
Helmut Schmidt regelt / Foto: BILD
Heute gehen sie bundesweit auf die Straße. Die sogenannte GenZ mit ihren Fans, die sich auch als zu kurz gekommen empfinden. Für bessere Bildung, Gesundheit, Klimaschutz und ein bezahlbares Leben. „GenZ regelt“, heißt es. Die GenZ regelt gar nichts. In Wahrheit erleben wir die Parade der wohlstandsverwahrloste Jammerlappen. Und über allem weht dann ausgerechnet die Palästinenserflagge.
Das wird den Schneeflocken jetzt ein bisschen weh tun. Tut mir leid. Aber nie zuvor hat eine Generation von jungen Menschen auf einem derart hohen Wohlstandsniveau gelebt, wie die GenZ in Deutschland.
– Das verfügbare Einkommen je Einwohner war 2024 mehr als sechsmal so hoch wie 1950.
– Das BIP langfristig deutlich höher als in allen früheren Jahrzehnten.
– Die Lebenserwartung liegt bei 82 Jahren. Historisch einmalig. Das liegt an Fortschritten in Medizin, Hygiene, Ernährung und Lebensbedingungen.
– Lebenserwartung, Bildung und Einkommen sind langfristig stark gestiegen.
– Das Nettovermögen der Haushalte ist langfristig gestiegen.
– Dazu kommen Beschäftigung, universelle Gesundheitsversorgung, breiter Zugang zu Bildung, Wohnraumqualität und Konsumgütern. Zum Beispiel Autos, Elektronik und Urlaubsreisen.
Das Wissen der Menschheit steht zur Verfügung
Freiheit und Rechtsstaatlichkeit liegen in Deutschland auf dem höchsten Niveau der deutschen Geschichte und international im Spitzenfeld. Die Internationalität ist durch EU, Handel, Migration und Globalisierung außergewöhnlich hoch. Bildungsmöglichkeiten sind historisch so breit wie nie. Mit einem Smartphone kann jeder innerhalb von Minuten ein eigenes Business aufbauen. Wie das geht, kann man sich auf Youtube beibringen. Das gesamte Wissen der Menschheit steht auf Knopfdruck zur freien Verfügung.
Noch die Generation meiner Eltern hat sich in ihrer Kindheit jeden Tag vor allem damit beschäftigt, Nahrung aufzutreiben, um zu überleben. Viele Väter und Brüder wurden zur gleichen Zeit im Krieg von Granaten zerfetzt. Später mussten die überlebenden Kinder ein Stück Kohle mit in die Schule zu bringen, damit überhaupt ein Unterricht stattfinden konnte. Ein eigenes Bett gab es nicht. Von einem Fernseher oder Auto hat man lange Jahre geträumt.
Was wollt ihr noch, GenZ? Das neue Falt-iPhone auf Rezept? Gratis-Apartments im Herz der Metropolen dieser Welt? Einen Shuttle-Service in die Uni? Abschlüsse ohne Prüfung? Bezahlbare Wohnungen gibt es übrigens wie Sand am Meer. Nur nicht direkt neben eurem Lieblings-Coffee-Shop mit den fair gehandelten Kaffeebohnen am Prenzlauer Berg. Sorry dafür!
Jede Zumutung ist gleich ein Trauma
Sie fordern von „der Politik“ Lösungen, Wohnungen, Sicherheit, Sinn, am besten gestern und ohne eigenes Zutun. Ihre Eltern haben für Eigenheim und Rente geschuftet, ohne dass jemand ihre Gefühle moderiert hat. Heute ist jede Zumutung ein Trauma, jede Kritik ein Angriff, jede Frist eine Zumutung, und die Selbstgewissheit, mit der man das alles vorträgt, ist dabei mindestens so groß wie die Klage selbst.
Und woher kommt eigentlich eure Begeisterung für durchgeknallte Islamisten? Wenn ich kurz erinnern darf: Die Pali-Farben stehen für den Wunsch, Israel auszulöschen. Und damit das Land, in dem die Juden Zuflucht gesucht haben, nachdem sechs Millionen von ihnen industriell vernichtet worden sind. Es ist eine unverzeihliche Schande, sich im Land der Täter diese Tücher um den Hals zu wickeln und diese Fahne zu schwenken. Bringt doch bitte lieber mal Eurer betagten Nachbarin den Müll runter. Das kostet natürlich ein bisschen mehr Mühe als Euer Gratis-Mut.
Selbstverliebt, lahm und selbstgerecht
So leid es mir tut: Ihr regelt gar nichts, liebe Generation der ahnungslosen Arschgeigen. Ihr seid die am besten ausgebildete, am besten versorgte Generation, die dieses Land je hatte. Abitur für fast alle, Studium ohne Gebühren, Reisen, die für die Eltern ein Lebenstraum waren, ein Supercomputer in der Hosentasche, Streaming, Lieferdienst, Sprachreisen.
Das alles führt zu Burnout mit 22, Überforderung nach drei Wochen Praktikum. „Toxisch“ ist alles, was anstrengend ist oder nicht zur eigenen Meinung passt. Ihr seid selbstverliebt, wohlstandsverwahrlost, lahm, wärmt ranzige und längst erledigte Sozialismus-Träume wieder auf und steht mit schlafwandlerischer Sicherheit auf der falschen Seite der Geschichte. Ihr lebt in einer Zeit und in einem Land, in dem alles möglich ist. Ihr seid frei – und alles, was euch einfällt, ist elende Jammerei. Ihr seid ein selten tragisches Trauerspiel.
Und wehe, jemand von euch wirft bei Gucci am Ku‘damm die Scheiben ein. Dann gibt es heute Abend ein paar hinter die Löffel.
Frank Schmiechen ist Journalist und Musiker. Er startete als Reporter bei der Bergedorfer Zeitung, war später unter anderem Stellv. Chefredakteur der WELT und Chefredakteur des Online-Mediums Gründerszene.