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Versöhnung mit den Tätern?

Es gibt Zeitungsartikel, bei denen man schon nach  der LektĂĽre weniger  Zeilen das GefĂĽhl hat, dass an der Argumentation des  Autors etwas  nicht stimmt. So ging es mir mit einem Artikel des SPIEGEL-Redakteurs Jochen-Martin Gutsch, der sich mit dem – wie er fand – unbarmherzigen Umgang  der Ă–ffentlichkeit mit dem ehemaligen Stasi-Offizier Andrej Holm auseinandersetzt.   Die moralische Schieflage der Argumentation  erkannte  ich, als  ich ein kleines sprachliches Experiment durchfĂĽhrte. Ich datierte den Artikel in das Jahr 1966 zurĂĽck (ich machte damals gerade das Abitur) und ersetzte die Begriffe DDR durch „Drittes Reich“, SED durch NSDAP und Stasi durch Gestapo. Der Text, der dadurch entsteht, ist schaurig. Hier  eine Kostprobe:

„Das Erstaunliche aber ist, dass die alten Frontverläufe noch immer da sind.“

„Es gab in den vergangen fĂĽnf Wochen von allem zu wenig: zu wenig historische Kenntnis, zu wenig Bereitschaft zuzuhören, zu wenig Versöhnung.“

„Noch ist schwer zu sagen, wer den Staffelstab im Aufarbeitungsbusiness ĂĽbernehmen könnte.“

„Und man kann nur beten, dass jetzt niemand ernsthaft die Frage stellt, ob man ĂĽber die Gestapo lachen darf. Also, historisch und aufarbeitungspolitisch gesehen.“ Weiterlesen

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