avatar

Galerie Mond Fine Arts Berlin präsentiert: Dieter Nuhr „Vom Verschwinden der Bilder“

Die Galerie Mond Fine Arts zeigt neue Arbeiten des Düsseldorfer Künstlers Dieter Nuhr, sozusagen die andere, weniger bekannte Seite des Kabarettisten. Denn was manche nicht wissen: Nuhr studierte von 1981 bis 1985 Kunst und Geschichte an der Universität Essen, der ehemaligen Folkwangschule, und beschäftigte sich dort intensiv mit der Malerei, unter anderem bei László Lakner. Seit 1995 arbeitet er fotografisch. Aus seiner künstlerischen Ausbildung und den Erfahrungen des Reisens entwickelte sich nach und nach eine eigenständige Bildsprache, die digitale und analoge Verfahren miteinander verbindet.

 

 

Seine mit verschiedenen Kunstpreisen ausgezeichneten Fotografien und Malereien wurden in zahlreichen Museen und Ausstellungshäusern im In- und Ausland gezeigt, unter anderem in Venedig, Dakar, Rom, Wien, München und Florenz. Diese internationalen Stationen verweisen auf ein Werk, das sich mit der Welt in ihrer geografischen, kulturellen und ästhetischen Vielfalt auseinandersetzt.

Ausgangspunkt seiner Bilder sind digitale Lochbildfotografien, deren Motive auf Reisen durch unterschiedliche Regionen der Welt entstehen. Florenz und Venedig, die Tempellandschaften Myanmars, die Gebirgswelten des Himalaya und Islands oder die Tierwelt Afrikas: Nuhr erkundet die Welt mit der Kamera, doch seine Bilder sind keine Reiseberichte. Sie erzählen davon, wie sich das Gesehene verwandelt, wenn es in die Erinnerung übergeht.

Nuhrs Arbeiten bewegen sich zwischen Fotografie und Malerei, digitaler Bildgenese und analoger Materialität. Selbst programmierte digitale Pinsel verbinden sich mit Acrylfarben und physischen Eingriffen in die Bildoberfläche. In einem vielschichtigen Prozess wird das fotografische Ausgangsmaterial überlagert, verdichtet, reduziert und teilweise ausgelöscht. Farbschichten, Verwischungen und Spuren lassen Landschaften, Bauwerke und Tiere aufscheinen, um sie zugleich wieder dem Blick zu entziehen. Das Gegenständliche bleibt erkennbar, verliert jedoch seine dokumentarische Eindeutigkeit. Es entsteht eine Bildwelt zwischen Figuration und Abstraktion, in der die Fotografie als Spur des Wirklichen fortlebt und zugleich in eine eigenständige malerische Wirklichkeit überführt wird.

Der Titel „Vom Verschwinden der Bilder“ bezeichnet diesen Prozess und verweist auf die Flüchtigkeit unserer Wahrnehmung: Auch die Erinnerung bewahrt kein vollständiges Abbild der Wirklichkeit. Sie wählt aus, verschiebt und überformt. Einzelheiten verblassen, während andere Eindrücke umso deutlicher hervortreten. Nuhrs Malerei macht diese Bewegung sichtbar. Das fotografisch Festgehaltene wird nicht einfach ausgelöscht, sondern verändert seine Gestalt. Aus dem dokumentierten Augenblick entsteht ein subjektives Bild: eine Erinnerung, die sich von ihrem Ursprung entfernt und gerade dadurch eine neue Präsenz gewinnt.

In diesen Arbeiten begegnet uns eine Sehnsucht nach der Schönheit und Erhabenheit der Welt, ohne dass sie ins Pathetische kippt. Landschaften, Natur und Architektur erscheinen als fragile Zeugnisse einer Wirklichkeit, die sich dem vollständigen Zugriff entzieht. Das Schöne wird nicht idealisiert, sondern als etwas Flüchtiges erfahrbar, dessen Fortbestand keineswegs selbstverständlich ist. Zwischen Sichtbarkeit und Auflösung, Gegenwart und Vergangenheit eröffnen Nuhrs Bilder einen Raum der Kontemplation. Sie laden dazu ein, innezuhalten und genauer hinzusehen. Gerade dort, wo das einzelne Motiv zu verschwinden beginnt, wird etwas vom großen Ganzen spürbar.

Marc Peschke

 

Bis 31. Januar 2027

Vernissage: Mittwoch, 18. November 2026, 18 bis 20 Uhr. Der Künstler ist anwesend.

Galerie Mond Fine Arts

Bleibtreustraße 17

10623 Berlin-Charlottenburg

www.galeriemond-finearts.com

1 Kommentar zu „Galerie Mond Fine Arts Berlin präsentiert: Dieter Nuhr „Vom Verschwinden der Bilder““

Schreibe einen Kommentar