
Es ist kein Grund zum Lachen, wenn Tausende verzweifelter Menschen ein besseres Leben suchen und Dutzende dabei ums Leben kommen. Daher mag dieser Beitrag ironisch oder sarkastisch klingen, doch soll es nicht auf Kosten der Opfer gehen.
Vielmehr soll er jene ignoranten und heuchlerischen europäischen Politiker entlarven, die in den letzten Jahren und Jahrzehnten Israel unaufhörlich dafür kritisiert haben, wie es versucht hat, mit nahezu unlösbaren Problemen fertig zu werden – mit Nachbarn, die immer wieder versuchen, die Grenzen zu überqueren und ins Land zu gelangen, sei es friedlich oder auf andere Weise.
60.000 oder mehr junge Marokkaner (oder zumindest Afrikaner, die sich in Marokko aufhielten) haben diesen Versuch in den vergangenen Tagen unternommen. Die Reaktion des spanischen Ministerpräsidenten Pedro Sánchez – Sie wissen schon, derjenige, der immer wieder zum Boykott des „kolonialistischen Israels“ aufruft – bestand darin, bewaffnete Truppen zur Unterstützung der lokalen Kräfte zu entsenden und so viele von ihnen wie möglich zurückzudrängen.
Wo liegt Ceuta? Allgemein als spanische „Exklave“ bezeichnet und seit 1995 rechtlich eine „autonome Stadt“, war es eigentlich ab 1415 eine portugiesische Kolonie, die dann 1580 von der spanischen Monarchie annektiert wurde und geografisch nicht mit Spanien verbunden ist.
Sollte man nun vorschlagen, Spanien zu boykottieren, bis es die Verwaltung dieses autonomen Gebiets einfach an die neuen Einwanderer überträgt und seine Streitkräfte abzieht?
Die EU befindet sich in Panik und wird nun über die Frage einer solchen wilden Einwanderung beraten. Wer hat derzeit den Vorsitz im EU-Rat inne? Die Republik Irland. Auch ein endloser Kritiker Israels. Was hätte Irland getan, wären diese verzweifelten muslimischen Flüchtlinge stattdessen nach Eire geschwommen? Was hätte Eire getan, wären diese armen Flüchtlinge Palästinenser und keine Marokkaner gewesen?
Erklärt Euch zu Palästinensern!
Vielleicht sollte dieser bescheidene Vorschlag an diejenigen weitergeleitet werden, die nun erneut in der Hitze und ohne Essen und Wasser an den Stacheldrahtzäunen an der Grenze zwischen Marokko und Ceuta warten: Erklärt euch zu Palästinensern (wie wir bereits wissen, braucht man dafür eigentlich keine echte Familiengeschichte, die bis ins 8. Jahrhundert zurückreicht) und stellt dann formelle Einwanderungsanträge nicht nur in Spanien, sondern auch in Irland.
Vielleicht bekommt ihr nicht alles, was ihr euch wünscht, aber es kann nicht schaden, und dann wird sich vielleicht, nur vielleicht, ein Bruchteil der Aufmerksamkeit der Weltmedien auf das westliche Ende des Mittelmeers verlagern, anstatt – wie es derzeit der Fall zu sein scheint – ständig auf das östliche Ende gerichtet zu sein, auf das, was als das EINZIGE Problemgebiet der ganzen Welt erscheint.
Vielleicht könnten sich die UN und die EU und sogar die spanische und die irische Regierungen euch zuwenden und auf eure Bedürfnisse auf humane und nicht-genozidale, nicht-kolonialistische, nicht-rassistische und nicht-islamfeindliche Weise eingehen und so Israel zeigen, wie es richtig gemacht wird?
From the Desert to the Sea – Ceuta shall be Free!
Ich verstehe, dass Israel sich über die spanische Haltung in der Palästinenserfrage ärgert. Aber Spanien hat Ceuta nicht besetzt, so wie Israel die Westbank und den Gazastreifen. Die 50.000, die den Grenzzaun überwunden haben, sind nicht mit der Hamas oder der Hizbollah vergleichbar. Die spanische Armee hat Menschen aus dem Wasser gerettet und innerhalb 48 Stunden 48.000 friedlich nach Marokko zurückgeführt. Die israelische Armee schreitet nicht ein, wenn gewalttätige Siedler Paläsinenser aus ihren Dörfern vertreiben. Das Aufzählen der Unterschiede ließe sich fortsetzen. Es gibt im Grund überhaupt keine Gemeinsamkeit zwischen Ceuta und, sagen wir, Nablus. Das wirft die Frage auf, warum der Kolumnist Parallelen ziehen möchte. Mir fällt als Grund nur blanke Schadenfreude ein. Der Haken: Es ist mehr als unwahrscheinlich, dass ohne ein einschneidendes Ereignis (zB Naturkatastrophe) binnen 48 Stunden 50.000 Menschen an einem Punkt die Grenze überwinden wollen. Deshalb wird nach der Rolle Marokkos gefragt, und welche Rolle der Besuch von Sanchez in Algerien gespielt haben könnte. Das Verhältnis zu Marokko ist bekanntlich so schlecht, dass die gemeinsame Grenze seit vielen Jahren geschlossen ist. Auch nach der Rolle der USA wird gefragt. Trump hatte kürzlich im Westsahara-Konflikt die Seite Marokkos ergriffen. Zum Dank hat der König eine Autobahn nach Trump benannt. Da gibt es die große Verärgerung von Trump, weil Spanien die Nutzung der US-Stützpunkte für den Iran-Krieg nicht erlaubt hat. Da wird auf eine kürzlich eingebrachte Kongressresolution verwiesen, die davon spricht, dass die spanischen Enklaven zu Marokko gehören. Und es gibt Spekulationen darüber, dass Israel an einer Entscheidung Marokkos beteiligt gewesen sein könnte, Spanien durch einen Massenansturm von Menschen in Ceuta politisch unter Druck zu setzen. Ich kann mir nicht vorstellen, das die israelische Regierung zu so zynisch-menschenverachtenden Methoden greifen könnte, um Spanien für seine pro-palästinensische Haltung zu bestrafen. Deshalb finde ich als Freund Israels (nicht der jetzigen israelischen Regierung) und langjähriges Mitglied der Deutsch-Israelischen Gesellschaft (DIG) solche „Schadenfreude“-Kommentare, die Israel hier völlig unnötig ins Spiel bringen, für Israel alles andere als hilfreich
Walter Rothschild ist kein Israeli, sondern ein in Deutschland lebender liberaler jüdischer Rabbiner, Autor und Musiker. Jede auch nur gedankliche Verbindung von ihm mit der Westbank, Gaza, Hamas, Hisbollah oder der aktuellen israelischen Regierung verbietet sich daher. Sanchez hat Israel wie andere Antisemiten wiederholt „Kolonialismus“ vorgeworfen, was infam ist, da das Land Israel die historische und kulturelle Heimat des jüdischen Volkes ist. Spanien dagegen war und ist Kolonialmacht. Ceuta und Melilla sind koloniale Besitztümer. Mit dem Massenansturm nach Ceuta, ausgelöst durch eine spanische Gerichtsentscheidung und wahrscheinlich unterstützt von Marokko, hat das jedoch wiederum nichts zu tun. Die von Ihnen zitierten Verschwörungsbehauptungen sind deshalb ebf. abwegig.