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Vom Pakt mit der AfD und sonstigen Parteiuntergängen

Können Sie sich vorstellen, warum der Deutsche Bundestag in seiner Sitzung am 7. Juni 2018 mich in den Beirat der Stasiunterlagenbehörde gewählt hatte (siehe Bild)?

Bin ich qualifizierter als die über 61.688.500 wahlberechtigten Bundesbürger, die an meiner statt hätten gewählt werden können?

Ich will Ihnen das Geheimnis verraten:

Das war der Pakt. Der Pakt mit der AfD.

Genauer gesagt war es ein Pakt aller im Bundestag vertretenen Parteien untereinander:

„Du wählst meinen Kandidaten, ich wähle Deinen Kandidaten.“

Der Pakt war NICHT auf einem Klo ausgehandelt. Auf einem Klo, das wissen wir ja, sitzt immer ein Investigativ-Journalist von der Bild-Zeitung im Spülkasten und schreibt mit:

Nein, das war 2018 noch eine parlamentarische Spielregel: Jede im Bundestag vertretene Partei nominiert einen Kandidaten für diesen Beirat und dann wählen alle eben alle Kandidaten.

Und die AfD hatte meinen Namen in die Runde geworfen.

Zuvor musste ich mich natürlich beim Fraktionsvorstand und dann in der ganzen Fraktion vorstellen. Ich sagte dort:

„Dafür bewerbe ich mich nicht deswegen, weil ich in der DDR drei Jahre in Haft saß, 14 Monate davon in Untersuchungshaft des MfS und ich bisher 3.000 Blatt Akten über mich eingesehen habe…

Dafür bewerbe ich mich, weil ich bereits in zwei juristischen Fachzeitschriften  je einen Aufsatz zum Umgang mit den Akten veröffentlicht habe. Diesen einen lasse ich einmal rumgehen. Und den anderen auch.“

Die oben zuerst ausgesprochene rhetorische Figur, dass meine drei Jahre Haft unerheblich seien, die heißt übrigens Praeteritio (von lateinisch „das Umgangene, das Weggelassene“) oder Paralipsis (von altgriechisch παράλειψις, ebenfalls „das Umgangene, das Weggelassene“.) Der Redner erwähnt es, betont, dass es nicht erwähnenswert sei und macht die Erwähnung gerade dadurch wichtig.

So habe ich mich dann auch in der ersten Sitzung im Beirat der Stasi-Unterlagenbehörde vorgestellt. Mit der Praeteritio. Und eine SPD-Berufspolitikerin mit 28 Jahren Parlament auf dem Buckel strahlte mich an und sagte:

„Ich wurde übrigens auch von der Stasi verfolgt, Herr Walther. Sicher nicht so hart wie Sie, aber auch verfolgt. Ich habe es 1994 beim Einblick in meine Stasi-Akte entdeckt.“

Aber ich will jetzt nicht abschweifen zu Zeitgenossen, die 4 Jahre nach dem Untergang der DDR-Diktatur entdecken, dass sie in derselben verfolgt wurden (Das ist, Sie haben es bemerkt, schon wieder eine Praeteritio.)

Vielmehr frage ich:

Warum ist es eigentlich nicht mehr parlamentarische Gepflogenheit, AfD-Kandidaten (wie alle anderen Kandidaten auch) gemäß ihrem Sitzanteil im Parlament in Gremien zu wählen? Wieso darf die stärkste Fraktion nicht den Landtagspräsidenten im Magdeburger Landtag stellen?

Warum musste CDU-Fraktionschef Sven Schulze überhaupt die Parole ausgeben:

„Die AfD mag zwar mit 43,8 % ins Parlament gewählt sein und die deutlich stärkste Fraktion sein, aber den Parlamentspräsidenten, den stellt sie nicht mit CDU-Stimmen.“

Sogar der CDU-Fraktionsvize im Bundestag nennt das einen taktisch schweren Fehler.

Ist doch klar, dass wenn jemand mitten im Spiel die Spielregeln ändert, dass dies nicht einmal alle unter den „eigenen Leuten“ gut finden. Der Wähler schon gleich gar nicht.

Und wieso müssen die vier oder fünf, welche Änderungen der Spielregeln mitten im Spiel für blöd halten, warum müssen die aus der Partei ausgeschlossen werden, wie Unionsfreund Radtke aus dem Bundestag fordert? Und mittlerweile auch die (CDU-) Familienministerin?

Vielleicht gar noch mit dem Spruch: „Dann geh doch zu Deiner AfD!“

Warum ist genau dieser ganze Unsinn der Untergang der CDU?

 

27 Kommentare zu „Vom Pakt mit der AfD und sonstigen Parteiuntergängen“

  1. Gut zu wissen, dass ….

    „Innsbrucker Nachrichten“ vom 16.4.1947
    Amerikanische Kriegsverluste innerhalb von 100 Jahren: 526.000 Tote

    Eine amerikanische Statistik über die Kriegsverluste der USA im Laufe eines Jahrhunderts führt aus:

    • Der mexikanisch-amerikanische Krieg 1846/48 forderte 12.946 Tote und Kosten im Betrage von 139,500.000 Dollar;
    • der spanisch-amerikanische Krieg 1899 6472 Tote und 992.159.000 Dollar;
    • der Erste Weltkrieg 193.669 Tote und 21.850,000.000 Dollar;
    • der Zweite Weltkrieg 313.000 Tote und 340 Milliarden Dollar,

    das sind 87.5 Prozent des Nationalvermögens. Diese Kosten werden sich bis zum Jahre 1972 infolge der Renten für die Kriegsteilnehmer auf 700 Milliarden Dollar erhöhen.

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    • @W.B.

      … ähm, ich verstehe Ihre Intention nicht. Was hat Ihr Gedöns um die amerikanische Politik seit anno Schnee mit obigem Thema zu tun?

      … ich zitiere HMB:

      ‚Kennen Sie den? Eine Gruppe amerikanischer Touristen besichtigt die Moskauer Metro. Der Guide erklärt, die U-Bahn sei ein Meisterwerk, die größte, beste und sicherste U-Bahn der Welt, die Luft in den Bahnhöfen besser als in jedem Kurort in den Alpen, und anders als im Westen könne man in der Moskauer Metro zu jeder Zeit unterwegs sein, ohne von Bettlern und anderen asozialen Elementen belästigt zu werden. Dann sagt der Guide: “Haben Sie noch Fragen? Gibt es etwas, das Sie wissen möchten?” Einer der US-Touristen hebt die Hand. “Alles schön und gut. Aber warum ist seit einer halben Stunde kein Zug vorbeigefahren?” Darauf der Guide: “Und warum werden in Amerika die Neger diskriminiert?”‘

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  2. hans: „Die von Ihren Freunden begangenen Massaker“

    Wie überheblich in Bezug auf meine Quellen von „Freunden“ zu sprechen. Ich würde mir nie anmaßen, andere Menschen auf diese Art und Weise zu diffamieren.
    Aber so sind sie halt diese Edel-Antikommunismusexperten. Ich reihe Sie in meine Liste ein, die mich meiner Menschenwürde des freien Denkens berauben wollen. 30 Drohbriefe lagen schon in meinem Briefkasten, die Beschimpfungen führe ich erst gar auf. Mein Empfinden ist, warum müssen wir diese steuergeldsaugenden Akteure der „DDR-Aufarbeitungsdiktatur“ mit Milliarden Euro Steuergeldern füttern (80% von uns Wessi’s). Nur die Auswürfe dieser „DDR-Aufarbeitungsdiktatur“ ist das Richtige. Wie in einer Diktatur.

    Noch ein Quelle:
    „Innsbrucker Nachrichten“ Österreich vom 16.4.1947
    Mehrere tausend Kinder lebendig verbrannt

    Im Prozeß gegen den General der SS., Oswald Pohl, erklärte ein polnischer Zeuge, der ehemals Häftling des Lagers Auschwitz war: „Eine Anzahl von mehreren tausend Kindern wurde im Zeitraum von ungefähr drei Monaten im Laufe des Jahres 1944 lebend verbrannt. Um die Schmerzensschreie dieser Unglücklichen zu ersticken, spielte ein Orchester von hundert Musikern während dieser Zeit den Donauwalzer und andere bekannte Weisen. Für diese Kinder wurden nicht die Verbrennungsöfen benützt, die zur Einäscherung dieser großen Anzahl von Leichen nicht ausreichten, sondern diese wurden auf mit Benzin übergossenen Scheiterhaufen verbrannt. Manchmal schmetterte einer der SS.-Wachen ein Kind mit dem Schädel gegen eine Mauer, bevor er es in die Kohlenglut warf.“

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    • @W.B.

      … ich? … ein ‚Edel-Antikommunismusexperte‘? Das sind Ihre Projektionen. Ich verachte Ideologien.

      Ich ‚maße‘ mir nix an. Ihre kritiklose Lobhudelei auf die russischen Besatzer östlich der ehemaligen Demarkartonslinie, lässt keinen anderen Schluss zu und steht im Widerspruch zu den erlebten Erfahrungen meines (erweiterten) Familienkreises. Das erfordert Widerspruch. Ob es Ihnen passt oder nicht.

      Im Übrigen ist mir die deutsche Historie als Mecklenburger 12 Jahre lang in Schule und während des Maschinenbaustudiums [sic!] marxistisch-leninistisch, unter Auslassung für Sie offensichtlich nebensächlicher Tatsachen, ‚beigebracht‘ worden.

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  3. @Weber Johannn; … 1945 mit der Balküberschrift „Die Tradition der Sowjetvölker fordert eine menschliche Behandlung der friedlichen Bevölkerung des besiegten Landes“.

    In dieser größten Not halfen uns die Vertreter des Sowjetvolkes, das von Hitler im Jahre 1941 hinterhältig überfallen wurde. Sie übten keine Rache,

    «Die russischen Menschen erschütterten mich. Derartiges habe ich noch nie gesehen. Wo und wann hat es je gegeben, daß eine Siegerarmee dem besiegten Volk so viel Hochherzigkeit und Güte entgegenbrachte?‘

    … ja, vielen Dank, Gen. Weber Johann, da entschlüpft meinem Hamster mal wieder ein Bäuerchen. Befreiungsideologe … mhm?

    Die von Ihren ‚Freunden‘ begangenen Massaker, sowie die bei der Besetzung deutscher Gebiete, Ostpreußen, Pommern, Schlesien, Brandenburg, massenhaften Vergewaltigungen an schätzungsweise bis zwei Millionen deutschen Frauen nach Kriegsende [sic!], ist den Mitteldeutschen noch in ‚bester‘ Erinnerung.

    Schreie aus der Hölle ungehört:

    Das totgeschwiegene Drama der Sudetendeutschen

    Der ungarische Halbjude Sandor Kovacs, der das KZ der Nazis überlebte und bei seinem Heimmarsch nach Budapest durch Prag kam, gab zu Protokoll: »Im hitlerischen KZ sah ich Sachen, die ich nicht für möglich gehalten hätte, daß sie von Menschen anderen Menschen angetan würden.

    Als ich im Mai 1945 auf dem Rückmarsch in meine Heimat in Prag vom Ausbruch des tschechischen Wahnsinns überrascht wurde, erlebte ich ein Inferno menschlicher Armseligkeit und moralischer Tiefe, gegen das meine KZ-Zeit fast eine Erholung gewesen war. Frauen und Kinder wurden bei lebendigem Leib mit Petroleum übergossen und angezündet, Männer unter unvorstellbaren Qualen ermordet.

    Dabei mußte ich ausdrücklich feststellen, daß sich die gesamte Bevölkerung an diesem Verbrechen beteiligte, nicht nur der übliche Mob. Ich sah hochelegante junge Tschechinnen, die vielleicht noch vor kurzem mit den deutschen Offizieren geflirtet hatten, und die nun mit Revolver und Hundspeitschen durch die Straßen liefen und Menschen quälten und mordeten, ich sah offensichtlich höhere tschechische Beamte gemeinsam mit tschechischem Straßenmob johlend Frauen vergewaltigen und qualvollst umbringen. Ich fürchtete mich vor einem deutschen Wiedererwachen. Denn was den Deutschen geschah, ist unbeschreiblich!«

    Ostdeutschland wurde in der Nachkriegszeit von der Sowjetunion ‚ausgenommen‘, Westdeutschland von den Westalliierten.

    Bis 1948 musste die sowjetische Besatzungszone, die sogenannte ‚DDR‘, 58% der gesamten Industrieproduktion als Reparationszahlung leisten, während 1953 die Pro-Kopf-Belastung im Westen bei 305 $ lag, war sie in der DDR mit umgerechnet 890 $ beinahe dreimal so hoch.

    … soweit dann zur ‚Russland-Affinität‘, Genossen.

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  4. Lieber Bodo Walther: Die „Russland-Affinität“, so glaube ich, Ben Frick,ist keine der AfD, sondern des „Ossis“. Weil die Eliten der DDR nun mal Eliten des Moskauer Imperiums waren

    1. Quelle:
    Entnommen aus dem Buch „Zusammenbruch und Aufbau Berlins 1945/46“ von Josef Orlopp (SPD), Dietz Verlag Berlin 1947
    [..] „Auf der Hin- und Rückfahrt zu dieser Konferenz kam mir so recht die Größe der Katastrophe zum Bewußtsein. Verbrannte und zerstörte Straßenbahnwagen und Kraftfahrzeuge aller Art standen auf den Straßen herum. Die Straßenbahnfahrleitungen hingen in Stücken herab, ein Viertel der U-Bahnstrecken war ersoffen und sämtliche Gas- und Elektrolampen für die Beleuchtung der Stadt (rd. 100.000) waren vernichtet. Von den 225 städtischen Brücken waren 140 zerstört und blockierten die Wasserstraßen Berlins. Scharen von Flüchtlingen durchzogen unsere Stadt von Süd nach Nord, von Ost nach West und umgekehrt, die wenigen geretteten Habseligkeiten mit sich schleppend, müde und abgestumpft gegen äußere Eindrücke, ein Bild des Jammers und des Elends, nicht wissend, ob sie ihr Heim und ihre Angehörigen wiederfinden werden. In jenen ersten Maitagen schien die letzte Stunde Berlins geschlagen zu haben. Hitler war es wirklich gelungen, bis „fünf Minuten nach zwölf“ zu kämpfen und Berlin in einer hoffnungslos erscheinenden Lage zurückzulassen.[..]
    Wie die tatsächliche Lage im Mai 1945 war, ergibt sich auch aus einem Bericht der „Berliner Zeitung“ vom 22. Mai 1945 mit der Balküberschrift „Die Tradition der Sowjetvölker fordert eine menschliche Behandlung der friedlichen Bevölkerung des besiegten Landes“. Diesem Bericht entnehme ich folgendes:
    „Der Stellvertreter des Vorsitzenden des Rates der Volkskommissare der UdSSR A. I. Mikojan hat im Laufe der letzten Tage in die Lebensmittellage von Berlin Einsicht genommen und dem Korrespondenten der „Prawda“ seine Eindrücke, welche die Berliner Verhältnisse treffend zeichnen wie folgt geschildert:
    „Ende April und Anfang Mai ist dem Sowjetkommando eine Reihe von Meldungen von den Soldaten und Offizieren der Roten Armee zugegangen über die schwere Lebensmittellage der Bevölkerung der Stadt Berlin. In ihren Briefen und Meldungen berichteten die Soldaten und Offiziere, daß die Bevölkerung in zerstörten Häusern, in Kellern und Luftschutzbunkern wohnt ohne Licht, Wasser und Lebensmittel und Hunger leidet. Überall betteln Kinder, Frauen und Greise von Rotarmisten Brot, sammeln sich in großen Scharen vor den Feldküchen und Kantinen der Armee.
    Diese Zustände in Deutschland veranlassen unser Kommando, Maßnahmen zur Besserung der Lebensmittellage der Deutschen zu ergreifen.“

    Meiner Auffassung nach hätte die russische Besatzungsmacht Berlin nur wenige Tage seinem Schicksal zu überlassen brauchen und die Bevölkerung wäre vor Hunger umgekommen.

    In dieser größten Not halfen uns die Vertreter des Sowjetvolkes, das von Hitler im Jahre 1941 hinterhältig überfallen wurde. Sie übten keine Rache, sondern halfen mit allen Mitteln, die ihnen selbst zur Verfügung standen. Am Abend des 6. Mai 1945 rollten die Militärautos durch die Straßen Berlins und die Besatzungstruppen selbst belieferten die Lebensmittelgeschäfte.
    Von rund 26.000 Einzelhandelsgeschäften der Lebensmittelbranche im Jahr 1939 waren Ende Mai 1945 wieder rund 9000 in Gang gebracht.
    Was unmöglich schien, war möglich geworden. Durch die gemeinsame rastlose Arbeit der antifaschistischen Kräfte, unterstützt durch die sowjetische Armee, war die Hungergefahr überwunden und die erste Versorgung der Berliner Bevölkerung mit Lebensmitteln gesichert.[..]
    9. Seuchengefahr
    Infolge der Unterernährung und der Zerstörung aller hygienischen Einrichtungen war bei unserem Amtsantritt die Seuchengefahr aufs höchste gestiegen. Sämtliche 87 Pumpwerke der Abwässerungsbetriebe standen still. Da durch die Kampfhandlungen das Rohrnetz der Berliner Trinkwasserversorgung in hohem Maße zerstört war, mußte Trinkwasser aus den einzelnen in der Stadt vorhandenen Brunnen für den menschlichen Bedarf genommen werden. Was wir alle befürchteten, trat sehr bald ein. Ruhr und Typhus waren die zwangsläufige Folge. Der Tod hielt grausame Ernte unter der Bevölkerung. Der Höhepunkt der Ruhrerkrankungen war in der dritten Juli-Woche mit 2.500 Neuerkrankungen erreicht.
    Die weit gefährlichere zweite große Seuche, der Typhus, zeigte in ihrer Erkrankungsspitze einen wöchentlichen Krankenzugang von 900 Personen.
    Der Ausbruch der dritten gefahrdrohenden Seuche, des Flecktyphus, konnte verhindert werden. Dabei fehlte es an allem. Medikamente wurden mit Hilfe der Besatzungsmächte nach Berlin gebracht und die Berliner pharmazeutische Industrie kam schon Ende Juni zum Anlaufen. Von den 33 000 Krankenbetten der Vorkriegszeit standen nach Ablauf der Kampfhandlungen im Mai 1945 für die Berliner Bevölkerung nur 8500 Betten zur Verfügung. Von 6500 Ärzten waren nach der Kapitulation nur noch 2400 in Berlin. Wie es auf dem Gebiete des Gesundheitswesens aussah, davon kann man sich heute kaum noch eine Vorstellung machen. Von rund 400 Krankentransportwagen in Friedenszeiten war kein einziger mehr fahrbereit. Die Kranken mußten von ihren Angehörigen auf Tragbahren zu den Krankenhäusern gebracht und die Toten auf Handwagen befördert werden.
    Um ein weiteres Umsichgreifen der Seuchen zu verhindern, hatte die Abteilung Gesundheitsdienst alle notwendigen Maßnahmen zu treffen. Die Untersuchung und laufende Überwachung aller Häuser Berlins auf Ruhr- und Typhuskranke wurde schon im Mai 1945 angeordnet. Die nachfolgende Gesamtimpfung einer Drei Millionen-Bevölkerung gegen Typhus und Paratyphus ist in der Geschichte erstmalig. Ähnliches gilt für die Organisation der laufenden Entlausung und der gesundheitlichen Überwachung aller Berlin berührenden Flüchtlinge.
    Diese erhebliche Steigerung der Todesfälle im zweiten Halbjahr 1945, insbesondere in den Monaten Juni/Juli, ist auf verschiedene Gründe zurückzuführen, und zwar
    1. auf die im Sommer und Herbst 1945 aufgetretenen Seuchen,
    2. auf die Überalterung der Bevölkerung infolge der Kriegsereignisse,
    3. auf die erhöhte Kindersterblichkeit.
    Es starben an Kindern unter einem Jahr auf hundert Geborene im Jahre 1938 5,8 im Jahre 1944 12,0 im zweiten Halbjahr 1945 36,2.
    Die wesentlichste Ursache für den hohen Stand der Sterblichkeit bei den Kindern war, daß durch das Fehlen aller Transportmittel die notwendige Säuglingsmilch nicht mehr herangeschafft werden konnte und auch keine Möglichkeit bestand, andere Kindernahrung für Säuglinge auszugeben. So stieg die Sterblichkeitsziffer Lawinenhaft und erreichte ihren Höchststand im Juli 1945 mit 66 von hundert Geborenen.
    Bei den Erwachsenen waren die Ursachen der hohen Sterblichkeitsziffern die Überalterung und der starke Kräfteverfall der Bevölkerung infolge der schon seit Jahren bestehenden schlechten Ernährung. Dies ergibt sich bei einer Betrachtung der Todesursachen. Hieraus geht hervor, daß gerade die Sterblichkeit bei Erkrankungen der inneren Organe im Verhältnis zur Vorkriegszeit besonders stark gestiegen war, auch bei den mittleren Altersklassen. So starben z. B. bei Umrechnung auf die im 1. Quartal 1946 festgestellte Bevölkerungszahl gegenüber der Vorkriegszeit monatlich an
    1. Vierteljahr 1946 Tuberkulose 198 816
    Gehirnblutungen und Krankheit der Gefäße 366 737
    Herzkrankheiten 582 1766, Lungenentzündung 250 594
    sonstigen Erkrankungen der inneren Organe 654 2561
    Auch die Steigerung der Todesfälle infolge Altersschwäche sind neben der allgemeinen Überalterung der Bevölkerung im Wesentlichen auf den Kräfteverfall der älteren Jahrgänge infolge der schlechten Ernährung der letzten Jahre zurückzuführen. So starben an Altersschwäche im Jahre 1938 monatlich 91 und im zweiten Halbjahr 1946 monatlich 1055 unter Zugrundelegung der jeweiligen Bevölkerungsziffer.
    Zu der erhöhten Sterblichkeit kam als weiteres Gefahrenmoment ein erschreckender Rückgang der Geburtenziffer. Auf 1000 Einwohner pro Jahr wurden geboren in den Jahren 1938 bis 1943(Durchschnitt) 15,7 im Jahre 1944 8,7 im zweiten Halbjahr 1945 10.3 und im ersten Vierteljahr 1946 5,1 Die Geburtenziffer ging also auf ein Drittel der Vorkriegsgeburten zurück.[..]“

    2. Quelle:
    Auszug aus dem Buch „Am Morgen nach dem Kriege – Erinnerungen eines sowjetischen Kulturoffiziers“ von Grigorij Weiss, Verlag der Nation Berlin, 1981

    „ «Wissen Sie, worauf ich jetzt zu trinken vorschlage?›› Er nahm das volle Glas in die Hand. «Auf jenen Roman, den ich unbedingt schreiben muß.. .››
    Hans Fallada legte eine Pause ein und fuhr alsdann fort: «Ich will einen Roman über die Russen schreiben. Über sowjetische Offiziere. Und nicht etwa, weil ich Russen vieles verdanke, nicht etwa, weil sie für mich persönlich unfaßbar viel getan haben! Nein! Nein!» wiederholte der Schriftsteller und schüttelte den Kopf. «Die russischen Menschen erschütterten mich. Derartiges habe ich noch nie gesehen. Wo und wann hat es je gegeben, daß eine Siegerarmee dem besiegten Volk so viel Hochherzigkeit und Güte entgegenbrachte? Ich meine nicht die offizielle Politik, nicht die überall angebrachten Losungen. Obgleich wir Deutschen diese Losungen auswendig lernen sollten wie Gedichte. Ich spreche vom Alltag, von dem, was ich als Bürgermeister der Stadt Feldberg gesehen und erlebt habe… Teufel noch mal!›› schrie Fallada, «ihr seid doch als Sieger hergekommen. Als Befreier ganz Europas. Vier Jahre habt ihr weder Schlaf noch Ruh gekannt, habt dem Tod mehr als einmal ins Auge geblickt…. Tausend Toten! Eure Herzen hätten versteinert sein müssen. Euer war das Recht, zu feiern, zu prassen, das Leben zu genießen, das euch das Schicksal geschenkt hatte… Aber was habe ich gesehen? Besessene Kommandanten, die weder sich selbst noch mir Ruhe gönnten, bis für die Deutschen noch eine Bäckerei die Arbeit aufnahm, bis ein Kraftwerk Strom lieferte, ein Kino eröffnet wurde, Nahrungsmittel für das Kinderkrankenhaus herangeschafft waren.. . Was ging euch das alles an? Sollten doch die Deutschen krepieren, sollten sie verhungern, wahnsinnig werden – was ging das euch an? So gedacht haben in jenen Tagen sogar viele Deutsche… Meine Freunde Kommandanten aber – es waren ihrer nacheinander drei oder vier – holten mich in aller Herrgottsfrühe aus dem Bett und fragten mich, wieviel Arbeitskräfte ich bei der Enttrümmerung eingesetzt habe, wieviel Brot gebacken und ob Gemüse herangeschafft worden ist. Dann fuhren sie auf die Felder, kontrollierten den Ablauf der Saatkampagne, als wären sie irgendwo im Rjasaner Gebiet, als wären es ihre eigenen Kinder, die dieses Brot brauchten!››
    Hans Fallada trank plötzlich aus, aß ein Stück Wurst dazu und sagte, nicht auf uns, sondern zum Fenster blickend: «Über all das möchte ich einen großen Roman schreiben. Das ist meine Pflicht. Ich pfeife darauf, was meine Feinde sagen werden. Sie sind doch auch eure Feinde. . .›› Ilse Jung ließ ihren Blick erstaunt und erregt zwischen mir und dem Schriftsteller wandern und wagte nicht zu sprechen. Ihr Gesicht rötete sich, die Augen wurden groß und feucht. Sie biß auf den Zipfel ihres Taschentuchs und sagte schließlich: «Darf ich das aufschreiben?›› «Unter keinen Umständen!» reagierte der Dichter scharf. «Sie wissen doch, daß ich abergläubisch bin. . .››
    Der Einsatzwagen kam zurück, die letzte Seite war bereits imprimiert, aber in der Rotation klappte etwas nicht. Ich wollte die Gäste, die offensichtlich müde waren, nicht länger aufhalten. Hans Fallada trat an mich heran, dankte für unerwartete Bewirtung. Wir umarmten uns. Nein, ich hatte damals nicht die Vorahnung, daß wir uns das letzte Mal sahen. Zwei Wochen später, im Februar 1947, starb Hans Fallada überraschend an Herzschwäche. „

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  5. „Opfer“ ????
    Erhalten auch diese „Opfer“ eine DDR-Opferrente in einer Höhe von 150.000 – 300.000 Euro je nach Bezugsdauer?

    Entnommen aus „Vom Werden unseres Staates – 1949-1955“, Staatsverlag der DDR Berlin 1968:

    13.6.1955
    Zuchthausstrafen für Agenten imperialistischer Geheimdienste
    Der Ministerrat hat am 12. April die Öffentlichkeit davon in Kenntnis gesetzt, daß amerikanische und englische Geheimdienste sowie die von der Bonner Regierung unterhaltene Spionageorganisation Gehlen im Zusammenhang mit der Ratifizierung der Pariser Verträge ihre verbrecherische Tätigkeit forciert haben. Westberlin ist das Zentrum der Spionage- und Diversionstätigkeit. Mit Unterstützung der Bevölkerung ist es den Organen der Staatssicherheit der DDR gelungen, Spionage- und Terrorgruppen, die auf dem Boden der DDR tätig waren, aufzugreifen. 521 Agenten sind verhaftet worden.
    Der I. Strafsenat des Obersten Gerichts verkündet nunmehr die Urteile im Prozeß gegen sieben der verhafteten Agenten imperialistischer Geheimdienste. Es werden Zuchthausstrafen von 12 beziehungsweise 15 Jahren ausgesprochen.
    Das Gericht weist nach, daß sich die Angeklagten schwerster Verbrechen gegen die DDR, gegen den Frieden und gegen die Völkerverständigung schuldig gemacht haben. Ihre Tätigkeit bestand in unmittelbarer Kriegsvorbereitung und gefährdete zahllose Menschen.
    Der Prozeß zeigt, daß sich die Tätigkeit der amerikanischen und westdeutschen Geheimdienste nicht nur gegen die UdSSR, die volksdemokratischen Länder und die DDR richtet, sondern auch gegen andere europäische Länder, wie Frankreich, Dänemark und Schweden.
    Am 23.Juni verurteilt das Oberste Gericht weitere fünf Agenten der westberliner Terrororganisation „Kampfgruppe gegen die Unmenschlichkeit“. Sie hatten geplant, Kraftwerke, Talsperren, Verkehrsanlagen, Fabriken und Wohnhäuser zu zerstören. Die Angeklagten erhalten hohe Zuchthausstrafen.

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  6. 1) Amnety international

    JAHRESBERICHT 1974
    DEUTSCHLAND
    Bundesrepublik Deutschland

    Im Laufe des Jahres wurden amnesty international Beschuldigungen über Folterungen von Gefangenen in der Bundesrepublik Deutschland zugeleiet. Es wurde behauptet, daß bestimmte Untersuchungshäftlinge, von denen einige seit über 18 Monaten ohne Prozeß in Haft waren, sich in Einzelhaft unter Bedingungen befanden, die als Ursache für „sensorische Deprivation“ beschrieben werden könnten. Vor einer Entscheidung, ob eine Mission zur Untersuchung der Vorwürfe entsandt werden sollte gab das internationale Exekutivkomitee die Genehmigung zu vorabgeführten Erörterungen mit dem Generalbundesanwalt in der Bundesrepulik Deutschland. Diese Erörterungen fanden am 17. Januar 1974 statt. amnesty wurde dabei durch Dr. Einar Kringlen, einen Psychiater der Universität Oslo, und den Justiziar Nigel S. Rodley vertreten. Ihr Bericht wurde auf der Sitzung des Exekutivkomitees im Februar erörtert. Das Komitee stellte dabei erneut fest, daß lang andauernde Einzelhaft und Bedingungen, die zu sensorischer Deprivation führen können, grundsätzlich abgelehnt werden. Das Sekretariat ermittelt weiter in dieser Angelegenheit.
    Im Mai 1974 schrieb der Generalsekretär von amnesty an den Generalbundesanwalt und brachte seine Sorge über zwei Häftlinge, Monika Berberich und Brigitte Asdonk, zum Ausdruck, die ununterbrochen seit 3 1/2 Jahren vor und während ihres Prozess in Haft waren. In dem Brief wurde die Frage gestellt, wie die lange Untersuchungshaft mit dem Prinzip vermuteter Unschuld und der Garantie auf einen Prozeß in angemessener Zeit in Einklang gebracht werden kann.
    Drei Kriegsdienstverweigerer aus Gewissensgründen wurden von amnesty-Gruppen im Laufe des Jahres betreut; einer von ihnen wurde inzwischen entlassen.

    2) Entnommen aus dem Buch „Erinnerungen aus sieben Jahrzehnten“ von
    Probst Heinrich Grüber. Erschienen 1968 – Deutscher Bücherbund Stuttgart-Hamburg

    Politische Gefangene

    Eine Beschwerde, die ich immer wieder bei den staatlichen Organen der DDR vortragen mußte, betraf die aus politischen Gründen Verhafteten und Verurteilten. In verschiedenen Gesprächen wiesen die staatlichen Vertreter darauf hin, daß bestimmte Entscheidungen über ihren Kompetenzbereich hinausgingen. Diese Andeutungen machten klar, daß sich die sowjetische Besatzungsmacht die Entscheidung über das Schicksal der politischen Häftlinge vorbehalten hatte. Deshalb entschloß sich der Rat der EKD, einen Appell an die Sowjetregierung zu richten. Am 18. September 1951 erging an Generalissimus Stalin ein Schreiben, in dem sich der Rat über die »gegenwärtige Handhabe der Justiz im Bereich der Deutschen Demokratischen Republik« beklagte. Über willkürliche Verhaftung von Menschen ohne richterlichen Haftbefehl, über Strafverfahren unter Ausschluß der Öffentlichkeit, über unmenschlich harte Strafen – bis zu fünfundzwanzig Jahren Zuchthaus, auch für Jugendliche – und über anderes mehr, sei Jahre hindurch mit den Regierungsstellen der DDR verhandelt worden, um eine Änderung dieser unhaltbaren Zustände zu erzielen. Immer wieder sei man dabei aber auf die Erklärung gestoßen, nur die sowjetische Besatzungsmacht könne »eine solche Änderung herbeiführen«. Darum wende sich die Kirche jetzt an die Regierung der UdSSR und erbitte von ihr Abhilfe. Allerdings bezweifle ich, daß es dem Ziel des Schreibens förderlich war, wenn der Ratsvorsitzende die Rechtsstaatlichkeit der Bundesrepublik Stalin als Vorbild vor Augen stellte: »Wir glauben, uns mit Ihnen darin einig zu wissen, daß man gegen das Rechtsbewußtsein eines Volkes nicht regieren kann, ohne das Volk von sich zu stoßen und es sich hoffnungslos zu entfremden und seinen Blick sehnsüchtig dahin zu lenken, wo diesem Rechtsbewußtsein Rechnung getragen wird. «

    Je tiefer der Graben zwischen Ost und West wurde, desto verhängnisvoller wirkte sich die Propaganda aus, die jene Personen zu politischen Märtyrern machte, die verschiedene Gesetze des jeweils anderen staatlichen Bereichs mißachteten. Einer der Akte in der Bundesrepublik, die den Kalten Krieg unnötig verstärkten, war das Verbot der Kommunistischen Partei. Andererseits griff
    die DDR-Regierung überall erbarmungslos zu, wo sie Spionage oder Wirtschaftssabotage aufgedeckt zu haben glaubte. Es war kaum verwunderlich, daß ein ohnehin wackliges Staatswesen sich in einer politisch vergifteten Atmosphäre mit drakonischen Maßnahmen zu erhalten versuchte, daß die Strafanstalten in Brandenburg, Bautzen und Waldheim, in Torgau und Hoheneck überfüllt waren.

    An dieser Selbstzerfleischung trugen besonders jene Gruppen schuld, die daran interessiert waren, die Kluft zwischen den Deutschen zu vertiefen, den politischen Haß zu schüren und dem Kalten Krieg solche Kräfte zu opfern, die einen Brückendienst leisten konnten. Auf westlicher Seite gehörte unter anderen die Kampfgruppe gegen Unmenschlichkeit zu den Organisationen, die selbst oft jede Menschlichkeit vermissen ließen. Die Arbeitsmethoden dieser »Kampfgruppe« ließen Verständnis und Rücksichtnahme auch dann nicht erkennen, wenn wir gerade in ernsthaften Verhandlungen versuchten, das Schicksal der politischen Häftlinge zu erleichtern.

    In einem Brief, den ich am 20. Dezember 1951 an den damaligen Bundestagspräsidenten Dr. Hermann Ehlers richtete, beschwerte ich mich nachdrücklich über diese Organisation. Unsere Bemühungen um eine Amnestie für politische Häftlinge in der DDR seien durch die Methoden dieser Gruppe illusorisch geworden. Als Beispiel führte ich ein Rundschreiben der »Kampfgruppe« an, in dem Geld und Lebensmittel für die Gefangenen erbeten wurden, die unter eine mutmaßliche Amnestie fallen würden, damit ihnen nach ihrer Entlassung geholfen werden könne. Einer der Verantwortlichen dieser Organisation schrieb, die Gefangenen seien »die Vorkämpfer für eine Partisanenbewegung«. In diesem Zusammenhang kritisierte ich auch den damaligen Bundesminister für Gesamtdeutsche Fragen, Jakob Kaiser, in dessen Kompetenzbereich die »Kampfgruppe« gehörte. Ich verwies auf zahlreiche Flüchtlinge, die in seinem Ministerium den Ton angaben und dafür mitverantwortlich waren, daß sich die Lage ständig verschärfte.

    Ehlers nahm meine Kritik etwas distanziert zur Kenntnis, bestätigte aber, daß auch er die Arbeit bestimmter Personen im Ministerium Kaiser nicht schätze. Im übrigen machte er ein bemerkenswertes Zugeständnis; er schrieb, es sei unerläßlich, »zwischen den Aktionen des Kaiser-Ministeriums und denen der Amerikaner, die sich in gar keiner Weise hineinreden lassen, einen erheblichen Unterschied zu machen. «

    Auf einer Kundgebung des Christlichen Friedensdienstes im März 1952 nahm ich gegen die ständig wachsenden Versuche Stellung, die Jugend in die psychologische Kriegführung des Westens gegen den Osten und des Ostens gegen den Westen einzubeziehen. Anlaß dazu gaben mir Jugendliche, die im Auftrag in- und ausländischer Agenten in Ostberlin und der DDR Brandstiftungen an industriellen und landwirtschaftlichen Objekten verübt hatten, schließlich gefaßt und verhaftet worden waren. Pieck habe ich mehrmals die Not der inhaftierten Jugendlichen geschildert, die mir ja aus eigener Erfahrung bekannt war. Sie wurden durch eine lange Haft körperlich und moralisch ruiniert. Unter anderem machte ich den Vorschlag, sie in einem geschlossenen Bezirk zusammenzufassen, zum Beispiel auf der Ostseeinsel Poel. Ich bot mich an, als Erzieher oder Geistlicher mit ihnen zusammenzuleben. Pieck veranlaßte eine Amnestie für fünfhundert Jugendliche. Bald darauf wurden achtundsechzig von ihnen, die in den Westen entlassen worden waren, mit falschen Papieren ausgerüstet bei Sabotageakten und Spitzelarbeiten in der DDR wieder verhaftet. Alle weiteren Bemühungen für inhaftierte Jugendliche wurden dadurch unmöglich.

    Im Kampf gegen die Junge Gemeinde benutzten die Kommunisten später die Vergehen dieser Jugendlichen, um die ganze Junge Gemeinde als verbrecherische Organisation zu diffamieren. Der größte Teil gehörte zwar der FDJ an, aber einige der Übeltäter trugen das Zeichen der Jungen Gemeinde oder hatten in loser Verbindung mit ihr gestanden.
    Warnungen wurden auch von der im Mai 1952 tagenden Synode der Altpreußischen Union, der heutigen Evangelischen Kirche der Union, aufgenommen. Sie richtete ein Wort an ihre Gemeinden, in dem es hieß: »Wir beschwören alle politischen Instanzen in West und Ost, daß sie darauf verzichten, unreife und urteilslose Menschen zu politischen Umtrieben zu verführen. «

    Meine Bemühungen um eine Amnestie, über die ich lange mit dem Staatssicherheitsminister der DDR, Wilhelm Zaisser, und mit dem sowjetischen Hochkommissar Semjonow verhandelt hatte, führten schließlich zu einem Teilerfolg.

    Die Regierung der DDR erließ am 6. Oktober 1952 eine Amnestie für eine große Zahl politischer Häftlinge, aber viele blieben weiterhin hinter verschlossenen Türen. Die ersten Entlassenen berichteten mir, daß viele Häftlinge, die vergebens auf eine Entlassung gehofft hatten, grenzenlos enttäuscht seien.

    Deshalb erbat ich mir für den 9. November, den Reformationssonntag, die Erlaubnis, in der Strafanstalt Waldheim Gottesdienste zu halten. Die Genehmigung wurde für drei Gottesdienste erteilt, anschließend sollte ich mit einigen Häftlingen sprechen dürfen.

    Als ich in einem der Gottesdienste darauf verwies, daß man nicht nur die Schuld der anderen, sondern auch die eigene sehen müsse, entstand unter den Häftlingen Unruhe. Sie wurde von mehreren ehemaligen Gestapo-Männern ausgelöst, die sich später noch in einem Mordprozeß zu verantworten hatten. In der Westpresse erschienen daraufhin Sensationsberichte, die davon wissen wollten, daß die Häftlinge insgesamt mit » Füßescharren, lautem Pfeifen und Zwischenrufen«, sogar mit dem Absingen des Reformationsliedes »Ein feste Burg ist unser Gott«, gegen meine Predigt protestiert hätten. Diese Darstellung war völlig absurd: sie bewies jedoch erneut,wie wenig gewisse politische Kreise davor zurückschreckten, den geistlichen Dienst zu diskreditieren und die trostlose Lage der Gefangenen für ihre Ziele auszuwerten.

    3) „Berliner Zeitung“ vom 28.4.1965
    Drohungen gegen Propst Grüber

    Westberlin (ADN/BZ). Wegen seiner Rede aus Anlaß der diesjährigen Woche der Brüderlichkeit ist der Westberliner Propst Grüber von Nazis und Antisemiten in übelster Weise beschimpft und bedroht worden. Die Skala reicht von „Dreckskerl“ und „Vaterlandsverräter“ bis zu der empörenden Frage „Gehören Sie auch nach Auschwitz?“. Die Westberliner Zeitung des Bundes der Verfolgten des Naziregimes (BVN), „Die Mahnung“, veröffentlichte Auszüge aus verschiedenen Drohbriefen. Die Beschimpfungen erfolgten auch deswegen, weil sich Propst Grüber wiederholt gegen eine Verjährung der Naziverbrechen ausgesprochen hat.

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  7. @Ben Frick.. (Zwergenland) auch da sollte man ehrlich sein: insbesondere Deutschland, hat gegen Putin/China/Iran nichts, aber auch gar nichts mehr in der Hand – weil es sich durch seine suizidale Energiepolitik (Merkel, FDP), d.h. die Abschaffung der Diversifizierung, die suizidale und ruinös teure Asylpolitik (Merkel, SPD, ‚Grüne‘) und den suizididalen Umgang mit den eigenen Streitkräften (Merkel, FDP, SPD, ‚Grüne‘.. „Ende der Geschichte“, nicht wahr?) selbst verzweigt hat. Deutschland hat sich abgeschafft. Und das waren weder AfD noch BSW, die nur die Konsequenzen aus der Abwicklung aller Aktiva des Landes durch die Altparteien ziehen. Trump hatte das Problem x-fach benannt, nun ist der Zug auf Dauer abgefahren. Vielleicht helfen die Saudis noch (aber nicht umsonst..)

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    • @KJN Mir geht es um Landespolitik. Und ich amüsiere mich darüber, dass AfD und Wagenknecht-Linke in einem Land mit 2,1 Mio. Einwohnern erst einmal Weltpolitik machen: Magdeburg schickt Liebesgrüße nach Moskau und löst den Ukrainekrieg. Warum sich auch in die Niederungen der Landespolitik begeben? Da kann man nur verlieren – erst recht mit dem Regierungsprogramm, das die AfD zur Wahl vorgelegt hat. Dass Tobias Rausch zugleich Landtagspräsident und AfD-Generalsekretär bleiben möchte, vermittelt übrigens auch nicht gerade den Eindruck, dass man das Parlament übermäßig ernst nimmt. Richtig lustig wird es, falls Bayern mit seiner noch anhängigen Klage gegen den Länderfinanzausgleich in Karlsruhe Erfolg hat: weniger Geld aus dem Süden, dafür umso mehr Symbolpolitik aus Magdeburg. Wenn schon die Landeskasse schwächelt, muss wenigstens die Bühne groß genug sein.

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    • Lieber Bodo Walther, jetzt machen Sie die Russland-Affinität kurzerhand zur Eigenschaft „des Ossis“. Gibt es den eigentlich (noch), abgesehen von denen, die sich selbst so definieren? Wir schreiben fast 37 Jahre nach dem Mauerfall und reden inzwischen über mehrere Generationen mit ziemlich unterschiedlichen Biografien.

      Die Leute, die ich im Osten kennenlernte, hatten noch Russisch in der Schule gelernt – meist nicht wirklich begeistert – und waren eher froh, dass die sowjetischen Truppen endlich abzogen. In meiner damaligen universitären Blase fällt mir spontan genau eine wirklich Russlandbegeisterte ein. Die kam allerdings aus dem Westen, wollte den Kapitalismus überwinden und zog später für die PDS in den Bundestag ein (und, nebenbei, auch zu Ihrer These vom „Aufbruch in ein fremdes Land als Männer-Ding” passt sie eher schlecht: die zog durch verschiedene Länder, Ostdeutschland eingeschlossen). Außerhalb dieser Blase begegnete mir viel Ressentiment gegen den Westen und gegen Fremdes überhaupt, darunter werden selbstverständlich auch Russlandfreunde gewesen sein. So viel zur quasi erblichen Russland-Affinität „des Ossis“.

      Eine kleine Correctio: Der von mir genannte Herr war von 1977 bis 1989 hauptamtlicher MfS-Offizier im besonderen Einsatz, zuvor war er bei der NVA. Auch hier sorgt die AfD also für deutsch-deutsche Kontinuitäten.

      Und „Wirtschaftseliten der DDR“ ist ein etwas eigentümlicher Begriff. Natürlich gab es Betriebs- und Kombinatsdirektoren, also eine Funktionselite. Von einer privaten Wirtschaftselite kann doch kaum die Rede sein.

      Lassen Sie uns die ökonomische Bedeutung Russlands nicht nachträglich mythologisieren. Nach Angaben des Statistischen Landesamts Sachsen gingen 2021 gerade einmal 1,3 Prozent der sächsischen Exporte nach Russland, 572,8 Millionen Euro. Deutschland insgesamt wickelte 2021 lediglich 2,3 Prozent seines Außenhandels mit Russland ab. Bedeutend war Russland vor allem als Lieferant von Erdöl und Erdgas. Zu dieser Abhängigkeit hat ja besonders Russlandpolitik des Wessis Schröder ihren Beitrag geleistet.

      Und bei der Lebensmittelwirtschaft steckt noch eine hübsche Ironie drin: Das Importverbot für zahlreiche europäische Agrar- und Lebensmittelprodukte verhängte Russland selbst im August 2014. Der verschwundene Absatzmarkt war also keineswegs einfach das Werk „westlicher Sanktionen“. https://food.ec.europa.eu/horizontal-topics/international-affairs/eu-russia-sps-issues/russian-import-ban-eu-products_en

      Historische Verflechtungen erklären einiges. Sie erklären nur weder „den Ossi“ im Jahr 2026 noch, warum AfD und BSW meinen, im Magdeburger Landtag Außenpolitik betreiben zu müssen.

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      • Lieber Ben Frick,

        über ein Drittel der Einwohner Europas sind Slawen. Selbst innerhalb der EU sind es noch 15 %.

        Dies ist nicht einfach „unerheblich“. Auch wenn ich für heutige Schulen als slawische „Ausgangssprache“ eher Polnisch empfehlen würde.

        Warum AfD und BSW im Magdeburger Landtag etwas aussenden, was Sie „Liebesgrüße nach Moskau“ nennen, wissen Sie selbst:

        Die Wähler von AfD und BSW im Osten wollen das hören. Und ich habe Erklärungen gesucht, warum „die“ (Immerhin zusammen fast die Hälfte der Wähler.) …
        … warum „die“ das (außerhalb der allgemeinen Kriegsangst, die gibts ja auch noch.) …
        … warum „die“ das meiner Auffassung nach hören wollen.

        Weil nämlich die „Erklärung“:

        „Die wollen das alle hören, weil die alle doof sind.“

        Weil die nämlich gar nichts erklärt.

  8. Hallo Bodo Walther
    Sie schreiben: So habe ich mich dann auch in der ersten Sitzung im Beirat der Stasi-Unterlagenbehörde vorgestellt. Mit der Praeteritio. Und eine SPD-Berufspolitikerin mit 28 Jahren Parlament auf dem Buckel strahlte mich an und sagte:
    „Ich wurde übrigens auch von der Stasi verfolgt, Herr Walther. Sicher nicht so hart wie Sie, aber auch verfolgt. Ich habe es 1994 beim Einblick in meine Stasi-Akte entdeckt.“

    Diese SPD-Berufspolitikerin dürfte Frau Katrin Budde sein.

    An welchen Sitzungen haben Sie im Beirat der Stasiaufarbeitungsbehörde teilgenommen?

    84. 20.11.2018
    85. 19.02.2019
    86. 13.06.2019
    87. 26.11.2019
    88. 27.04.2020
    89. 03.09.2020
    90. 03.12.2020
    91. 30.04.2021

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      • Lieber Herr Walther, in den Jahresberichten der SED-Opferbeauftragten des Deutschen Bundestages findet sich das Wort „DDR-Zwangsdoping“ inflationär:

        Jahresbericht 2022 insgesamt 6x
        Jahresbericht 2023 insgesamt 13x
        Jahresbericht 2024 insgesamt 12x
        Jahresbericht 2025 insgesamt 10x

        Ich frage mich, welche wissenschaftlichen Erkenntnisse liegen vor, um das Wort „DDR-Zwangsdoping“ verwenden zu können.

        Inflation vermehrt Geldvermögen und Steuereinnahmen. Aus dem gefülltem Steuertopf können dann diese „Verfolgten“ und „Opfer“ saugen.

      • „Die Trennlinie zwischen Unterdrücker und Unterdrücktem“ so schreibt Vaclav Havel in seinem bekanntesten Essay, „geht in der posttotalitären Diktatur mitten durch die einzelne Menschenseele hindurch.“

        Ich war 14 Monate in Untersuchungshaft beim Ministerium für Staatssicherheit. Im Zellenhaus bewacht von Wachsoldaten, nicht Volkspolizisten. Den Dienstgraden nach: Hauptsächlich Zeitsoldaten, die sich im Alter von 16 und 17 Jahren für einen dreijährigen Dienst bei den „Bewaffneten Organen“ verpflichtet hatten. Wegen des Abiturs. Wegen des Studienwunsches.

        Und dann „gezogen“ wurden. Denn weder für einen dreijährigen Dienst dort, noch für einen dreijährigen Dienst bei den Grenztruppen konnte „man“ sich bewerben. Nein, ich will nicht sagen, dass jemand „zufällig“ Wachsoldat beim MfS wurde. „Die“ schauten genau hin, wen sie zogen. Ich will nur sagen: Beworben hatten sich die jungen Leute nicht für „das“.

        Gut, wenn einer von ihnen mutig war, konnte er dann sagen:

        „Nö, will lieber Panzer fahren, will DAS nicht machen.“

        Aber wer ist schon mutig? Wer fürchtete die „Konsequenzen“ nicht?

        Und meine Zelle schlossen diese Knaben (gut, ich war ja selber einer), den Dienstgraden nach, ab dem 2. Dienstjahr auf und zu. Immer mal ein paar Wochen. Höchstens 6. Dann war der nächste dieser Knaben dran. Wer mit wenig Eifer den Dienst tat, das war zu erkennen.

        Opfer?

        Den Begriff kann „man“ bis zur Unendlichkeit ausdehnen.

        Einem ostdeutschen Mann kauft der westdeutsche Supermann das nicht ab, dieses
        „Ich wurde gezwungen.“
        Ein Mann hat zu der Sch… zu stehen, die er getan hat.

        Einer ostdeutschen Frau kauft der westdeutsche Supermann allerdings den größten Ich-Wurde-Gezwungen-Schwindel ab.

        Liegt an dem Rollenbild.

  9. Lieber Bodo Walther, nachdem Sie uns die Praeteritio erklärt haben, haben Sie uns auch noch die falsche Analogie – genauer: einen fehlerhaften Analogieschluss – anschaulich vorgeführt. Ein proportional besetzter Beirat und die Wahl eines Parlamentspräsidenten sind institutionell 2 verschiedene Dinge. Die Gemeinsamkeit erschöpft sich im Wesentlichen darin, dass irgendwo abgestimmt wird.

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    • Auch in „proportionell besetzte Beiräte“ lieber Ben Frick, darf die AfD-Bundestagsfraktion etwa ab der Mitte der damaligen, der 19. Legislaturperiode, etwa seit 2019/2020 niemanden mehr entsenden.

      Nachdem übrigens, wie oben in der Verlinkung dargestellt, der AfD-Vorschlag Vera Lengsfeld und danach der AfD-Vorschlag Angelika Barbe im Bundestag „durchfiel,…

      … fragte mich der dafür zuständige Fraktionsvize, ob ich denn für den dritten Vorschlag zur Verfügung stünde. Nö, stand ich dann doch nicht. Muß ich mir nicht antun, dieses Geseier, dass der Walther ein Verächter der Menschenrechte sei und nicht in so ein Gremium gehöre.

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      • @Ben Frick ..die sog. Brandmauer dürfte bei den Gegnern der AfD schon mehr Schaden angerichtet haben, als 2 Legislaturperioden AfD-Regierung. Statt bessere Politik gemacht zu haben, ist ihr einziger Programmpunkt: AfD verbieten. Ich hatte schon befürchtet, die Gegner der ‚Linken‘ in Berlin, würden in die gleiche selbst gestellte Falle laufen, aber ihr Opportunismus will sie koalieren lassen und die ‚Linke‘ zerlegt sich gerade selber. Interessanter Mechanismus.. (hätte ich nicht mit gerechnet)

      • @KJN Ja. Ausgrenzung und Dämonisierung haben der AfD die Opferrolle frei Haus geliefert, die sie genüsslich ausgeschlachtet hat. Und nun inszenieren AfD und BSW im Zwergenland schon große Weltpolitik: Sanktionen gescheitert, Waffenhilfe gescheitert, Finanzhilfe gescheitert. Moskau darf aufatmen, Magdeburg hat entschieden. Und beim Kleinkram namens Landeshaushalt klafft laut IWH im AfD-Programm eine Lücke von mindestens 2,2 Milliarden Euro jährlich, obendrauf auf die Milliarden, die über den Finanzausgleich ohnehin schon reinfließen. Aber gut: Die absolute Mehrheit haben sie ja nicht. Wenn es am Ende nicht aufgeht, werden sie sich bequem darauf herausreden.

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