avatar

Die Lust des Lehrers: Sting und „Don’t Stand So Close to Me“

Bild generiert von ChatGTP nach Prompts von A.P.

Der Musiker Gordon Sumner hat ein gewisses Händchen für Texte, die doppeldeutig sind, ohne hintersinnig zu sein. Schon sein Pseudonym “Sting” bedeutet einerseits Stachel, Stich, aber auch Betrug, Falle. Was dann doch widerwillig hintersinnig sein könnte.

Die Pointe in Stings Lied „Russians“ aus dem Jahre 1985, das der damaligen Friedensbewegung im Westen nach dem Mund redete, lautet: “But what might save us, me and you / Is if the Russians love their children too”. Auf die Kinderliebe der Gerontokraten im Kreml zu setzen war damals schon unsinnig, zumal in der sowjetischen Diktatur die kinderlieben russischen Menschen keinen Einfluss auf die Politik hatten. Und heute, da das ohnehin von einer demographischen Katastrophe betroffene Russland in der Ukraine etwa 1,2 Millionen tote und verwundete junge Männer verloren hat und täglich weitere 1000 bis 1400 in den Fleischwolf schickt, muss man sich allerdings fragen, was es mit der Kinderliebe eines Volks auf sich hat, das keine Kinder haben will und die wenigen Kinder, die es gibt, einer Fantasie imperialer Größe opfert.

Nur in Parenthese merke ich an, dass Sting mit der Zeile “How can I save my little boy / from Oppenheimer’s deadly toy?” so tut, als sei James Robert Oppenheimer allein für die Atombombe verantwortlich, und nicht etwa das riesige Manhattan-Projekt der USA; als habe Oppenheimer die Bombe als „Spielzeug“ betrachtet, während er in Wirklichkeit schwere berufliche Nachteile erlitt, weil er nach den Bomben auf Hiroshima und Nagasaki für die internationale Kontrolle der Atomkraft eintrat, um ein Wettrüsten und einen erneuten Einsatz der Bombe zu verhindern.

Über „Every Breath You Take“, einen der erfolgreichsten Popsongs aller Zeiten, sagte immerhin Sting selbst: „Es klingt wie ein tröstliches Liebeslied. Ich erkannte in dem Moment nicht, wie unheimlich das Lied ist.“ In der Tat. Es ist der Song eines Stalkers. Über „You Don’t Know Me“ von Eddy Arnold – die beste Fassung ist von Ray Charles – schreibt Bob Dylan: „Ein Serienmörder würde diesen Song singen. (…) Sting hätte diesen Song statt ‚Every Breath you Take‘ schreiben können.“ Stimmt.

„Message in a Bottle“ klingt ein wenig wie Werbung für Whisky. Tatsächlich wurde – und nun sind wir beim Song, den ich besprechen will – „Don’t Stand So Close to Me“ mal als Deo-Werbung benutzt. Und das geht gar nicht, denn es handelt sich um einen Song über den sexuellen Missbrauch einer Schülerin durch ihren Lehrer. (Den Text findet man wie immer unten.)

Der ehemalige Englischlehrer Sting hat – als er noch offen über den Song sprach, später wurde er, vermutlich als Reaktion auf die beginnende #MeToo-Bewegung und weil der Song offensichtlich autobiographische Züge hat, vorsichtiger – die „Progression des Lieds“ wie folgt beschrieben: „Der Lehrer, die offene Seite, die Jungfrau, die Vergewaltigung im Auto, gefeuert werden.“

Im Song wird die “Vergewaltigung im Auto“ nur angedeutet: „Nasse Bushaltestelle, sie wartet, sein Auto ist warm und trocken.“ Ansonsten spiegelt der Song die Ambivalenz der Zeit – er ist aus dem Jahr 1980 – gegenüber dem, was man in Anspielung auf den Roman von Vladimir Nabokov, der auch im Song erwähnt wird, den „Lolitakomplex“ nennt.

Denn im Song wird dem Lehrer viel Sympathie entgegengebracht; verurteilt werden einzig die Freundinnen des Opfers, die „eifersüchtig“ sind und ihr als „teacher’s pet“ das Leben schwer machen: „You know how bad girls get“: Ihr wisst, wie übel Mädchen sein können. Und der Refrain schiebt dem Mädchen die Schuld für seinen Kontrollverlust zu: Komm mir bloß nicht so nah.

Am Ende zittert und hustet der Lehrer, „wie der alte Mann im Roman von Nabokov.“ Nun ja, vermutlich hustet er nur – „cough“ – weil Sting einen Reim für „Nabokov“ brauchte. Dabei hätte er sicher was mit „jerk off“ finden können. „His lust is her downfall / He ought to jerk it off / instead he’s like Humbert / in that book by Nabokov.” Oder so.

Zwei Jahre vor dem Song von Sting (mit „The Police“) hatte Christian Anders „Verliebt in den Lehrer“ aufgenommen: „Erst seit ein paar Wochen gibt er Unterricht / Alle Mädchen schwärmen / Doch er sieht es nicht.“ Gemessen an dieser Verlogenheit, als habe es nicht schon damals tausendfach Beziehungen zwischen Schülerinnen und Lehrern gegeben, ist allerdings Stings Schilderung der sexuellen Begierden eines hübschen jungen Lehrers immerhin ehrlich.

Dennoch ist es merkwürdig, dass der Song als Deo-Werbung fungieren sollte. Er riecht schon ziemlich stark nach Männerschweiß.

In einer früheren Fassung dieses Textes habe ich vermutet, dass eine „eine Gestalt in Jochen Schimmangs Debütroman von 1979 den Satz sagt: ‚Warum schlafen wir nicht mit unseren schönen Schülerinnen?'“. Dem ist nicht so, und Schimmang stellt klar, dass der Satz auch sonst in keinem seiner Werke zu finden ist. Woher er stammt, ist mir also bis heute unklar, und mir tut die Verwechslung – die freilich ohnehin nicht unterstellte, dass Schimmang sich mit dieser Äußerung identifizierte – Leid.

Young teacher, the subject
Of schoolgirl fantasy
She wants him so badly
Knows what she wants to be

Inside him, there′s longing
This girl’s an open page
Book marking, she′s so close now
This girl is half his age

Don’t stand, don’t stand so
Don′t stand so close to me
Don′t stand, don’t stand so
Don′t stand so close to me

Her friends are so jealous
You know how bad girls get
Sometimes it’s not so easy
To be the teacher′s pet

Temptation, frustration
So bad it makes him cry
Wet bus stop, she’s waiting
His car is warm and dry

Don′t stand, don’t stand so
Don’t stand so close to me
Don′t stand, don′t stand so
Don’t stand so close to me

Loose talk in the classroom
To hurt they try and try
Strong words in the staff room
The accusations fly

It′s no use, he sees her
He starts to shake and cough
Just like the old man in
That book by Nabokov

Don’t stand, don′t stand so
Don’t stand so close to me

Folge uns und like uns:

28 Gedanken zu “Die Lust des Lehrers: Sting und „Don’t Stand So Close to Me“;”

    1. avatar

      Lieber 68er, danke für den Hinweis, den ich ernst nehme. Ich bin dem Link gefolgt uns finde Folgendes: „Simple photographs of works of visual art in the public domain are not protected. Neither the German Copyright Act nor the EU Directive that prompted the new provision give a definition of the term „works of visual art“. In the official reasoning provided with the (at the time: proposed) amendment, the German government notes that it understands the term to match a similar term used in another EU Directive, where „visual works“ are explained as including „fine art, photography, illustration, design, architecture, sketches of the latter works and other such works that are contained in books, journals, newspapers and magazines or other works“.“ Es handelt sich hier um ein Foto vom Filmplakat oder vielmehr von einem Ausschnitt aus dem Filmplakat. Wer sollte hier klagen?

      1. avatar

        Der Fotograf, die Filmfirma…

        Ähnliches könnte z. B. auch für die Beatles oder Stones Fotos gelten. Es wäre auch sinnvoll, das hier nicht öffentlich zu diskutieren, das sollte nur ein freundlicher Hinweis sein.

      2. avatar

        Lieber 68er, ich denke, man kann das hier diskutieren. Aber vielleicht tausche ich das Bild trotzdem aus.

  1. avatar

    Ganz nebenbei: Es gab mal eine DDR-Band namens Jessica, Die hatten einen sehr üblen Stalker-Song mit dem Titel „Ich beobachte dich“, Mitte der 80er-Jahre. Der Sänger der Band hiess Tino Eisbrenner. Heute ein Putin-Propagandist, der gern in Moskau „Friedenslieder“singt. So kann’s gehen. I hope the russians love Tino too.

  2. avatar

    Der Satz „Warum schlafen wir nicht mir unseren schönen Schülerinnen?“ stammt nicht aus meinem Debüt „Der schöne Vogel Phönix.“ Und auch nicht aus einem anderen meiner Bücher.

    1. avatar

      Lieber Jochen Schimmang, vielen Dank für die Intervention. Meiner Erinnerung habe ich auch nicht so ganz getraut, also habe ich Ihren Roman noch einmal gelesen, mit großem Gewinn, und in der Tat: Was ich da schreibe, ist Quatsch und wird mit dem Ausdruck des Bedauerns öffentlich zurückgenommen. Woher stammt bloß der Satz? Andere Frage: Welche Organisation ist gemeint mit der „Firma“, in deren führendem Zirkel Murnau unverdienterweise eine Rolle spielt, und die sich dann 1972 auflöst, als die anderen Zirkel erst zur Hochform auflaufen?

  3. avatar

    „Oppenheimers deadly toy“ .. naja, Sting ist ein Popmusiker und zwar einer der wenigen, die sich tatsächlich weiterentwickelt haben. Tatsächlich sprach ja Oppenheimer später über das Manhatten Project davon, er hätte die Optimierung der Bombe „technically sweet“ gefunden und genau das war es ja auch. Und Sumner alias Sting war anscheinend tatsächlich am Thema interessiert, sonst hätte er das nicht gewusst. Die Interpretation von Texten geht mir immer zu weit, wenn es politisch wird. ‚Ein garstig Lied! Pfui! ein politisch Lied!‘ lässt Goethe Brander in Auerbachs Keller (Faust I) zu recht sagen und das gilt heute mehr denn je und wenn die Kunst nicht reicht wird gerne gezündelt, z.B. damit sich die Omas gegen Rechts wieder aufwärmen können und die Kasse wieder klingelt.
    Die bisweilen etwas drögen ‚The Police‘ waren ein wohltuendes und kultiviertes ‚Statement‘ gegen den Popzirkus, so ganz anders als der grenzdebile ‚Punk‘ oder der alte Kram, den Jazz-Puristen so hören um vor allem ihr eigenes Expertenturm zu dokumentieren. Eine Popzirkus, der in den Studios nur noch ‚gimmicks‘ (überzählige überflüssige Bläsersätze und Background – Sängerinnen) hervorbrachte oder mit ewig langen E-Gitarren ‚Blues‘-Soli langweilte. Und wenn die Texte ein bisschen das Thema verkürzen, wie beim Schlager oder die Abgründe der deplazierten Liebe thematisieren, dann ist das doch in Ordnung, wenn die Kunst vorhanden ist. Auch wenn da Zweideutigkeiten vielleicht ungewollt sind.
    Jedenfalls ist Sumner ein vielschichtiger Künstler, der z.B. John Dowland gar nicht mal schlecht interpretiert und sein wunderbares ‚Fragile‘ wird hier in einer ausnahmsweise mal wieder gelungenen Klassik Pop et cetara -Sendung von einem Kinderchor dargeboten (das letzte Stück).
    https://www.deutschlandfunk.de/schauspielerin-mala-emde-100.html
    Überhaupt Filmmusik (dazu gehören auch Computerspiele): Hier spielt die Zukunft der Musik..

  4. avatar

    Sting war als medialer Mensch unsympathisch und als Musiker vollkommen überschätzt. Er war die ideale Besetzung als Feyd Rautha in David Lynchs „Dune“ und ich kann mich erinnern, dass alle fünf Zuschauer in unserem Kleinstadtkino in Jubel ausgebrochen sind, als er von Paul zur Strecke gebracht wurde. Thatcher, Reagan und der Kult um die selbstsüchtige Drecksäcke ohne Gewissen. Der Gorden Gekko der Popmusik. Wer glaubt, dass Gier gut sei, sollte 24/7 mit Stings Werken beschallt werden. „Don´t stand so close to me“ ist der lyrische Grundaufbau dessen, was schiefgelaufen ist. Der Stärkere nimmt sich, was sein Trieb verlangt und das Opfer ist selbst schuld, dass es zu nah dran stand. Libertärer Nihilismus in Reinformat. „Roxanne“ war die Hymne aller Flachwichser, die Frauen ausbeuten, sie sich aber doch als Mensch vorstellen könnten, wenn es ihnen nach Exklusivität ist. Sollte mit „Every breath you take“ in Reihe gehört werden. Sting war das Wappentier des me, myself and I. Ist mein Urteil zu harsch? Aus der Philosophie der Zeit heraus nicht. Sting brachte mir (bis auf Dune) keinen Mehrwert…also geh mir aus dem Weg, f… off and die. Dein Produkt ist Müll.

    1. avatar

      Ich denke lieber Stevanovic, Sie wollten über Musik sprechen.. (..auch Miles Davis war so ein richtiger Kotzbrocken, aber alle wollten trotzdem mit ihm spielen)

      1. avatar

        Vor die Wahl gestellt, würde ich statt dem Saxofon in „Englishman in New York“ lieber einem Hinterhofkater beim Sterben zuhören. Apropos Sterben: The day the music died war als Rod Stuart, Bryan Adams und Sting „All for Love“ veröffentlichten. Ich kann mich erinnern, wie saßen im Auto und meine Frau brauchte ihre ganze Kraft, um mich daran zu hindern, mir selbst mit dem Schlüssel das Trommelfell zu durchstechen.

      2. avatar

        Ich darf dann mal meinen Sohn zitieren, der vor Jahrzehnten im zarten Alter von 3 Jahren bereits feststellte: „Jeder hat einen anderen Geschmack.“ Wenn ich Ihnen jetzt erwidere, daß ich z.B. Bruce Springsteen schon immer für einen extrem langweiligen Brüll-Trottel hielt, dessen Namen ich mir nicht merken konnte und der Parolen für grenzdebile Schafherden mit 2 Akkorden produziert, wo manchmal noch ein Dritter dazu kommt, mögen wir als Autisten Duo ganz unterhaltsam sein, aber eher in der Standup Comedy. Musikalisch würde es erst dann wieder, wenn ich vermuten würde, daß Sie z.B. Sydney Bechet wahrscheinlich auch nicht mögen, nachdem, was Sie über Branford Marsalis‘, Solo in „Moon over Bourbon Street“ meinten. Vermute eher so Oasis, Red Hot Chili Peppers und so ein Zeug. Bei mir keine Identitätsfrage, bei mir hat sich das, was ich wirklich gerne höre, immer wieder geändert. Ich kann daher ziemlich gut mit der Feststellung meines Sohnes von damals leben.

      3. avatar

        ..es war „Englishman in New York“, bei „Moon over Bourbon Street“ wär Ihr Schlüssel wahrscheinlich noch in Ihrem Trommelfell.

      4. avatar

        Weise Worte ihres Sohnes! Das schöne am Geschmack ist nicht, dass man darüber nicht streiten könnte. Das schöne ist, dass der Streit nie zu einem Ergebnis kommt und beim ersten Satz so leidenschaftlich wie beim letzten sein kann. Nur die Kondition der Kontrahenten setzt ihm ein Ende.

      5. avatar

        Ich bin kein Musiker, kann entsprechend auch nicht viel über die Qualität der Musik sagen. Was aber auch heißt, dass ich anerkenne, dass es da eine Dimension gibt, die ich nicht sehe und mein einziges Kriterium die Vibration meines Bauchnabels ist. Und dessen Launen wechseln beständig. Somit bin ich als Musikkritiker vollkommen ungeeignet. In letzter Zeit höre ich viel frenchcore. Ich bin mir sicher, dass das alles musikalisch bestimmt Müll ist, aber ich bekomme gerade nicht genug davon.

        https://www.youtube.com/watch?v=4CI-l4OqV3s

        Wobei ich wieder bei Sting bin. Jedes Mal, wenn ich eines seiner Lieder angemacht habe, hatte ich dieses Gefühl der Enttäuschung, wie bei dem Jogurt, auf dem man sich freut, um dann festzustellen, dass er schon Pelz hat. Bourbon Street? Ich hab vor zwei Wochen das hier entdeckt, höre ich am liebsten im Bus bei Nieselregen.

        https://www.youtube.com/watch?v=kF2kjoQnC3I

        Ich habe ein sehr großes Herz für sterbende Hinterhofkater. Aber, walla, mit Sting wird das nichts mehr.

      6. avatar

        „Qualität von Musik“, lieber Stevanovic, entfaltet sich selbstverständlich erst im Gehörgang des Bauchnabelbesitzers und wenn jemand zum Besetztzeichen im Telefonhörer Limbo tanzen will, ist er irgendwie auch zu beneiden. Besserwisserische Musikexperten, die für andere sortieren wollen, was gut oder schlecht sein soll, sind mir ähnlich suspekt, wie diese ewigen TV-Feinschmecker, die mir erklären, wie lange ich Salat schleudern darf. (Und GEZ-Journalisten und ‚Satiriker‘, die mir vorschreiben wollen, was ich für seriös zu halten habe und was nicht.) Wer sagen wir mal, wie ich einige Jahrzehnte Altsaxofon gespielt hat, hört sich dann natürlich die Kollegen mit etwas anderen Kriterien an, als jemand, der z.B. DJ ist und genau das wurde mir klar, als ich den sehr sympathischen Darren Bailie per Zufall mal kennenlernte und der mir von seinem Hit (s. Link) erzählte, den ich sonst aufgrund meiner Jazz-Scheuklappen vielleicht gar nicht wahrgenommen hätte. Ein Hit, in dem genau 9 (in Worten: neun) Töne von einem Saxofon immer wiederholt werden und dem Stück seinen unverwechselbaren Charakter geben. Während ich viele Jahre meines Lebens darauf verwendet habe, in allen möglichen Tonarten Septakkorde richtig aufzulösen und auch Übergangsakkorde dabei mitzunehmen und auch ab und zu eine verminderte Quinte für die Bebop-Fans einzubauen, beherrschen DJs ein anderes Metier: Den souveränen Umgang mit Klischees, um sie dem Publikum so zu verabreichen, wie es sie gerade braucht. So der Unterschied zwischen dem ‚dedicated follower‘ und dem innovativen Profi-Unterhalter, der mit einer Einoktaven-Tastatur und einem Computer komponiert. Und so breit ist das Spektrum der Musik bzw. Kunst und das finde ich auch sehr phantastisch so und ich wehre mich nur gegen die Vereinnahmung der Musik durch Politik und etwas aufdringliche Entertainer mit ‚Haltung‘.
        https://m.youtube.com/watch?v=2SDv6KJiI98

      7. avatar

        Puh, dieser hochglanzlackierte Popsong ist ja grauenvoll…Und die hochhackige u. schönbeinige Dame, die da sonnendurchflutet durchs Bild schwarwenzelt… Da ist mir jeder sterbende Hinterhofkater lieber. Ob das alles wirklich rein subjektiv im Auge bzw. Ohr des Betrachters und Zuhörers ist? Ich glaube nicht.

      8. avatar

        Lieber KJN, ich sehe es genauso und gehe den nächsten Schritt: Es ist die Schuld des Publikums. Das Publikum kann es nicht verknusen, dass die Dinge, die sie mögen, qualitativ Müll sind. Limette-Gurke-Eichenlaub Limos gibt es nur deswegen, weil es den Konsumenten zu peinlich ist, eine ordinäre Fanta zu bestellen. Auf die Frage, ob etwas „frisch“ ist, habe ich noch nie die Antwort gehört, es liege schon seit letztem Jahr im Keller. Qualitätsbewusstsein ist ein Distinktionsmerkmal für Leute, die sich außerhalb des eigenen Berufsfeldes das Leben schwer machen wollen, um nicht wie der Pöbel zu sein, der ja alles schluckt. Ich glaube an Qualität und auch, dass sie für mich in vielen Feldern vollkommen unwichtig ist. Eine qualitative Musikkritik ist für Leute, die Musik verstehen, nicht für mich, der weder qualitative Musik noch eine qualitative Kritik erkennen könnte…außer es steht auf einem der Beipackzetteln, die ich nie lese. Lagerfeld meinte, wer Jogginghose trägt, hätte die Kontrolle über sein Leben verloren. Ich sehe es eher umgekehrt. Wer pepsi light aus Kristallgläsern trinkt, kämpft noch um Kontrolle. Die Lässigkeit einer Jogginghose muss man sich erst mal leisten können. Das ist jetzt kein Plädoyer für Jogginghosen, aber mir erscheint, dass Kontrolle bedeutet, sich bewusst zu sein, welche Qualität man braucht und welche nicht, zumindest mehr als das Streben nach excellence in allen Lebensbereichen. Im Spruch „take back control“ steckt eben mehr drin, als die Summe der Einzelfragen erkennen lässt.

      9. avatar

        Und zum wiederholten Mal, Stevanovic, bedaure ich, dass Sie nicht als Autor für uns tätig sein wollen. Dieser Kommentar ist ein Essay. Und wie es der Zufall will, sah ich Samstagabend zwei Teenager an der Bushaltestelle, sie waren auf dem Weg zu einer Party, und beide trugen Jogginghosen, allerdings aus edlem, jedenfalls edel aussehendem, leichtem Stoff, und ich dachte an Lagerfelds Spruch und darüber, dass diese Jungs in ihren Jogginghosen total cool aussahen, während sie in einem Anzug unbequem und uncool aussehen würden.

      10. avatar

        Ach ja: Was mich beim Techno der 90er beeindruckt hatte, war, dass Meinesgleichen gar nicht so tun musste, als ob man wüsste, wer da gerade auflegt (hätte ich mir in so Nächten eh nicht merken können). Der Star des Abends war mein Abend. Das war punkiger als der Punk, der da schon längst in einem Kanon an Kultbands erstarrt war.

      11. avatar

        Die „grenzdebilen Schafherden“, die Bruce Springsteen schätzen, sind meines Wissens hochintelligente, gebildete, literaturaffine und reflektierte Menschen mit einem extrem hohen Anspruch an Musik und Text.

      12. avatar

        Klar, Stevanovic, ich glaube (!) auch, daß es Qualität gibt, aber es hängt dann doch am Konsumenten bzw. was er/sie draus macht. Beispiele Jogginghosen und Bratkartoffeln. Distinktionswille ist ein Verkaufsargument für noch Suchende und/oder Profilneurotiker und der größte Irrtum, den man dabei machen kann, ist Kunst jeglicher Art für sankrosankt zu erklären. Denn sie hat immer ein Verfallsdatum. Spätestens, wenn eine KI sie reproduziert.

  5. avatar

    „Pädophil“ kommt aus dem Griechischen. Heisst ganz einfach „kinderlieb“.

    Dass der kinderliebe Mensch pädophil sei, ist der Verdacht, den jeder erst mal „entkräften“ muss, der mit Kindererziehung zu tun hat. Da gibt es eine ganz böse Beweislastumkehr.

    Ab dem 12. und 14. Lebensjahr meiner Söhne habe ich 4, einmal auch 6 ihrer Klassenkameraden mit in den Urlaub genommen. Radeln oder Paddeln und Zelten. Von Regensburg nach Wien. Von Rheinsberg nach Neustrelitz.

    Hab mir damals eine Regel auferlegt: Kein Nacktbaden. Mit keinem der Knaben ein Gespräch unter vier Augen.

    Mit 14-jährigen fremden Mädchen zu zelten, das hätte ich gar nicht erst gewagt.

      1. avatar

        Der pubertierende Knabe, der NICHT in eine Lehrerin verknallt gewesen wäre, mit dessen (Hetero-)Sexualität stimmt was nicht.

        Ich jedenfalls war total begeistert von meiner Klassenlehrerin mit diesem unglaublichen Busen.

        Fast so irre, wie ich in unsere Pionierleiterin verschossen war. Die dummrote Zicke.

        Wegen ihres zu einem Zopf geflochtenen langen Haars. Das ihr bis über die Hüften reichte.

  6. avatar

    APo: ‚… was es mit der Kinderliebe eines Volks auf sich hat, das keine Kinder haben will und die wenigen Kinder, die es gibt, einer Fantasie imperialer Größe opfert.‘

    … kaum vorstellbar, dass ein Volk keine Kinder haben will und von imperialer Größe fantasiert. Ich unterstelle den Russen gleiche Kinderliebe wie sie andere Völker auch haben. Jetzt müssen Sie nur noch ‚rausfinden wer von imperialer Größe fabuliert und dafür eigene und die Kinder anderer opfert.

    Ich mag Every Breath You Take I’ll Be Missing You mit Puff Daddy …

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Scroll To Top