avatar

Das war’s für Spahn

Ein Kinderwunsch kann auch bei Männern die politische Karriere beenden. Bild von dsaiko auf Pixabay

Als Bundeskanzler und Vater Friedrich Merz dem Unions-Fraktionsvorsitzenden zu dessen überraschender Elternschaft durch eine Leihmutter aus den USA gratulierte, wird er das nicht aus Freude über den Verlust seines gefährlichsten und härtesten Konkurrenten in der eigenen Partei getan haben; so tickt Merz nicht.

Aber so tickt Politik. Eben noch, während der Verabschiedung der Reformvorhaben der schwarz-roten Koalition, wurde Spahn als der eigentlich starke Mann der CDU durch die Medien gereicht. Allenfalls der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Hendrik Wüst erschien als möglicher Konkurrent für eine mögliche Nachfolge von Merz. Damit ist es nun ein für alle Mal vorbei.

Beliebt, gar populär war Spahn nie, und nicht etwa, weil er sein Schwulsein offen lebt. Er versteht es einfach nicht, Vertrauen zu wecken. Trotzdem gelang es ihm, eine Schlüsselposition in CDU und Union zu erlangen. Und zwar ungerührt von Affären und Vorwürfen, bei denen es meist um die Vermengung von Amt und seinem politischen Vorteil ging, so bei einem 4,1-Millionen-Kredit, beim Kauf seiner Wohnung von einem Manager, der später mit erhöhten Gehalt Geschäftsführer unter Spahns Verantwortung wurde oder beim Maskenkauf beim Arbeitgeber seines Gatten.

Auch bei der Leihmutterschaft liegt diese Spahnsche Spannung wieder zwischen öffentlichem Amt und persönlichem Verhalten. Sie predigen Wasser und trinken heimlich Wein, heißt die auf Heinrich Heines Wintermärchen zurück gehende Lebensweisheit. Nur anders als damals geschieht  es heute öffentlich. Spahn sprach sich als Gesundheitsminister eindeutig für das wohl begründete deutsche Verbot von Leihmutterschaften aus. Doch als Fraktionsvorsitzender der grössten Fraktion des Bundestages und als Präsidiumsmitglied der CDU umging er dieses Verbot mit Hilfe einer in den USA lebenden Frau. So führt der christdemokratische Spitzenpolitiker vor, wie deutsche Gesetze zu unterlaufen sind, jedenfalls für den, der über ausreichende Mittel verfügt.

Vorteil Merz

Solche Doppelmoral und die damit demonstrierte offene Verachtung deutscher Gesetze durch einen Spitzenpolitiker wäre das große Thema jedes Wahlkampfs mit einem Kandidaten Jens Spahn. Das wird sich die Union nicht antun. Damit ist der Anspruch des Fraktionschefs aufs Kanzleramt erledigt. Und auch Spahn wird sich fragen müssen, ob er eine solche Auseinandersetzung seinem heranwachsenden Sohn zumuten will. Was ist ihm nun wichtiger, politische Karriere oder Kind?

Diese unerwartete Entwicklung stärkt die Position von Merz in der eigenen Partei. Aber vorerst liefert Spahn nun Stoff für das in die Landtagswahlkämpfe des Frühherbst mündende Sommerloch. Er praktiziert genau das, was die AfD den traditionellen Parteien vorhält. Noch ist nicht abzusehen, ob und wie lange die Union das hinnehmen mag. Merz hat jedoch schon angekündigt, dass er den Fall Spahn im CDU-Präsidium dieskurtiern lassen will. Daraus kann man schließen, dass er nicht abwarten will, bis es sich zu einer CDU-Affäre auswächst, sondern er einen schnellen Abschluss anstrebt. Und der dürfte nach Lage der Dinge heißen, dass Spahn sein Amt aufgeben muss.

So verändert die Bereitschaft zweier Männer, für den Wunsch nach einem gemeinsamen Kind deutsche Gesetze zu umgehen, das politische Gefüge der Republik.

Folge uns und like uns:
avatar

Über Franz Sommerfeld

Franz Sommerfeld war Chefredakteur der „Deutschen Volkszeitung / die Tat“, ein Blatt im DKP-Umfeld. Später Reporter, politischer Korrespondent und stellvertretender Chefredakteur der „Berliner Zeitung“, Chefredakteur der „Mitteldeutschen Zeitung“ und des „Kölner Stadt-Anzeigers“. Danach Vorstand der Mediengruppe M. DuMont Schauberg. In Büchern beschäftigte er sich mit den deutschen Ost-West-Spannungen und Fragen der Migration („Der Moscheestreit“).

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Scroll To Top