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Bundeslandpatriotismus

In Sachsen-Anhalt wird am Sonntag gewählt. Auf allen Kanälen überschlägt man sich ob des antizipierten (und teils ersehnten, um dann „loszuschlagen“?) Untergangs eines Bundeslands. Es keimt in mir die Frage auf, ob als Verursachende die AfD oder die Ganz-GroKo (ich übersetze das jetzt mal als Groteske Koalition) aus CDU, SPD und Linke, meinetwegen auch noch die Grünen die Antwort darauf gäben.

Egal, wer sich da nun zu Wort meldet, ob Siegmund, CDUler, Grüne, der Bärtige von der SPD oder Linke – alle tröten in dasselbe Horn: Ich liebe unser Land! Alles fürs wonderschöne Sachsen-Anhalt! „Ein chronisch unterschätztes, aber sehr gutes Bundesland…“ (Matschke, Schauspielender), Wir müssen zusammen stehen – gegen links oder rechts usw. usf.

Ich frug mich just, wie es sich anfühlte, würde derart über das ganze Land als solches, also über Deutschland an und für sich mit jenem Pathos fabuliert.

Sagt Merz, dass er Deutschland liebe? Ist er stolz, ein Deutscher zu sein? Oder Klingbeil? Özdemir? Reichinnek? Kubicki? Wagenknecht? Sind Sie es? Ich?

Mein Eindruck: je lokaler es wird, desto patriotischer – vice versa.

Was sind Ihre Erfahrungen, werte Mitleser? Bitte um Kommentare, Danke.

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Über Axel Claudius Knappmeyer

Axel Claudius Knappmeyer, geb. 1973 in Ibbenbüren/Westf., ist Jazz-Musiker, Komponist, Lehrer, Verleger und Autor. 1993–1998 Jazzstudium an der Folkwanghochschule, Essen, freischaffendes Dasein. 2006–2008 Referendar in Düsseldorf als Quereinsteiger. Seit 2008 Studienrat für Musik und seit 2010 auch Praktische Philosophie in Mönchengladbach. 2021 Gründung eines eigenen Verlags "oea" (odi et amo) – www.oea-verlag.de. Daneben tätig als Tenorsaxophonist/Komponist – www.axel-knappmeyer.de

Ein Gedanke zu “Bundeslandpatriotismus

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    … wer weiß besser das Vaterland zu schätzen als Heinrich Heine 1832 [sic!] – als Patriot. Er wollte die deutsche Einheit, denn die Sehnsucht nach einem einheitlichen Vaterland ist immer mit Sehnsucht nach Freiheit verbunden. Im Übrigen war Heinrich Heine auch Europäer.

    Ich hatte einst ein schönes Vaterland.
    Der Eichenbaum
    wuchs dort so hoch, die Veilchen nickten sanft –
    es war ein Traum.

    Das küßte mich auf deutsch und sprach auf deutsch
    (man glaubt es kaum,
    wie gut es klang) das Wort: „Ich liebe dich“ –
    es war ein Traum.

    … und mein Bundeslandpatriotismus geht so:

    Kurt Tucholsky – Heimat

    ‚… Dies soll hier kein Album werden, das man auf den Geburtstagstisch legt; es gibt so viele. Auch sind sie stets unvollständig – es gibt immer noch einen Fleck Deutschland, immer noch eine Ecke, noch eine Landschaft, die der Fotograf nicht mitgenommen hat … außerdem hat jeder sein Privat-Deutschland.

    Meines liegt im Norden. 😉

    … Es fängt in Mitteldeutschland an, wo die Luft so klar über den Dächern steht, und je weiter nordwärts man kommt, desto lauter schlägt das Herz, bis man die See wittert. Die See – Wie schon Kilometer vorher jeder Pfahl, jedes Strohdach plötzlich eine tiefere Bedeutung haben … wir stehen nur hier, sagen sie, weil gleich hinter uns das Meer liegt – für das Meer sind wir da. Windumweht steht der Busch, feiner Sand knirscht dir zwischen den Zähnen …

    Die See. Unvergeßlich die Kindheitseindrücke; unverwischbar jede Stunde, die du dort verbracht hast – und jedes Jahr wieder die Freude und das «Guten Tag!» und wenn das Mittelländische Meer noch so blau ist … die deutsche See. Und der Buchenwald; und das Moos, auf dem es sich weich geht, daß der Schritt nicht zu hören ist; und der kleine Weiher, mitten im Wald, auf dem die Mücken tanzen – man kann die Bäume anfassen, und wenn der Wind in ihnen saust, verstehen wir seine Sprache.

    Aus Scherz hat dieses Buch den Titel «Deutschland, Deutschland über alles» bekommen, jenen törichten Vers eines großmäuligen Gedichts.

    Nein, Deutschland steht nicht über allem und ist nicht über allem – niemals. Aber mit allen soll es sein, unser Land. Und hier stehe das Bekenntnis, in das dieses Buch münden soll:

    Ja, wir lieben dieses Land.‘

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