
Deutschsein entscheidet sich nicht an den Vorfahren, sondern an der Zugehörigkeit. Nicht Blut und Boden verbinden uns, sondern ein gemeinsames Land, eine gemeinsame demokratische Ordnung und die Bereitschaft, füreinander Verantwortung zu übernehmen.
Deutschland gehört nicht einer ethnischen Gruppe. Es gehört allen seinen Bürgerinnen und Bürgern.
Dieses gemeinsame Land hat eine gemeinsame Geschichte und spricht Deutsch. Das grenzt uns von anderen Ländern ab, die ihrerseits eine gemeinsame Geschichte und gemeinsame Sprachen (Plural, wenn man an die Schweiz oder Belgien denkt) haben.
Deutsch ist, wer zu Deutschland gehört
Staatsbürgerschaft ist keine Frage der Herkunft. Man kann in Deutschland geboren sein, von Deutschen abstammen oder später Deutscher werden. Wer einen deutschen Pass hat, ist Deutsche oder Deutscher. Er begründet für alle dieselben Rechte und Pflichten.
Deutschsein ist keine ethnische Kategorie.
Deutschland ist seit Jahrhunderten von Wanderungen rein und raus und starken regionalen Identitäten gekennzeichnet. Austausch mit anderen hat die deutsche Kultur geprägt und bereichert. Es gibt keinen „richtigen“ deutschen Stammbaum. Er kann seine Wurzeln in Westfalen haben oder in Sachsen, aber auch in Polen, der Türkei oder Afghanistan. Auch wenn die Mehrzahl der Deutschen weiß ist, kommt es darauf nicht an. Und auf die Religion auch nicht.
Deutschsein heißt, eine gemeinsame politische Ordnung zu achten
Dazu gehören die gleiche Würde aller Menschen, Demokratie, Rechtsstaat, Gleichberechtigung, Religionsfreiheit und die Freiheit, verschieden zu sein.
Die deutsche Geschichte gehört dazu – im Guten wie im Schrecklichen
Aufklärung, Wissenschaft, Musik und Literatur gehören ebenso zu ihr wie Nationalsozialismus und Holocaust. Karl der Große, der Alte Fritz, August der Starke und Bismarck gehören zur deutschen Geschichte, aber auch Hitler und Himmler. An den Verbrechen der Deutschen in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts tragen die nachfolgenden Generationen keine Schuld. Aber weil sie ebenfalls Deutsche sind, haben sie eine besondere Verantwortung, dass sich solche Verbrechen nicht wiederholen. Das gilt auch für die Deutschen, die in den letzten Jahren und Jahrzehnten aus anderen Ländern wie der Türkei oder Syrien eingewandert und Deutsche geworden sind.
Deutschland verändert sich – immer schon
Wer hier lebt, sich einbringt und Teil der Gesellschaft sein will, verändert Deutschland auch ein Stück. Deutschland ist nicht mehr der Obrigkeitsstaat des 19. Jahrhunderts, sondern hat eine offene, pluralistische Gesellschaft. Nationale Identität ist nicht statisch fixiert, sondern entwickelt sich weiter.
Deutschsein ist nicht exklusiv
So wie man Vater und Mutter lieben kann, kann man Deutschland lieben und zugleich das Land, aus dem die eigenen Vorfahren stammen. Man kann türkische, polnische, syrische oder französische Familienwurzeln haben und Staatsangehörigkeiten neben der deutschen.
Immer stärker prägt Europa unsere Sicht auf Deutschland. Von einem nationalistischen sind wir zu einem europäischen Deutschland geworden. Anders als andere Länder, aber deshalb nicht besser – und mit Recht stolz darauf, in einem Land zu leben, dessen Verfassung jedem Menschen die gleiche Würde zuspricht und uns die Freiheit garantiert, unser Leben selbst in die Hand zu nehmen.