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Was Palästina mit Pommern, Gaza mit Danzig zu tun haben

Plakat der Vertriebenenverbände. Urheber: CDU. Quelle: Wikimedia Commons

Als ich 1962 nach Deutschland kam, entdeckte ich, dass die Deutschen, anders als ich es in meiner Heimat gelesen hatte, Opfer waren. Opfer des alliierten Bombenkriegs etwa. Von „Dresden, Hiroshima und Auschwitz“ war die Rede, wenn es um die Verbrechen des Zweiten Weltkriegs ging: Zwei der Alliierten zu einem von uns.

Die Städte waren im Westen wieder aufgebaut worden. Aber ein schwärendes Unrecht – neben der Teilung natürlich – blieb: die ethnische Säuberung der deutschen Ostgebiete, die auf unserem Diercke-Schulatlas als „zur Zeit unter polnischer Verwaltung“ gekennzeichnet waren. Königsberg „z.Zt. unter sowj.. Besatzung“. Man sprach damals nicht von ethnischer Säuberung, obwohl es sich darum gehandelt hatte. Man sprach auch nicht von der hunderttausendfach verübten sexuellen Gewalt gegen ost- und mitteldeutsche – die „so genannte DDR“ hieß damals noch „Mitteldeutschland“ – Frauen, weil das sie und ihre Männer (und älteren Kinder) beschämt hätte. Aber die Vertriebenenverbände waren mächtig, gegen sie war kein Staat zu machen, und „Dreigeteilt nie!“ war auch die Losung der CDU. Vertriebenenfunktionäre hielten Reden an der Schule, und wir sammelten fleißig für das „Kuratorium Unteilbares Deutschland“.

Es war in der Tat ein Menschheitsverbrechen, die Enteignung, Verfolgung und Vertreibung von zehn Millionen Deutschen aus Schlesien, Ostpreußen und Pommern, und durch nichts zu rechtfertigen. Außer durch die Realpolitik. Winston Churchill hatte Josef Stalin versprochen, dass die im Hitler-Stalin-Pakt an die Sowjetunion abgetretenen Gebiete Polens sowjetisch bleiben und dass die Polen dafür im Westen entschädigt würden. Dass dies je rückgängig gemacht werden könnte, glaubten selbst unter den Vertriebenenfunktionären nur wenige.

Darum wuchs in den 1960er Jahren der Unwille gegen die Losungen der Vertriebenenverbände. Selbst wir Schüler witzelten über das „Krematorium Unheilbares Deutschland“. Es gab aber gute Gründe, realpolitische und andere, auf die Ostgebiete zu verzichten.

  1. war deren Wiedergewinnung ohne Krieg unrealistisch. Und die Westalliierten hätten niemals einen Krieg riskiert, um die Dreiteilung Deutschlands zu beseitigen. Selbst nach einem siegreichen Krieg gegen die Sowjetunion, sollte es je soweit kommen, hätte man vermutlich die Oder-Neiße-Grenze nicht angerührt. Noch einmal die dort ansässigen Polen vertreiben, um die Wiederansiedlung der Vertriebenen und ihrer Nachkommen zu ermöglichen? Nein.
  2. standen die Forderungen der Vertriebenenverbände nach Nichtanerkennung der polnischen Westgrenze und nach Anerkennung ihres Rechts auf Rückkehr, das sie „Recht auf Heimat“ nannten, der Entspannung mit der Sowjetunion, der Verständigung mit Polen und den anderen osteuropäischen Ländern und der Aussöhnung mit den slawischen Völkern, die Deutschland einst hatte kolonisieren und versklaven wollen, im Weg.
  3. meinten einige auf der Linken, zunächst nur eine radikale Minderheit, bald aber die Mehrheit in der SPD und im linken Bürgertum, das der Verlust der Ostgebiete eine vielleicht nicht legitime, aber verdiente Strafe für den begonnenen Krieg, die Annexion Westpolens, die Zerstörung polnischer Staatlichkeit, die Liquidierung der polnischen Elite und den Völkermord an den europäischen Juden gewesen sei.

In den Jahren nach 1966, als die erste „Große Koalition“ in Deutschland gebildet worden war, verloren die Vertriebenenverbände rasch an Einfluss, und das Interesse an den Gebieten östlich der Oder und am Schicksal der deutschen Flüchtlinge verschwand. Oder sagen wir: das Trauma der Flucht wurde verdrängt. Der Zeitgeist war links, und zum Linkssein passte es nicht, auf ungelöste nationale Fragen zu verweisen.

Doch das Verdrängte, das lehrt uns Freud, kehrt wieder. Kaum hatten Linke und Linksliberale die nationale Frage in Deutschland und das Schicksal der deutschen Flüchtlinge aus dem nationalen Bewusstsein vertrieben, kehrte sie wieder in Gestalt der Parteinahme für „Palästina“ und des Mitgefühls mit den aus Israel vertriebenen oder geflüchteten Arabern. Freund nannte den Vorgang „Verschiebung“. Die Wut gegen die Besatzer, die Trauer über die verlorene Heimat, die Verbindung von Blut und Boden, das nationale Pathos, kurz all die gefährlichen Emotionen, die sich die Bundesrepublik nach 1966 kollektiv verbot, verschob sich auf den Konflikt im „Nahen Osten“; der Begriff ist übrigens verräterisch, denn der „nahe Osten“, das waren ja die deutschen Ostgebiete. Israel aber ist fern.

Dabei galt für die Araber, die sich bald „Palästinenser“ nannten, obwohl historisch Juden und Araber Palästinenser waren, also Bürger des britischen Mandats Palästina, was für die deutschen Vertriebenen galt:

  1. war und ist eine Rückkehr nach Israel unrealistisch. Und zwar war sie 1967, mit Israels zweitem Sieg gegen die vereinigten arabischen Staaten, endgültig unrealistisch geworden. Also gerade zu dem Punkt, da die deutsche Linke sie als Projektionsfläche deutscher Traumata entdeckte.
  2. stehen die Forderungen der Hamas und anderer Gruppen nach Auslöschung Israels durch Rückkehr der Flüchtlinge und ihrer inzwischen in die Millionen gehenden Nachfahren der Entspannung zwischen dem jüdischen Staat und den arabischen und muslimischen Staaten in der Nachbarschaft im Weg.
  3. wissen jene Araber, deren moralischer Sinn halbwegs intakt ist, dass die Vertreibung der Araber aus Gebieten wie Galiläa, die ihnen im UN-Teilungsplan zugesprochen wurden, Ergebnis eines geplanten Vernichtungskriegs gegen die Juden war, und dass im Gegenzug erheblich mehr Juden aus den arabischen Ländern, vom Irak über den Jemen und Ägypten, bis nach Marokko, vertrieben wurden, als Araber aus jüdischen Gebieten im ehemaligen Palästina.

Doch hatte Palästina als Projektions- und Verschiebungsobjekt für eigene Traumata einen gewaltigen Vorteil. Der Feind war derselbe. Der Jude. Denn den Deutschen war ja 12 Jahre lang eingebläut worden, hinter den Sowjets stehe der Kreml-Jude, hinter den Amis der Wallstreet-Jude, und Bomben, Vergewaltigungen, Enteignungen und Vertreibungen zeugten, wie der Morgenthau-Plan, von „Hass und Rache von alttestamentarischem Charakter“, vom Wunsch, einen Genozid – das Wort gab’s damals noch nicht – an den Deutschen zu vollstrecken.

Nun wird diese Wahnvorstellung, diese Täter-Opfer-Umkehr, die in Nachkriegswestdeutschland durchaus üblich war, wie mein Vater in seinem Bericht „In Deutschland 1945 bis 1946“ (und noch einmal 1948) feststellte, auf den jüdischen Staat und sein Verhältnis zu den Arabern übertragen, deren Führer ja mit Hitlerdeutschland verbündet waren.

Mir wäre lieber, die Deutschen gewännen ein Verhältnis zu ihren eigenen Kränkungen und Traumata zurück, erlaubten sich Trauer und Zorn über die an ihnen begangenen Verbrechen, allen voran der ethnischen Säuberung der ehemals deutschen Ostgebiete, wenn sie dafür ihre neurotische Obsession mit Israel und den „Palästinensern“ abschütteln könnten.

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17 Gedanken zu “Was Palästina mit Pommern, Gaza mit Danzig zu tun haben;”

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    Lieber Alan Posener,

    Ich kann beim besten Willen die real existierende Tendenz, Israel und die Juden wegen Gaza und überhaupt wegen der gerechtfertigten Verteidigung ihrer Existenz zu verurteilen, nicht allein den „Linken“ zuordnen.

    Und auch die Querverbindung zu dem Schicksal der Vertriebenen aus den Ostgebieten, wo Sie Bezug auf Freud nehmen, leuchtet mir nicht ein. Besonders letztere waren nach meiner Erfahrung eher politisch rechts als links orientiert. Ich bin 1949 geboren und habe die Nachkriegszeit miterlebt.. Noch im Jahr 1956, ich war grad eingeschult worden und hatte angefangen die deutsche Schrift zu lernen, als ich gegenüber meinem Elternhaus die Inschrift in roter Farbe an der Fassade las: „In diesem Haus wohnen Juden“. Das war immerhin über 10 Jahre nach Kriegsende und es gab in dem Ort nur eine Partei, die CDU. Niemand von denen war in dieser langen Zeit auf die Idee gekommen, dieses Schandmal entfernen zu lassen. Als Student habe ich später die 68er Bewegung mit erlebt und mitgetragen. Erst dadurch hat sich in der BRD in Bezug auf echte Auseinandersetzung mit der Vergangenheit etwas geändert. Wir, die 68er, waren links, wir haben dafür gesorgt, dass dieses Kapitel der deutschen Geschichte aufgearbeitet wird. Und jetzt sollen wir Linken verantwortlich sein für alles was (leider) gegenüber Israel geschieht? Ich bin überzeugt, die Gründe dafür liegen tiefer, es sind die alten Vorwürfe der „Christen“ gegen die Juden, die den Messias ans Kreuz genagelt haben, was jedoch historisch nicht stimmt. Selbst Linke wie Rudi Dutschke, waren durchaus religiös (seinen Sohn nannte er nach dem Propheten des Alten Testaments „Hosea“, ohne antijüdisch zu sein. Die Springer Presse sorgte damals dafür, dass er zur Zielscheibe wurde für die rechtsgerichtete Mehrheit der Bevölkerung. Das Ergebnis war nicht nur das Attentat auf Rudi Dutschke. Auch vorher hätte es auf einer Demo fast einen Lynchmord gegeben an einem unbescholtenen Angestellten des Berliner Senats, der zufällig ein bisschen Ähnlichkeit mit Rudi Dutschke hatte. Sie schreiben für die „Welt“, die ich schätze, obwohl sie zum Springer-Konzern gehört, aber Dinge haben sich geändert, zu Glück. Ich hoffe, dass es auch in Zukunft so bleibt und Attacken auf Linke – wie früher üblich – unterbleiben.

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      Lieber Hans Happe, Sie geben das Selbstverständnis von 90% der Alt-68er wieder: Wie herrlich weit haben wir’s gebracht. Aber erstens stimmt das nicht. Die 68er haben sich mit dem Holocaust so gut wie gar nicht auseinandergesetzt, wie Götz Aly und andere nachgewiesen haben. Weil der Massenmord an den Juden nicht in ihre (unsere) Theorie passte. Zweitens waren die 68er nicht zuletzt gegen Springer, weil er nach vor und nach dem Sechstagekrieg fest zu Israel stand. Dem Verlag die Schuld am Mordanschlag auf Dutschke zuzuschreiben, war damals absurd – der Mörder las nicht die BILD, sondern die National-Zeitung – und ist es nachträglich erst recht. Drittens aber rede ich von nur halb bewussten Veränderungen und Verschiebungen der nationalen Psyche. Wie kam es, dass der Antisemitismus der Rechten plötzlich bei einem Linksradikalen wie Kunzelmann (mit dem ich so etwas wie befreundet war) wieder auftauchte? Wenn der Antisemitismus, wie Sie richtig sagen, der christlichen Kultur des Abendlandes eingeschrieben ist, wie kann eine Linke, die in dieser Kultur aufgewachsen ist, ja für sich beansprucht, die christlichen Ideale zu verkörpern, sich einbilden, davon unberührt zu sein? Deren Spuren sind beim christlich getauften Juden Karl Marx ebenso nachzuweisen wie bei der KPD der Weimarer Republik, und mein Vater begegnete ihnen 1948, als er sich hier in Deutschland als Remigrant um eine Arbeitsstelle bemühte, auch bei der SPD.
      Dass aber der Verlust der Ostgebiete, die ethnische Säuberung der Landschaften, in denen Deutsche seit Jahrhunderten gewohnt hatten und von Städten wie Posen, Breslau, Danzig und Königsberg – dass dieses Verbrechen nicht tiefe Spuren in der nationalen Psyche hinterlassen hätte: das ist schlicht nicht zu glauben. Nur haben sich die Linken nie damit auseinandergesetzt, wie beschrieben.

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        Selbstverständlich, lieber Alan Posener,

        hat das „Vertreibungsverbrechen“ Spuren im deutschen Nationalbewußtsein hinterlassen. Anders als Sie denken. Warum sollten sich Deutsche für das Projekt „Russen runter von der Krim“ begeistern ?

        Warum sollten Deutsche den unsinnigen estnischen und lettischen und ukrainischen Prämissen folgen, die Russen im Land seien vor 100 oder 500 oder 1000 Jahren in „unser Land“ eingewandert und sollten nun gefälligts wieder daraus verschwinden?

        Wer sich mit der Geschichte des deutschen Ostens beschäftigt, der weiß, dass die Germanisierung (Ost-)Preußens, Pommerns und Schlesiens (hauptsächlich) durch Einwanderung deutscher Bauern erfolgt ist.

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        Sie bestätigen meine the4se, lieber Bodo Walther: Statt offen über das Unrecht zu reden, das ihnen widerfuhr, ereifern sich Deutsche gern über das angebliche oder wirkliche Unrecht, das anderen widerfährt. Würden sie aber begreifen: Sowas kommt von sowas, wären sie vielleicht ein wenig ruhiger, das schließt Sie auch ein.

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    Bewusst unerwähnt bleibt der Muslimische Antisemitismus, welcher immer schon Teil der Arabischen Tapete war.
    Er passt nicht in das links regressive Posener Narrativ.

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      Try not to be stupid. I’m not attempting to describe or explain Antisemitism or Antizionism. I’m analyzing aspects of left-wing antisemitism. About which Ex-Trotskyites should know a lot.

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      Try not to be stupid. I’m not attempting to describe or explain Antisemitism or Antizionism in toto. I’m analyzing aspects of left-wing antisemitism. About which Ex-Trotskyites should know a lot.

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    Naja, lieber Stefan, Sie ordnen ja schnell zu, wer so alles zum „Vorfeld der AfD“ gehören soll.. Und wer gesagt haben soll, daß derjenige, der Deutschland nicht mag, es verlassen soll, müssten Sie belegen. Es stellt sich wohl die Frage, was die ‚Geflüchteten‘ denn an dem Land so anziehend finden, in daß sie so unbedingt wollen..
    Den ‚Brexit‘ als Beleg für Britanniens Probleme zu sehen, erscheint mir wohl als etwas zu monokausal argumentiert, etwa so, wie wenn ich entgegenhalten würde ’nein, es ist ausschließlich die Woke-Kultur‘, der Klimaschutzwahn und die pädophilen pakistanischen Grooming-Gangs.
    Mir persönlich wäre ja – einerseits – eine Gesellschaft wünschenswert, in der ein Verfassungspatriotismus ausreichend wäre, aber das wäre dann wohl eine etwas dröge rein biodeutsch-akademische Veranstaltung im Elfenbeinturm und die wünsche ich mir – andererseits – aus verschiedenen Gründen dann doch nicht so. Dann lieber doch ein patriotisches Land, das seine Fahne so liebt, wie die US-Fahne geliebt wird. Ist resilienter in der Realität.

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    Mhmmm… An einer Stelle kann ich die Logik des Textes, der Versuch einer Kausalität, nicht nachvollziehen: wenn der Antizionismus und Antisemitismus in der (west?)deutschen Linken aus der Wiederverkehr der verdrängten nationalistischen Kränkung – hier der der Vertreibung aus den „Ostgebieten“ – resultiert, wieso findet sich das genauso virulent in anderen europäischen Ländern, wo niemand vertrieben wurde, und alle sich als Sieger fühlen können? Ich bin da ratlos – die angeführte Erklärung nach Freud scheint hier nicht zu funktionieren.

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      Ja, lieber Valentin Hammerschmidt, das ist ein gültiger Einwand, und natürlich habe ich mir beim Schreiben diese Frage auch gestellt. Einerseits ist es so, dass die deutsche Linke viel früher als die Linke anderswo anti-israelisch war. Die Zusammenarbeit der RAF und der Bewegung 2. Juni mit arabischen Terrorgruppen ist ein Beispiel für diese frühe Radikalisierung. Da greift auf jeden Fall meine Analyse. Andererseits hat sich in Großbritannien und Irland, in Italien und Spanien sowie in den USA in der letzten Zeit ein virulente Antisemitismus breitgemacht, den es zu erklären gilt. Ich denke zum Beispiel, dass man in den USA den islamistischen Antisemitismus der Black Panthers und der Nation of Islam anschauen muss einerseits, den weißen Antisemitismus der KluKluxKlan andererseits. In Irland und Spanien muss man sich die antisemitische Tradition der Katholischen Kirche ansehen. Kurzum, in jedem Land gibt es Besonderheiten, und eine Parole wie „Free Palestine from German guilt!“ wäre in Großbritannien kaum nachvollziehbar.

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    Ja, das denke ich schon lange. Ich weiß nicht, ob es immer gut ist, alles aufzuarbeiten, aber wenn Freud Recht hat und das mit diesen ‚Familienaufstellungen‘, also daß Traumata über Generationen vererbt werden, richtig ist und es scheint mir so zu sein, dann hat Deutschland noch einen sehr langen und schweren Weg vor sich. Die Parteinahme für ‚die Palästinenser‘, die mir bei alltäglichen Diskussionen z.B. in Bonner Cafés in einer Vehemenz begegnen, hat nichts Normales, Geerdetes mehr. Übrigens, ich muss es leider sagen, wie die im gleichen Ton geführte Klimadebatte, üblicherweise aus gleichen Mündern. Parteinahme und Buße erinnern an christliche Selbstgeißelung, an Flagellatentum. Ich kann mir das Thema ‚Israel‘ in Bonn nur noch dosiert antun, denn ich merke, es geht persönlicher, tiefer, neurotischer und das, was an Verletzung den Pommern, Schlesiern, Sudetendeutschen, ja, der deutschen Nation angetan wurde, ist nicht verarbeitet und quillt nun als Gift und Zorn und auch Selbsthass (Postkolonialismus, Klimadebatte, ‚Flugscham‘ usw.) nur so hervor. Wer sich selber nicht kennt, wer sich selber nicht gefunden hat, der wird kaum in der Lage sein, das nächste Unheil – den Import des Nahostkonfliktes nach Deutschland – abzuwenden und Juden zu schützen. Trotz (oder wegen?) aller gegenteiligen Bekundungen. Nein, es sieht nicht gut aus.

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      Wenn ich mir ansehen muss, wie „kalt“ einge „Deutsche“ sind, wenn ich sie auf die vielen Opfer in Gaza unter Frauen und Kindern anspreche, frage ich mich auch manchmal, ob da familiär etwas mitgegeben worden ist.

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      Lieber Klaus, ich verstehe nicht, was die Vertreibung von Deutschen nach dem 2.WK mit der Palästinenserthematik zu tun hat Das klingt mir arg konstruiert zudem anscheinend immer zu Lasten der Linken. Interessanterweise wird der Totalitarismus der AfD (Höckes „Wir sind die Sieger der Geschichte“ ist mir als SED – Slogan noch bestens im Ohr) hier nicht mit einbezogen.
      Und überhaupt: Wohin sollen wir, soll die BRD sich eigentlich finden? Oder anders: Welche Nation, welche Entität hat sich denn „gefunden“? Die USA? Die Briten?
      Immerhin hat ja in den USA das Goldene Zeitalter gerade erst angefangen …

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        Lieber Stefan, eines vorweg: Die psychologische Deutung ist immer problematisch und selten wirklich schlüssig zu belegen (vgl. auch den berechtigten Einwand von Valentin Hammerschmidt), denn das menschliche Empfinden und Handeln hat immer viele Gründe. Deswegen sollten solche Deutungen auch nicht versucht werden, um irgendjemandem affektives, unreflektiertes Reden und Handeln vorzuwerfen, sondern seine Ursachen zu finden und zu verstehen.
        Die „BRD“ hat nach dem Missbrauch des Nationalgefühls durch die Nationalsozialisten auf jeglichen Nationalismus verzichten wollen (übrigens auch und gerade bei wahrscheinlich der Mehrheit der ehemaligen Wehrmachtssoldaten, die sich gegen die Wiederbewaffnung stellten).
        Von daher ist Ihre Abneigung gegen Aussagen, wie „Wir sind die Sieger der Geschichte“ wie wahrscheinlich nur schon das Wort „wir“ nachvollziehbar. Und genau das brachte die etwas dröge und blutleer wirkende Vorstellung eines Verfassungspatriotismus auf, der im Übrigen seine Bedeutung und Berechtigung erst in Notzeiten sichtbar werden lässt, nämlich wenn die verfassungsmäßigen Freiheitsrechte des Einzelnen – wie in z.B. Corona-Zeiten, aus sog. wissenschaftlichen Erkenntnissen – ausgehebelt werden soll. Die Abscheu gegen den Nationalgedanken, der ja ursächlich für die Überwindung des Feudalismus steht, selbst gegen die Nationalfahne Schwarz-Rot-Gold hat sich jedoch sich ins Vulgäre entwickelt, wie Angela Merkel vor laufender Kamera demonstrierte, als sie eine ihr gereichte Deutschlandfahne angewidert in die Ecke warf und fand ihren bisherigen Höhepunkt bei diesem ‚Grüne‘-Jugend-Vorsitzenden, Bobga heißt der glaube ich. Ich finde wohl, Menschen, die den Verwaltungsbezirk, für den sie angeblich Verantwortung übernehmen wollen, so ekelhaft finden, gehören nicht in politisch verantwortliche Ämter. Und auch ein Bundespräsident wie Gustav Heinemann („Ich liebe kein Land, ich liebe meine Frau“) erscheint mir im Nachhinein mehr wie ein überheblicher, sich selber für clever haltender aber verantwortungsscheuer und damit austauschbarer Bürokrat, der in jedem System seinen Platz gefunden hätte. Weil, und das ist auch die Essenz meines Gedankens in dieser Sache, diese Leute damit jeglichem politischen Handeln, das ein legitimiertes Handeln sein muss, die moralische Grundlage entziehen. Und genau das führt nicht nur zur Verachtung von Schicksalen, wie die der deutschen Vertriebenen, sondern allgemein zu einem Zerfall eines verfassten Gemeinwesens mitsamt seiner demokratischen Legitimierung. Es ist erschütternd, wie merkwürdig abstrakt und blutleer mittlerweile Begriffe, wie Demokratie (‚Unsere Demokratie‘) und Freiheit in dem Mund genommen werden nur um damit eine höchsteigene Vorstellung (https://de.wikipedia.org/wiki/Idiotes) damit zu halizunieren.
        Daß Demokratie im Übrigen keine Garantie für Freiheit ist, sondern der verfasste Rechtsstaat unbedingt dazu erforderlich ist, sollte jedem Bürger eigentlich klar sein. Genauso, daß wir hier die Abgeordneten wählen, die für unsere Staatsbürger und unseren Verwaltungsbezirk zuständig sein sollen und nicht für Hungergebiete und ‚Failed States‘ aufgrund ihrer jeweiligen dauerversagenden verbrecherischen Regierungen. Denn es heißt schließlich: Liebe deinen Nächsten wie dich selbst – und nicht deinen Übernächsten. Und auch im hier zulässigen Umkehrschluss: Wer sich selbst nicht liebt, kann auch niemanden anderen lieben. Wenn Ihnen das zu pathetisch ist: Brechen Sie ‚Liebe‘ auf ‚Wille zur Verantwortung‘ herunter.
        PS: Die Briten haben vergleichbare Probleme, wie die Deutschen, bei ähnlicher Mentalität aus ziemlich anderen Gründen und beim Thema ‚Palestinenser‘ und ‚Trump‘ gönne ich mir in Deutschland erstmal eine Auszeit.

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        Ja, lieber Klaus, da haben wir einen Dissenz: Mir persönlich reicht der Verfassungspatriotismus völlig.
        Frau Merkel ist ja anscheinend zur Ikone der vaterlandslosen Gesellen geworden. Sie hat ja jetzt viele Jobs dieser Art bei Tichy, Broder und dem restlichen AfD-Vorfeld.
        Mich jedenfalls widert der „Patriotismus“ der AfD an. „Wer Deutschland nicht liebt, soll Deutschland verlassen!“ Was bilden die sich eigentlich ein?
        Ich bin überzeugt davon, dass die sozioökonomischen Konfliktlinien im Kapitalismus quer liegen zu all den „Nationalismen“, die überall so fröhliche Urständ feiern, aber eine Lösung für gar nichts sind.
        Es ist ja beeindruckend, wie toll sich das NHS in GB nach dem Brexit entwickelt hat, um beim Beispiel zu bleiben. Da haben sich verantwortliche Politiker mal so richtig um ihren Verwaltungsbezirk gekümmert. Und Farage ist politisch immer noch am Leben. Unterschichts-Mary mit Glottis-Stop wählt den einfach wieder.
        Insgesamt würde ich mir eine Bundesregierung mit einem Mindestmaß an ökonomischem Sachverstand wünschen. Das können dann auch vaterlandslose Gesellen sein. Die jüngsten „Reformen“ zeigen, dass dieser Wunsch eine Illusion ist. Aber da ist Deutschland auch nicht alleine.
        Beste Grüße!

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