
Für meine Generation war er die absolute Hassfigur. Wer in den späten 1970er- und 1980er-Jahren jung, progressiv oder links war – und links waren damals gefühlt alle, die man irgendwie ernst nahm –, für den verkörperte Franz Josef Strauß das perfekte Feindbild. Atomkraft, Rüstung, Überwachungsstaat: Der CSU-Chef stand zuverlässig auf der anderen Seite. „Stoppt Strauß“ war kein nüchterner Appell. Es war ein Lebensgefühl.
Ganz grundlos war unsere Abneigung nicht. Strauß war kein Salonkonservativer. Publizistische Widersacher nannte er „Ratten und Schmeißfliegen“, politische Gegner behandelte er nicht selten wie Feinde. Die von ihm ausgelöste Spiegel-Affäre von 1962 war ein massiver Eingriff in die Pressefreiheit und kostete ihn das Amt des Verteidigungsministers.
War Strauß also die AfD seiner Zeit? Aus unserer damaligen Sicht: eindeutig. Aus heutiger Sicht: eindeutig Nein.