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Marilyn auf der Couch

Ein Beitrag zum 100. Geburtstag einer Diva

Buchcover Haarkötter Marilyn

Als eine ungeheure Vertiefung unserer Wahrnehmung erschien Walter Benjamin der Film. Vergleichbar nur mit der Bedeutung von Freuds Klassiker Psychopathologie des Alltagslebens mit seiner bahnbrechenden Interpretation scheinbar nebensächlicher Fehlleistungen und Ticks. Mit seinen Techniken wie etwa Zeitlupe, Zeitraffer sowie mikroskopischen close ups rücke der Film das „Optisch-Unbewusste“ erstmalig ins Licht des Bewusstseins.

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Die Würste des Menschen sind unantastbar

 

Würste: Bild von jarmoluk auf Pixabay
Zu zwei Ausstellungen in Oldenburg und Aschaffenburg und zum Manierismus des Berliner Malers Johannes Grützke

„Kunst ist nicht modern, sondern immer!“, lautete das trotzige Motto des Johannes Grützke. Das Pathos der Moderne war stets noch der Opposition gegen das Jüngstvergangene abgerungen – so reagierte die Neue Sachlichkeit auf den Pomp des späten Kaiserreichs, der Futurismus gegen die inventarisierende Apotheose der Kunst in den Museen schlechthin. Grützke dagegen beharrte auf der überzeitlichen Gültigkeit künstlerischer Formgebung.

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Fifty Shades of Dorian Gray

Foto: Buchcover, fotografiert von Hans von Seggern

Auf den Spuren Oscar Wildes erzählt Andreas Schäfers Roman „Letzter Akt“ von der midlife crisis als Menschheitsfrage. Eine Rezension.

Oscar Wildes Roman „The picture of Dorian Gray“ von 1890, der seinem Autor einen Unzuchtsprozess einbrachte, hat in der Historie seiner Rezeption eine ganze Reihe von literarischen Nachfolgern emporgebracht. Ein Thema für sich wäre es, die faszinierenden Metamorphosen von Wildes Motiv durch die Jahrzehnte seit seinem Erscheinen zu verfolgen: Die Geschichte eines Adonis’, der durch eine Art Teufelspakt nicht altert, während sich in seinem Portrait sämtliche Missetaten eines immer abwegigeren Lebenslaufes widerspiegeln.

In der Metapher dieses Porträts variiert Wildes Roman einen bekannten Topos der Antike: Die Vorstellung, nach der die moralische Vollkommenheit des epischen Helden einhergeht mit dessen Schönheit in der äußeren Erscheinung. Allein nach außen bleibt die Schönheit des Adonis’ Dorian im Laufe der Romanhandlung konserviert, während seine moralische Verkommenheit sich spiegelt in der fortschreitenden Hässlichkeit des gemalten Konterfeis. Weiterlesen

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Vier Namen – eine Stimme: Die Wiederkehr der Expressionistin Else Onno

Ihre Texte wirken wie Storyboards zu expressionistischen Kurzfilmen: anarchisch, temporeich und von psychologischer Tiefe. Nach aufwändigen Recherchen ist nun das Rätsel ihrer Identität gelöst: Mit der Edition „Streichhölzer“ bekommt das deutschsprachige Feuilleton der Zwischenkriegszeit nun eine seiner faszinierendsten Stimmen zurück.

 Die Prager Presse bestach in den 20er Jahren durch ein herausragendes Feuilleton. Allein Robert Walser steuerte rund 200 Artikel zu diesem Leuchtturm deutschsprachiger Feuilleton-Kultur bei. Mit ähnlich namhaften Stars warb seinerzeit das Prager Tagblatt: Über zwanzig Jahre hinweg – von 1917-1937 – schrieb Joseph Roth ungezählte Beiträge, die dem stets in Geldnot lebenden Literaten sich über Wasser zu halten halfen. Der Wallstein Verlag konnte im Jahre 2012 mit einer kritisch edierten Erstausgabe aufwarten. Das Publikumsinteresse war so erfreulich, dass Diogenes nur drei Jahre später eine Taschenbuch-Ausgabe eben jener Texte nachlegte. Weiterlesen

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Kaffee-Songs in der Popmusik: Genussmittel, Projektionsfläche und Metapher

„Espresso“! Der Sommer-Hit schlechthin im vergangenen Jahr 2024 mit sagenhaften 2,5 Milliarden Streams und mehr! Und in der Tat: Dieser Song geht ins Blut wie ein doppelter Espresso! Wer reinhört, ist nach ein paar Takten hooked: Das blonde Wunder Sabrina Carpenter zündet ein buntes Feuerwerk aus Disco-Pop-Nostalgie und Texten, die so selbstironisch sind, dass sie schon Stand-up-Comedy Qualitäten haben. Während sie kokett singt, dass ihr Ex nach einer Nacht mit ihr kein Auge mehr zubekommt, grinst ihre TikTok-Gemeinde im Hintergrund und scheint zu sagen: Same here, bro.

So hat „Espresso“ sich über die Socials schneller verbreitet als ein virales Katzenvideo auf Speed. Und damit schreibt sich Carpenters Superhit ein in einen traditionsreichen Diskurs: Denn welche Bedeutung(en) besitzt das Genussmittel Kaffee in der Populärkultur? Weiterlesen

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Kurze Phänomenologie des Euligen in der Musik – Ein Beitrag zur Eulologie der Populärkultur

Unser Autor Hans von Seggern führt die Tradion der Top 5 Song Listen aus dem Kultroman „High Fidelity“ von Nick Hornby fort. Den Auftakt machen die besten Tracks zur „Eulologie“.

In dem Kultroman „High Fidelity“ lässt Autor Nick Hornby seine Hauptfigur, den Besitzer eines Londoner Plattenladens, mit seinen Angestellten immer wieder neue Top 5 Listen von allem und jedem ersinnen: Die Top 5 Hits aller Zeiten, die schlechtesten 5 Songs aller Zeiten, die Top 5 der besten ersten Songs auf Seite 1 von Pop-Platten etc. pp. Dabei stellt Hornbys Protagonist die Frage nach dem Ursprung des Blues:

“What came first – the music or the misery? Did I listen to the music because I was miserable? Or was I miserable because I listened to the music?”

Während diese Frage – es ist die Frage nach der Henne und dem Ei – wohl nie beantwortet werden wird, kann man festhalten: Die Top 5 Listen aus „High Fidelity“ müssen fortgeführt werden – just for the heck of it! Weiterlesen

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Sogar Engel brauchen Glück – Das Bode-Museum erinnert an das Kriegsende 1945

Foto: Paul Klee, Angelus Novus, 1920, Oil transfer and watercolor on paper, 318 x 242 mm, Gift of Fania and Gershom Scholem, Jerusalem; John Herring, Marlene and Paul Herring, Jo Carole and Ronald Lauder, New York, Photo © The Israel Museum, Jerusalem, Elie Posner

Glauben Sie an Engel? Ja, ganz sicher? Nein: Alles Hokuspokus? Hier einige Fakten: Engel umgeben uns, die göttlichen Botinnen sind in unserer Kultur allgegenwärtig! Nicht nur sprechen wir von unserem „Schutzengel“ oder dem Weihnachtsschmuck in Form der „Jahresendflügelfigur“. Nein: Von Ella Fitzgerald bis Madonna, von Elvis über Bob Dylan bis zu Robbie Williams, und von Udo Jürgens bis Helene Fischer: All diese – und viele mehr – besungen Engel als wahlweise geliebte, schöne oder tugendhafte Menschen oder alternativ – als „devil in disguise“. Weiterlesen

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