
Ein Außenminister kann manchmal so außen und realitätsfern sein – und dann stellt sich die Frage, ob er im Namen seiner Regierung spricht, von Innen oder vom Außen. Ich denke, Ed Milliband ist ein typisches Beispiel dafür: ein Jude, der glaubt, dass Nichtjuden ihn lieben werden, wenn er andere Juden kritisiert. Ein „sich selbst hassender Jude“. Selbstverachtung.
Für mich war es nicht nur interessant, wie er Israel und die israelische Regierung im britischen Parlament am Mittwoch kritisierte, sondern auch, wie er dies „als selbst Jude“ tat und dann, als er dazu befragt wurde, sagte: „Ich gehe nicht in die Synagoge.“
Nun, das bedeutet also (wenn ich das als Rabbiner richtig deute), dass er nicht regelmäßig hingeht, um andere Juden zu treffen, mit ihnen zu sprechen und Gefühle auszutauschen; er geht nicht dorthin, um mit Gott zu sprechen oder zu Gott zu beten; und er geht nicht dorthin, um die jüdischen Schriften zu hören – aus der Tora oder den Propheten.
Übrigens wird Westminster als „Mutter aller Parlamente“ bezeichnet, aber niemand weiß, wer der Vater sein soll …
Als ich kurz vor den britischen Parlamentswahlen 2024 in London war, fand ich jede Menge Aufkleber von Kandidaten, die sich „für Gaza“ einsetzen wollten – offenbar war das für ihre Wähler wichtiger als Bildung, Wohnungswesen, Wirtschaft und Gesundheitswesen, und siehe da, mehrere dieser Kandidaten wurden tatsächlich ins Parlament gewählt. Mindestens vier dieser „Unabhängigen“ sind nun Abgeordnete und stellen eine Bedrohung für die Labour-Partei dar, mehr als Jeremy Corbyn der leider noch nicht sein wohlverdiente Ruhe in irgendeiner Nervenheilanstalt gefunden hat.
Schon immer zwiespältiges Verhältnis zu Israel
Großbritannien hatte schon immer ein zwiespältiges Verhältnis zu Israel – natürlich war es nicht gerade hilfreich, dass der Völkerbund dem Land die Verantwortung auferlegt hatte, bei der Schaffung, Förderung und Unterstützung einer jüdischen Heimstätte in einem Teil des ehemaligen Osmanischen Reiches mitzuwirken. Die Grenzen waren nie wirklich zu 100 Prozent klar – zwischen 1920 und 1922 stritten sich Großbritannien und Frankreich darüber, wo die Grenze zwischen dem Mandatsgebiet Palästina und dem Mandatsgebiet Syrien verlief;
1922 schnitt Churchill den Abschnitt östlich des Jordans ab, um Emir Abdullah in “Transjordanien“ unterzubringen als ein Dankeschön für den Arabische Aufstand gegen den Osmanen – bis 1946 war dies nun ein Emirat mit einem eigenen britischen Residenten in Amman, mit einem minimalen Eisenbahnnetz, das von den Palestine Railways betrieben wurde, wobei die Briten für die Polizei und die Verteidigung aufkamen. Es wurde dann zum unabhängigen “Königreich Transjordanien“ und nach 1948 einfach zu “Hashemite Königreich Jordanien“ – da das Königreich nun auch Gebiete westlich des Jordans erobert, “Cis-Jordanien“, besetzt und kolonisiert hatte, Gebiete, die von den Vereinten Nationen den arabischen Palästinensern zugewiesen worden waren.
Was den Rest betraf, so konnte „Palästina“ – von London aus über Jerusalem regiert – keine eigene Politik bestimmen; folglich wurde sogar die Einwanderung verzweifelter Juden, die vor einer wachsenden Bedrohung in Europa flohen, von London aus (auf restriktive Weise) als Teil seines eigenen strategischen Spiels „Verärgere die Araber nicht“ diktiert.
Letztendlich ging dies nach hinten los, als sich die Araber ohnehin gegen die Briten (und die Franzosen) wandten, sie aus Ägypten, Syrien und dem Libanon vertrieben und mittlerweile auch die Juden in Palästina sehr, sehr wütend waren. Großbritannien sah sich von Ende November 1947 bis Mitte Mai 1948 praktisch gezwungen, das Mandat aufzugeben; die letzten Truppen zogen sich sechs Wochen später Ende Juni 1948 zurück.
Es dauerte bis Januar 1949, bis Großbritannien den neuen Staat Israel „de facto“ anerkannte, und bis Ende April 1950 (d. h. fast zwei Jahre nach der Gründung), bis Großbritannien ihn “de jure“ anerkannte. In der Zwischenzeit, während Israels verzweifeltem Kampf ums Überleben gegen mehrere arabische Armeen, hatten Großbritannien und die RAF das Militär Transjordaniens und Ägyptens von ihren Stützpunkten in diesen Ländern aus unterstützt. Oft wird vergessen, dass die Israelis so etwas NICHT so leicht vergessen.
Die „edlen Araber“ und die fordernden Juden
Seitdem gibt es eine britische Botschaft fest in Tel Aviv, während die israelische Botschaft in Großbritannien – vielleicht seltsamerweise – in der Hauptstadt dieses Landes angesiedelt ist.
Die Briten waren lange Zeit von „dem edlen Araber“ fasziniert, während sie die europäischen Juden als irgendwie städtisch, der Unterschicht angehörig und problematisch empfanden; die frühen Reisenden in den Orient, die Archäologen, Missionare, Bibelprediger und die Militärplaner des “Palestine Exploration Fund“ genossen es hingegen, durch ein fast menschenleeres Land zu reisen, das nicht nur eine Geschichte, sondern auch eine Vorgeschichte – ja sogar mehrere Vorgeschichten – besaß und dessen Ortsnamen sie von zu Hause her kannten.
Bis 1915 war die Region militärisch und strategisch kaum von Bedeutung gewesen, doch als die osmanische Armee – mit deutscher und österreichisch-ungarischer Unterstützung – angriff und versuchte, die Route über den Suezkanal nach Indien abzuschneiden, wurde es unumgänglich, jede Bedrohung zu beseitigen, und fast ohne wirklich zu wissen, wie oder warum, hatte die Egypt Expeditionary Force der Imperial Army bis 1918 den Sinai erobert, nach Norden durch das als Palästina bekannte Gebiet Syriens bis nach Damaskus vorgerückt und dabei auch die osmanischen Streitkräfte in Arabien überwältigt, wobei sie sowohl von jüdischen Siedlern als auch von arabischen Stämmen Unterstützung erhielten.
Dies stellte sie nun vor ein Dilemma: Wie sollte man beiden Seiten höflich Dankbarkeit erweisen? Und die Geschichte des Mandats von 1920 bis 1948 ist die Geschichte eines völligen, totalen und umfassenden Unverständnisses sowohl gegenüber den Juden als auch gegenüber den Arabern.
Lassen Sie mich diesen Satz korrigieren: Die Geschichte des Mandats von 1920 bis 1948 und weiter bis heute ist geprägt von einem völligen, totalen und umfassenden Unverständnis sowohl gegenüber den Juden als auch gegenüber den Arabern. Den Arabern wird stets der Vorteil des Zweifels eingeräumt und man geht davon aus, dass sie „edle Araber“ sind, während die Juden – und wie Herr Milliband spreche ich hier „als Jude“ – stets Forderungen gestellt haben. Das Recht zu leben, das Recht zu überleben, das Recht auf Sicherheit, das Recht auf eine Heimat, das Recht, akzeptiert zu werden. Fordern, fordern, fordern – das scheint die jüdische Art zu sein. Sie fordern das Recht, in Israel zu leben; manche von ihnen fordern das Recht, die Grenzen Israels so zu definieren, dass sie besser zu verteidigen sind – selbst gegen diejenigen, die aus der Luft, über Land und aus dem Untergrund angreifen, selbst gegen Nachbarn, die eigentlich gar keine Nachbarn sind, sondern lediglich andere Staaten in der Region, die keine gemeinsame Grenze haben, sich aber dennoch berechtigt fühlen, sich dem großen und endlosen Spiel „Tötet die Juden“ anzuschließen.
Vor zwei Monaten verurteilte die Church of England Israel, und nun tut die britische Regierung dasselbe. Bis vor kurzem war ich relativ stolz auf meinen britischen Pass, doch nun bin ich mir unsicher, wie sich die Dinge entwickeln werden. Aber wenn ich persönlich mit Außenminister Milliband sprechen könnte, müsste ich ihm sagen – „als Jude“ und „als Engländer“ – dass ich mich ziemlich für ihn schäme. Eher beschämt. Aber nicht verärgert.
Nicht einmal enttäuscht. Einfach nur beschämt.