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Randale im Namen von irgendwas

Marianne – Symbol der französischen Revolution und Republik. In Rathaus von Marseille wurde ihr Büste von Radalierern zerstört. Bild: Wikimedia

Jetzt wissen wir also, was „Free Palestine“ heißt. Es bedeutet, Geschäfte, kleine Läden und Kioske von ihrem Warenbestand zu „befreien“ und eine Stadt von ihrem historischen Rathaus; es beinhaltet, Polizisten, Sanitäter und Feuerwehrleute von ihrem Dienst zu „befreien“, indem man sie krankenhausreif prügelt.

Eine globale Intifada bedeutet, dass die ganze Welt davon erfasst wird; dass Paris, Mailand, Brüssel, London und andere Städte von Horden frommer Anhänger von irgendetwas (man darf es aufgrund der „Phobiephobie“, die viele Medien erfasst hat, nicht beim Namen nennen) überrollt werden. Das einzige Stadtzentrum, in dem es keine Horden maskierter Randalierer gibt, die kommunale, private und gewerbliche Infrastruktur zerstören, scheint Tel Aviv zu sein. Komisch das.

Wir hören immer wieder von den „Besserwissern“, wie gestresst und besorgt die Israelis sind, wie viel ein Joghurt kostet, wie undemokratisch das politische System ist und wie viele Israelis gegen die Regierung sind (was offenbar etwas beweisen soll – für mich beweist es lediglich, dass sie Israelis sind).

„Free Palestine“ bedeutet, dass keine Konzerte, Theateraufführungen oder akademischen Vorträge möglich sind, ohne dass irgendein Jugendlicher, der noch mehr Mist im Kopf hat als normale Jugendliche, aufsteht, um etwas zu brüllen und zu schreien. Obwohl es als unangebracht gilt, zu empfehlen, ein paar von ihnen zu erschießen – und das werde ich daher auch nicht tun –, gestehe ich, dass ich mir manchmal wünsche, ich könnte in einer Welt leben, in der es NICHT als unangebracht gilt, zu empfehlen, ein paar von ihnen zu erschießen. Schließlich wollen sie in einer Welt leben, in der das Ermorden der Gegner so normal ist wie das Essen von Cornflakes (Oh, Entschuldigung – sind Cornflakes kolonialistisch?).

Habt ihr diese Videos gesehen, in denen Studentinnen in Hörsälen sinnlose Parolen schreien? Offensichtlich ein guter Grund, Frauen nicht studieren zu lassen, wenn sie sich so verhalten? Meine Güte… Ich bin mir sicher, dass so etwas in Saudi-Arabien, Ägypten, der Türkei oder… äh… Palästina niemals passieren würde. Ich würde mir auch wünschen, dass jeder sogenannte Wissenschaftler, der öffentlich eine Sache unterstützt, bei der es für jeden offensichtlich ist, dass er keine ordentliche Recherche betrieben hat, „beurlaubt“ wird, bis er wieder gelernt hat, ein Wissenschaftler zu sein, er einige Primärquellen gelesen hat, die Bedeutung von Fußnoten versteht und nicht länger eine Blamage für seine Hochschule und eine Gefahr für seine Studierenden darstellt.

Berlin ist fast so schlimm wie Gaza

Vor uns liegen ein paar angespannte Wochen, was die Wahlen in den USA und in Israel angeht – keine Sorge, in Palästina, Oman, Dubai, Kuwait, den Vereinigten Arabischen Emiraten, im Jemen, in Saudi-Arabien, im Libanon oder in der Türkei wird es keine geben, die uns von der Notlage der Menschen im Gazastreifen ablenken könnten. Und nachdem all diese Leute, deren Köpfe voll von TikTok sind, ihr demokratisches Recht ausgeübt haben, um Druck auf die herrschende Elite auszuüben, wird in ein paar Wochen wieder ein Mann im Anzug den Sieg für sich beanspruchen, und das Herummanipulieren mit Prozentzahlen und der Verkauf von Seelen werden von Neuem beginnen.

Hier in Berlin scheint eine dirrekt gewählte linke Politikerin unsicher zu sein, was Parteisolidarität und -loyalität bedeuten, und glaubt, sie könne als Einzelperson immer noch alles herausschreien, was sie will, als ob noch Wahlkampf wäre, und ihre Parteikollegen ignorieren, die das offenbar als wenig hilfreich empfinden. Vielleicht weil das, was sie herausschreit, genau das ist, was sie insgeheim auch empfinden. Aber sie haben inzwischen gelernt, den Mund zu halten und sich auf lokale Themen zu konzentrieren, die, um fair zu sein, fast genauso katastrophal sind wie in Gaza.

Wohnungsnot? Lebenshaltungskosten? Kaputte Schulen? Andere Parteien durchlaufen gerade diese unangenehme, juckende Phase nach der Wahl (man darf sich ja nicht beim Kratzen zeigen!), in der sie monatelang und jahrelang alle anderen Parteien gehasst und kritisiert haben und nun ein oder zwei finden müssen, mit denen noch irgendeine Form von Kompromiss möglich sein könnte, während sie gleichzeitig lautstark verkünden, dass eine Partei, die die meisten Stimmen der Bevölkerung erhalten hat, auf keinen Fall regieren darf. Das nennt man „Demokratie“ und „Gesicht wahren“ und „Brandmauer“: Die neue Berliner Mauer, die nun ironischerweise vom Westen errichtet wird, um diejenigen aus dem Osten fernzuhalten, statt der früheren aus dem Osten, die Menschen an der Flucht in dfen Westen hindern sollte. Errichtet von der Partei, deren Nachfolgerin nun nach der Macht in ganz Berlin greift.

Die Geschichte hat manchmal doch Sinn für Humor

Die sozialen Medien verbinden weiterhin Gemeinschaften, während sie den Einzelnen in Einsamkeit, Paranoia und Depression treiben. KI erfindet weiterhin Geschichten und Videos, um unsere Leichtgläubigkeit auf die Probe zu stellen. Und die Algorithmen verstärken unser Wunschdenken, sodass wir mehr oder weniger Beiträge über Islamismus oder die Ukraine oder Drohnen oder die Politik in New York City oder was auch immer sehen, ohne jemals innezuhalten und zu fragen, warum uns diese Dinge zugespielt werden und was andere Menschen sich gerade ansehen.

Nun, das Wochenende ist vorbei. Gott sei Dank. Kann die neue Woche noch schlimmer werden? Wahrscheinlich. Lasst uns tief durchatmen. Es könnte unser letzter Atemzug sein…

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