
„Der Herr badet gern lau.“ Mit diesen Worten zielte Herbert Wehner 1973 auf den damaligen Bundeskanzler Willy Brandt – und leitete damit das Ende von dessen Kanzlerschaft ein. Beschleunigt wurde das Ende durch einen Tarifabschluss im öffentlichen Dienst von rund zwölf Prozent sowie durch einen Spionagefall im Kanzleramt. Entgegen seinem späteren Nachruhm war Brandt tatsächlich eher ein schwacher Regierungschef.
Sein Nachfolger Helmut Schmidt dagegen hatte früh den Ruf eines Machers. Hochgebildet, musikalisch, schneidig und nicht frei von Arroganz, legte er sich mit dem US-Präsidenten Carter ebenso an wie mit der Sowjetunion – und mit Teilen seiner eigenen Partei, als er den Nachrüstungsbeschluss durchsetzte. Journalisten nannte Schmidt Wegelagerer und die sogenannte Friedensbewegung naiv. Seine Sprache war präzise und allgemeinverständlich. Wenn nicht alles täuscht, braucht Deutschland bald wieder einen Regierungschef von diesem Format.