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Wenn das Kaninchen schwarz-rot und die Schlange blau ist

Sinnig: blaue und rot und und schwarz umrandete Überschriften auf bild.de

Man sehe mir nach, dass ich einen Screenshot aus bild.de vom 18. Mai 2026 zur Illustration meiner Gedanken teile. 
Obwohl das Blatt sich sonst jedem Tierthema ausgiebig zu widmen pflegt (unbelehrbare, versterbende Wale; entlaufene, gemeuchelte Tiger, aggressive Kühe in Österreich). fehlen Kaninchen und Schlange. Das ist schade und kaum entschuldbar.


Diese Wesen aus der Redewendung sind leicht zu identifizieren: Das Kaninchen ist natürlich die schwarz-rote Koalition. Niedlich aus der Entfernung, kleinlaut beim Näherkommen, wenig selbstbewusst und in der Natur außer als Raubvogelsnack kaum wahrnehmbar. Die Schlange hingegen ist die AfD: listig, fast unhörbar, höchst gefährlich und als schlankes Wesen für Etliche attraktiv, gerade wegen der Unheimlichkeit faszinierend.

Um ein letztes Mal im Bild zu bleiben: Nach dem Biss der Schlange ist es ein Wettlauf mit der Zeit, um ein Gegengift zu bekommen, s.o.: Die „Zeit für Schwarz-Rot wird knapp“.

Bisherige Therapien versagen: Politisch scheint die AfD kaum zu stellen. Rabulistisch windet sie sich aus Widersprüchen heraus, schlüpft in die Rolle des verfolgten, missverstanden Opfers. Sie suhlt sich in Allgemeinplätzen, wie dem „Friedensdialog“ mit dem Kriegstreiber Putin (wer wollte schon etwas gegen Frieden sagen?), ergötzt sich schamlos an jeder Straftat, die ein Mensch mit dunkler Hautfarbe, arabisch klingendem Namen oder sonstigem Migrationshintergrund begangen hat und schreit dann ein triumphierendes „Siehste!“ in die aufgewühlte Gesellschaft.

Die AfD leugnet den Klimawandel und die Erfolge des Euro. Sie will aus NATO und EU austreten, schmeißt sich an die Brust der Autokraten und liebäugelt mit den Machtphantasien von Musk, Thiele und Karp. Sie tut sozial, sahnt im Arbeitermilieu des ehemaligen SPD-Klientels von Gelsenkirchen bis Ludwigshafen ab, stimmt aber im Bundestag regelmäßig gegen Gesetze, die Ärmere, Behinderte oder Benachteiligte besser stellen könnte.

Sprachliche Nähe zu den Nazis

Sinnigerweise wendet sie sich gegen Steuererhöhungen für Wohlhabende, Vermögenssteuer oder eine veränderte Erbschaftssteuer. Und selbst wenn man exponierten Parteimitgliedern eine mindestens sprachliche Nähe zu NS-Jargon und Thesen (Remigration = Deportation) nachweist, bleiben der AfD die Wähler treu. Das ist nur auf den ersten Blick verwunderlich.

Gegner der AfD sprechen nicht selten von Protestwählern, die der AfD ihre Stimme geben. Das soll beruhigend wirken: Protest ja, schön und gut. Wir müssen einfach eine bessere Politik machen, dann wählen die auch wieder CDU, SPD oder FDP. 
Ob das stimmt, darf bezweifelt werden, denn Untersuchungen belegen, dass AfD-Wähler parteitreu sind und eher gar nicht wählen gehen als zu den „Alt-Parteien“ (der despektierliche Ausdruck wird hier bewusst gewählt) zurückzukehren.

Der weitere Einwand, man könne der AfD mit demokratischen Angeboten entgegentreten, beinhaltet ein Oxymoron.
 Natürlich ist die AfD keine demokratische Partei, steht sogar im nachvollziehbaren Verdacht, die Demokratie und das Staatswesen aushöhlen zu wollen. Genauso unbestreitbar allerdings ist, dass diese vermeintliche Alternative demokratisch gewählt wurde und wird, also sich berechtigt fühlt, mit den Mitteln des demokratischen Parlamentarismus denselben abzuschaffen.

Allein deshalb wäre eine CDU/CSU-Minderheitsregierung, geduldet oder gar getrieben von der AfD, der Blattschuss für die Union.

Kommunale Verankerung

Eine bislang eher wenig beleuchtete Entwicklung könnte die Hinwendung anderer Parteien oder Wählergruppen zur AfD sein, obwohl diese heute noch ihren Abstand zu den Populisten versichern. So verwundert kaum noch, dass das BSW mit Sahra Wagenknecht immer häufiger AfD-Narrative unterstützt, vielleicht auch, um davon abzulenken, dass die Splitterpartei, die einst aus Teilen der Linken hervorging, in Umfragen kaum über 3 % hinauskommt. Auffällig kongruent beim BSW vor allem die Haltung zu Putins Russland oder in der Migrationsfrage. Unlängst nahm Wagenknecht die Kritik an Ulrich Siegmund, dem AfD-Chef in Sachsen-Anhalt, der einen Staatsumbau einleiten möchte, zum Anlass, ihn empört in Schutz zu nehmen.

Auch etliche Freie Wähler-Gruppen, vor allem im Osten Deutschlands, scheinen anfällig zu sein, Programmpunkte bei Migration oder auch Wirtschaft zu übernehmen, geschürt durch das Misstrauen gegen die Berliner Bundespolitik und kaum weniger populistisch. Tagesschau.de zitierte schon vor zwei Jahren den Soziologen Matthias Quent von der Hochschule Magdeburg-Stendal, der eine erstarkte kommunale Verankerung der AfD erkennt. Quent sagte der Nachrichtenagentur dpa, insgesamt sei es „ein großer Schritt nach rechts für die Kommunen“.

Das Dilemma der demokratischen Parteien

Die anderen Parteien sieht Quent in einer „äußert schwierigen Situation“. Einerseits müssten sie die Werte des Grundgesetzes verteidigen. Andererseits hätte eine Dämonisierung der AfD „ganz offensichtlich bei Bürgerinnen und Bürgern eher für Dissonanzen gesorgt“. (Quelle: tagesschau.de v. 11.06.2024)

Wenn man unterstellt, dass die veröffentlichte Meinung in den Medien meist eine eher kritische Haltung gegenüber der AfD einnimmt, fällt auf, dass diese publizistische Distanzierung unter AfD-Wählern kaum Wirkung zeigt. Im Gegenteil: Das Etikett „Lügenpresse“ findet immer größere Verbreitung. Ein weiteres Oxymoron: Die vermeintlich manipulative Presse verliert an Einfluss, erreicht weite Kreise der Bevölkerung schon lange nicht mehr. Damit sind vor allem die öffentlich-rechtlichen Angebote, aber auch große, überregionale Zeitungen und etablierte Regionalzeitungen gemeint, während rechtspopulistische Online-Portale wie Nius, Tichys Einblick, reitschuster.de und wenige Print-Medien wie Compact oder Junge Freiheit sich wachsender Beliebtheit und Akzeptanz erfreuen.

Das bedeutet, dass klassische Formen der politischen Kommunikation (Medien, Parlamentsdebatten) in Bezug zur AfD weitgehend untauglich geworden sind. Und neue? Etablierte Parteien (Ausnahme: Die Linke) tun sich mit online-Auftritten schwer(er), verharren – da sind sie wieder – wie das Kaninchen vor der Schlange, erstarrt, entsetzt über immer üblere Umfrageergebnisse, bundesweit, aber vor allem in Sachsen-Anhalt, wo eine absolute Mehrheit der AfD zumindest nicht mehr völlig ausgeschlossen ist.

Zwei Gedanken nur, die jede/jeder selbst zu Ende führen kann:

Erstens: Haben wir Journalisten verlernt wahrzunehmen, was in einer breiten Bevölkerung passiert und diese tangiert, weil wir mit der kaum noch Berührungspunkte haben? Das urbane Milieu, nicht nur der Hauptstadtredakteure, sondern auch rund um die Funkhäuser der öffentlich-rechtlichen Medien, meist in Landeshauptstädten oder anderen Metropolen, ist weit entfernt von Hoyerswerda oder Neunkirchen, von Husum oder Radevormwald. Viele Orte haben schon heute gar keine dezidierte Lokalzeitung mehr, aus der sie verlässlich aus der Heimatstadt unterrichtet würden. Tendenz leider abnehmend. Doch der Staat ist vor allem in der eigenen Stadt nah erlebbar, im Rathaus, im Ordnungsamt, im Seniorenheim, bei der Sozialhilfe oder im Jobcenter. Berlin oder auch München, Hannover, Magdeburg sind weit – und abstrakt. Die Kirchen haben die integrierende Kraft längst verloren, viele Vereine, ob Schützen Sportler, ebenso.

Die kleinen Themen, die Bürgerinnen und Bürger bewegen, sind für „Groß-Journalisten“ oft nebensächlich, denn die sind meist ordentlich versorgt und bezahlt. Fahrradwege, geschlossene Betriebe, Umleitungen, fehlender ÖPNV, Dauerbaustellen, Schmutz auf Bürgersteigen, Einbruchsdiebstähle in der Nachbarschaft, kurz: das Stadtbild, nicht rassistisch oder ausländerfeindlich gelesen, sondern wortwörtlich, ist nur Thema in Berlin, Düsseldorf oder Mainz, wenn sich der Kanzler missverständlich ausdrückt. Es sei denn, man heißt AfD.

Zweitens: Haben die Parteien, namentlich die Unionsparteien zu viel versprochen, zu wenig gehalten und viel zu wenig bewegt? Hängst die SPD noch ihren alten Triumphen und Themen in einer längst veränderten Gesellschaft nach? Die Versprechen vor den Wahlen waren groß, die Glaubwürdigkeit ist geschrumpft. Missglückte Kommunikation kommt hinzu. Dass andererseits die AfD nur auf Grund ihrer Versprechen, ihrer Schwarzmalerei, ihrer Dystopien punktet, scheint das zu widerlegen. Die wenigen Orte, in denen sie als Landrat oder Bürgermeister zumindest graduell etwas in ihrem Sinne verändern könnten, belegen, dass die AfD weder sachlich noch personell, in der Lage ist, tatsächlich etwas zu verändern.

Wenn das Gegengift nicht mehr hilft

Fast tragisch mutet es daher an, dass das auf die Schlange starrende Kaninchen seine eigentliche, vielleicht sogar einzige Aufgabe aus den Augen verloren hat. Jenseits des mühsamen Klein-Kleins der Reformen muss Schwarz-Rot verhindern, dass die AfD an die Macht kommt, weder in Sachsen-Anhalt noch in Mecklenburg-Vorpommern. Und schon gar nicht im Bund.

Das geht nur, indem Union und SPD beweisen, dass Solidargemeinschaft, Rechtsstaat, Gemeinwesen und die wehrhafte Demokratie in Stadträten und Parlamenten wirklich unverzichtbar und unantastbar sind. Sind Organe erstmal betroffen, gibt es gegen manche Schlangenbisse keine Heilung.

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20 Gedanken zu “Wenn das Kaninchen schwarz-rot und die Schlange blau ist;”

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    Sehr geehrter Herr Kläuser. Danke für diesen Beitrag, er bringt so ziemlich alle Dilemmata auf den Punkt. Was ich nun allerdings beobachte, ist eine Schockstarre der demokratischen Parteien, für die das längst überfällige AfD-Verbotsverfahren offenbar ein Tabu ist. Man starrt wie das Kaninchen auf die Schlange, die weitgehend ungehindert ihr Gift verspritzt, auch in den öffentlich-rechtlichen Medien. Hier frage ich Sie als Mitarbeiter einer solchen Anstalt: Muss das so sein? Müssen AfD-“Politiker“ zu Wort kommen? Ich habe mehrfach über das Beispiel Wallonien gelesen, wo man eine Art mediale Brandmauer errichtet hat Die Idee dahinter ist, dass man rechtsextreme Positionen von der Gesellschaft fernhält und damit verhindert, dass sie sich ausbreiten. Das funktioniert auf zwei Ebenen: Einerseits arbeiten Parteien nicht mit der extremen Rechten zusammen, andererseits haben Medien vereinbart, verfassungsfeindlichen und menschenrechtsverachtenden Gruppen keine direkte Plattform zu bieten. Konkret bedeutet das: Rechtsextreme „Politiker“ werden zu kein Talkshow eingeladen, es gibt kein Live-Interviews mit solchen Demokratiefeinden. Wäre das nicht ein Modell, das der ÖRR übernehmen sollte? Ich verstehe wirklich nicht, warum es nicht mehr Protest aus der Belegschaft heraus gibt, wenn Weidel und Co im Fernsehen zu besten Sendezeit ihre Propaganda verbreiten dürfen. Oder gibt es den? Wir erfahren jedenfalls nichts davon. Mich würde interessieren, wie Sie das sehen.

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      Aus Deiner Haltung spricht sehr viel Paternalismus: Weil die Bürger angeblich so leicht verführbar sind, müssen „wir“ sie vor der bösen Ideologie der AfD schützen. Was aber, wenn die Bürger schlau genug sind, sich ihr eigenes Bild machen zu können und zu wollen? Traust Du unserer über 80 Jahre gewachsenen Demokratie nicht zu, dass sie stark genug ist, sich gegen ihre Feinde zu verteidigen? Ich erinnere außerdem daran, dass Linke vor 50 Jahren Berufsverbot bekamen, weil sie angeblich Verfassungsfeinde waren und die Gesesellschaft kommunistisch unterwandern wollten. Die Grünen ließ der damalige CSU-Innenminister Zimmermann in ihren Anfängen ebf. vom Verfassungsschutz beobachten, manche Konservative wollten sie verbieten. Die Republik hat all diese vermeintlichen demokratiefeindlichen Umtriebe überlebt. Hab ein bisschen mehr Mut und Vertrauen!

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        Oha! Lieber Ludwig: Wenn das Paternalismus ist, dann bin ich gern paternalistisch. Und nein, die Bürger sind mittlerweile zu relevanten Teilen nicht mehr in der Lage, sich ein eigenes Bild zumachen. Weil sie allzu leicht der Propaganda der „alternativen Medien“ auf den Leim gehen und – schlimmer noch: Weil die „seriösen Medien“ immer wieder Kampagnen übernehmen oder zumindest publik machen, die aus diesem Sumpf kommen. Ich erinnere an den Fall Brosius-Gersdorf, der nicht er einzige dieser Art war.. Der Faschismus ist schon sehr weit in die Mitte der Gesellschaft eingedrungen. Und ja, dein Optimismus in Ehren, ich würde unserer 80 Jahre gewachsenen Demokratie zutrauen, sich gegen ihre Feinde zu wehren. Aber dazu müsste der politische Wille der demokratischen Parteien da sein, die eben dies Demokratie tragen. Aber was geschieht? Nichts ausser schönen Worten. Geren höre ich den Bundespräsidenten Reden zur Verteidigung der Demokratie halten und verstehe das auch als Mahnung an seine und die anderen demokratischen Parteien, endlich das Verbot der AfD in Gang zu bringen. Resultat: Nichts. 2024 waren Millionen Menschen auf den Strassen, als Correctiv die Deportationspläne enthüllt hatte. Reaktion der Politik: Beifälliges Nicken, dann wieder Schweigen. Aber wenn irgendwelche Pegida Spinner oder Impfgegner durch die Straße torkeln, wenn durchgeknallte Traktor-Terroristen Robert Habeck bedrohen, dann heisst es: „Wir müssen die Sorgen der Bürger ernst nehmen“. Und wer nimmt meine Sorgen ernst, der sich gar nicht mehr in bestimmte Regionen des Landes traut, weil er um sein Leben fürchtet? Wer nimmt die Sorgen der Juden, Muslime, Schwulen und Lesben ernst, die auf gepackten Koffern sitzen, weil es ihnen in diesem Land zunehmend angst und bange wird? Auch hier wieder: Sonntagsreden. Und jetzt kommen noch besonders Schlaue aus den Löchern wie der SPD Mann Albig, der meint, man könne doch auch mal mit der AfD…. Mein Gott, haben diese Leute alle nie Geschichtsunterricht gehabt oder geschlafen? Der Satiriker Christian Ehring hat das neulich gut auf den Punkt gebracht: „Vielleicht müssen wir ja einfach mal ein Bundesland opfern?“ Das war noch vor Albigs tollem Vorschlag. Andere wieder sagen: Ach, wird schon nicht so schlimm werden. Wie vor 100 Jahren. Ach, der Hitler, der ist in ein paar Wochen wieder weg. Als ich um 1971 anfing, mich durch Willy Brandt für Politik zu interessieren, war ich voll Optimismus. Voll Optimismus, dass die Demokratie endgültig und für alle Zeit (zumindest die meiner Lebenserwartung) die braunen Ideen aus dem Land gefegt hätte. Jetzt bin ich bald 70 und kann live zugucken, wie alles vor 100 Jahren begann. Und nun beginnt es schon wieder. Ich schäme mich für dieses Land und frage mich immer öfter, was unser Freunde im Ausland über Deutschland denken. Bislang habe ich mich noch nicht getraut zu fragen.

        PS: Ich habe mich oft gefragt, warum ich eigentlich Geschichte studiert habe. Heute weiss ich es und denke manchmal: Hätte ich besser nicht, dann säße ich fröhlich pfeifend in meiner Stube und würde denken: Ach, wird schon nicht so schlimm werden.

        PPS: „Die Ruhe vorm Sturm“. Song von BAP, fünf Jahre alt. „Räächte Pharisäer, scheinheilisch un feist prädije Barbareie, radikal jeschmacksbefreit. Schweinebauchverkäufer, miese Package-Deals
        Inflation der Bilder, gute Mine, böses Spiel. Lüje fleeje un die Wahrheit humpelt hingerher. Die schlemmste Lüje sinn die, wo mer selver draan jläuv. Ich kumm mir vüür wie’ne Kreisel. Dä rotiert, bess’e fällt. Zeitgeist, zum Monster mutiert erntet jetz wat’e jesäät: Fake-News, jezielt ennjesetz
        Algorithme, Twitter, alternative Facts. [Refrain] Spürs du die Ruhe vor’m Sturm? Kütt dir nit ir’ndjet bekannt vüür? Seltsame Ruhe vor’m Sturm. Do woor doch jet, schon ens. Kütt dir nit irjendjet bekannt vüür? Do woor doch jet, domohls.

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        Ich bin noch ein klein bisschen älter. In der Zeit des Kalten Kriegs, besonders den 50er, 60er und 70er Jahren, ging es ebf. hoch her. Da kam der Feind angeblich von links. z.T. stimmt es ja auch, wenn man nur an die RAF denkt. Unsere Demokratie hat auch das überlebt und ist gestärkt daraus hervorgegangen. Und Nein, der Faschismus steht nicht vor der Tür (wenn man Putin-Russland außer betracht lässt), er ist – entgegen anders lautenden Gerüchten, auch nicht tief in die Mitte der Gesellschaft eingetrungen. Davon abgesehen, dass die Nazis Nationalsozialisten, keine Faschisten waren. Die in großen Teilen rechtsextreme AfD macht sich breit, aber 70 Prozent sind nicht für sie. Ein Verbot würde auch nicht die Gesinnung aus den Köpfen entfernen – darüber haben wir schon mehrfach diskutiert. In meinem Beitrag geht es mir allerdings nicht um die Demokratie, sondern um eine Debatte darüber, was der Sozialstaat als wesentlicher Teil unserer sozialen, freiheitlichen Demokratie noch leisten kann und soll.

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    Die ‚Altparteien‘ (in toto) wären gut beraten, sich weniger um die AfD zu kümmern, als um ihre eigene schwindende Relevanz. Das gilt im Allgemeinen und im Besonderen für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk.

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      Die als „Altparteien“ diffamierten demokratischen Parteien wären gut beraten, endlich den AfD-Verbotsantrag auf den Weg zu bringen. Erschütternd, dass die CDU eine Broschüre mit allen dafür notwendigen Argumenten herausbringt, aber die Konsequenz nicht ziehen will.

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        Wenn das Erfolg versprechen würde, täte sie es, die CDU. Aber auch ihre Wählerschaft ist nun mal noch nicht ganz so verbohrt, wie die der ‚Grünen‘, die sich auserwählt wähnen, je nach Stimmungslage ‚den Planeten‘ oder ‚unsere Demokratie‘ zu retten und daher meinen, verbieten zu können, was ihnen gerade in den Sinn kommt. Alleinstellungsmerkmal Verbotspartei. Wenn sich allerdings mit z.B. Daniel Günther die Merkelianer in der CDU wieder durchsetzen, darf sie sich, als Verbotspartei B, mit den Graugrünen die 9,8% teilen, jeder 4,9%. Fände ich gut, denn mit 4,9% mag ich auch mein Bier.

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    Lieber Horst Kläuser,

    die AfD ist keine giftige Schlange, sondern eine ganz gewöhnliche Partei. Bestehend aus ganz gewöhnlichen Menschen.

    In der Kommunalpolitik war ich einmal ein paar Jahre Fraktionsvorsitzender im Kreistag und Stadtrat in der AfD und weiss:

    Gerade weil die AfD als giftige Schlange dargestellt wird

    – hat die AfD zum einen als Gegenreaktion und weil die öffentliche Erniedrigung des Menschen zum Tier Widerspruch erwecken muss, … auf allen Ebenen und auch zu Kommunalwahlen einen ständig wachsenden Wählerzuspruch.

    Und

    – hat die AfD, hatte auch ich Schwierigkeiten, Kandidaten zu finden, die sich das mit Name und Adresse „antun“. Es ist noch immer und auch in Sachsen berufsschädigend für Kleinunternehmer und für Beschäftigte im öffentlichen Dienst sowieso, offen das Etikett AfD zu tragen. Unabhängig davon, wer dann im der Wahlkabine das Kreuzchen bekommt. Wahlen sind ja geheim.

    Noch immer gibt es im Osten und im Westen sowieso deshalb Stadträte, in denen die AfD weniger Sitze einnimmt, als sie aufgrund des Wahlergebnisses einnehmen könnte. Sie hatte nicht genügend Kandidaten gefunden.

    Vor zwei Jahren war mal Ihr Kollege Georg Restle vom WDR hierher nach Markranstädt angereist, um eine Demo der von Ihnen so genannten „Zivilgesellschaft“ abzudrehen. Also „Markranstädt bleibt bunt“ und „Nie wieder ist jetzt“ und so.

    Hatte den Effekt, dass die Mehrheit auch der von Ihnen bevorzugten Stadträte sagte:

    „Hä?
    Was wollen diese ganzen Demo-Touristen hier? Wir sind doch hier der Stadtrat!“

    Und es hatte den Effekt, dass bei den Landtagswahlen einige Wochen drauf die AfD wieder 10 % mehr bekam, als noch 4 Jahre zuvor.

    Und das hat alles nichts mit Tieren und Schlangengift zu tun, sondern mit dem sehr menschlichen Reagieren sehr menschlicher Menschen.

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        Westberliner Oberstudienräte welch dem „Schöler“ die „Gerechtigkeit des Löhrers insbesondere im Hinblick auf die höheren Lehranstalten“ erklären, ….

        Und das dann gar noch mit Zitaten von Karl Marx und Friedrich Engels servieren…

        Die machen die AfD im Osten geradezu zu einem Selbtstläufer.

        Ich war mal 1991 bis 1994 Referendar in Bayern und deshalb nicht CDU- sondern CSU-Mitglied. Und habe noch die CSU als einen solchen „Selbstläufer“ erlebt.

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        Ihre Ressentiments gegen Lehrer in Ehren, Bodo Walther, ebenso wie Ihre Liebe zur „Feuerzangenbowle“, aber der Kandidat der AfD fiel in Meißen krachend durch. Auch dank meiner publizistischen Intervention.

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        „Auch dank meiner publizistischen Intervention“

        Ach, lieber Alan Posener, wie allmächtig Sie doch sind,

        jedenfalls Ihrer Selbsteinschätzung nach.

        Die Meißner hatten dem amtierenden stellvertretenden Bürgermeister, Herrn Renner, ihre Stimme gegeben. Einem offensichtlich von allen geachteten und erfahrenen Finanz-Dezernenten. Das interessiert den Wähler. Den Wähler interessiert doch gar nicht zum künftigen Oberbürgermeister, ob der vor 25 Jahren bei der NPD war oder vor 35 Jahren beim Wachregiment Feliks Dziershinski, also „der Stasi“.

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        Die Meißner gaben diesem … Kandidaten weniger Stimmen als der AfD bei der Bundestagswahl. Auch dank meiner Intervention, ja. Warum provoziert Sie das so?

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        P.S.:
        Meine Frau ist Lehrerin. Fragt mich immer Grammatik ab. Für Latein. Anstrengend, sag ich Ihnen! Aber gut!

        Wenn mich meine jungen Mitstudenten fragen, wieso ich mit meinen 65 Jahren noch Geschichtswissenschaften studiere, muss ich Ihnen gestehen, dass mich das immer interessiert hat. Ich mir aber mit 24 nicht getraut hatte, dies zu studieren. Weil ich den einzigen den Menschen ernährenden Job, den es dazu gibt, den des Geschichtslehrers nicht für attraktiv hielt.

        Nehmen Sie meine Abneigungen gegen Lehrer am besten als Neid.

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        Akzeptiert. Dennoch muss die gesamte Apposition zwischen Kommata stehen. Es fehlt also nach „Geschichtslehrers“ ein Komma.

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        „Muss die ganze Apposition zwischen Kommata…“

        Jetzt, liebet Alan Posener,

        muss ich erst mal meine Frau Deutschlehrerin fragen, was ne Apposition ist.

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        Und „liebet Alan Posener“ verbuche ich unter Freud’scher Fehlleistung.

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      Was natürlich, lieber Bodo Walther, nur die abermalige Auflage von AfD-Narrativen ist: Eigentlich sind wir harmlos, normal, unkompliziert – nur die boshafte Darstellung durch das Außen und die alarmistischen Reaktionen sorgen dafür, dass wir nicht ankommen können, dass uns die Radikalen zulaufen und wir Ämter mit ungeeigneten Menschen besetzen müssen. Ähnliches haben Lucke und Adam nach ihrem Ausstieg aus der Sache gesagt und damit nur bestätigt, wie tief die Kritikunfähigkeit in der AfD schon früh verwurzelt war.

      Denn die AfD will ja gar nicht ankommen, sie will nicht so schnell wie möglich zum Wohl dieses Landes arbeiten, vor allem nicht zusammenarbeiten. Sie will boykottieren, blockieren, bis die von ihr – teils nicht zu Unrecht – beklagten Probleme so groß geworden sind, dass eine Situation entsteht, in der die demokratische Konkurrenz ausgehebelt werden kann.

      Keinem Unternehmen, das sich übernommen hat, seinen Anspruch nicht einlösen kann und es nicht vermag, fähiges Personal anzuwerben, würde man es durchgehen lassen, dass es öffentlich der Konkurrenz die Alleinschuld an diesem Missstand zuweist. Bei einer politischen Partei ist das möglich.

      Die AfD wurde als Partei des „Dagegen!“ gegründet, die von Anfang an mit der Suggestion arbeitete, in Deutschland herrsche entweder keine Demokratie mehr oder deren rasantem Niederreißen müsse Einhalt geboten werden. Es musste den Beteiligten vollkommen klar sein, dass diese Rhetorik radikale Geister anziehen und andere, gemäßigtere abschrecken würde, und so ist es auch gekommen. Will man mit diesen Ersteren nicht gleichgesetzt werden, wäre es ein erster Schritt, die eigene Unvereinbarkeitsliste konsequent anzuwenden.

      Der Erfolg dieser Partei als die, die sie ist, zeigt, dass die Menschen an genau dieser Partei Interesse haben – und nicht an der, die sie eventuell sein könnte. Ihren Erfolg nur einem angeblichen Aufmerksamkeitsüberschuss durch die Gegner zuzuschreiben, ist intellektuell unredlich. Denn in anderen, vergleichbaren Fällen, wie dem BSW oder den Parteigründungen der Coronaleugner, ist es nicht zu einer Etablierung gekommen. Genauso kann man sich fragen, welches Verhältnis zur Redefreiheit eine Partei tatsächlich hat, in der man zwischen der Anwendung des bekannten Bildes vom Kaninchen vor der Schlange zur Illustration eines Sachverhalts und „öffentlicher Erniedrigung des Menschen zum Tier“ nicht unterscheiden möchte.

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        „… micht in der Lage, geeignetes Personal anzuwerben…“

        Lieber Matt Sand,

        mal was Sie möglicherweise Neues:

        Denn was ist im Parlament, auch im Kommunalparlament, ein für eine Fraktion geeignetes Personal?

        Aus Sicht des Fraktionsvorsitzenden: Das sind Parteifreunde, welche so abstimmen, wie der Fraktionsvostand das empfiehlt.

        Das erfordert nicht viel.

        Und das ist in allen Parteien und Fraktionen so.

        Im Kommunalparlament, wo es keine Diäten gibt, geht es darum, ÜBERHAUPT Personal zu finden.

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    … ooops? Sie, Hr. Kläuser, haben nicht erwähnt, dass die ‚blaue‘ Schlange, Verbreitungsgebiet Südostasien – die Vertierung von Menschen durch das Establishment wird immer absurder – den GEZ-Schnorrern auch den Geldhahn zudreht. Ich freue mich d’rauf.

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