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Wildgänse kakeln durch die Nacht

Bild: KI-generiert

Die Zeile „Wildgänse rauschen durch die Nacht“ hat mich immer geärgert. Das ganze Lied, natürlich: Die Musik von Robert Götz ist larmoyant-aggressiv – die langgestreckten Töne auf „Moooorden“, „Haaader“, „Aaaaamen“ etwa – wie bei diesem völkischen Ex-Wandervogel, späterem Nazi und Bundesverdienstkreuzträger üblich, der Text vom schwulen Walter Flex, der besser Flexpressionist geheißen hätte, voll der damals modischen Adjektive und Verben, zucken und gellen, wallen und wogen, schrill, fahlhell, ansonsten aber bescheuert, weil er die Truppen des kaiserlichen Deutschland, mit denen er damals – 1915 – in Frankreich kämpfte, mit den Wildgänsen vergleicht, die niemanden überfallen, nirgendwo morden, einfach auf der Flucht vor der Wärme nach Norden ziehen, und im Winter vor der Kälte wieder nach Süden.

Aber mir geht es nicht um die ideologische Kritik eines Soldatenlieds, obwohl die spezifische Sentimentalität des deutschen Soldatenlieds sicher eine Analyse wert wäre; sondern um die schlechte Naturbeobachtung in den ersten beiden Zeilen: „Wildgänse rauschen durch die Nacht / Mit schrillem Schrei nach Norden …“

In diesen Tagen fliegen die Wildgänse über unser Berliner Haus Richtung Süden, und eins kann ich ganz klar sagen: sie rauschen nicht mit schrillem Schrei. Sie „rauschen“ überhaupt nicht, sondern müssen sich ganz schön anstrengen, das sieht man ihnen an, hört es zuweilen, und was ihren Schrei betrifft, so schreibt mein Lieblingsvogelbuch, der „Taschenführer Vögel“ von Chris Knightley, Steve Madge und Dave Nurney unübertroffen anschaulich: „Flugstart schwerfällig – mit knarrenden Flügeln. Geräuschvoll. Die lauten Rufe enthalten deutliche Elemente kakelnder Hausgänse; im Flug ‚ärgerliches‘ Trompeten: ‚oank-oank-unk‘. Klingt immer schlechtgelaunt – ein gutes Kennzeichen.

Genau. Wildgänse kakeln durch die Nacht – schlecht gelaunt wie die Merz-CDU, oder die heutigen Deutschen überhaupt, nicht wie das damalige „graue Heer“ des Kaisers, das bei Langemarck singend in die Maschinengewehre lief, die armen Irren.

Wildgänse rauschen durch die Nacht
mit schrillem Schrei nach Norden;
Unstete Fahrt habt Acht, habt Acht,
die Welt ist voller Morden.

Fahrt durch die nachtdurchwogte Welt,
graureisige Geschwader!
Fahlhelle zuckt und Schlachtruf gellt,
weit wallt und wogt der Hader.

Rausch zu, fahr zu, du graues Heer!
Rauscht zu, fahrt zu nach Norden!
Fahrt ihr nach Süden übers Meer,
was ist aus uns geworden?

Wir sind wie ihr ein graues Heer
und fahr’n in Kaisers Namen
Und fahr’n wir ohne Wiederkehr,
rauscht uns im Herbst ein Amen

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