Der Schlagzeuger meiner ehemaligen Band »Riot« hatte einst eine grandiose Idee: Er wollte dessen Schlagzeugervisitenkarte mit dem Zusatz »Langsamster Schlagzeuger der Welt« garnieren, um, wie wir Jazzer es halt gern taten und tun, slightly zu provozieren. Einstmals nutzte man tatsächlich ausschließlich jene Karten. Eine Welt ohne Websites, QR-Codes und Smartphones. Erholsame Welt. Egal.
Das mit dem Langsamseinsuperlativ, das habe ich nie vergessen. Im Zuge des Verfassens meines Buchs »Terrohr« machte ich mir dessen Idee zunutze und komplettierte diese mit dem Schnellseinsuperlativ:
Tempo halten!
Dem langsamsten Schlagzeuger, oder Drummer – Jazzer sind per definitionem Welt-Anglizismen-Botschafter – ist es sonach untersagt, überhaupt einen Schlag aufs Schlagzeug zu tätigen. Allein der erste Impuls ist eben ein Impuls, der des Zuhörers Erwartungshören affiziert. Damit hat das Musikstück seinen Anfang, seine Exposition. Ein Tempo ist im Raume, und hart im Raume stoßen sich die Sachen, leicht beieinander wohnt der Gedanke. Und beim diesem Superlativ denke ich daran, dass eben nichts passieren, im Wortsinne, darf. Gar nichts. Das Langsamte ist der Raum an sich.
Gleiches mit dem schnellsten Drummer: Das fortwährend schneller werdende Tempo, die immer höhere Frequenz verlässt irgendwann den für uns Menschen physikalisch hör- und sichtbaren, zuletzt jeder Menschendrummerhand verunmöglichten Bereich. In nuce:
Im ersten Falle ist der Musiker zur Passivität verdammt, er ist paralysiert. Im Zweiten zur spasmischen Hyperaktion – und beides mit identischem Ergebnis: man hört nichts. Nichts ist da.
Das Nichts
Demnach treffen sich die Enden des Hufeisens doch. Die Extreme sind identisch – ganz zum Missfallen Adornos, der nicht nur Jazz, sondern ebenfalls alles Identische hasste. Tja, so kann man halt im Leben auch mal so richtig falsch liegen.
Quart- oder Quintessenz: Extreme wollen alles, den Superlativ, führen indes zu und ins Nichts.
Ja klar, wer zu viel eifert landet schnell an ein Ende. Aber ich glaube ein guter Schlagzeuger denkt bzw. fühlt viele ‚beats‘ und lässt sie dann aber weg. Aber das nicht nur bei Schlagzeugern und Musikern..