Optimierung ist das Maß aller Dinge. Effizienz über alles. Jeden Zufall ausschließen, falls möglich (obschon Zufall die andere Seite der »Nothwendigkeit« ist, laut Hegel).
Das wahrnehme ich als Vater. Ist das Kind da – oder die Kinder, wie in unserem Falle (zweieinhalb und in Bälde fünf Jahre alt) –, steigt man in eine neue Welt ein, die eigentlich eine alte ist: Kinderwelt und die Eltern. Nur ist es jetzt anders herum: Elternwelt.
Und die gegenwärtigen Miteltern scheinen es kollektiv mit dem Zufallsexklusionswunsch zu übertreiben: Entweder bin ich als recht mittelalter Mann (*1973) punktuell bereits abgestumpft, oder man nenne es abgebrüht, vielleicht auch gelassen. Denn das Verhalten, was kosmologisch-metakonstant Elternliebe lautet, und das ich tagtäglich auf dem Spielplatz oder im Einzugsbereich der KITA, der Schule und auch teils in den eigenen sieben Wänden wahrnehme, scheint nicht Liebe, sondern Wahn zu sein.
Mit Fahrradhelm Porno gucken
Obacht!, man passe auf aufs Kind – jajaja. Allerdings: mit Fahrradhelm das Kind schützen, aber Smartphoneerlaubnis ab Kindesalter. Tun sich da nicht Widerspruchsabgründe auf, die den Boden des Marianengrabens erreichen?
Überall Angst, Not, Überbehütung, Kinderterminkalender voller als der vom Papa – oder der von der Mama, jaja, müssen wir doch ganz postmodern sein. »Das Kind kann laufen!« – wow, echt? »Meins mit 15 Monaten«. »MEINS mit 13!«.
Turn-, Ballett-, Fußball-, Sing-, Bastel-, Mandarinkurs und jeden Tag drei Bücher über Logopädie, Kindertrauma und Ernährungstipps lesen. Jeder scheele Blick ist vermuteter Kindesmissbrauch, einmal stürzen sofort 112.
NICHT im Sand spielen, Kevin-Balsamico! Es könnten Pocolocostreptokken im Sand sein, davon bekommt das Kind Krebs. Oder AIDS? Handschuhe an! Der Kinderwagen hat eine Schaukelautomatik. Mit GPS, damit Lilith-Cosima nicht verloren geht.
200 gr Geniestreich – im Angebot
»Na, willst Du noch schaukeln?« Das Kind brüllt. »Okay, mein Schatz, dann weiter!«. Das Blag ist 18 Monate alt. Gute Eltern. Insbesondere der 50plus-Papa. Der mit Hoodie, Sneaker und Wollmütze – trotz Sommer.
Zu Hause is‘ die »Family-App« (FApp) installtiert: Jede Bewegung wird gescannt, alles, jedes Wort, das der Eltern, das (Gebrabbel) der Kinder, Nahrung, Stuhlgang, REM-Phasen – alles. Am Ende des Tages wird abgerechnet. Die KI optimiert. Perfekt. Plusquamperfekt. Immer. Gnadenlos. Für den künftigen Albert E. Und die künftige Marie C. Karriere über alles. Tod dem Zufall.
»Ich kann gar nicht so viel fressen, wie kotzen möchte.«
PS: Googeln Sie oder schlagen Sie’s bitte nach, was fap auf Deutsch heißt.