Allgemein
Vorhautkriege
Am Montag bekam ich folgende Mail von einem jungen Blogger, den ich nicht zuletzt wegen seines Eintretens für Israel (aber keineswegs nur deshalb) bewundere:
Lieber Alan Posener,
das war ein ganz interessantes Wochenende. Ich habe am Samstag einen Artikel geschrieben, in dem ich gewisse Zweifel daran erkennen lasse, ob es tatsächlich so selbstverständlich sein muss, dass man kleine Jungs beschneidet. Und schon war es vorbei mit der Entspanntheit in Teilen meines jüdisch-christlichen (was wollen die Christen überhaupt?) Bekanntenkreises. Weiterlesen
Der Club der Guten. Oder: Die Neuerfindung der Vereinten Nationen
In den regnerischen Morgenstunden des 24. Mai 2014, im zweiten Jahr nach seiner Wiederwahl, hat Präsident Barack Obama beim Joggen im Park des Weißen Hauses ein Erweckungserlebnis. Es ist keine christliche Wiedergeburt in der Art seines Vorgängers Georg W. Bush.
Nein, Obama hat eine Vision, die die Welt, wie wir sie bisher kannten, von Grund auf verändern sollte. Nach dem Duschen ruft er sofort seinen engsten Mitarbeiterstab zusammen, um den Vertrauten der Macht seine grandiose Idee zu unterbreiten. Noch am selben Tag werden wichtige Schritte in die Wege geleitet. Eine hektische Geheimdiplomatie mit Vertretern der befreundeten Staaten beginnt. Weiterlesen
Angela Merkels Vision für Europa – und warum sie nicht funktionieren wird
Vor etwa einem halben Jahr gab Angela Merkel der britischen Zeitung „The Guardian“ ein Interview, in dem sie ihre Vorstellung von der „Finalität“ der Europäischen Union umriss:
My vision is one of political union because Europe needs to forge its own unique path. We need to become incrementally closer and closer, in all policy areas. Over a long process, we will transfer more powers to the [European] Commission, which will then handle what falls within the European remit like a government of Europe. That will require a strong parliament. A kind of second chamber, if you like, will be the council comprising the heads of [national] government. Weiterlesen
Wissen ist Macht – Nichtwissen ist schick
Der Berliner Spitzen-Pirat Andreas Baum wurde berühmt, weil er vor den Abgeordnetenhaus-Wahlen in Berlin in einer Talkshow im RBB mit unschuldiger Miene sein abgrundtiefes Nichtwissen zur Schau stellte. Gefragt, ob er wisse, wie hoch die Schulen Berlins seien, antwortete er: „Viele, viele Millionen“.
Die Diskussionsteilnehmer waren fassungslos: Berlin steht mit über 63 Milliarden € in der Kreide. Irren ist menschlich. Doch: Die Piraten schickten sich nicht an, die Quizkönige Deutschlands zu werden, sie kandierten für ein Parlament, das Gesetze beschließt und dessen vornehmstes Recht das Budgetrecht ist. Darf da irren auch noch menschlich sein?
Von Wladimir I. Lenin ist der Spruch überliefert: „Lernen, lernen und nochmals lernen!“ Weiterlesen
Zehn Fragen zum Verhältnis von Freiheit, Demokratie und Rechtsstaat
- „Der Mensch ist frei geboren und liegt doch überall in Ketten“, sagte Jean-Jacques Rousseau. Man könnte auch sagen: in der Theorie kommt zuerst das freie Individuum und dann der freiheitliche Staat, in der Praxis ist das Individuum nur frei, wenn der Staat freiheitlich ist. ist die Theorie deshalb falsch?
- Im Kalten Krieg standen sich die Freie Welt und der Kommunismus unversöhnlich gegenüber. Zweifellos stand der Westen auf der richtigen Seite der Geschichte – auf der Seite der Freiheit. Aber: hätte ein Martin Luther King richtig gehandelt, wenn er die Zusammenarbeit mit Kommunisten und Sympathisanten der KP der USA abgelehnt hätte? Ich meine nicht: Wäre das politisch opportun gewesen, sondern: wäre es richtig? Weiterlesen
Düstere Nachrichten aus dem Keller der Gesellschaft
Die Präsentation des nationalen Bildungsberichtes, den die Kultusministerkonferenz (KMK) und das Bundesbildungsministerium alle zwei Jahre vorstellen, ging dieses Jahr recht geräuschlos über die Bühne. Für einen kurzen Aufreger im politischen Berlin sorgte lediglich der verklausulierte Hinweis darauf, dass das von der Bundesregierung geplante Betreuungsgeld nicht hilfreich sei, weil es dazu führe könne, dass Kinder die frühen Bildungsangebote in der Kita nicht annehmen.
In der Kita betreute Kinder – so der Befund des Berichts – starten besser in der Schule, weil sie in der Kommunikation mit anderen Kindern ihr Deutsch verbessern. Der in den letzten Jahren verstärkt erfolgte Ausbau der Kinderbetreuung ist einer der Hauptgründe für das allgemein gestiegene Bildungsniveau unserer Schüler. Eine positive Zahl belegt dies: Zwischen 2006 und 2010 verringerte sich die Zahl der Schulabbrecher pro Jahrgang von 8 % auf 6,5 %. Weiterlesen
Warum der Euro scheitern wird
Der Euro scheitert an seinen eigenen Widersprüchen. Wenn nicht jetzt, dann später
1. Es ist ein Gemeinplatz zu sagen der Euro sei kein ökonomisches, sondern ein politisches Projekt gewesen. Diese Aussage ist nicht deshalb falsch, weil sie ein Gemeinplatz ist, aber sie bedarf der Ergänzung.
2. Ursprünglich sollte die politische Union der wirtschaftlichen Union Europas vorausgehen – oder ihr zumindest schnell folgen. Das war die Position der Bundesregierung und der Bundesbank, der Wirtschaft und der Politik, bis Anfang der 1990er Jahre. Aus welchen Gründen auch immer: Helmut Kohl gab diese Position auf. Weiterlesen
Gesicht zeigen! Wider die Kultur des Anonymen im Netz
Vor einem Jahr veröffentlichte ich in der „Welt am Sonntag“ einen harmlosen Artikel über die Stuttgarter Wutbürger, die den geplanten unterirdischen Bahnhof zum Teil mit rabiaten Mitteln bekämpften. Ich riet ihnen zu mehr Gelassenheit und legte ihnen als Vorbild ihren schwäbischen Landsmann, Dichter und Pfarrer Eduard Mörike („Doch in der Mitten / Liegt holdes Bescheiden“) ans Herz.
Es gab die üblichen Leserbriefe, die in der Printausgabe der Zeitung abgedruckt wurden. Pro und Kontra, schön ausgewogen, argumentativ und gemäßigt im Ton. Ganz anders in den Kommentareinträgen der Online-Ausgabe. Die Spalten quollen über vor Hasstiraden, wüsten Beschimpfungen. Ein Leser drohte mir Schläge an, sollte ich jemals wieder Stuttgarter Boden betreten. Weiterlesen
Wider den demokratischen Totalitarismus
Als Joachim Gauck Bundespräsident wurde, gab es viele, die ihm vorwarfen, er „könne nur Freiheit“. Inzwischen fragen sich einige, ob er Freiheit kann. Wer seine Äußerungen seit der Wahl zusammennimmt, kann darin eine bedenkliche Umdeutung der Idee der Freiheit erkennen – weg von der Freiheit des Individuums, auch gegenüber dem demokratischen Staat, hin zur Formierung eines demokratischen Kollektivs oder einer kollektivistischen Demokratie, einer „formierten Gesellschaft“, wie sie dem späten Ludwig Erhard vorschwebte, bei der die „Freiheit“ vor allem definiert wird dadurch, was sie nicht ist oder nicht sein darf.
Die neueste Äußerung dieses Gauck’schen Missverständnisses von Freiheit war seine Rede beim Antrittsbesuch bei der Bundeswehr. Weiterlesen
Die Migrantenkinder ermutigen!
Von Rainer Werner
Wenn die Schüler einer Gesamtschule in Duisburg, Bremen oder Berlin für ein multiethnisches Fest die Flaggen ihrer Herkunftsländer malen, kann es vorkommen, dass anschließend über 100 Fahnen vom Dach des Schulgebäudes flattern.
Daran kann man ablesen: Die Schule ist ein außergewöhnlicher Ort multikultureller Begegnung, an dem sich jeden Tag Schüler unterschiedlicher ethnischer Herkunft versammeln, um gemeinsam zu lernen. Weiterlesen