Eine Erwiderung auf Alan Posener
Wie wird man mächtig in der Demokratie? Durch markige Sprüche und und öffentlich aufgeführte schlesische Volkstänze?
Mitnichten. Macht erlangt „man“ in der Demokratie durch das Aufstellen einer Interessenvertretung und deren Einzug in die Parlamente. Der 1950 in Schleswig-Holstein gegründete Block der Heimatvertriebenen und Entrechteten (BHE) zog noch im selben Jahr mit 23,4 % der Wählerstimmen in den dortigen Landtag ein. Das war noch wenig, angesichts der Tatsache, dass in jenem Jahr jeder zweite Einwohner Schleswig-Holsteins ein Vertriebener war.
Und wo in späteren Jahren der Flensburger Klempnermeister Röhrich seinen Gesellen „Eckat“ losschickt, ob bereits „die Russen im Keller“ seien (Bild oben).
Auch in Hessen war der Vertriebenenanteil so hoch, dass der BHE 1950 in einer gemeinsamen Liste mit der FDP mit 31,8 % in den Landtag einzog. In Bayern errang er 1950 stolze 12,3 %.

Nicht überall gab es einen großen Vertriebenenanteil in der Bevölkerung. Die französische Besatzungsadministration hatte (bis 1949) gar keine Vertriebenen aufgenommen, das von Paris aus verwaltete Saarland sowieso nicht.
Bei der Bundestagswahl 1953 gewann der BHE deshalb bundesweit „nur“ 5,9 % der Stimmen. Aber immerhin, das genügte für den Parlamentseinzug. Adenauers CDU ging mit ihm eine Koalition ein, der BHE stellte zwei Minister.
Weitblickende Strategen in der SPD und der CDU warben später dem BHE die fähigsten Köpfe ab, was aber dessen Anliegen nicht zum Erliegen brachte. Es zog vielmehr auch in diese Parteien als deren Anliegen ein.
Was wollten „die Vertriebenen“ machen mit der Macht?
„Wiedergewinnung der Heimat“? Ach geh! Vertriebenenpolitiker vertraten zuvörderst eine soziale Bewegung. Vertraten ein Klientel, das bettelarm seinen Platz im Parlament erkämpft hatte und nun etwas haben wollte vom Frühstückstisch.
Mit beachtlichem Erfolg:
Das bereits 1952 erlassene Lastenausgleichsgesetz bestimmte, dass jeder, der noch verwertbares Vermögen besaß, die Hälfte (!) dessen Wertes in einen Lastenausgleichsfond, vor allem zugunsten der Vertriebenen und Geflüchteten, einzuzahlen hatte (§§ 16 bis 90),
Aus diesem Fond erhielten dann diejenigen, die alles verloren hatten, einen Ausgleich. Diese „Hauptentschädigung“ (§§ 243 ff.) wurde nach der Höhe des anerkannten Schadens und sozial gestaffelt gezahlt.
§ 246 gewährte den Grundbetrag nach Schadensgruppen.
In der Schadensgruppe 1, der Schäden bis 5000 RM erfasst, wurde fast der ganze Schadensbetrag als Lastenausgleich in DM berücksichtigt.
In der Schadensgruppe 30, der Schäden bis 2.000.000 RM erfasst,war ein Grundbetrag von 25.750, zuzüglich 10 % des 110.000 RM übersteigenden Schadensbetrags vorgesehen.
Diese Beträge wurden dann noch nach anderen Regelungen des Gesetzes bezuschlagt ( § 248 ) oder gekürzt ( § 249 )
Das Gesetz galt zunächst nur für diejenigen, die zum genannten Stichtag, dem 31. Dezember 1952, in der Bonner Republik Aufnahme gefunden hatten.

Die Anerkennung als „Sowjetzonenflüchtling“ nach § 3 des Bundesvertriebenengesetzes – BVFG (Im Bild oben mein Nachweis meiner Eigenschaft als ein solcher.) eröffnete allerdings Lastenausgleichsansprüche über diesen Stichtag hinau.
Wenngleich auch auf dem Gebiet der Bonner Republik Menschen einen totalen Vermögensverlust wie z.B. im ausgebombten Hamburg erlitten hatten und anspruchsberechtigt waren: Vertriebene und Flüchtlinge waren im Wesentlichen die Empfänger der Leistungen.
Was für eine gigantische Umverteilung von Vermögen!
Da wird doch jeder Marxist blaß vor Neid!
Und wirtschaftlich musste es endlich aufwärts gehen. Das oben schon genannte Bundesvertriebenengesetz – BVFG schuf umfangreiche Beweiserleichterungen für die Berufszugangsvoraussetzung als Arzt, Apotheker ( § 70 ), Handwerksmeister ( § 71 ) und sonstige Berufsabschlüsse.
Für diejenigen, die diese Abschlüsse nicht hatten erwerben können, gab es bevorzugte Unterbringungen in Ausbildungseinrichtungen ( § 78 Abs. II ) und es gab Kredite für Unternehmen, die Vertriebene einstellten ( § 79, § 72 Abs. 2 bis 3 ). Bei der Vergabe öffentlicher Aufträge waren Vertriebene bevorzugt zu berücksichtigen ( § 74 ).
Und dann noch die Kriegsheimkehrer
Aber nicht nur ca. 8 Millionen Flüchtlinge und Vertriebene hatte die Bonner Republik unterzubringen, sondern auch 7 ½ Millionen bis 8 ½ Millionen heimkehrende Kriegsgefangenen. Die meisten von ihnen waren sehr jung und ohne berufliche Erfahrungen zur Wehrmacht eingezogen worden. Wer direkt vom Gymnasium an die Front gerufen war, verfügte über gar keine Berufsausbildung.
Ausbildungs- und Fortbildungsbeihilfen gewährte diesem Personenkreis das 1950 erlassene Heimkehrergesetz, HkG.
Und nicht nur nebenbei: Für in die alte Bundesrepublik freigekaufte politische Gefangene der DDR (also für mich) galten alle Regelungen des Gesetzes analog. Was wiederum eine Bundesbeauftragte für die Opfer der DDR-Diktatur offenbar nicht weiß.
Was bewirkten also „die mächtigen Vertriebenenverbände“?
Zuerst bewirkten sie, dass die Vertriebenen fest einwurzeln konnten in der neuen Heimat. Und dieses ist ein anderes Ziel als das Ziel einer Rückkehr. Es ist das Gegenteil.
Heimatweh? Vertriebenenschmerz?
Ach geh. Ab Ende 1947 hatten die Vertreibungen in zum Beispiel Polen sich in ihr Gegenteil verkehrt. 700.000 Deutsche in Oberschlesien wurden nun nicht mehr herausgelassen aus dem Land. Polen brauchte sie als Bergleute in den Kohlengruben, als Landwirte und Handwerker, als Arbeiter, die eine Volkswirtschaft nun eben braucht.
Der Begriff des „Spätaussiedlers“ beschreibt den Deutschen, der erst spät und nach langem Warten das „Vertreibungsgebiet“ verlassen durfte.
Joschka Fischer überraschte mich 1998 als Bundesaußenminister, als er sagte, seine Eltern, Vertriebene aus Ungarn, hätten den ganzen Tag von nichts anderem als dem Vertriebenenleid gesprochen. Und dabei seien doch sie es gewesen, die das große Los gezogen hatten. Und es sei doch die Tante gewesen, die nicht vertrieben wurde und in Ungarn blieb, die ganz tief in den Matscheimer griff.
Donnerwetter!
So viel Realismus hatte ich diesem Revoluzzer gar nicht zugetraut.
………………………………………….
P.S.:
Und was hat das alles mit den Arabern im Gaza zu tun?
Na jedenfalls war es unter uns Deutschen 1945 nicht mehrheitsfähig, die „Ungarndeutschen“ als Nicht-Deutsche einzutüten.
Als Österreicher zum Beispiel.

Adenauers verordneter Antikommunismus trug die „Bundeszentrale für Heimdienst“ bis in die kleinste Schulstube hinein. Jährlich wurden uns Kindern indoktrinierte „Jahrestaschenbücher“ von den Lehrern überreicht.
Hier ein kleiner Einblick, der sicher einige Herzen auf diesem Blog höher schlagen lässt. Vieles was ich auf diesem Blog lesen muss, ist für mich ein „alter Hut“.
Taschenbuch 1961
Herausgeber: Bundeszentrale für Heimatdienst, Bonn.
Die Freiheit muß verteidigt werden
Bis tief in das Herz Europas sind die bolschewistischen Armeen im 2. Weltkrieg vorgedrungen. Viele Millionen Menschen haben sie aus ihrer Heimat vertrieben oder unter die russische Knechtschaft gezwungen. Alte europäische Kultur in unseren östlichen Nachbarländern haben sie unterdrückt und zerstört, Deutschland haben sie gespalten.
Die Bolschewisten sind maßlos in ihren Zielen, wie in ihren Methoden. Durch die Weltrevolution wollen sie alle Menschen unter den Kommunismus zwingen. Das Recht, die Moral, der Glaube und die Freiheit anderer haben für sie keinen verbindlichen sittlichen Wert, den sie achten und anerkennen. Die Bolschewisten benutzen kein Wort so häufig wie „Frieden“, und doch meinen sie nur den waffenlosen Krieg, die Auseinandersetzung mit den Mitteln der Politik, der Wirtschaft, des Glaubens und der Ideologie. ….
Bodo Walther
es ist einigermaßen sinnlos, mit Ihnen darüber streiten zu wollen, wer denn nun 1940 die 4.400 polnischen Offiziere in Katyn umbrachte. Und wer 1941 die 4.000 Eingesperrten im Gefängnis zu Lwiw.
Lwiw – „Völkischer Beobachter“ Wien 6.7.1941
Katyn – „Völkischer Beobachter“ Wien 14.4.1943
Bodo Walther
Guten Tag, Genosse Weber,
Diese Worte erinnern mich an ein Gespräch im von der sowjetischen Armee befreiten Wien.
Ein Schornsteinfeger, der in Stalingrad einen Arm verloren hatte, mit einer Hausgehilfin. Ich zitiere:
IWAN SCHUTOW
APRIL
1954
TRIBUNE – VERLAG UND DRUCKEREIEN DES FDGB. BERLIN
„Auch nur daran zu denken ist für mich schon schrecklich, Herr Helm.“
„Siehst du, Rosi“, sagte Helm ernst. „Übrigens: Sag nicht immer ‚Herr‘ zu mir.“
„Aber wie denn?“ wunderte sich das Mädchen.
„Sag doch Friedrich oder — Genosse! Genosse Helm.“
„Genosse? Das ist für mich ungewohnt.‘
„Gewöhn dich dran. Nur so sollten sich die Arbeiter nennen. Sepp Lusthoff sagt das immer.“
Das Zeitalter des Internets brachte mir die Freiheit Bücher zu kaufen, die mich interessieren.
Bis 1969 waren bei uns in der Alt-BRD DDR-Bücher und DDR-Zeitungen verboten. Wer denunziert wurde, ging schnell für ein Jahr ins Gefängnis. Auch Menschen aus der DDR, die in die Alt-BRD zu Besuch kamen und eine DDR-Zeitung bei sich hatten, wurden verfolgt, vor Gericht gesperrt und nicht wenige gingen ins Gefängnis (politisch Gefangene in der Alt-BRD).
Hallo Herr Walther,
jetzt mal „Butter bei die Fische“!
Ich freue mich ja grundsätzlich, dass Sie, wie ich in anderem Zusammenhang, auf die „sozialistische“ Tradition der CDU verweisen und das Lastenausgleichsgesetz erwähnen. Aber beim Thema AfD lavieren Sie aus meiner Sicht ziemlich rum. Nachdem diese „Partei“ – und kommen Sie mir nicht mit Zufall – mit ihrem Parteitag der NSDAP huldigt, die vor 100 Jahren an selber Stelle Hof hielt, kann man niemanden, der dort erschienen ist, irgendeine Ehre mehr zuerkennen. Wer da mitmacht, steht ganz klar außerhalb unserer Werteordnung. Und ich verstehe auch nicht, wieso sich die Messegesellschaft nicht allein mit diesem Argument, gegen den Abschluss eines Nutzungsvertrages gewehrt hat. Ich hätte das durchgezogen bis zum Bundesverfassungsgericht. Hätte die einfach nicht reingelassen. Meine Mitarbeiter dysfunktional eingesetzt, das Ding einfach boykottiert. Bis vor einiger Zeit, als der Laden (AfD) noch nicht ganz Braune umgekippt war, habe ich die demokratischen Rechte auch der AfD immer hochgehalten und verteidigt. Aber wenn der Laden kippt, gibt es in unserer Verfassung klare Mechanismen, um Feinde unserer Demokratie zu stoppen. Und dieser Moment ist gekommen. Die AfD überschreitet bewusst Grenzen und wenn wir dem nicht Einhalt gebieten, sind wir bald wieder so weit. Und da interessiere ich mich schon dafür, wo Sie da stehen wollen.
MfG 68er
Hallo 68er,
meine Intention war eigentlich die Darstellung, dass „die Vertriebenen“ sich ihren Teil am Frühstückskuchen SELBST erkämpft haben. Und wie sie das taten.
Also dass „sozialistische Traditionen“ bei der CDU oder der anderen sozialistischen Partei keineswegs der Auslöser waren.
Also da gab es ein Verteilungsproblem, wie heute, und darauf wurde reagiert. Wenn man da heute auch mit einem Lastenausgleichsgesetz reagieren würde, bin ich mir sicher, dass – vor allem die Leute bei AfD, CDU/CSU und FDP versuchen würden, das als „sozialistisch“ zu diffamieren.
P.S.: Kommt da noch was zum Parteitag, oder ist 88 für Sie auch nur eine gewöhnliche Zahl ohne Bedeutung und der 20. April nur ein Frühlingstag, wie jeder andere?
@Achtundsechziger
… zuerst Ihr Kommentar 5. Juli 2026 um 13:18; ich will die ’18‘ in der Uhrzeit und auch nicht den ’18‘. Kommentar in diesem thread problematisieren.
… Mindestlohn ist Sozialismus und im Widerspruch zur Marktwirtschaft. Mit Mindestlohn sind Sie bei Daniel Cohn-Bendit; ‚die multikulturelle Gesellschaft ist hart, schnell, grausam und wenig solidarisch, sie ist von beträchtlichen sozialen Ungleichgewichten geprägt und kennt Wanderungsgewinner ebenso wie Modernisierungsverlierer; sie hat die Tendenz, in eine Vielfalt von Gruppen und Gemeinschaften auseinanderzustreben und ihren Zusammenhalt sowie die Verbindlichkeit ihrer Werte einzubüßen.‘
Eine Steuerreform, etwa ala Prof. Kirchhoff, unter Berücksichtigung aller Einkommensarten, usw., dürfte im Programm der AfD favorisiert sein … eine Solidargemeinschaft, übrigens, funktioniert nur in einem geschlossenen System. Max Weber; ‘allein die Nation kann die innere Bereitschaft der Menschen wecken, sich solidarisch und selbstlos für das Gemeinwesen einzusetzen,’…
Jo, so ist das. Einigkeit und Recht und Freiheit.
Mitteldeutschland?
Entnommen aus dem antikommunistischen „Argentinisches Wochenblatt“ vom 7. Juli 1945:
„Inzwischen beklagen sich die neuen deutschen Behörden namentlich Dr. Konrad Adenauer, dass diese geplante nordamerikanische Propaganda noch nicht funktioniert. Er erklärt, dass infolgedessen die Nazipropaganda in vielen mitteldeutschen Zonen wieder auflebe, dass geheime Naziversammlungen in kleinen Zirkeln stattfinden, dass mit „Heil Hitler“ gegrüsst wird usw.
Er schreibt, das wie gesagt den Mangel an antifaschistischen Gegenwirkung durch Propaganda mit der Wahrheit zu. Die einzige Propaganda dieser Art war bisher der auf die deutschen Zivilisten, die Konzentrationslager-Greuel im Film anzusehen. Die Kriegsverbrecher Prozesse werden weiteres Material liefern.“
Zeitzeuge – Heinz Feldpostbrief vom 20.5.1942:
d. 20.5.42
Liebe Elly,
…. Aber wir werden auch das noch überstehen, denn es ist bestimmt der letzte Kriegssommer und ich glaube auch nicht, dass es noch einen Kriegswinter in Russland gibt. Wir müssen siegen, denn sonst würde es uns schlecht gehen. Das ausländische Judengesindel würde sich fürchterlich am Volk rächen, denn hier sind, um der Welt endlich Ruhe + Frieden zu bringen, hunderttausende von Juden hingerichtet worden. Vor unserer Stadt sind auch 2 Massengräber. In einem liegen 20.000 Juden und dem anderen 40.000 Russen. Zuerst ist man zwar davon erschüttert, aber wenn man an die große Idee denkt, dann muss man ja selbst sagen, dass es nötig war. Jedenfalls hat die SS ganze Arbeit geleistet und man hat ihr viel zu verdanken. Vielleicht werden wir später mal die ganze Größe der Zeit erfassen, vielleicht auch nie. ….
Genau. Man wusste ziemlich genau, was im Osten passierte, und fürchtete umso mehr die Rache „des Juden“.
Lieber Herr Walther, eine Erwiderung? eher eine liebevoll kommentierte Fußnote. Dass die Vertriebenenverbände Integration und Lastenausgleich vorangebracht haben, bestreitet niemand. Aber in den Protokollen stand über Jahrzehnte auch: Oder-Neiße nein. Frau Steinbach stimmte 1991 gegen deren endgültige Anerkennung. Die spätere AfD-Mitgliedschaft kam nicht überraschend.
https://www.kas.de/en/web/polen/single-title/-/content/das-gefaehrliche-spiel-mit-erika-steinbach1?
Lieber Ben Frick,
im Mai überraschte mich mein alter Freund Michał in Warschau, ein Universitätsprofessor (!), …
… mit der Frage, was es mit dieser AfD in Ostdeutschland auf sich habe, welche Schlesien und Pommern und Ostpreußen „wieder zurück haben“ wolle. Wie man in mehreren polnischen Zeitungen lese.
Hä?
In der Tat, die Angstmache vor der AfD treibt in Polen tatsächlich noch buntere Sumpfblüten als bei Ihnen.
Lieber Bodo Walther, die AfD machen Sie jetzt zum Thema. Ich habe nur zum Ausdruck gebracht, dass mich Frau Steinbachs spätere politische Heimat nicht überrascht. Dort finden sich schon noch ein paar Freunde der alten Vereinsprotokolle. Was meint denn z.B. Herr Höcke, wenn er die völkerrechtswidrig abgetrennten Teile unseres Vaterlandes beklagt?
Nun ja, wenn Alice Weidel die frühere DDR als „Mitteldeutschland“ bezeichnet, fragt man sich, wo dann „Ostdeutschland“ liegt.
https://x.com/Alice_Weidel/status/1666757390782410752
Ich glaube, die AfD ist zu allem fähig. Aber die Priorität liegt schon bei der Abschaffung von Demokratie und Freiheit auf dem jetzigen Territorium der Bundesrepublik. Für alle weitere muss erst Putin um Erlaubnis gefragt werden.
… ooops? Korrektur
… tja, Freunde, ihr werdet es nicht für möglich halten; es gibt sogar in 2026 noch den ‚mdr‘, den Mitteldeutschen Rundfunk.
Und APo ist es sogar lieb, die Deutschen gewännen ein Verhältnis zu ihren eigenen Kränkungen und Traumata zurück, erlaubten sich Trauer und Zorn über die an ihnen begangenen Verbrechen, allen voran der ethnischen Säuberung der ehemals deutschen Ostgebiete, …
… ähm, und werter Alan Posener, ich bin mir sicher, ‚die Deutschen‘ haben keine neurotische Obsession mit Israel und den „Palästinensern“. ‚Die Deutschen‘ wollen auch nicht ‚gen Osten‘ marschieren … im Übrigen sind meine Familie und ich Vertriebene und Flüchtlinge der Gruppe ‘A’. ‘A’ steht für Personen, die bereits vor 1937 in den deutschen Ostgebieten lebten. Zusätzlich sind meine Familie auch Sowjetzonenflüchtlinge, §3 BVFG. Die Gruppe ‘A’ ist, bis eine Generation, vererbbar.
Der Wille, in der „neuen Heimat“ anzukommen, lieber „Hans“,
und das Anhängen an der „alten Heimat“ …
… sind ein ZIELKONFLIKT.
Ich war erst 24, als ich als „Sowjetzonenflüchtling“ in den Westen verkauft wurde. Ich dachte 1984 (irrtümlicherweise), ich würde meine Vaterstadt Weißenfels nie wieder sehen. Aber das war, denke ich, fürs Studium ganz hilfreich.
T.Z.: ‚Ich glaube, die AfD ist zu allem fähig. Aber die Priorität liegt schon bei der Abschaffung von Demokratie und Freiheit auf dem jetzigen Territorium der Bundesrepublik. Für alle weitere muss erst Putin um Erlaubnis gefragt werden.
… Hr. Zimmer, Demokratie heißt zuerst früh aufstehen und nicht Straßen und Schienen blockieren, die ohnehin schon gesperrt sind. Penner aller Länder vereinigt euch? Da könnte mir für Karl-Marx und Friederich Engels Fremdscham aufkommen. Könnte. The highway is for gamblers, better use your sense …
@hans. Demokratie bedeutet, jederzeit alles zu tun, um zu verhindern, dass die AfD auch nur den kleinsten Zipfel Macht bekommt. Egal zu welcher Uhrzeit. Insofern war Erfurt – wie auch der CDU-OB der Stadt konstatierte – ein wunderbares Fest der Demokratie. Was natürlich nicht das längst überfällige Verbot dieser Partei ersetzt, die die Demokratie und die Freiheit und Deutschland abgrundtief hasst.
@T.Z.
‚Der ideale Untertan der totalitären Herrschaft ist nicht der überzeugte Nazi oder der überzeugte Kommunist, sondern der Mensch, für den die Unterscheidung zwischen Fakt und Fiktion (d. h. die Realität der Erfahrung) und die Unterscheidung zwischen wahr und falsch (d. h. die Maßstäbe des Denkens) nicht mehr existieren.‘ Hannah Ahrendt
@Hans. Tja, Arendt hatte offenbar prophetische Gaben und konnte den Charakter der Wähler der beiden totalitären Parteien vorausahnen – AfD und BSW (plus Teile der Linken). Die perfekten Untertanen in einer Diktatur, nach der sich die Braunen wie die Roten heute wieder sehnen, obwohl sie durch Nazirecih und DDR gewarnt sein müssten. Ist mir als konsequentem Verächter jeder Ideologie schon lange bekannt. Was also wollten Sie mir mit diesem Zitat sagen? ich nehme mal an, es war reine Lust an der Provokation.
@T.Z.
… werter Thomas Zimmer, beim Spiegelschach verliert ’schwarz‘ immer. Mostly say hooray for our side. It’s time we stop.
@Hans. In der Realität verlieren Demokratie- und Freiheitsfeinde langfristig immer.
T.Z.: <iY In der Realität verlieren Demokratie- und Freiheitsfeinde langfristig immer.
… sehe ich auch so. Ich sehe aaaber auch, ‚langfristig‘ ist vorbei – die Realität kommt früher als ‚UnsereDemokraten‘ es wahrhaben wollen … das Spiel ist aus!
@Hans. „Unsere Demokraten“. Ihr Sprache verrät und entlarvt Sie. Danke und tschüs.
@T.Z.
… jetzt haben S’e mich aaaber erwischt, Hr. Zimmer.
Übrigens ‚tschüss‘, ursprünglich ‚ad deum‘, ‚Gott befohlen‘, ist eine alte, traditionelle deutsche Abschiedsformel. Im übertragenen Sinn: ‚Ich befehle (empfehle) dich in Gottes Schutz und Obhut.‘ Ich Sie auch. Sie schaffen das. Nur Mut.
Als ich folgende Quellen gelesen hatte, gab ich meinen Flüchtlingsausweis zurück.
Spiegel – 03.10.1983
AFFÄREN
Wackelige Einheit
Ex-Vertriebenenminister Theodor Oberländer erlitt in München eine gravierende Prozeß-Niederlage: Seine Gegner dürfen sich vorerst ungestraft auf ein Mord-Urteil des obersten DDR-Gerichts berufen.
Als alter Nazi war Theodor Oberländer, 78, unter Konrad Adenauer einst CDU-Bundesvertriebenenminister, schon immer einzustufen. 1923 marschierte er mit dem putschenden Adolf Hitler zur Münchner Feldherrnhalle, 1933 trat er der NSDAP bei, und im Krieg half er nach Kräften bei der vom Führer gewünschten „rücksichtslosen Germanisierung“ östlicher Nachbarn mit.
Seit vorletzter Woche darf Oberländer, etwas konkreter, auch der Mittäterschaft bei Massakern und Pogromen während des Ostfeldzugs bezichtigt werden, sofern ein Urteil des Oberlandesgerichts München Rechtskraft erlangt. Dessen 21. Zivilsenat berief sich dabei ausdrücklich auf ein Urteil des Obersten Gerichts der Deutschen Demokratischen Republik.
– „Neues Deutschland“ vom 2.10.1959
Oberländer ist „beglückt‘ über sein Blutbad in Lwow
„Der Einmarsch in Lemberg war ein erhebendes Glücksgefühl.“ So wagte der Bonner Revanchistenminister Oberländer am Mittwoch auf einer Pressekonferenz in der westzonalen Hauptstadt seine Gefühle bei der Ermordung vieler Tausender Geistesschaffender in dieser Stadt durch die unter seinem Kommando stehenden „Nachtigallen“ zu schildern. Der Massenmörder hatte die Pressekonferenz gemacht, um sich von der Schuld reinzuwaschen. Was kam dabei heraus?
Bekenntnis zu „seinen Männern“
1. Oberländer konnte keine der von unserer Zeitung und einigen Blättern “ Westdeutschlands enthüllten Tatsachen widerlegen. „Mit gespanntem Gesicht, mit nervösen Händen“ — schreibt die „Welt“ – wich er stammelnd den Fragen aus.
2. Der Henker solidarisierte sich ausdrücklich mit „seinen Männern”. Wer waren „seine Männer“? Das waren die Banditen der Division Brandenburg, eine der schlimmsten Barbareneinheiten der Faschisten, das waren die weißgardistischen Landesverräter, das waren die hinterhältigen Henker des Abwehrchefs Canaris, die in fremden Uniformen in ganz Europa fürchterliche Blutbäder anrichteten. Diese Kreaturen, führte Oberländer für sein unerhörtes Greuelmärchen, das Blutbad in Lwow sei von sowjetischen Truppen angerichtet worden, als „Kronzeugen“ sie seien bereit, seine Lügen zu bestätigen. So wagt ein Bonner Minister die Sowjetunion zu verleumden und zu provozieren.
3. Oberländer rief auch Goebbels als Zeugen an, der schon im Juli 1941 das Lemberger Blutbad der Sowjetunion in die Schuhe schieben wollte, genauso wie er es wenig später mit Katyn machte, wo die Faschisten Zehntausende polnischer Offiziere umbrachten.
4. Der Initiator des Lemberger Blutbades gab in Bonn zu: Er war zu der von uns angegebenen Zeit in Lwow, er war Oberleutnant bei den „Nachtigallen“, er war dort „Sachverständiger“.
Worin bestand seine Aufgabe? Er sagte: Ich war Spezialist dafür, „wie man Menschen anderen Volkstums behandelt”. Was meinte Oberländer damit? Er beschrieb es in der Nazizeitschrift „Neues Bauerntum” kurz nach dem Überfall auf Polen:
„Härte‘‘ gegen die Polen
… eine einmalige Härte gegen die Polen ist besser als ein durch Generationen währender Kleinkampf. Eine klare Trennung zwischen Deutschtum und Polen ist nach den Ereignissen der letzten Jahre eine absolute Notwendigkeit … Aus diesem Grunde ist neben vielen anderen eine Assimilierung des Polentums abzulehnen. Sie würde unserem Rassenprinzip, unserem Volkstumsprinzip und dem Sinn unseres Kampfes für einen neuen Lebensraum widersprechen.”
Darum ging es Oberländer, als er seinen „singenden Nachtigallen” in Lwow voranstürmte und Tausende Polen ermorden ließ.
Nach der Pressekonferenz in Bonn ergibt sich erst recht die Forderung: Herunter mit ihm vom Ministersessel Er gehört hinter Zuchthausmauern !
– Entnommen aus dem argentinischen Wochenblatt 29.9.1945
BERLINER TOTENGRAEBER
Sie leeren Massengräber aus und schaufeln neue Berlin.
20. September (AP) — Die Totengräber sind gegenwärtig in Berlin mit einer doppelten Aufgabe beschäftigt: sie leeren die Massengräber jener aus, die in den letzten Tagen des Widerstandes in der Stadt gefallen sind und graben neue Gräber aus, in Voraussicht eines enormen Ausmasses von Sterbefällen im kommenden Winter. In tiefen Gräben im Garten der Reichskanzlei, unter den Fenstern der einstigen Räume Hitlers sind Gruppen von ehemaligen Mitgliedern der Nazipartei dabei, Trümmer und Leichen von 850 Gefallenen der einstigen Hitlerschen Leibstandarte wegzuräumen. Das sind aber nur einige wenige von den ungefähr 100.000 Leichen die auf den grössten Plätzen und Parks der Stadt in wenig tiefen Gräbern ruhen, aus der Zeit bevor die Alliierten die Stadt eroberten. Einige der Toten liegen sogar immer noch nur bedeckt mit Kleidern am Boden und das stellt natürlich ein schweres sanitäres Problem dar. Nun bringt man sie also in die Soldatenfriedhöfe.
Weitere tausend — einige Schätzungen gehen bis 10.000 — Tote müssen aus der 4 Kilometer langen Untergrundbahnstrecke vom Stettiner- zum Anhalterbahnhof herausgebolt werden. Diese Tunnels wurden von der SS in verbrecherischer Weise überschwemmt weil die Flüchtlinge, die dort Zuflucht gesucht hatten, vor den Russen kapitulieren wollten.
Die Aufgabe, die Wassermenge, die in den Stationen 7,20 Meter tief sind, wegzupumpen, hat ungefähr zwei Monate gedauert, und man erwartet, dass sie nun in den nächsten beiden Wochen fertig werden wird.
Inzwischen gräbt man schon die Massengräber für jene, die unweigerlich der Winterkälte und dem Winterhunger zum Opfer fallen werden, der die Bevölkerung bedroht.
Die Briten haben den Deutschen ihres Besatzungssektors Instruktionen erteilt wie sie ihre Toten zu begraben haben, damit alles leicht und schnell geht. Deshalb wurde ihnen gesagt, die Gräber jetzt schon vorzubereiten. Wegen ihrem Gesundheitszustand und der Knappheit der Rationen die die Berliner bedroht, meinen die Briten, dass es jetzt viel leichter sein wird, die Gräber herzustellen, als bei hartgefrorenem Boden und mehreren Zentimetern Schnee. Den Deutsen wurde auch gesagt, dass wegen der großen Brennstoffnot keine XXXX erlaubt sein werden, ja man wird nicht einmal Holz haben um Särge herzustellen. Die Berechnungen der britischen Behörden einer großen Sterblichkeit im Winter stützen sich auf die bereits jetzt schon vorhandenen Statistiken, die zeigen dass die Sterblichkeit von 11 und 12 Promille der Bevölkerung in normalen Zeiten auf 61 Promille angestiegen ist.
Lieber Genosse Weber,
es ist einigermaßen sinnlos, mit Ihnen darüber streiten zu wollen, wer denn nun 1940 die 4.400 polnischen Offiziere in Katyn umbrachte. Und wer 1941 die 4.000 Eingesperrten im Gefängnis zu Lwiw. Was dazu im Netz zu finden ist, habe ich Ihnen verlinkt.
Übrigens meinen ukrainische Nationalisten, dass der Sowjetische Geheimdienst, also „die Russen“ kurz vor dem Einmarsch der Wehrmacht 4.000 UKRAINISCHE PATRIOTEN im Lwiwer Gefängnis erschossen hätten. Was dann wieder der nächste Unsinn ist. In Lwiw lebten 1941 nur 15 % Ukrainer.
Zu Oberländer ist dieser bereits auf dem Ticket des BHE 1953 Bundesvertriebenenminister geworden. Er ist einer von denen, zu denen ich schrieb, dass die CDU ihn dann abgeworben hat. Das war im Jahr 1956.
„Festung Breslau“ – Buch von Paul Peikert, Pfarrer Zentrum-Partei-Abgeordneter. CDU/CSU sind die Nachfolgeparteien des Zentrums.
„Printed in Poland, Zaklad Nwrodowy Ossolinskich – Wydamnictwo 2000, Drukarnia TINTA, Wroclaw“
Paul Peikert, geb. 1884 war ab 1932 Erzpriester in Breslau.
Peikert war ein entschiedener Anhänger der Zentrumspartei, die im Industriegebiet von Waldbrych ein Gegengewicht zu der kommunistischen und sozialdemokratischen Bewegung bildete.
Nachfolgend wichtige Aufzeichnungen aus dem Tagebuch von Paul Peikert von Januar – Mai 1945
Ich zitiere:
…. setzte eine ungeheure Propaganda ein, auch die Grossstadtbevölkerung aus Breslau zu entfernen.
Diese Propaganda arbeitete mit Schauermärchen über die Greueltaten der Bolschewiken, denen besonders die Frauen- und Mädchenwelt ausgesetzt sein würde. Dann wiederum wurde der schärfste Druck, ja sogar Terror ausgeübt, indem jede Familie von Abgesandten der Ortsgruppenleiter besucht und unter scharfen seelischen Druck gesetzt wurde, mit Kindern und älteren Leuten zu flüchten. Es wurde angedroht, dass die Zurückgebliebenen keine Lebensmittelkarten erhalten würden oder dass die betreffenden Häuserblocks, in denen sie wohnten, gesprengt würden. Es wurde sogar gedroht, wie mir zuverlässig berichtet wurde, dass unsere eigene SS unsere jungen Mädchen der Schändung preisgeben würde.
Mir wurde berichtet, dass auf dem Hauptbahnhof allein gegen 60— 70 Kinder zu Tode erdrückt oder zertreten wurden. Wohin die Züge die ungeheure Zahl der Flüchtlinge gebracht haben, konnte bis heute nicht festgestellt werden.
Das ganze Elend dieses furchtbaren Krieges erreicht wohl seinen Höhepunkt in der Zwangsevakuierung der Bevölkerung der östlichen Provinzen.
Jetzt jedoch wurden die grossen landwirtschaftlichen Gebiete des Ostens zwangsweise evakuiert.
Schon jetzt verhungern und erfrieren so viele Menschen unterwegs. Um die Bevölkerung zu beschwichtigen, um den Zorn und Unmut der Menschen über derartige Zwangsmassnahmen der Parteiführung zu beruhigen, bringt die Presse immer wieder eine Greuelpropaganda über angebliche Schandtaten der Russen an der wehrlosen Bevölkerung. Bis jetzt hat man fast allgemein gehört, dass die eindringenden Russen anständig gehandelt haben gegen die Bevölkerung der besetzten Städte und Ortschaften. Sie fahnden nur nach den Parteigrössen, die allerdings nichts Gutes zu erwarten haben. Was aber hat auch diese Partei für ein namenloses grauenhaftes Elend über das deutsche Volk gebracht? Es mögen vielleicht einzelne Fälle barbarischer Taten seitens der Russen vorkommen, jedoch denken wir daran, was seitens unserer Waffen-SS und Gestapo gegen die Überfallenen Völker geschehen ist. Denken wir an deren Greueltaten und unmenschliche Grausamkeiten gegenüber den eigenen Volksgenossen in den Konzentrationslagern. Denken wir an die Massenmorde an der jüdischen Bevölkerung aller Länder. Denken wir an die unmenschliche Grausamkeit gegen die Bevölkerung der überfallenen Völker. Darum war es auch nur möglich, die ländliche Bevölkerung durch brutalen Zwang, oft mit vorgehaltenem Revolver, zu solcher Verzweiflungstat zu zwingen und durch eine Bolschewistenpsychose, in die eine unverantwortliche Greuelpropaganda besonders die Frauenwelt versetzte. Die Zwangsevakuierung ist eine Völkerwanderung unerhörten Ausmasses, die Verzweiflungstat einer von jedem Sittengesetz losgelösten Staatsführung und die Elendsbilanz eines zwölfjährigen Hitlerregimes.
Wenn die Russen etwas derartiges auf unseren Friedhöfen angerichtet hätten, da würde eine Greuelpropaganda einsetzen unerhörter Art. Jedoch ich glaube, die Russen würden das gar nicht in dieser Weise fertiggebracht haben, wie es deutsche Gründlichkeit an dieser Stätte des Todes besorgt hat.
Die Verluste der Zivilbevölkerung während der Belagerung werden von Festungsärzten auf etwa 80 000 Personen geschätzt.
Diese Evakuierung wird von Seiten der Waffen-SS mit einem unerhörten Terror und Zynismus vorgenommen. Mit vorgehaltenem Revolver — so geschieht es tatsächlich — werden die zurückgebliebenen Menschen gezwungen unter Zurücklassung ihres ganzen Hausrates zu flüchten, während der Revolver vorgehalten wird, sucht ein anderer — so ist es tatsächlich geschehen — nach den Wertsachen unter dem Hausrat, um sich das Wertvollste anzueignen.
Den zurückkehrenden Eigentümern in ihre Landhäuser nach Leerbeutel, Zimpel, Bischofswalde bieten sich grauenhafte Bilder des Raubes, des Diebstahls und der Verwüstung durch unsere eigenen Soldaten.
Die Frau sagte mir, nicht die Russen fürchtet sie. sie fürchtet die eigenen Deutschen. Sie glaube nicht, dass der Russe so unmenschlicher Regungen fähig sei.
Aus aller Lippen kann man fast hören, dass unsere Feinde nicht die Russen sind, sondern dass unser grösster Feind die Partei sei.
Ohne die Zwangsevakuierten, die noch in Breslau sind, zu benachrichtigen, dringt man in die Wohnungen ein, wirft alle noch vorhandenen Möbelstücke, Gefässe, Bilder und anderen Hausrat auf die Strasse hinunter. Auch religiöse Gegenstände, Familienandenken, die dem Einzelnen so teuer sind, alles wird auf die Strasse geworfen, u.a. auch die jetzt so kostbare Wäsche. Auf der Strasse wird alles übergossen mit brennbarem Stoff und bald lodern die Feuer auf. Wahrscheinlich soll diese Strassenseite zum Unterschlupf dienen für die kämpfenden Soldaten.
Ja wirklich, hier erreicht der Militarismus seinen Höhepunkt. Das ist Zerstörungswahn….
Hoch interessant. Leider waren die „Gräuelmärchen“ über die Russen wahr. Allein in Berlin wurden zwischen Frühsommer und Herbst 1945 110.000 Frauen von sowjetischen Soldaten vergewaltigt. Lew Kopelew hat in „Aufbewahren für alle Zeit“ die Verbrechen der Roten Armee in Ostpreußen geschildert. Verbrechen, von denen man in Breslau natürlich gehört hatte. Da brauchte die SS nicht viel zu übertreiben. Und es stimmte ja auch: Breslau lag in dem Gebiet, das zur ethnischen Säuberung vorgesehen war, um die aus Ostpolen (heute Weißrussland und die Ukraine, z.T. Litauen) vertriebenen Polen wiederanzusiedeln. Da gibt es nichts zu beschönigen.