkennen. Bei allem schuldigen Respekt: Schon 1970 war es ein Zeichen von Halbbildung, den Nationalstaat für die Wurzel allen Übels zu halten. Über 50 Jahre später ist das erst recht absurd.
Lieber Herr Posener,
Nicht jeder mag neben einem Boateng wohnen, ich schon.
Fast alle diese Dinge, von denen Gabriel da singt, bedeuten meinen Nachbarn so gut wie nichts. Gemeinsame Traditionen haben wir nicht, weil von den drei Sprachen, die ich … ich glaube ich habe Ihnen das hunderte Male erzählt. Ich habe mit dem Lesen der Starken Meinungen kurz nach ihrem Ausscheiden bei Achgut begonnen. Ich wurde wegen dem „Döner-Posener“ auf sie aufmerksam. Sie kennen alle meine Anekdoten.
The times, they are a changing, deal with it. Und das habe ich, immer. Die Globalisierung war gut zu mir. Ich war nicht so gierig, wie ich gekonnt, aber gieriger als ich gesollt hätte. Und jetzt … ja, jetzt bin ich von einsamem Rentner umgeben. Keine katholische Nachbarschaft, die sich um sie kümmert. Ich bin als Jugendlicher an Karneval vor hundert Senioren aufgetreten. Gesponsert von dem Rechtsanwalt und dem Elektronikhändler, die in der Straße wohnten. Saturn sponsert keine Rentner. Der Rechtsanwalt war schwul. Wusste jeder. Der bekam Respekt. LGBT bekommt anxiety. Keine Kommune und keine Pflegekasse dieser Welt wird jemals das Geld aufbringen, die nachbarschaftliche Kultur zu ersetzen, die in den letzten Jahrzehnten kaputt gemacht wurde. Unbezahlte Care-Arbeit nennt man Familie. Nicht nur Zoniland ist abgebrannt, mein Rheinland auch.
Wenn sie es nicht schaffen, auch die Menschen zu lieben, die nicht nur konservativ, sondern geradezu reaktionär sind, dann sind sie, mit Verlaub, kein Patriot. Reaktionäre sind die Patrioten von gestern. Die sind wütend, weil sie etwas geliebt und verloren haben. Wenn sie die ausschließen … dann lieben sie nur das halbe Land und das ist so wenig Patriotismus wie eine Checkliste. Erinnerungspolitische Wenden müssen sie nicht mitmachen, ich lehne die Zeitenwende ja auch ab. Baerbock hat bei mir ähnliche Reaktionen hervorgerufen wie Siegmund bei den Autoren der Starken Meinungen heute. Wenn auch die aus der eigenperspektive Dummen nicht dabei sind, ist Patriotismus nur ein Abend unter Kumpels.
Seien Sie der bessere Patriot als Siegmund. Ich versuche es auch. Unser nächster Urlaub geht nach Quedlinburg. Das ganze Deutschland soll es sein. Auch das strunzdumme…wie Hiphop (sorry Murat, ich gebe dafür ein Essen aus).
PS: Doch, neue Anekdote
Auf dem Höhepunkt meines reaktionären Furors, laufe ich einer queeren 22-Jährigen über den Weg. Sie verkörpert alles, was in diesem Land (nach meiner richtigen Meinung) schiefläuft. Und sie hat mich gelehrt, Dinge aus einer anderen Perspektive zu sehen. Ich bin voll der Arsch zu Leuten. Einfach mal an der Hand abzählen, mit wie vielen 22-jährigen Silvios aus Sachsen-Anhalt man so Kontakt hatte. Ändern. Das ändert nicht die politische Meinung, ist aber gut für das Karma. Darum geht es doch, wenn man was liebt. Das „Wir“ ist nicht immer wirr.
Lieber Stevanovic, ich weiß nicht genau, was Sie mir sagen wollen. Wenn Ihren Nachbarn Goethe so wenig sagt wie die Bundesliga, wenn sie keine Beziehung haben zu den Landschaften und den Menschen, zur Geschichte und zu den Geschichten dieses Landes: Was wollen sie denn hier? Ich kam als Sohn eines Juden mit 12 nach Deutschland, sprach kein Wort Deutsch und war (und bin) britischer Patriot. Ich habe mir aber mein Deutschsein – und mein Bürgerrecht – erarbeitet, und ich sehe überhaupt nicht ein, weshalb ich das nicht von anderen Zuwanderern – und von SA-Silvio – einfordern soll.
Was Ihnen ohne Frage zusteht, ist weder meinen Nachbarn noch Silvio zu mögen. Aber es gibt da einen Unterschied. Mein Nachbar ist in dieses Land gekommen, wie Sie oder ich, und hat nicht vor, ihren Katalog abzuarbeiten. Was ihm zusteht, seine Entscheidung. Aber wer keine Arbeit investiert, gewinnt auch keinen Preis. Deutsche, als Staatsbürger, müssen nicht mit ihm leben. Silvio aber, der ist als Deutscher geboren. Sollte der ihre Kriterien nicht erfüllen, dann können sie sich ärgern, aber das ist sein gutes Recht. Der wird nicht verschwinden. Nach der Einsicht, dass Silvio und viele andere Menschen, die Ihre Kriterien gar nicht, halb oder ganz erfüllen, dann doch in einem leistungslosen und unlösbaren Verhältnis zu uns stehen, sollte man sich wünschen, einen Weg zu finden, miteinander konstruktiv umzugehen. Das wäre für mich Patriotismus. Ein guter Patriot streckt nach Stevanovic seinem Landsmann die Hand aus. In diesem Beispiel Silvio, aber nicht meinem Nachbarn. Das wollte ich Ihnen sagen. Patriotismus ist kein Forderungskatalog an andere, sich selbst als Beispiel zu nehmen. Zumindest habe ich Frau Quistrop so verstanden. Es reicht aber, nach mir, auch nicht, Bundesliga zu schauen. Für mich ist es die Aufforderung, konstruktiv zu akzeptieren, dass Landsleute nicht austauschbar sind und das Mühen, um ein gutes Verhältnis, nicht aufzugeben. Ein bisschen wie unter Geschwistern. Das klingt sehr blumig, ja, wir reden aber auch über Patriotismus und nicht die Einkommenssteuer. Das ist keine exakte Wissenschaft.
… ha! Wer suchet, der findet Der Ausspruch geht auf das Evangelium nach Matthäus (Matthäus 7, Vers 7–8) zurück. 😉
In Matthäus 7,7-8 geht es um das Gebet. Und das hat mit Patriotismus was zu tun?
Patriotismus, von griechisch patriótes bzw. französisch patriotisme, übersetzt ‚Vaterlandsliebe‘ – ist die emotionale und positive Verbundenheit mit der eigenen Heimat oder dem eigenen Vaterland.
Wir hatten das hier schon 2017. Leider sind die Archie von s-m unter ‚Verschluss‘?
Vaterlandsliebe ist gleich Elternliebe ein natürliches Gefühl. Papst Leo XIII spricht von der ’natürlichen Liebe zum Vaterland.‘ (Sapientiae christianae vom 10.1.1890). Der Christ erhebt sie zum Rang einer religiösen Tugend. Thomas von Aquin verknüpft die Vaterlandsliebe mit dem vierten Gottesgebot: ‚Gott nimmt die erste Stelle ein. An zweiter Stelle sind Grundlage unseres Seins und Geführtwerdens die Eltern und das Vaterland. Darum ist der Mensch nach Gott am meisten der Eltern und des Vaterlandes Schuldner. Wie es daher zur Religion gehört, Gott zu verehren, so gehört es zur Pietät, Eltern und Vaterland zu verehren‘ (S.Th II/II qu. 101, art. 1). Diese Pietät beschreibt Thomas als ‚protestatio caritatis‘ (ebd. art 3 ad 1), das heißt als in Wort und Tat sich offenbarende Liebe.
Vaterlandsliebe zählt zu den wertvollsten Gütern des irdischen Daseins. Vaterlandsliebe ist ein Edelwert, der von der Kirche geschätzt und geschützt wird. Wie einen ungesunden Nationalismus, der die Lebensrechte anderer Völker mißachtet, lehnt sie sowohl den falschen Internationalismus, der das Vaterland verleugnet, wie den unrichtigen Pazifismus, der es wehrlos macht, entschieden ab.
Aber Vaterlandsliebe ist ein Wert, der im Gesamtreich der Werte und Willen Gottes begründet ist, eingeordnet bleiben muss und eben darin seine wahre Bedeutung erlebt.
Jo, so ist das.
„Exodus 22:
20 Einen Fremdling (Ausländer) sollst du nicht bedrücken und bedrängen; denn ihr seid auch Fremdlinge in Ägyptenland gewesen.
21 Ihr sollt Witwen und Waisen nicht bedrücken. 22 Wirst du sie bedrücken und werden sie zu mir schreien, so werde ich ihr Schreien erhören. 23 Dann wird mein Zorn entbrennen, dass ich euch mit dem Schwert töte und eure Frauen zu Witwen und eure Kinder zu Waisen werden.
24 Wenn du Geld verleihst an einen aus meinem Volk, an einen Armen neben dir, so sollst du an ihm nicht wie ein Wucherer handeln; ihr sollt keinerlei Zinsen von ihm nehmen.
25 Wenn du den Mantel deines Nächsten zum Pfande nimmst, sollst du ihn wiedergeben, ehe die Sonne untergeht, 26 denn sein Mantel ist seine einzige Decke auf der bloßen Haut; worin soll er sonst schlafen? Wird er aber zu mir schreien, so werde ich ihn erhören; denn ich bin gnädig.“
Furchtbar, diese Bibel, nicht nur ausländerfreundlich, sondern auch sozial (wenn nicht gar sozialistisch und antikapitalistisch).
Ja, so ist das.
@GW
… Ihre Einlassung ist o.t.. Hier geht es um Patriotismus. Abgesehen davon bedienen Sie sich mit dem bloßen zitieren hinsichtlich Wucherzinsen antijudaistischer Klischees.
Es handelte sich um reine Notkredite (Überbrückungskredite), meist in Form von Getreide oder Saatgut, um das Überleben bis zur nächsten Ernte zu sichern. Und nicht um Investitionskredite für wirtschaftliches Wachstum (wie heutige Bankkredite). Das Bundesbuch verknüpft dieses Gesetz direkt mit der Identität Israels: Das Volk war selbst in Ägypten versklavt und von Gott befreit worden. Wer nun seinen eigenen Landsmann durch Wucher in die Sklaverei trieb, handelte direkt gegen Gottes Befreiungstat. Im direkt folgenden Vers 26 droht Gott, dass er das Schreien der Armen hören wird, weil er ‚gnädig‘ ist.
… und weiter zur Vaterlandsliebe [sic!];
In 5 Mose 32,8 ‚Als der Allerhöchste den Heiden ihr Erbe austeilte, als er die Menschenkinder voneinander schied, da setzte er die Grenzen der Völker fest nach der Zahl der Kinder Israels.‘ Das bezieht sich auf den Turmbau zu Babel, 1 Mose 11,7-8. ‚7 Wohlan, lasst uns hinabsteigen und dort ihre Sprache verwirren, damit keiner mehr die Sprache des anderen versteht! 8 So zerstreute der HERR sie von dort über die ganze Erde, und sie hörten auf, die Stadt zu bauen.‘ Der Grund war, die Menschen weigerten sich, die ganze Erde zu bevölkern. Und im Neuen Testament, Apostelgeschichte 17,26 – ‚Und er hat aus einem Blut jedes Volk der Menschheit gemacht, dass sie auf dem ganzen Erdboden wohnen sollen, und hat im Voraus verordnete Zeiten und die Grenzen ihres Wohnens bestimmt‘.
Zudem lehrt die Kirche Christi Fremde ’nicht‘ aufzunehmen, weil die Aufnehmenden dabei selbst zugrunde gehen. Im Kapitel 11,34 bei Jesus-Sirach heißt es: ‚Nimmst du einen Fremden bei dir auf, so wird er dir Unruhe bringen und dich in deinem eignen Haus zum Fremden machen.‘
‚Deutschland ist der Staat der Deutschen … in dem Erbe und Identität einen angemessenen Platz haben. Die deutsche Geschichte ist kein Verbrecheralbum. Sie umfasst die ganze Nation in all ihren Höhen und Tiefen. Auf unsere Freiheitstradition in Schwarz-Rot-Gold können wir stolz sein – und mit diesem Stolz jeden Neubürger anstecken.‘
… no comment.