Hans Werner Goldlust war zusammen mit Willy Haas Herausgeber der „Literarischen Welt“ in Berlin. Da dem assimilierten Juden sein Name wohl „zu jüdisch“ klang, nannte er sich Golz. 1929 heiratete Golz eine Katholikin aus Wien. Marianne, geboren Maria Agnes Belokosztolszky, war vor ihrer Ehe Operettensängerin gewesen. Kurz nach der Machtübergabe an die Nazis flohen Haas und Golz zusammen mit ihren Ehefrauen nach Prag. Als die Deutschen 1939 einmarschierten, floh Golz nach England. Marianne blieb zurück, um den Schwiegereltern zu helfen und den Haushalt aufzulösen. Obwohl sie die nötigen Papiere für die Auswanderung hatte, saß sie mit Ausbruch des Zweiten Weltkriegs in der Falle.
Alan Posener
Die Impfpflicht – Ungeachtet Omikron ein Muss, nicht bloß Gebot der Zweckmäßigkeit!
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Der Deutsche Bundestag berät am Mittwoch über die Impfpflicht. Die Abgeordneten sollten ihre Beratungen möglichst weit fassen. Zur Debatte steht der Zusammenhalt in unserem Land und das Vertrauen der Bürger in die Demokratie. Zur Debatte steht unser Verständnis von Freiheit und wie wir Freiheit leben. Nicht zuletzt geht es darum, ob eine aufgeklärte Gesellschaft die Kraft aufbringt, Irrationalität und Desinformation Einhalt zu gebieten.
Zwei Jahre der Pandemie haben Binsenweisheiten zurück in unser Bewusstsein gerufen. Beseelt vom Streben nach persönlicher Erfüllung hatten wir verdrängt, dass der Mensch für sein Wohl und Wehe auf seine Mitmenschen angewiesen ist. Selbstbestimmung war uns der Güter höchstes; wir wurden daran erinnert, dass die freiheitliche Ordnung, die unsere Autonomie erst möglich macht, Bürger mit Gemeinsinn voraussetzt.
Taxikrieg am BER
Landung am Flughafen Berlin-Brandenburg (BER): Kaum sind wir durch die Sperre, werden wir angesprochen: „Brauchen Sie ein Berliner Taxi?“ Klar. Nichts gegen die örtlichen Taxifahrer aus dem Landkreis Dahme-Spree (LDS), aber sie kennen sich in Berlin doch nicht so aus, erstens, und zweitens erzählen sie nicht so interessante Geschichten.
Carola Rackete und Alexander Lukaschenko
Warum ist Carola Rackete eine Heldin, Alexander Lukaschenko aber ein Schurke? Sie rettete Flüchtlinge aus dem Meer und brachte sie sie gegen den Willen der rechtspopulistischen italienischen Regierung in italienische Häfen; er sorgt dafür, dass sie erst gar nicht übers Meer flüchten müssen und bringt sie gegen den Willen der rechtspopulistischen Regierung an die polnische Grenze. Ich weiß, die Motive sind verschieden. Lukaschenko ist ein zynischer Diktator, der die EU spalten will, Rackete eine Idealistin, die Europas Ideale gegen die Wirklichkeit europäischer Flüchtlingspolitik hochhält. Aber praktisch gesehen, oder: vom Standpunkt eines Flüchtlings aus gesehen, macht Lukaschenko das, was die Europäische Union eigentlich machen müssten: Flüchtlinge zu Billigpreisen ausfliegen, statt sie zu zwingen, den Schleppern viel mehr Geld für eine Fahrt im Gummiboot übers Mittelmeer zu bezahlen – in der Hoffnung, von Menschen wie Rackete aufgegabelt zu werden.
A-a-alles A-a-Antisemiten? Falsche Lehren aus dem Fall Gil Ofarim
Wurde Gil Ofarim im Leipziger Westin Grand antisemitisch beleidigt? Hat er sich das nur eingebildet? Hat er gar, aus anderem Grund verstimmt, die Antisemitismus-Karte gezogen, um sich an einem Mitarbeiter des Hotels zu rächen? Wir wissen es nicht. Allerdings hat man sich in den unsozialen Medien und den Kommentarspalten längst seine Meinung gebildet. Und die ist überwiegend hässlich.
007 – Ein elegischer Abgesang auf den weißen Mann
Wenn es einen Film gibt, der den Abgang des weißen Mannes vom Zentrum des Weltgeschehens elegisch einfängt, dann ist es der neueste – 25. und letzte – James Bond. 007 ist tot, es lebe 007: jung, weiblich, schwarz.
Der Fall Nemi El-Hassan
Zwei Bilder: auf dem einen sieht man eine junge Frau mit Kopftuch. Auf dem anderen eine junge Frau mit offenen Haaren und moderner Kleidung. Welche ist die wahre Nemi El-Hassan?
Die Frage ist nicht unwichtig, weil El-Hassan die Wissenschaftssendung „Quarks“ beim WDR moderieren soll.
Die Frage ist auch nicht neu. Vor etwa 100 Jahren schrieb ein junger Politiker: „Als ich einmal so durch die innere Stadt strich, stieß ich plötzlich auf eine Erscheinung in langem Kaftan mit schwarzen Locken. Ist dies auch ein Jude? war mein erster Gedanke. So sahen sie freilich in Linz nicht aus. Ich beobachtete den Mann verstohlen und vorsichtig, allein je länger ich in dieses fremde Gesicht starrte und forschend Zug um Zug prüfte, umso mehr verdrehten sich in meinem Gehirn die erste Frage zu einer anderen Fassung: Ist dies auch ein Deutscher? (…) Seit ich mich mit dieser Frage zu beschäftigen begonnen hatte, auf den Juden erst einmal aufmerksam wurde, erschien mir Wien in einem anderen Lichte als vorher. Wo immer ich ging, sah ich nun Juden und je mehr ich sah, umso schärfer sonderten sie sich für das Auge von den anderen Menschen ab.“ So Adolf Hitler in „Mein Kampf“.
Lügen mit Fakten. Ungarn und die Pandemie
In schöner Regelmäßigkeit erhalte ich Propagandamaterial aus dem Büro des ungarischen Ministerpräsidenten. Dazu gehören die Interviews, die Viktor Orbán täglich einem hörigen Rundfunksender gibt, und das von Orbáns Desinformationsbeauftragten Zoltán Kovács herausgegebene Blog „About Hungary“.
In der neuesten Ausgabe konnte man lesen, dass sich die Ungarn laut Umfrage eines „mit Soros assoziierten Thinktanks“ – gemeint ist der „European Council for Foreign Relations“ ECFR – „zweimal so frei fühlen wie die Deutschen“. Wow.
A. Dirk Moses: Israelhass über alles
Der deutschstämmige Historiker A. Dirk Moses ist hierzulande hauptsächlich bekannt wegen seiner Kritik der deutschen Gedenkkultur. Das Motiv dieser Kritik liegt in seinem Hass gegen Israel. Ich verwende das Wort „Hass“ mit Absicht. Für Moses ist Israel ein koloniales Projekt; und man tut dem Wissenschaftler und Aktivisten keinen Tort an, wenn man unterstellt, dass er den Kolonialismus hasst.
Aleida Assmanns neuer linker Katechismus
Aleida Assmann kann es nicht lassen. Und dafür muss man ihr dankbar sein. Sie muss sich in alle Diskussionen einmischen, bei denen es um Antisemitismus oder die Relativierung des Holocausts geht. Dabei macht sie durch die Plattheit ihrer Argumentation die Mechanismen deutlich, mit denen einige Deutsche heute sich der Verantwortung entziehen, gegen den real existierenden Antisemitismus zu kämpfen, egal aus welcher Ecke er kommt.
Greenpeace kann nicht zugleich gemeinnützig und Bürgerschreck sein wollen
Volle Transparenz vorweg: ich war mal Greenpeace-Fördermitglied. Aber die Betonung liegt auf „war“. Denn die Organisation hat sich erstens radikalisiert und dabei zweitens einen ihrer wichtigsten Grundsätze aus den Augen verloren: Immer nur die eigenen Aktivisten in die Schusslinie bringen, nie andere gefährden.