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Freunde spionieren einander nicht aus? LOL.

Über die regierungsamtliche Empörung wegen des undichten Kanzlerinnen-Handys sagte Karsten Voigt im Deutschlandfunk, sie sei „wohl ehrlich, aber naiv“. Zur Zeit seiner Kanzlerschaft sei Gerhard Schröder selbstverständlich davon ausgegangen, dass mehrere Dienste, auch der amerikanische, ihn auszuspionieren versuchten, so der Beauftragte der Rot-Grünen Regierung für die transatlantischen Beziehungen.

Er, Voigt, habe gleich zu Beginn seiner Arbeit herauszubekommen versucht, ob der BND die Amerikaner ausspioniere, und habe die Auskunft bekommen, das sei nicht so. Aber es sei klar gewesen, dass die CIA in Deutschland tätig sei. Man sollte dankbar sein, so Voigt, dass es die Amerikaner seien, die das Kanzlerinnen-Kommunikationsinstrument geknackt hätten und nicht – nun ja – andere, weniger wohlwollende Mächte.

So ist es. Ein Wort der Vernunft aus sozialdemokratischem Mund.

Die gegenwärtige mediengetriebene Hysterie über die neuen Enthüllungen Edward Snowdens hat – wie jede Hysterie – etwas Perverses. Denn was jetzt ans Tageslicht kommt, ist Selbstverständliches. Als vor einigen Monaten klar wurde, in welchem Umfang die NSA die Telefon- und Internetbenutzer überprüfen kann und überprüft, da handelte es sich immerhin um eine neue Qualität der Überwachung; die Bestürzung darüber, dass so etwas technisch machbar ist und gemacht wird, konnte auch nachvollziehen, wer – wie ich, bekanntlich – diese Bestürzung nicht teilt und die polizeiliche Überprüfung der Datenautobahnen so notwendig findet wie die polizeiliche Überwachung der stinknormalen Autobahnen.

Was aber jetzt offen gelegt wird, ist sozusagen stinknormale Spionage, wie sie seit urdenklichen Zeiten praktiziert wird. Die technische Leistung, ein angeblich sicheres Handy zu knacken, verdient Respekt, ansonsten aber handelt es sich nur um eine Erweiterung der bisher üblichen Taktiken: Räume und Telefone verwanzen, Informanten anwerben. Man erinnert sich, dass vor drei Jahren aufgrund der Wikileaks-Affäre  der Büroleiter des damaligen  FDP-Chefs und Außenministers Guido Westerwelle als Informant der US-Botschaft in Berlin enttarnt wurde. Er hatte die US-Stellen über den Fortgang der schwarz-gelben Koalitionsverhandlungen informiert. Wer davon ausgeht, dass Helmut Metzner die einige Quelle der US-Stellen in Berlin ist, muss wirklich sehr naiv sein.

Staaten wollen wissen, wie andere Staaten ticken. Was denken die Staatenlenker wirklich, jenseits der diplomatischen Floskeln und Freundschaftsbeteuerungen? Welchem Druck seitens welcher Interessenverbände, insbesondere aus der Wirtschaft, möglicher Geheimabsprachen mit anderen Staaten, parteilpolitischer und koalitionsinterner Rücksichtnahmen, persönlicher Verwicklungen usw. sind die Regierenden jener Staaten ausgesetzt, mit denen man es zu tun hat, ob als Verbündete oder Gegenspieler? Das alles sind legitime Fragestellungen, die übrigens auch Journalisten interessieren, die sich ja auch tagtäglich um interne Quellen und Hintergrundinformationen „unter drei“ bemühen; wie ja auch die Regierungen solche Hintergrundinformationen und Quellen ihrerseits bewusst einsetzen, um Falschinformationen zu streuen und Journalisten – und andere Interessierte – hinters Licht zu führen.

Was nun das Verhältnis der USA zu Deutschland betrifft, so tun manche, als sei das Misstrauen, das in dem Bemühen um solche Hintergrundinformationen jenseits dessen, was das Presse- und Informationsamt der Bundesregierung herausgibt, irgendwie unverdient, gar Ausdruck eines imperialen Verhältnisses. Als wären die Deutschen völlig unverdientermaßen Opfer einer imperialen Macht. Man versteht zwar das tiefe Bedürfnis mancher Deutscher nach der Opferrolle. Aber wie angebracht ist dieses selbstgerechte Selbstbild? Betrachtet man Deutschland aus sicht der USA, sieht es ein wenig anders aus.

Ich will gar nicht so weit in die Geschichte zurückgehen. Zu Zeiten John F. Kennedys zum Beispiel gab es ernsthafte Sorgen in den USA, die Bundesregierung unter Konrad Adenauer werde – aus Ärger über die Entscheidung Kennedys einen „deutschen Finger am nuklearen Abzug“ nicht zuzulassen und die Berliner Mauer hinzunehmen – sich dem Ansinnen des französischen Präsidenten Charles de Gaulle anschließen, einen westeuropäischen Gegenpol zur „angelsächsischen“ Weltmacht aufzubauen. Wie wir inzwischen aus den Notizen und Memoiren der damals Beteiligten wissen, gab es tatsächlich in der Regierung Adenauer solche Überlegungen. Vermutlich wussten die Amerikaner über ihre eigenen Quellen auch von diesen Entwicklungen; jedenfalls wurde der Kennedy-Besuch vom Sommer 1963 vor allem deshalb angesetzt, um der westdeutschen Regierung klarzumachen, dass eine solche Politik angesichts der Popularität Kennedys in der Bevölkerung chancenlos wäre.   

Die Frage, ob Deutschland als wichtigste Wirtschaftsmacht und bevölkerungsreichstes Land in Europa die Europäische Union als Gegenpol zum transatlantischen Bündnis ausbauen will, zumal mit dem stets als engsten Partner bezeichneten Frankreich, hat seitdem, und erst recht seit der Wiedervereinigung, nicht an Brisanz verloren. Immerhin verkündete Gerhard Schröder angesichts des zweiten Irak-Kriegs eine „Achse Moskau-Berlin-Paris“, um den Amerikanern entgegenzutreten, und band mit dem Pipeline Northstream Deutschland noch enger an die russischen Gasfelder und den staatlichen Lieferanten Gazprom.

Es ist gleichgültig, ob man diese Politik Schröders – wie ich – für verhängnisvoll hielt oder – wie viele andere, die zu Hunderttausenden auf den Straßen und Marktplätzen Deutschlands dafür demonstriert haben – für richtig. Aus Sicht der US-Regierung war das eine höchst beunruhigende Entwicklung, und es war – aus ihrer Sicht – dringend erforderlich, herauszubekommen, ob damit eine grundsätzliche Neuausrichtung der deutschen Politik einherging, oder ob Schröder nur aus wahltaktischen Gründen die antiamerikanische Karte spielte.

Die Frage der grundsätzlichen Ausrichtung der deutschen Politik hat sich seitdem nicht verändert. Schröder ist zwar zur Gazprom gegangen, aber unter seiner Nachfolgerin Angela Merkel bleibt die deutsche Politik unberechenbar. Man denke nur an ihre lautstarke Opposition gegen die Aktion in Libyen – bedingt hauptsächlich durch den Wunsch ihres Koalitionspartners FDP, sich in der Landtagswahl in Baden-Württemberg zu profilieren; oder gegen die ebenso lautstarke, und ähnlich motivierte, Opposition gegen jedes Ansinnen eines militärischen Vorgehens in Syrien. In beiden Fällen waren selbst die notorisch amerikaskeptischen Franzosen verlässlichere Verbündete. Auch hier kann man die Position der Bundesregierung für richtig halten. Aber man muss begreifen, dass es für die USA von höchstem Interesse war und ist, herauszubekommen, erstens, wie Deutschland etwa im Sicherheitsrat oder in der Nato stimmen wird, und zweitens, warum.

Auch die von Deutschland durchgedrückte Wirtschaftspolitik in der Eurozone macht den Amerikanern – speziell der Obama-Regierung – Sorgen. Das Abwürgen der Konjunktur in den südlichen Euro-Ländern durch eine brutale Austeritätspolitik hat auch der US-Wirtschaft schwer geschadet. Wiederholt hat die Obama-Regierung die deutsche Regierung gebeten, von dieser Politik abzurücken; bisher vergeblich. Es lag und liegt natürlich im Interesse der USA zu wissen, was die Regierung Merkel mit dieser Politik bezweckt, zumal die „Wirtschafts- und Währungsunion“ unter Ausschluss Großbritanniens – des ältesten und verlässlichsten Verbündeten der USA – und unter weitgehender Ausschaltung der Brüsseler Behörden und des Europaparlaments als intergouvermentale Einrichtung unter totaler Abhängigkeit von der Bundesregierung entstanden ist. Interne Überlungen aus dem Umkreis der Kanzlerin – ich zitiere aus einem mir zugespielten Papier – definieren „Deutschlands Aufgabe“ als „eine EU-Reform, die behutsam Elemente deutscher Verfasstheit auf Europa ausweitet, wo dies möglich ist“. Vor diesem Hintergrund nimmt sich die Klage über ein imperiales Gehabe der USA als das aus, was es ist: Dummes Gewäsch. Aber selbst wenn man als Deutscher die Umgestaltung Europas nach deutschem Muster begrüßt – dass die USA das mit Sorge betrachten und sich fragen, wie ernst das gemeint ist, wer damit was bezweckt, welche Erfolgsaussichten eine solche Politik hätte und so weiter und so fort – das ist doch klar.

Ich rede da noch gar nicht von Dingen, die für die Amerikaner von damals bis heute von aktuellerer und dringenderer Bedeutung waren und sind, insbesondere die Neigung deutscher Firmen, mit Feinden Amerikas wie dem Irak Saddam Husseins, dem Iran der Ayatollahs, dem Syrien Baschar al-Assads äußerst zweifelhafte Geschäfte zu machen. Dass die USA möglichst – etwa über Informanten im Wirtschafts- und im Außenministerium, wo über die Genehmigungen für solche Geschäfte entschieden wird – über die Absichten solcher Firmen – und darüber, ob die Bundesregierung so unschuldig ist, wie sie immer tut, wenn die Geschäfte auffliegen, informiert sein wollen, ist doch klar.

So viel zur dummen Phrase, „Freund spionieren Freunde nicht aus.“ Das tun sie schon, wenn sich Freunde so verhalten. Und überhaupt: Nationen haben keine Freunde, sie haben Interessen. Uns verbinden lebenswichtige Interessen mit den USA, wie mit unseren EU- und Nato-Partnern, mit Russland (Energie), mit China (Handel) und mit der arabischen Welt (Öl). Wir bilden außerdem, wie man so sagt, mit den USA eine „Wertegemeinschaft“. Aber wir haben auch Interessenkonflikte mit den USA; und die Bedeutung dieser „Werte“ legen wir zuweilen verschieden aus. Kann sein, dass Deutschland dabei immer im Recht ist und die blöden Amis nicht; aber darum geht es hier nicht.

Was mich zur letzten Frage bringt: Wenn wir tatsächlich glauben, dass „Freunde nicht gegen einander spionieren“, was tut eigentlich der BND? Karsten Voigt meint, er habe sich überzeugen lassen, dass der BND keine Informationsbeschaffung in den USA betreibe. Wenn das stimmt, dann handelt es sich um eine ungeheure Fahrlässigkeit. Denn die USA sind für uns ungleich wichtiger als wir für die USA. Hätte der BND seine Arbeit richtig getan, hätte er nicht erst vom „Spiegel“ über das Abhörprogramm gegen Regierungshandys erfahren müssen.

Soll man wirklich glauben, dass der BND keine – sagen wir – informellen Informationsbeschaffungsprogramme hat in Bezug auf alle Staaten, die wir als „Freunde“ definieren? Also alle EU-Staaten? Also alle Nato-Partner? Soll man ernsthaft glauben, dass der BND in – sagen wir – den EU-Staaten Kroatien, Bulgarien und Rumänien nicht tätig ist? Das wäre besorgniserregend. Wie ist es mit dem Nato-Land (und EU-Beitrittskandidaten) Türkei? Ist der BND dort nicht tätig? Was ist mit Israel, dessen Sicherheit immerhin Teil unserer Staatsräson ist? Ein Freund, gewiss, wie es immer wieder heißt, wenn man Israel kritisieren will – „gerade unter Freunden muss ein offenes Wort erlaubt sein“, nicht wahr; muss man also davon ausgehen, dass man in Jerusalem zwar – wie es mir geschehen ist – dem israelischen Atom-Verräter Vanunu im arabischen Markt begegnen kann, aber  keinem BND-Informanten über den Weg läuft? Ja, was tun die Leute eigentlich?

Derweil hat der „Whistleblower“ Snowden gezeigt, worum es ihm wirklich geht. Sein Kompagnon, der Trotzkist Glenn Greenwald, hat seinen Job beim „Guardian“ geschmissen, um eine Agentur zu gründen, die Snowdens schier endlose Geschichten künftig meistbietend verhökern wird. Das Geld und das Auktions-Knowhow steuert Ebay-Gründer Pierre Omidyar bei. Ebay ist natürlich bekannt für den Schutz von Kundendaten. Nun habe ich als Liberaler nichts gegen die Vermarktung von Information an sich. Ich bin ja nicht Glenn Greenwald, der regelmäßig auf den Jahrestagungen der ISO gegen die Marktwirtschaft wettert. Aber wenn es darum geht, mit der Sicherheit von Nationen einerseits, den Ängsten von Menschen andererseits Geschäfte zu machen, so bin ich altmodisch. Manche Dinge sollten unverkäuflich sein und bleiben. Aber das nur nebenbei.

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114 Gedanken zu “Freunde spionieren einander nicht aus? LOL.;”

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    @“Freiheitsmanifest …Zeichen tiefster Depression“ (o.t.)
    Jaja, die Zeichen .. vor allem die, dieser Zeit. Zeichen dieser Zeit ist vor allem (vermarktbare?) Pathologisierung: Dicke und Raucher sind Risikogruppe; Nachdenkende, Planende, Bedächtige sind Minderleister; Schüchterne sind Autisten; Kleine sind Menschen „die besonders kompensieren müssen“ usw. usf…
    und wer innehält, versucht zu sortieren, wie weit sich der totalitäre Säkularismus bereits entwickelt hat (und das tut das Manifest) ist „depressiv“. Wer „irrlichtert“ (sucht), empfindet mittlerweile den Zwang, sich dafür entschuldigen zu müssen – daß er nicht in ein allgemein sofort verstehbares Schema (rechts/links?) passt; wer selbstbewusster infrage stellt „meckert“. Deutlicher kann totalitärer Druck und Gesinnung kaum daherkommen. (Damit die Kirche im Dorf bleibt: Ich schrieb von „Gesinnung“, nicht von „Gesellschaftsordnung“.)

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    @ Stevanovic

    Ein gewisses „Irrlichtern“ ist ziemlich unvermeidbar und durchaus lageangemessen, auch ganz unabhängig von individuellen Lebensphasen, glaube ich. Bei mir äußert sich das so, dass ich zwar nur hier „kommentiere“, aber versuche, möglichst „breit“ zu lesen und gerade auch dort, wo ich „gegen den Strich“ lesen kann bzw. muss. (Nichts ist langweiliger, als selbstaffirmativ zu lesen. Und nichts ist langweiliger als selbstaffirmative Leser, der Linke mit der „Süddeutschen“ und der Rechte mit der „Welt“ unterm Arm.) Und ich denke, ich suche die Irritation nicht nur aus privater Neigung, sondern auch – s.o.: Ihr Irrlichtern – weil sie der Unübersichtlichkeit und Komplexität „der Lage“ noch am ehesten angemessen ist.

    Dass Sie das Manifest als Ausdruck eines (positiven) Lebensgefühls verstehen, überrascht mich. Ich habe es gerade als das Gegenteil verstanden, als Ausdruck absoluter Mutlosigkeit und tiefer Depression. Sie sagen, es handele sich bei dem Manifest nicht um ein Parteiprogramm, und beziehen den Einwand vermutlich auf die von mir vermissten Ideen. Vielleicht habe ich das nicht ausreichend betont: Für solche Ideen gibt es im flächendeckenden Neoliberalismus gar keinen Ort mehr. Und das ist für mich der springende Punkt.

    (Nur ganz kurz, um nicht den blonden Hans zu machen und mir eine Off-topic-Rüge APOs einzuhandeln.)

    Unter Reagan/Thatcher fand eine fundamentale Wende des Kapitalismus statt. Dabei handelt es sich um eine Angstreaktion einerseits auf den rasanten wirtschaftlichen Aufstieg Japans (und Asiens) und andererseits auf die erkennbare Schwäche der Unternehmer-Erben der „dritten“ Generation. Japan war schon vor 1970 zur dritten Wirtschafts-Weltmacht aufgestiegen und konnte sich in dieser Position über die (beiden) Krisen der 70er Jahre halten. Der Westen regierte darauf absolut bestürzt tief verunsichert.

    Man wusste zwar sehr wohl, dass der Erfolg Japans auf Ideen-Klau in großem Stil basierte. Aber man sah vor allem, dass sich der japanische (asiatische) Aufstieg einer Industrialisierung verdankte, die auf optimierter Arbeitsorganisation und damit auf optimierten Arbeitskosten basierte. Und genau das versuchte man durch „Management“ nachzuahmen. Und die Schwäche der Unternehmer-Erben erlaubte das. Der Ingenieur wurde zum Buchhalter und der Buchhalter wurde zum Manager. Millionen BWLer strömen seither in die Betriebe und „organisieren“ und „optimieren“ sie.

    Die so häufig beklagte auch politische Regelungswut hat genau hier ihren Ursprung. Alles muss optimal gesteuert und geregelt werden. Der Freiheitsbegriff des Neoliberalismus zielt ganz wesentlich auf das Herauslösen aus traditionellen, „irgendwie gewachsenen“ Bezügen, um alles und jeden einer optimierten bzw. optimalen Verwertung zu unterwerfen. Management bis zum Self-Management!

    Entscheidend ist: Obwohl sich der japanische (asiatische) Erfolg lediglich der „zweiten und dritten usw. Ausbeute“ der im Westen erfundenen und entwickelten Produkte auf der Basis optimierter Arbeitsorganisation verdankte, meinte man im Westen, genau damit konkurrieren zu müssen: im Sinne einer „optimalen“ Selbst-Ausbeutung der eigenen Ideen und Entwicklungen. Offenen Auges vollzog man damit die Wende vom Kapitalismus der Erfinder-Unternehmer zum Manager-Kapitalismus, weg vom Kapitalismus der Ideen, hin zum nur noch systematischen, zum nur noch („optimal“) verwertenden Kapitalismus. – Das Manifest jammert dem in jeder Beziehung bzw. in aller Widersprüchlichkeit und das Ende zweifellos ahnend nach. (Ich nenne für mich den systematisch sich selbst ausbeutenden Kapitalismus den sich selbst „abwirtschaftenden Kapitalismus“.)

    Was Ihren letzten Punkt betrifft: Wir fühlen uns nackt bzw. beschämt und blamiert, weil wir plötzlich (vor allem auch vor uns selbst) als Traumtänzer geoutet sind. Deutschland hat über Jahrzehnte in politischem Schontraum gelebt. (Und ich fürchte, das Traumtänzer-Outing wird sich bezogen auf den Neoliberalismus und den ganzen Westen wiederholen. Mit der Verdrängung des Unternehmer-Kapitalismus hat der Westen seine Überlegenheit verloren. )

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    @ Moritz Berger

    On nema veze, on mit n, aber das ist jetzt nur Detail, denn genau so würde es auch meine Mama sagen 🙂

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    Lieber EJ

    „Wie Sie wissen, bin ich weit weniger wachstumsskeptisch als Sie“

    Wachstumsskeptisch bin ich in erster Linie gegen unsere Tonnenideologie.

    Gegen qualitatives Wachstum (wie immer wir dies auch definieren wollen und können) habe ich mich nicht ausgesprochen.

    Mir geht es bei der Wachstumsdiskussion (siehe auch das Manifest) darum einmal unsere gängigen Wachstumsbegriffe zu hinterfragen nicht mehr und nicht weniger.

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    @Stefanovic

    „Deswegen finde ich die Kritik an diesem Manifest auch zu hart. In erster Linie soll es ein Lebengefühl ausdrücken und kein Parteiprogramm sein.“

    Ob von Hayek, Mises und auch Friedman an Lebensgefühle gedacht haben als Sie Ihre Publikationen veröffentlichten.

    Und bei Wiki finde ich:

    „Ein Manifest (lateinisch manifestus ‚handgreiflich gemacht‘) ist eine öffentliche Erklärung von Zielen und Absichten, oftmals politischer Natur.“

    http://de.wikipedia.org/wiki/Manifest

    Wie heißt es auf Serbisch:

    Oh nema veze

    Und was Ihre Pudding Standpunkte betrifft, bei mir ist es das Wasser mit panta rhei

  6. avatar

    Lieber KJN,

    wenn Sie Triebtäter sind :-)….. dann sollten so etwas lesen.

    Ich für meinen Teil (lese Pornos 🙂 und überprüfe in der Regel die freiheitlichen Worthülsengranatwerfer und stelle immer wieder fest, dass das read-my-lips Syndrom oder auch ivory tower syndrom z.B. auch unter den Wissenschafftlern grassiert.

    http://de.wikipedia.org/wiki/R....._new_taxes

    Siehe Prof Jacobson seinen grünen Gentechnik e.V. seine Drittmittel und auch andere…

    P.S Eine kleine Korrektur: Sie haben mit in die Schublade der 68iger geworfen oder ?

    Ich gehöre zur Generation Golf 🙂

    Und was die Dose Bier betrifft, als Hobbybrauer und in Franken verankert ziehe ich die Glasflasche immer noch vor. Und was das Rauchen betrifft, der lokale Stoff ist genausogut wie eine Cohiba… allerdings muß ich das Zeug draußen rauchen 🙂

    Aber vielleicht sind die Produkte der Eiffeler Plantagen besser als die in Franken 🙂

  7. avatar

    Nachtrag: Mir fiel noch folgendes ein, um auch bei denen, die sich vom Neoliberalismus offensichtlich so abgestoßen fühlen, Verständnis für Notwendigkeit von Freiheit zu wecken:
    In den 90er Jahren waren diese Management-Seminare (ganz neoliberale Sache, es ging – natürlich – immer um Effizienzsteigerung, „Führungsstrategien“ etc.) modern. Einer der etwas hellsichtigeren Dozenten appellierte zu fortgeschrittenerer Stunde: „Bevor Sie meinen, motivieren zu müssen, hören Sie erstmal auf zu demotivieren. Denken Sie darüber nach, wo das sein könnte.“
    Das gilt m.E. derzeit und schon länger auch für die Politik. Es ist aber eine Frage des Menschenbildes.
    Ich denke, das war’s erstmal von meiner Seite zu dem Thema, irgendwann muss gut sein. Soll jeder selber wissen, was er unterschreibt.

  8. avatar

    Eines der Probleme an der Freiheit ist, dass wirklich jeder sie für sich beansprucht. Es gibt, glaube ich, niemanden, der sagen würde: „Freiheit? Nee. Finde ich blöd. Ich bin freiheitsmüde; ich möchte gerne Unfreiheit.“ Selbst im Gefängnis kann man sich frei fühlen.

    Jeder deutet seine Umstände so, dass er sich selbst frei erscheint oder zumindest mit seiner Agenda seine Freiheit künftig erzwingen will. Selbst der übelste Diktator fordert Freiheit: „Freiheit fürs Volk!“ sagt er; Freiheit für sich, meint er.

  9. avatar

    @M.B
    Sie und andere sehen nur Neoliberalismus und die Reflexe.. grr grr wau wau Hasso fass..
    und gehen ja gar nicht auf das ein, was ich meine und doch nun überdeutlich dargestellt habe: Die Grundlagen Elemente unseres Denkens (ich meine in unserer Gesellschaft) sind nicht mehr auf der gleichen rationalen Basis, Ockhams Rasiermesser ist stumpf. Sie reden über Finanzmärkte, ich über Interessen, die das Denken, die Politik und die Wissenschaft beeinflussen – gegen Relativismus, ja: demokratischen Relativismus.
    Was hat denn der Auszug, den ich zitiert gebracht hatte, mit Adam Smith zu tun?
    EJ et al werden sagen, ist doch alles gegeben, was regt der sich auf usw. usf.
    Ist es nicht.
    Wir doktern an Fehlentwicklungen der auslaufenden und ausfransenden Industriegesellschft herum, mit immer neuen Regulierungen und Politik, viel zu viel Politik. Positivismus pur („Politik ist Entscheidung“, wenn ich so einen Quark lese..).

    In einem stimme ich Ihnen aber zu: Ideen sind gefragt. Aber keine neuen Poltik-Ideen, Organisations-Ideen und auch keine neuen Ideen, wie man noch psychotechnisch am Menschen herumdoktern kann, damit er sich in dem ganzen Regelwust wohlfühlt, sondern
    Produktideen: Technik, Wissenschaft, Handwerk, Kunst.
    Alles andere ist Pillepalle.

    Und das – meine Herren Regulatoren – kann Politik weder beschließen noch entscheiden.
    Genausowenig wie „sei doch mal spontan“.

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    @Stevanovic: Es ist sicher etwas geschmäcklerisch bzw. hat mit dem Lebensgefühl zu tun, aber eigentlich (und im Gegensatz zu dem eben von mir Gesagten) ist mein Hauptvorwurf an dieses Manifest gar nicht politisch, sondern der, den EJ erhoben hat: Dass es so furchtbar langweilig ist. „Freiheit“ und Langeweile – eine tödliche Kombination.

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    ..wobei der „Nachruf“ natürlich dem Anspruch nach eine Wiedererweckung sein soll, denn die dazugehörige Partei ist ja abgeschmiert und soll baldmöglichst wieder rein. Die „Partei des Liberalismus“ hatte ideologisch abgespeckt und sich auf das nackte Interesse der Besserverdienenden beschränkt. Dagegen war überhaupt nichts einzuwenden; es ist legitim zu sagen: „Ich habe lange gearbeitet oder gut geerbt und keinerlei Lust, von meinem Geld was abzugeben. Das will ich nicht und ihr könnt mich mal.“ – Das kann ich absolut nachvollziehen. Das einzige Problem an diesem Standpunkt: Die dazgehörige Partei wird von zu wenig Menschen gewählt. Es muss ein Wundermantel her, m,it dem man Menschen einfangen kann, und auf diesem Wundermantel soll stehen: „Freiheit“! Was für ein klangvolles Wort. Ein Wort, das begeistert.

    Der Reichen sagt zum Armen: „Ich bin Humanist und würde dir ja gerne dein Leben finanzieren. Ja wirklich. Aber das bereitet mir humanistische Sorgen, denn dann würdest du unfrei bleiben und nur ich frei sein. Das kann ich im Interesse des Menschengeschlechts aus Gewissensgründen nicht tun. Wir sollen – wir wollen – beide frei sein. Es ist in deinem ureigenen Interesse, wenn ich das Geld für mich behalte und du zusehen musst, wo du bleibst. Eigentlich lege ich zwar gar keinen Wert auf das Geld – ach! was bedeutet schon Geld, wenn man frei ist! – Aber du bist so scharf darauf, glaubst sogar in deiner Unfreiheit, dass dich mein Geld freier machen könnte, und da muss ich dich jetzt umerziehen. Ich schreibe jetzt extra ein Manifest für dich (denn ich weiß das ja alles schon), damit du endlich einsiehst, dass es für dich – nur für dich! – das beste ist, wenn ich mein Geld behalte.“

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    @EJ

    Das ist richtig. Nur während Lyoner ein festes Weltbild hat, gönne ich mir in dieser Lebensphase eine Periode des Irrlichterns und spiele einige Gedanken ohne Denkverbote durch. Das heißt nicht, dass mich mein Geschwätz von Gestern nicht interessiert, aber ich versuche zurzeit einige sich zum Teil sehr wiedersprechende Einsichten in eine Haltung zu pressen. Gelingt nicht immer. Da ich das zum privaten Vergnügen mache, bin ich auf einen konsistenten Standpunkt nicht dringend angewiesen. Im Vergleich zum durchdachten Lyoner sind meine Standpunkte Pudding.

    Deswegen finde ich die Kritik an diesem Manifest auch zu hart. In erster Linie soll es ein Lebengefühl ausdrücken und kein Parteiprogramm sein. Was zu tun ist, steht in so einer Schrift nicht. Blutleer erscheint es dann, wenn man das Lebensgefühl nicht teilt.

    Und da ist der Bogen zur NSA. Die Reaktion der Deutschen im Gegensatz zu anderen Ländern in dieser Affäre sagt einiges über das Lebensgefühl der Bürger hier aus. Das ist keine Kritik an Bürgern, NSA oder sonst wem – ich meine das als Feststellung. Warum gehen andere gelassen damit um und wir (ich auch) fühlen uns nackt. Das sagt doch einiges über uns aus.

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    Lieber KJN.

    vielleicht sollten die Únterzeichner Ihres Manifests von Zeit zu Zeit auf den Boden der Tatsachen zurückkommen und nach Alternativen für diese Zustände suchen:

    „Steueroasen in Übersee: Aktivisten attackieren britisches Finanz-Empire“

    „So ergab kürzlich eine Studie der Universität von Massachusetts für 33 afrikanischen Ländern einen Verlust von einer Billion Dollar seit den siebziger Jahren – 640 Milliarden davon stammten aus Commonwealth-Staaten.

    Dass auch in der Bundesrepublik viel Geld aus Entwicklungsländern geparkt wird, zeigte sich, als im Verlauf des arabischen Frühlings plötzlich milliardenschwere Guthaben aus Libyen, Tunesien oder Ägypten auf deutschen Konten eingefroren wurden. Deutschland müsse seine Mittel für die Bekämpfung von Geldwäsche und Steuerhinterziehung dringend aufstocken, fordert TJN. Die auf Länderebene organisierten deutschen Steuerbehörden seien bekannt für ihren „fragmentierten Low-Tech-Ansatz mit knappen Ressourcen zum Steuereintreiben, gerade bei wohlhabenden Menschen“.

    „Zugleich halbierte sich bei westeuropäischen Banken die Marge, die sie mit ihrem Eigenkapital erwirtschafteten auf gerade noch zwei Prozent. Insgesamt bewege sich die Branche derzeit in einem „recht freudlosen Umfeld“ heißt es in dem Bericht.

    Zum diesem freudlosen Umfeld gehört auch die Steuerpolitik. Über zwei Jahrzehnte haben Industrieländer dem Bericht zufolge ihre Unternehmenssteuern „systematisch reduziert“, Großkonzerne hätten diesen Wettbewerb zur Reduzierung ihrer Steuerlast genutzt. „Zugleich produzierte eine florierende Steueroasen-Branche einige bemerkenswerte Besonderheiten – etwa die Konzentration eines erheblichen Teils des privaten russischen Reichtums auf Zypern“. Diese Aussage stammt nicht etwa vom Tax Justice Network, sondern von McKinsey.“

    Der Markt regelt alles und wenn alles nicht hilft, dann hilft doch auch Adam Smith und sein Bäcker 🙂

    Aber da diese Finanzwelt sich im
    off (-shore )Bereich tummelt ist es für die freiheitliche Alternative schwierig sich die entsprechende Brille zu verschaffen, um über den Tellerrand zu blicken.

    Nachzulesen:

    http://www.spiegel.de/wirtscha.....31979.html

    Bevor ich es vergesse:

    Wenn Sie Ihr Geld günstig und sicher anlegen wollen, gründen Sie auf Jersey eine Stiftung:

    http://www.etc-lowtax.net/trust_jersey.htm

    damit Sie endlich Ihren Leidensdruck verringern können 🙂 🙂

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    @M.B.
    machen Sie sich eine Dose regionales Bier auf (Dosen haben eine bessere CO2-Bilanz) entspannen Sie sich, Zigarre aus Havanna.. und lesen Sie:
    Je mehr wir wissen, desto freier können wir sein. Die Forschung erweitert unablässig unsere Handlungsmöglichkeiten. Gerade die Freiheit der Forschung ist aber heute nicht in vollem Maße gewährleistet. Denn sie ist nur dann wirklich frei, wenn sie als Selbstzweck betrieben wird, also ausschließlich dem Erkenntnisgewinn und der Wahrheitssuche dient. Dafür muss die Wissenschaft vom Staat mit genügend finanziellen Mitteln ausgestattet werden. Gleichzeitig muss er sie als autonome Sphäre respektieren und darf nicht versuchen, sie zu lenken und zu regulieren.
    Das kann von mir aus Adolf Hitler, Stalin, Mao und Pol Pot zusammen in einer gemeinsamen Geheimkonferenz gut gefunden haben, das bleibt dennoch für mich die Idee der Enzyklopädisten und ich habe so etwas in unseren Zeiten von Esoterik, Wissenschafts“gläubigkeit“ und
    Globulisierung schon lange nicht mehr gelesen. Das kauf‘ ich. Da bin ich Triebtäter.
    Über Einzelheiten muss man reden.

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    @ Stevanovic: Ich bin wirklich der, der ich bin.

    Die Verwechslung mit Lyoner liegt womöglich daran, dass Sie anscheinend gelegentlich blogmäßig fremdgehen 😉

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    @ Moritz Berger: Vielleicht sind dies die Rückzugsgefechte unserer Neoliberalen, die versuchen zu retten was noch zu retten ist.

    Ja! Eindeutig. Neoliberaler Leerlauf. Der Nachruf des Neoliberalismus auf sich selbst.

    Eine quälend langweilige Fleißarbeit. 1800 aneinandergereihte Wörter und keine einzige Überraschung. Kein origineller Gedanke. Keine einzige aufreizende Formulierung. Hat man in den letzten Jahren die großen Zeitungen gelesen, kennt man jeden einzelnen Satz, einschließlich des larmoyanten Untertons, bis zum Überdruss. – Unter einem Manifest stelle ich mir etwas anderes vor.

    Freiheit, damit wir sie uns gegenseitig nicht beschneiden, braucht Regeln. Wer in diesem Sinne, also für alle Individuen einer Gruppe, mehr Freiheit will, muss einen entsprechenden Regelungsentwurf vorlegen. Davon sehe ich nichts. Und darauf zielt das Manifest auch ganz gewiss nicht ab.

    Dem Manifest geht es (ganz „klassisch“ neoliberal) um ein Plus an Freiheit für diejenigen, die sich zu mehr Freiheit berufen fühlen, und um entsprechende Kreditgewährung, heißt: um Sicherheitsverlust für die übrigen. Solche Verschiebungen sind gewiss auch innerhalb demokratischer Regeln machbar. (Und hatten wir auch schon.) Dazu gehört dann aber kompensatorisch ein glaubwürdiges konkretes Zukunfts-Versprechen. Davon ist jedoch weit und breit nichts zu sehen.

    Wie Sie wissen, bin ich weit weniger wachstumsskeptisch als Sie. Wenn ich jedoch sehe, dass die enormen deutschen Leistungsbilanzüberschüsse der letzten Jahre nicht mal tendenziell durch ein gesteigertes Investitionsvolumen abgebaut werden – im Gegenteil, der Leistungsbilanzüberschuss steigt in diesem Jahr noch weiter an – dann weiß ich, dass diejenigen, die sich so sehr zur Freiheit berufen fühlen, leider überhaupt nichts mit ihr anzufangen wissen. Die Mittel sind da, es fehlen jedoch die Ideen

    Genau das spiegelt sich in dem jämmerlichen Manifest. Es ist blutleer. Es krittelt hier und es krittelt da, es beklagt falsche Einstellungen und Ansprüche. Zum Kern des Problems – die im Manifest gemeinte Freiheit braucht Ideen, mitreißende Ideen! – dringt es nicht annähernd vor. Wie das Manifest die geistlose Aneinanderreihung neoliberaler Standardsätze ist, bleibt die in ihm geforderte Freiheit formal und – leer.

  17. avatar

    Lieber KJN.

    diese sogenannte Alternativpositionen sind leider keine Alternativen, sondern die tibetanischen Gebetstrommeln, die uns immer wieder etwas vom
    “ Wachstum “ vorgaukeln “ .

    Wenn es tatsächlich um Alterenativen ginge, dann würde z.B. der Prof. Jacobsen nicht die “ grüne Gentechnologie “ als das Wundermittel zur Lösung der Lebensmittelknappjeit anpreisen, sondern einmal Ursachenforschung betreiben, wie ich es eigentlich von Wissenschaftlern erwarte.

    Ich komme gerade wieder von einem dieser Kongresse der voll war voller professioneller professoraler Weisheit für unsere Zukunft. Daher kann ich leider beim Lesen des Manifestes nicht wow rufen, sondern nur wau wau …angesichts des Auftretens unserer Nomenklatura und Intelligentzia .

    Von Hayek und die anderen Ökonomen würden sich im Grab um drehen, wenn Sie wüßten was die Neoliberalen aus Ihren liberalen Ideen gemacht haben.

    Um im Jargon von Hans zu bleiben.

    Au weia 🙂

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    @Hans und Ziegler

    Leider fehlen mir der manchmal schöngeistige Zug von Parisien und auch der schneidende Intellekt von Lyoner.

    Ich bin wirklich der, der ich bin.

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    @Stevanovic
    „..Balance..“
    Genau darum.

    @R.Z.
    „..und dabei alle Welt in ihre Beschränktheit mitnehmen möchten: der FDP beim Labern im Bundestag zuhören“
    aber wir brauchen eine, diesmal eine richtige, wir werden das bald merken.

    @M.B. „hard feelings“
    ach was.. (ebenso bei EJ, nur wer ständig bewertet, muss selbiges auch ertragen können), ich halte das Manifest aber für kein Geschwurbel und habe das begründet. Mit „small is beautiful und von Dezentralisierung zu Grabe tragen“ (niemals!!!) hat das auch nichts zu tun, sondern mit dem Versuch, Alternativpositionen zu formulieren. Während sich unsere zukünftige one-size-fits-it-all Superkoalition ja gerade mal wieder so existentiellen Regulierungsfragen, wie Maklergebühren oder Alkohol an der Fahrradklingel kümmert..
    „Vplus Tanker“
    Dagegen gibt’s doch schon VW Touaregs und Porsche Cayennes.. hau‘ weg die Dieselsch.. ich kann das im Sinne eines baldigen Einstiegs in eine „nachhaltige“, CO2-freie Energiewirtschaft nur begrüßen 😉

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    @blonderhans: nee, Ihr Verdacht ist falsch, aber ich finde es (auch) schade, dass weder Lyoner noch Parisien mehr hier mitdiskutieren.

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    Lieber KJN,

    jetzt bin ich schon totalitär…

    Wenn Sie sich erinnern können, sind unsere Auffassungen von der Gesellschaft sehr kongruent, wenn Sie aber diesem Geschwurbel vom Manifest auf dem Leim gehen, dann frage ich mich schon warum Sie Ihre Konzepte von small is beautiful und von Dzentralisierung zu Grabe tragen???

    DDas partielle Dinge des Manifestes richtig sind will ich nicht bestreiten, aber in toto ist das alles nur der Neoliberalismus der hier wieder einmal uns das Märchen vom bösen Wolf und dem Rotkäppchen erzählen will.

    Dieser Wachstumsfetischisten, die sollten doch vielleicht ein one way ticket zum Mars ordern 🙂

    No hard feelings lassen Sie uns zu interessanten Dingen übergehen, dass z.B. die 3 Drucker in den nächsten 10 bis 15 Jahre eine neue industrielle Revolution hervorbringen, mit kleinen dezentralen Einheiten und das hofentlich bald die Zeit der Vplus Tanker vorbei 🙂

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    … o.t.: @Stevanovic, schon seit einiger Zeit habe ich Sie in Verdacht der ‚Lyoner‘ zu sein. Was nix schlechtes ist. Auch weil er sich schon lang‘ nicht mehr gemeldet hat. Ungewöhnlich lang‘.

    Wenn nicht, vergeben Sie mir bitte. 😉

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    …vielleicht auch täten sie gerne: so wenig Geld wie möglich abgeben, damit man als Mensch nicht unfrei wird; so viel wie möglich für sich behalten. Oder nach dem Minimaxprinzip: die öffentliche Infrastruktur maximal benutzen und nur minimal dafür bezahlen?

    So dass man jedenfalls in seinem inhärenten Freiheitsdrange vom Staat bzw. „den Anderen“ so beschränkt wird, dass man vor lauter Fesseln kaum noch atmen kann.

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    …ich glaube ich weiß inzwischen, was die Autoren gerne täten, aber nicht dürfen, weshalb sie sich in ihrer Freiheit zunehmend beschränkt fühlen und dabei alle Welt in ihre Beschränktheit mitnehmen möchten: der FDP beim Labern im Bundestag zuhören.

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    @KJN

    Es ist schwierig, die richtige Balance zwischen totpflegen und Unsolidität zu finden. Um solidarisch sein zu können, erfordert es eine gewisse Konformität, sind wir zu konform, geht nichts mehr. Da Systeme aus sich heraus immer Lösungen anbieten, die in erster Linie seiner Erhaltung dienen, macht es Sinn, sich vor allem an den Rändern des Diskurses umzusehen. Sei es auch nur, um zu wissen, dass es zurzeit keine Alternative gibt. Die Antwort auf die Frage, wie man es mal anders machen könnte, wird man in der Mitte nicht finden. Hat man eine Idee gefunden, fällt es schwer, den Pulli systemkonform (diskurskonform) aufzuribbeln, man wird schnell grundsätzlich und erscheint dann als „alles Sch..“ – sager. Ich habe es nicht gelesen, aber das neue Buch von Botho Strauß „Lichter des Toren. Der Idiot und seine Zeit.“ dreht sich um dieses Thema. Hab es (neben Poseners Imperialbuch) auf der Weihnachtswunschliste.

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    Die Autoren dieses Manifests zeigen sich sehr besorgt um den Menschen und möchten seine „Fähigkeiten und Einsichten“ fördern, damit der Staat oder „Dritte“ dies nicht tun. Fördern, damit andere nicht fördern. Ein glatter Selbstwiderspruch.

    Mit Freiheit hat das wenig zu tun. Freiheit ist etwas ganz Einfaches: zu tun oder zu lassen, was man gerne möchte. Ich hätte gern mal erfahren, was es ist, welches die Autoren gerne täten, aber nicht dürfen. In der Kneipe rauchen? Mit 100 durch die Ortschaft brettern? In der Schlange vordrängeln? Den Abfall nicht sortieren, am besten gleich direkt aus dem Kofferaum neben die Straße stellen? Süßigkeiten muit künstlichen Aromastoffen fressen? Nicht angemeckert werden, wenn man etwas Falsches tut?

    Wahrscheinlich insbesondere letzteres. Aber dann bitte zuerst selber nicht meckern, wenn andere etwas vermeintlich Falsches tun. Danach sieht es aber nicht aus, im Gegenteil.

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    @Stevanovic
    Ich möchte das nicht überstrapazieren, denn man sollte schon beim Thema bleiben – es sind mir nur in den Diskussion der letzten Zeit so einige, sagen wir „Feinheiten“ aufgefallen, die mir – ja – etwas unangenehm aufstoßen.
    Zunächt sehe ich es genauso, wie Sie sagen: Der „Sozi“ ist eigentlich Systemkonformist, akzeptiert eigentlich alle Machtstrukturen, wie sie sind. Im Ansinnen ehrenwert, macht er aber nach Jahrzehnten einige mehr und mehr „gleicher als gleich“.
    Der Kapitalismus in Reinform aber birgt m.E. als einziges Denkmodell für „artgerechte Haltung von homo sapiens“ genügend Subversivität, um mittelfristig jedem die Chance auf jede Rolle in der Gesellschft zu bieten. Soweit die Theorie.
    Daß das in der Praxis nicht so ist, weiß ich auch und darüber muss man diskutieren, ja streiten.
    Was „mein“ (es ist nicht von mir, aber ich hätte es genau so gemacht) Freiheitsmanifest betrifft, so kann man sicher darüber streiten. Wenn ich (beispielsweise, weil Sie es anführten) Pkt. 6 und 7 auch absolut unterschreibe, so liegt das daran, daß ich einem deutschen Staat – anders als möglicherweise einem skandinavischen – nicht zutraue, eine staatliche Erziehung ideologiefrei und nonkonformistisch zu gewährleisten. Ich unterstelle hierzulande Interessen Dritter dabei. Wenn jemand diese meine Angst absurd findet, wäre ich dankbar, wenn mir Gründe genannt würden, um mir diese zu nehmen. Stattdessen werde ich z.B. von EJ und MB wahlweise als „Geisterfahrer“, „Antidemokrat“, „Nestbeschmutzer“ („alles scheiße“) oder mittelbar als Lobbyist der Großindustrie bezeichnet oder mir wird unterstellt, die „wahren Urheber“ des Textes nicht zu kennen. (Also wenn der falsche Name drunter steht, ist es per se Mist.)
    Vielleicht noch erläuternd zu meiner Denkweise: Es ist wie an der Börse: Inkonsistenzen, Nervosität, Zweifel ähnlicher Struktur machen eine instabile Situation, eine Blase sichtbar. Diese ähnliche Struktur der Störungen wie sie z.B. bei allzu aufgeblähten Behörden und deren Allmachtsphantasien sichtbar werden (ich beschrieb es so z.B. über die NSA, in EU gibt es sicher Näherliegenderes). Es ist eben symptomatisch für viele Bereiche. Das ist das, was ich vorher in diesem Thread und anderswo schon geschrieben habe, nur diesmal etwas vornehmer ausgedrückt. Keineswegs habe ich damit gesagt, daß „alles Scheiße“ wäre.
    Es hilft m.E. für die selbstbewusste eigene Orientierung, beide Seiten zu denken (dialektisch), dazu muss aber eine zweite Seite erstmal formuliert werden. In der (vor allem derzeitigen) Politik wird das nicht mehr gemacht. Bei Ihnen vermute ich aber sehr stark eine Bereitschaft dazu, auch Alternativen zu denken.

    @EJ & Moritz Berger
    Wie Sie lesen können, sprechen Ihre Reaktionen (totalitäre) Bände..

  28. avatar

    Lieber EJ

    das Manifest von KJN (wieviele Manifeste werden derzeit durch die deutschen Straßen gejagt 🙂
    ausgegraben bewegt sich z.B. immer noch auf dem Niveau von Adam Smith 🙂

    Vielleicht sind dies die Rückzugsgefechte unserer Neoliberalen, die versuchen zu retten was noch zu retten ist.

    Auf diese Rattenfänger mit Ihrem verschwurbelten Begriff von Freiheit und Markt sollte man nicht hereinfallen.

    Die Literaturliste ist ein sehr guter Indikator dafür, woher der Wind weht.

    Wer hier die Strippen zieht und uns seinen Freiheitsbegriff verkaufen will ist z.B. bei einem der Unterzeichner :

    Prof. Dr. Hans-Jörg Jacobsen, Garbsen/Boston

    sichtbar:

    http://www.wgg-ev.de/index.html

    Da wird dann einfach so blanko behauptet die (grüne) Gentechnik würde den Hunger in der welt besiegen.

    Dass die derzeitige Lebensmittelproduktion in den Entwicklungsländer ausreicht um die Bevölkerung zu versorgen, wird (bewußt) übersehen.

    Die eigentlichen Ursachen z.B. nicht ausreichendes Einkommen, erhebliche Lagerverluste bei den Nahrungsmitteln (nach Schätzungen 40%) werden bewußt nicht erörtert.

    Das in den Industrieländer auch 50 % der Lebensmittel auf dem Müll landen, dass ist natürlich positiv für das Wachstum unserer Gesellschaft.

    Und wenn Sie sich dann noch anschauen wie dieser Verein sich mit dem Beiwort grün verkauft, dann erinnert mich dass immer daran, dass alle Artikel heute nachhaltig sind.

    Und wie war das noch mit dem Manifest Punkt 4 Freiheit der Wissenschaft??

    http://freiheitsmanifest.wordp.....it/#teil_4

    Frei ist nur der Mund, was das Bankkonto des Vereins betrifft dürfte die üblichen Lobbyisten hier ihr Scherflein zur “ Unabhängigkeit der Wissenschaft “ beitragen.

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    @EJ Och, einer passt noch drauf:„Die Wahrnehmung des Geisterfahrers: Alle fahren in die verkehrte Richtung.“
    Die Wahrnehmung des Lemmings: Einer fährt in die verkehrte Richtung.

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    Lieber KJN

    Wenn ich dieses sogenannte Freitsmanifest lese und dann z.B. diesen Passus:

    „10. Naturbeherrschung ermöglicht Freiheit.

    Die wachstums- und technikkritische Grundhaltung sowie die Knappheitsmythen grünen Denkens verneinen unsere Rolle als Gestalter unserer Umwelt. Ständig wird an uns appelliert, die Natur durch Vorsorge, Verzicht und Selbstbeschränkung zu konservieren. Dabei ist die Befreiung von den Härten und Launen der Natur eine zivilisatorische Errungenschaft. Die immer weiter reichende Naturbeherrschung hat uns in den vergangenen 200 Jahren Freiheit und Wohlstand gebracht. Wer von der natürlichen Begrenzung der Ressourcen spricht, blendet den menschliche Erfindungsreichtum aus. Wir erschließen ständig neue natürliche Quellen des Reichtums. Auch für zehn Milliarden Menschen ist ein hoher, „westlicher“ Lebensstandard möglich. Wir dürfen uns nicht irritieren lassen und müssen diesen Weg weitergehen.“

    Dann sehe ich nur Geisterfahrer, 🙂 um in der Sprache von EJ zu bleiben.

    Ich glaube Ihr Fader der Ariadne hat sich schon so sehr verknotet, das Sie nach mehr aus dem Labyrinth herausfinden:-)

    aber in einem anderen thread haben Sie es bereits gesagt. Ihnen ist nicht danach nach pragmatischen Lösungen zu suche.. weil eh ist alles schei….

    Aber vielleicht ist dieser Blog hier auch nur Ihre psychotherapeutische Langzeit-Bank Und im realen Leben heißt Ihre Devise

    Carpe Diem

    P.S. Nicht vergessen am 11.11. beginnt die Karnevalszeit

  31. avatar

    @KJN

    Habe das Manifest gelesen. Als Sozialdemokrat (so in der Seele, aber da nehme ich bald ihren Einwurf mit der Therapie auf) kann ich manches verstehen, aber nicht wirklich begreifen. Punkte 6&7 – aus meiner Sozi-Sicht Spinnerei. Liegt aber daran, dass man als Sozi immer auf Seiten des Systems steht, die Gescheiterten mitdenkt, diese retten will und in einer Schleife leicht beim Faschistoiden landet. Ich muss mir da immer einen Ruck geben, nicht von dem kleinen Jungen aus dem Säuferhaushalt auszugehen, dessen sehnlichster Wunsch die Stelle als Facharbeiter in einem IG-Metall Betrieb ist. Ich unterstelle mal, dass der Verfasser dieses Manifestes auch ein bestimmtes Bild vor Augen hatte. Sehr Idealistisch – aber dafür ist so ein Manifest ja da.

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    @ KJN: im Land der Denker […] hilft allerdings nur noch eine Langzeit-Psychotherapie

    Die Wahrnehmung des Geisterfahrers: Alle fahren in die verkehrte Richtung.

  33. avatar

    @Stevanovic
    Ich habe Sie auch so verstanden, was die Balkan-geschichten angeht. Und „Ich glaube, es ist ein guter Zeitpunkt um rauszufinden, ob wir eigene Interessen formulieren und mutig durchsetzen können (oder es eben lassen), oder ob amerikagläubiges Duckmäusertum oder anti-amerikanisches Auftrumpfen alles ist, was wir drauf haben.“ : Die USA brauchen vielleicht einen Klempner (zum Abdichten ihrer Lecks), was die Dichtigkeit im Land der Denker angeht hilft allerdings nur noch eine Langzeit-Psychotherapie..

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    @KJN

    Mit den Balkan-Geschichten wollte ich das sagen, was gerade durch die Medien geistert: Wir können souverän sein, werden dafür aber einen Preis bezahlen. Natürlich sitzt der Stärkere (Ältere, oder der in Hackordnung höhere)am längeren Hebel und kann dem Schwächeren mehr wehtun. Wer also auf den Tisch haut und wissen will, was sein ist, wird das mit einkalkulieren müssen. Rechte/Pflichten, Nutzen/Schaden. Wer gegenüber USA auftrumpfen will, der sollte bei seinem nächsten Problem um Rohstoff und Marktzugang eine eigene Knarre mitbringen, oder nicht maulen, wenn er kein Stück vom Kuchen bekommt. Für das Nein im Irak hat Deutschland dennoch prächtig verdient.

    Andererseits finde ich die Angst aber auch übertrieben. Sollte Snowden in Deutschland aufgenommen werden, wird nicht viel passieren. Er ist nicht die Lücke des BND, sondern der NSA. Ihr Fehler. Alles, was er zu sagen hatte, hat er dem Guardian schon gesagt. Ziel der Aussage wird der BND, nicht die NSA. Da die USA eben nicht die Neo-UdSSR oder das 4.Reich sind, werden auch keine Panzer durch Berlin rollen oder Sanktionen verhängt. Es wird zu einem Vertrauensverlust kommen, vielleicht hört die NSA dann deutsche Politiker ab. Oh, bleibt ja nicht mehr viel. So wenig wie Deutschland jemals Lufträume für US-Flugzeuge sperren würde, so wenig würden die US Terror-Bomben in Deutschland hochgehen lassen, wenn sie von denen wüssten. Also: Was soll schon passieren?

    Persönlich meine ich, dass wir die Infos zur NSA im Guardian lesen können, sich der Ärger (mehr wäre es nicht) mit den USA nicht lohnen würde. ABER, wenn Snowden uns Infos zu deutschen Geheimdiensten gibt, die diese vor dem deutschen Parlament verheimlicht haben, dann sollte er auf jeden Fall befragt werden und dann wäre es mir auch wert, von den US mal nicht geliebt zu werden. Weil dann geht es um unseren Staat und der ist mir wichtiger als die Ehre irgendwelcher Geheimdienste oder Umsatzzahlen der Exportfirmen. Dafür sollten wir die Folgen in Kauf nehmen (wie schlimm kann es werden), aber auch nur dafür.

    Ich glaube, es ist ein guter Zeitpunkt um rauszufinden, ob wir eigene Interessen formulieren und mutig durchsetzen können (oder es eben lassen), oder ob amerikagläubiges Duckmäusertum oder anti-amerikanisches Auftrumpfen alles ist, was wir drauf haben.

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    @EJ
    „Es darf beschnitten werden.“
    Und warum? Wg. so etwas wie demokratischer oder säkularer Einsicht? Einsicht in was?
    (ich habe langsam die Vermutung, das wäre in meiner Aufzählung für Sie immer noch der größte Aufreger).
    Heute werde ich ohne Helm Fahrrad fahren, morgen fange ich wieder das Rauchen an: Wird das dann auch „demokratisch umstritten“ werden?
    „Demokratische Entscheidungen“ delegitimieren sich derweil selber, weil.. lesen Sie, wenn sie mögen hier, inbs. Pkt. 3, 5 und gehen Sie in sich.
    Ich könnte auch Thomas von Aquin bemühen und von Vernunft sprechen, die als Grundlage demokratischer Entscheidungen verloren geht: Demnächst wird per demokratischem Beschluss die Willensfreiheit abgeschafft.

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    @ KJN: Damit “delegitimiere” ich dann “missgünstig” “demokratische” Entscheidungen.

    Genau so. Schauen Sie sich Ihre (von mir zitierte) Aufzählung an: Postgeheimnis … Bankgeheimnis … Außenpolitik … Sozialsystem … Verkehrspoltik … Wissenschaft & Bildung … Energiepolitik … innere Sicherheit … In der einen oder anderen Form wiederholen Sie diese Rundumschläge ständig. (Jetzt wieder.) Ganz gleich, wovon die Rede ist, jetzt z.B. von Spionage – Ihre Dauerrede: Alles Scheiße! Alles!

    Und bezeichnenderweise gehen Sie in Ihrer Aufzählung so weit, sogar eine Entscheidung , die in Ihrem Sinne gefallen ist, in Ihre Dauer-Scheiß-Bilanz einzubeziehen. Es darf beschnitten werden. Wie Sie es wollten. Trotzdem taucht Beschneidung in Ihrer Alles-Scheiße-Aufzählung auf: Hauptsache … es werden keine Jungen beschnitten. Warum? Weil Beschneidung demokratisch umstritten war. Weil es Leute gab, Mitbürger, die gegen Beschneidung waren. Heißt: Weil die Entscheidung für Beschneidung nur demokratisch, nur gegen Andersdenkende gefällt wurde. – Das nenne ich „Delegitimation demokratischer Entscheidung“ und „demokratische Missgunst“, wobei es sich im Grunde schon um mehr als um demokratische Missgunst handelt.

  37. avatar

    MB ./. EJ: Lieber EJ, “Politik ist Entscheidung”, unterschreibe ich auch!!

    … völlig wurscht, ’nachts ist es kälter als draußen‘ – hat die gleiche Aussagekraft. Nämlich keine.

    Oder aber ein – nicht unerwartetes – Eingeständnis von Ihnen beiden. Allein so wie der Satz steht, ist er nicht legitim. Meine Herren Diktatoren.

    Hannah Arendts Idealismus – Der Sinn von Politik ist Freiheit – dagegen ist wahr.

  38. avatar

    Lieber EJ

    „Politik ist Entscheidung“

    unterschreibe ich auch!!

    Und zunehmend nimmt der Bürger auch wieder an den Entscheidungen teil, und berschränkt such nicht auf den vierjährlichen Urnengang.

    Und es gibt auch positive Indikatoren, dass
    “ die Politik “ den Bürger wieder in die Entscheidungsprozesse míteinbezieht,Stichwort Bürgerhaushalt.

    Ich habe das Beispiel aus Berlin genannt, wo es gelang mit den unterschiedlichsten Interessengruppen sehr gute Resultate zu erreichen:

    http://www.freitag.de/autoren/.....ehrkanal-1

    http://www.taz.de/!109951/

    http://bb.mehr-demokratie.de/b.....247447267f

    Und sie bewegt sich doch 🙂

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    Da das nicht das erste Mal war, daß ich „Meckerei“ vorgeworfen bekam: Klar, meckern alleine reicht nicht, eine Lösung muss her. Die, allerdings, ist eben nicht Organisierbar, auch nicht durch einen Systemwechsel, Revolution, Marsch durch die Institutionen und was es da noch für polit- und psychotechnische Manipulationsversuche gibt, mein lieben Damen und Herren 68er. Das Problem ist eigentlich ziemlich einfach zu beschreiben: es gibt zuviele Häuptlinge (oder die sich dafür halten) und zuwenig Indianer. Damit rede ich keiner neuen Hierarche (ganz konservativ) das Wort, sondern daß seit ca. 25 Jahren das inhaltliche Arbeiten keine gesellschaftliche Wertschätzung mehr erfährt. Telefonieren wird besser bezahlt, als arbeiten. Ich erspare mir und den Lesern weitere Beispiele (Meckerei), die mir leider in meinem Berufsleben nur so vor die Füße kullern.
    Nur eins zum Thema: Wenn ich erfahre, daß Snowden, der wohl in der Lage war massenhaft sensible persönliche Daten zu extrahieren in Ausführung einer staats-hoheitlichen Aufgabe bei einem Subunternehmen angestellt war, schrillen bei mir alle Alarmglocken. Um über solche Fehlentwicklungen massenhaft zu stolpern, brauche ich nicht 3000 Km weit gucken, da reicht mir hier ein Umkreis von 100 m um massenhaft fündig zu werden.
    Aber das ist Mentalität geworden: Ein Menschenbild, das ganz selbstvertändlich davon ausgeht, daß sich Staatsangehörige so konform verhalten, daß Staaten sich wie Einzelindivuduen verhalten, wo Identität und „Tümer“ als Wurzel allen Übels gelten und – auch selbstverständlich – einer einer Konsens-Vernunft zu beugen haben, geht das Individuum unter. Da werden dann Symbole – stellvertretend für ein freies Individuum – wie Homoehe, Multisexualität (nein-ich-habe-da-nichts-gegen), „unsere Energiewende“ (..ich-lass‘-es).. geschaffen und um gleichzeitig Konformität, Ängstlichkeit und Mimikry zu züchten – mit zu erwartenden Folgen.
    Damit „delegitimiere“ ich dann „missgünstig“ „demokratische“ Entscheidungen. Abgesehen davon, daß ich in meinem Leben noch nie etwas delegitimiert habe (wie geht das eigentlich?), bin ich dann Schuld an der Agonie. Wohl gemerkt: ich bin schuld, niemals die Institutionen, der Schwarm, in dem sich jeder verteckt. Wer da keinen Totalitarismus sieht hat Tomaten auf den Augen.
    Ich zitiere mich ungern selber, aber das schreibe ich eben deswegen im „Angesicht der hier vorherrschenden organisierten Verantwortungslosigkeit des herrschenden geistig-moralischen Prekariats“.
    Mentalität. Ich fass‘ es nicht. Schönen Sonntag.

  40. avatar

    Lieber EJ

    @ Moritz Berger: wann kaufen Sie sich endlich das Buch von Alan Posener?

    Nu’ insistieren Sie doch nicht so gnadenlos! Diskret, wie ich bin, habe ich absichtlich nicht auf APO geantwortet. (Ich bin einer der wahrscheinlich nur drei Leute, die sein Buch nach Erscheinen zum vollen Preis gekauft haben. Und wahrscheinlich bin ich der einzige von den dreien, der’s tatsächlich auch gelesen hat. (Und – Überraschung! – sooo schlecht war’s gar nicht 😉 )

    Ich gestehe, ich habe es auch gekauft (auch einer von Dreien)und sogar aufs Geschäftskosten für unser Büro:-)

    Und was dass Insistieren betrifft ich habe den Eindruck das Alan Posener hier, oftmals, sein gutes Buch wie „Sauerbier“ verschleudert:-)

  41. avatar

    „Will the real AMERICA please stand up!“ Der German am Brandenburger Tor, oder „Dolly Parton“-Kenner wie our dear Alan, sieht die USA nur als die „good Cops“ welche 1945 nach Gross-Deutschland kamen. Fuer den Typischen seiner Jahrgaenge in Deutschland – ist die USA „imprinted“ durch John F. Kennedy und Elvis und John-Wayne-Filme. Sehr wenige Deutsche leben seit 1945 im normalen Buergerleben in USA – mit Berufssorgen, Hypothek, Aerger mit Krankenverischerung. Manche Deutsche kamen zum Studieren oder fuer die Leitung deutscher Filialen: Ohne die typischen „peoples‘ worries“. — Korruption besteht in USA schon in jeder Gemeindeverwaltung – und s seit dem 17ten Jahrhundert: „Nothing is ever that what it seems to be!“ (Machiavelli, 1513). Alles kann gekauft werden und nicht alle sind wirklich „Helden“. Beispiel: Der General Pershing welcher 1917 die U.S. Expeditionstruppen in Frankreich kommandierte. (Pjoerling war deutscher Abstammung). In den 1870ziger als junger Leutnant kommandierte er ein Regiment von „Bufallo Soldiers“ – Schwarze welche im Westen gegen die Indianer als Kavalerie eingesetzt wurden – denn Weisse waren zu teuer. (Not shown in John Wayne movies!). Der junge Leutnant Pershing hatte im Montana Territory die Aufgabe der Festnahme und Deportierung (nach Kanada) eines Indianervolkes fuer welches kein Land fuer eine Reservation uebrig geblieben war. (Sehe: „Litte Shell Reservation“ Wikipedia in der ENGLISCHEN Version.) Dieser Deportation wurde heute in U.S. PBS TV durch den Author Nicolas Vrooman erklaert, welcher sein Buch vorstellte mit Titel: „The Whole Country was … one Robe.“ Von Helena in Montana. —Jeder Zentimeter der USA hat seine Tragodiengeschichte, denn die USA ist nicht war nie und ist auch nicht heute wie sie den Deutschen scheint – oder die USA von der die Deutschen „wissen“ moechten…(Don’t look now: Unter den Tausenden welche in USA „lynched“ wurden (gefoltert, angebrannt und gehaenkt)- zumindest unter den 4,000+ zwischen 1882 and 1948 -meist Schwarze und Weisse, waren auch 500+ mexikanischer Abstammung, eine Anzahl von Italienern, und ein halbes Dutzend Juden. Darunter Leo Frank, 1915 in the Marietta, Georgia. Leo Frank war kein Verwandter von Ann Frank…

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