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Deutsch sein heißt verdruckst sein

Vielen Deutschen fällt es schwer, sich selbstbewusst als solche zu empfinden. Andere schreien es wieder nationalistisch heraus. Was fehlt ist ein gelassener Umgang mit den Stärken und Schwächen der eigenen Nation.

Deutsche kennen im Grunde nur zwei Gemütszustände: himmelhoch jauchzend, am Boden zerstört. Eben waren wir noch Exportweltmeister, jetzt geht gefühlt (oder tatsächlich?) alles den Bach runter. 2015 ff. gefeiert als Moral-Champions, geläuterte Demokraten und Willkommensnation, nun angeblich alle Rassisten, auf dem Weg zum Vierten Reich. Von unverbesserlichen Pazifisten zu „Kriegstreibern“. Lange verehrt und verlacht für Ordnung, Pünktlichkeit, Fleiß schämen wir uns heute für die Bahn, die nicht ankommt. Aber gibt es nicht irgendetwas dazwischen? Weiterlesen

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Vom Witz zur Wüste: Warum der Westen seine Geschichte verlernt

Pierre Gatier: Le bar du B. sur le toit Dancing Le bœuf sur le toit (1923)ancing / Le boeuf sur le toit (titre factice). Quelle: wikimedia commons
Gedanken eines Komponisten über die Leere im Kulturbetrieb und die Kraft der Biografie.

Ich hatte als Musiker das Glück, Menschen zu begegnen, deren Biografien von den harten Bruchkanten der Geschichte gezeichnet waren. Da war Leon Schwarzbaum, ein Auschwitz-Überlebender, dessen Zeitzeugengespräch mit Volker Schlöndorff ich musikalisch umrahmen durfte. Ganz anders, doch nicht weniger interessant, war der Lebensweg des Komponisten Klaus Wüsthoff, über den ich eine Biografie verfasste. Nachhaltig beeindruckt bin ich von der Vitalität und Selbstbehauptung ukrainischer Künstler – dazu wird zukünftig noch viel zu sagen sein.

An der Seite der Biografieforscherin Judith Kessler erzählte ich auf dem jüdischen Kulturschiff MS Goldberg Lebenswege am Klavier nach. Mit Rabbiner Walter Rothschild, der ironisch-humoristisch aus seinem Leben erzählt, war ich mehr als zehn Jahre auf Tour. Lebensreisen interessierten mich immer schon, natürlich nicht nur die „historisch gewaltigen“. Im Lebensweg eines Menschen liegt aus meiner Sicht der Ur-Keim jeder kulturellen Erzählung. Als Musiker und Komponist gehe ich so weit zu sagen: Eine Melodie oder musikalische Struktur ist im Grunde nichts anderes als eine biografische Linie in der Zeit – stets gibt es eine untrennbare Verbindung zum gelebten Leben. Weiterlesen

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Cigdem Toprak: Folklore und Klischees statt Würdigung der Zuwanderung

Cigdem Toprak hat in der Berliner Lokalzeitung „Tagesspiegel“ die „Welt“ kritisiert. Das Blatt habe in einer Berlin-Sonderausgabe angeblich die Bedeutung von Migranten für die Stadt unterschlagen. Das ist erstens Unsinn. Zweitens aber ist Topraks Artikel im „Tagesspiegel“ selbst ein Beispiel für einen folkloristischen, ja fast rassistischen Blick auf Zuwanderung.
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