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Von den vier Feinden des Sozialismus. Heute: der Sommer

Sozialismus ist ein Versprechen.

Das Versprechen, dass der Staat sich um Ihr Wohlergehen kümmern wird. Um Ihren gesunden Leib und Ihre gesunde Seele.

Stellen Sie sich mal vor: Sie sind ein Oberstudienrat, haben sich in der Leipziger Innenstadt eine Eigentumswohnung gekauft, direkt über dieser Straßenbahnkreuzung, und nun quietscht es da.

Die Straßenbahn quietscht sogar noch nachts um 4. Gleich um 5 gehts wieder los.

Straßenverkehrslärm macht krank, weiß das Umweltbundesamt.

Und lassen Sie sich nicht auf Schallschutzfenster verweisen! Gerade im Sommer! Irgendwie müssen Sie doch das Schlafzimmer lüften! Gerade im Sommer!

Sehen Sie, weil das alles sommer-sonnen-klar ist, gibt es diese Subventionsprogramme, welche Fördermittel ausschütten. Eine Milliare Euro allein in Nordrhein-Westfalen. Zum Beispiel um die Straßenbahnschienen in Flüsterasphalt zu legen. Dann quietscht die Straßenbahn nicht mehr, sondern flüstert nur noch.

Flüsterasphalt hält Temperaturen bis 50 Grad Celsius stand, müssen sie wissen.

Blöd ist allerdings, dass eine tagelange Sonneneinstrahlung das Eisen doch noch etwas heißer macht.

Und nun ist der hitzebeständige Flüsterasphalt in die Weichen gelaufen und nichts geht mehr in Leipzig.

Und in Nürnberg geht auch nichts.

Für heute sind alle Leipziger zum Subbotnik aufgerufen. Den Flüsterasphalt aus der Weiche kratzen. Bitte Spachtel mitbringen.

Was könnte man noch machen gegen den Sommer, einen der vier Feinde des Sozialismus?

Na ja, man könnte mal ganz klare Zeichen setzen gegen diese Klimakrisen-Leugner von der AfD, oder?

Oder ne Demo gegen Rechts anmelden.

Oder irgend so was.

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Über Bodo Walther

Bodo Walther, geboren 1960 in Weißenfels im heutigen Sachsen-Anhalt, studierte 1985 bis 1991 Rechtswissenschaften in Tübingen und Bonn. Er war aktiver Landes- und Kommunalbeamter in Sachsen-Anhalt, ist heute im Ruhestand und Anwalt in der Nähe von Leipzig.

5 Gedanken zu “Von den vier Feinden des Sozialismus. Heute: der Sommer;”

  1. avatar

    Na, ich weiß es nicht, lieber Bodo Walther..
    „kümmert sich im Sozialismus der Staat auch um krähende Hähne auf z.B. einem Bauernhof“
    ..diese absurde Produkthaftung kennt man eher aus dem Urland des Kapitalismus, den USA. Wenn der Latte Machiato zu heiß oder nicht heiß genug ist oder so. Oder das T-Shirt für 2 Euro Hautallergien hervorruft.
    Ich denke, der real existierende Sozialismus ist alles mögliche, aber nicht dekadent. Dekadent ist nur die Sehnsucht nach ihm nachdem jahrzehntelanger kapitalistischer Wohlstand diese Dekadenz ermöglicht hat.

    1. avatar

      „Was ist Sozialismus?“ Fragte der weise Vaclav Havel 1990. „Das Wort Sozialismus hat jeden semantischen Kontakt zu einer Wirklichkeit verloren.“

      Die Worte waren seine Antwort auf die Frage westlicher zutiefst besorgter Sozialisten, ob er den durchaus reformierbaren Sozialismus nun um Himmels willen nicht reformieren, sondern abschaffen wolle?

      Und Havel fügte hinzu:

      „Wirklichkeit ist ein tschech(oslowak)ischer Staat. Der ist in der Tat reformierbar und muss reformiert werden.“

      Will sagen:

      Dieser Traum dass der Kommunismus alle Bedürfnisse aller Menschen erfülle, ist tatsächlich ein marxistisches Versprechen.

      1. avatar

        ..ich bin immer wieder inspiriert von Aldous Huxleys ‚Brave New World‘, in der der Weltencontroller (Mustapha Mond) die im Roman ja erfolgreich von Gen- und Gesellschaftsingenieuren errichtete Utopie brillant erläutert und verteidigt. Besser und tiefgründiger als jeder Sozialist, Marx, Lenin, Trotzky und alle zusammen das jemals tun könnten. So gut, daß selbst der sehr kluge Michel Houellebecq zumindest zeitweise argumentiert, diese Utopie sei wünschenwert.. Und dennoch ist diese Utopie eine Dystopie, ein Horror, eine Absage an den freien selbstbestimmten Menschen. Und im besten Fall nicht mehr als ein Trostpflaster für die Gescheiterten, die das Scheitern nicht verkraften können.

  2. avatar

    ..ja, die größten Irrtümer, die die Menschen machen, wenn es ihnen zu gut geht und sie den Kontakt zur Realität verlieren, lauten so:
    1. da muss doch jemand mal was machen, wer ist zuständig?..
    2. wir sind so ein reiches Land
    3. wir haben so viele gute Ingenieure, die haben doch immer eine Lösung
    4. da ist doch so viel Platz, wieso gerade hier?..
    5. da gründen wir einen Ausschuss und der organisiert dann Unterausschüsse mit exakt umrissenen Aufgabenbereich (wörtlich übernommen aus einer Asterix-Ausgabe der 1970er)

    Interessant: Auch und gerade die Protagonisten des unbeschränkten Egos (Jogger in der Innenstadt, Kampfradfahrer und Verfechter des unbeschränkten Tempolimits auf Autobahnen scheinen das größte Anspruchsdenken mitzubringen)

    Möglich: Der Sozialismus als zwar dystopische aber unabänderliche Agonie nach dem Ego-Chaos drückt allen (allen?) wieder den Spachtel in die Hand

    Lösung: Ferien auf dem Bauernhof (wo?)

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