avatar

Uf d’r Schwäb’sche Eisenbah‘

Dampflock auf dem Weg nach Stuttgart 1853, als das Lied entstand. Bild: Staatsarchiv

Vor vielen Jahren habe ich ein Lied für meine Kabarettshow geschrieben, in Anlehnung an das bekannte Volkslied über die Langsamkeit der Züge in Schwaben (ähnliche Lieder gibt es auch in anderen Ländern). Ich ging davon aus, dass ich es nach der Eröffnung des brandneuen unterirdischen Hauptbahnhofs „Stuttgart 21“ aus dem Programm nehmen müsste. Was soll ich aber sagen? Er ist nach wie vor im Repertoire. Noch immer hochaktuell.

Der Text hat ein Mitglied der jüdischen Gemeinde Stuttgart für mich ins „echte Württembergische“ umgeschrieben vor, oh, so vielen Jahren…

„D’r Mehdorn sagt: ‚Ich brauche ein Loch,
wo die Milliarden hinne kroch –
bau einen Bahnhof tief und teuer,
mit Zustimmung von Herrn Ramsauer!‘“
Tunnel, Tunnel, Tunnel hier,
Tunnel, Tunnel, Tunnel da,
Baue ihn tief, das ist der Wahn,
Auf der schwäbischen Eisenbahn……“

und so weiter über viele Strophen hinweg. Weiterlesen

avatar

Warum man den Plenarsaal des niedersächsischen Landtags ruhig abreißen kann

Der Landtag von Niedersachsen sitzt im ehemaligen Schloss der Hannoveranischen Könige. Man erreicht ihn vom Hauptbahnhof nach einem zehnminütigen Spaziergang durch die obligate Fußgängerzone und ein Stück wieder aufgebaute Fachwerkaltstadt. Er liegt direkt an der Leine. Jenseits des Flusses haben die Stadtplaner der 1950er Jahre unter Stadtbaurat Rudolf Hillebrecht im Interesse der „autogerechten Stadt“ eine jener Asphaltschneisen durch frühere Sichtachsen und Stadtquartiere geschlagen, die bis heute so viel zur Unwirtlichkeit westdeutscher Städte beitragen. Weiterlesen

avatar

Zehlendorf 21?

Der Berliner an sich ist neugierig im besten Sinne des Wortes – gierig auf das Neue. Das unterscheidet ihn, den Bewohner einer Stadt, die immer im Werden begriffen war und ist, womöglich vom Stuttgarter, der anscheinend eher altgierig oder, wie Nietzsche sagen würde, „antiquarisch“ veranlagt ist.

Als Berliner und Sohn eines Architekturkritikers bin ich besonders neugierig, was das Bauen in der Stadt betrifft; und da bin ich ein bekennender Anhänger des Dynamits als Prinzip. Was bleibet, sagte der Schwabe Hölderlin, stiften die Dichter – nicht, füge ich als Preuße hinzu, die Architekten.

Umso härter trifft es mich, dass ich nun eine Lanze fürs Bewahren brechen muss. Weiterlesen

Scroll To Top