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„Ein Jude tut so etwas nicht!“

Auf der Demo in Tel-Aviv, 25. März 2025. Foto: Alan Posener

Als ich sah, wie der Rassist und Terrorbefürworter Itamar Ben-Gvir mit Champagner auf die Verabschiedung eines Gesetzes in der Knesset anstieß, das die Todesstrafe für arabische Terroristen vorsieht, wurde mr übel. Ich musste an ein Gespräch denken, das ich vor Jahren mit meinem israelischen Cousin Yohanan und seiner Frau Hanna führte.

Es ging um irgendeine Maßnahme der damaligen Regierung von Ariel Sharon, glaube ich. Ich habe sie verteidigt, Yohanan und Hanna lehnten sie ab. Nun muss man wissen, dass die meisten meiner Verwandten in Israel linke Zionisten sind. Manche sind linker als andere, aber viele vertreten Positionen, die ich hier ungern in einer Zeitung lesen würde.

Und doch war es Yohanan, der mir Mitte der 1980er Jahre klar machte, weshalb Israel nicht auf die Atombombe verzichten kann. Alle haben selbstverständlich in der Armee gedient und gekämpft – Yohanan war 1948, 1967 und 1973 dabei – und schicken selbstverständlich ihre Kinder in die Armee. Anders als so manche, die für Ben-Gvir und Co. stimmen – und als Ben-Gvir selbst, der nicht dienen durfte, weil seine rassistischen und sexistischen Ansichten der IDF zu weit gingen.

Nun saßen wir also da, in Hannas Küche, und ich verteidigte eloquent, wie ich es in Artikeln hierzulande getan hatte, Scharons Politik. Ich merkte, dass meinem Cousin und meiner Cousine die Argumente ausgingen. Es wurde ein wenig ungemütlich. In dieser Situation hätten sie anmerken können, wie absurd es ist, wenn jemand, der nie gedient hat und im sicheren Deutschland lebt, ihnen sagen will, was die Realpolitik verlange: Sie hätten darauf hinweisen können, wie absurd es ist, dass ein Ex-Maoist, dessen Partei den Zionismus bekämpft und den Terrorverein PFLP unterstützt hatte, der in den 1970er Jahren keinen Kontakt mit den israelischen Verwandten haben wollte und noch nach dem Austritt aus der KPD Probleme mit dem Konzept des Zionismus oder der israelischen Atombombe gehabt hatte – dass also ein Ex-Antizionist nun den Ultra-Zionisten gebe. Und mit alledem hätten sie Recht gehabt und hätten mich und mein Maulheldentum beschämen können.

Aber sie taten das nicht. Stattdessen rief Hanna gequält aus: „Das mag alles richtig sein, was du sagst. Aber ein Jude tut so etwas nicht!“ Dagegen hatte ich kein Argument. Wie gesagt, den genauen Anlass habe ich vergessen. Aber diesen Ausspruch habe ich nie vergessen.

Zu Recht gelten „double standards“ als ein Merkmal des israelbezogenen Antisemitismus, eins der „3D“: Dämonisierung, Delegitimierung, Double Standards“. Von Israel also mehr zu verlangen, als man etwa von seinem eigenen Land – oder von einem beliebigen anderen Land in einer vergleichbaren Situation – verlangen würde: diese Heuchelei ist im Mund der Gojim antisemitisch.

Aber das zionistische Projekt war – jedenfalls für die Mehrheitsfraktion der Zionisten unter der Führung von David Ben-Gurion – immer auch ein utopisches Projekt; Israel sollte eine Leuchte sein, das Modell eines Entwicklungslands; hier sollte ein neuer Jude, ja ein neuer Mensch entstehen: dafür standen die Kibbuzim, dafür stand die Bürgerarmee IDF, dafür standen die einst mächtigen Gewerkschaften, die Universitäten. Israel verlangte immer mehr von sich als andere Länder von sich, und deshalb ist der jüdische Staat eine Erfolgsgeschichte.

Wie meine Verwandten über den jetzigen Krieg denken, weiß ich nicht; ich führe ungern politische Gespräche per WhatsApp und Co.; erfahre lieber persönlich vor Ort, was los ist. Als wir vor 14 Monaten da waren, fuhren wir an einem Tag in das von der Hamas zerstörte Kibbuz Nir Oz, nahmen am nächsten Abend an der großen Friedensdemo in Tel Aviv statt und diskutierten am Morgen danach mit einigen der Kinder und ihren Freunden, die gerade Urlaub vom Militärdienst hatten.  Solche Widersprüche – wenn es denn welche sind – muss man erleben, sie sind wichtiger als abstrakte Diskussionen. Jedenfalls für mich.

Doch wenn es um Ben-Gvirs Todesstrafe geht, bin ich mit ziemlich sicher, wie sie antworten würden: „So etwas tun Juden nicht!“ Jenseits aller denkbaren und nachvollziehbaren Gründe, und übrigens auch unabhängig davon, was die Welt dazu sagt.

Für den 22. April haben wir einen Flug nach Tel Aviv gebucht. Eines der Enkelkinder heiratet, die Familie will zusammenkommen, und wir sind eingeladen. Ob die Hochzeit und die Feier  stattfinden können, ob El Al fliegen wird, weiß ich nicht. Auch nicht, an welchen Fronten die jungen Leute kämpfen, mit denen wir damals zusammenkamen. Jede Generation hat kämpfen müssen, und es ist kein Ende in Sicht. Natürlich ist das also auch mein Krieg, ob er mir gefällt oder nicht. Und natürlich bin ich für Israel, auch wenn ein Ben-Gvir in der Regierung sitzt. Und natürlich darf ich mir nicht anmaßen zu beurteilen, was ein Jude tut oder nicht tut. Und doch denke ich, dass die Menschen, die in Israel gegen die Regierung, gegen Ben-Gvir, gegen die Todesstrafe und, ja auch, gegen den Krieg demonstrieren, selbst wenn sie in der Sache Unrecht haben sollten, zu den Besten Israels gehören, zu jenem Teil der Gesellschaft, der Israel zu dem gemacht haben, was es ist: zu einem Land, das Juden in aller Welt stolz macht.

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32 Gedanken zu “„Ein Jude tut so etwas nicht!“;”

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    „Ossimässig“, lieber Alan Posener,

    ist IMMER geographisch. Was Sie dann darunter verstehen wollen, findet AUSSCHLIESSLICH in Ihrem Kopf statt.

    Im Prinzip alle Kirchen und Sekten erklärten sich in der DDR als erlesene Kinder des Herrn in einer feindlichen Umwelt. Welche sie verfolge.

    Voller Verwunderung stellte ich in den 1990er Jahren fest, dass die Weissenfelser Katholiken alle miteinander verwandt waren. In 40 Jahren DDR hatten die Heiligen nur untereinander geheiratet.

    Manche Aufarbeiter wollen das regierungsferne Milieu deshalb als „DDR-oppositionell“ eintüten. Was falsch ist. Es war eher schizophren.

    Ich ging sonntags mit Begeisterung ministrieren und band werktags mein Pionierhalstuch.

    Dass ich mit 19 „da raus“ wollte, hat auch diesen Grund.

    P.S.:

    Aber mal zum Ausgang: „Ein Jude macht so etwas nicht.“

    Mich interessiert an der jüdischen Geschichte Ostmitteleuropas (nur zu dieser habe ich mich belesen)…

    … Diese Spannung zwischen Opferrolle (ja, auch diese gibt’s, die Moll-Töne jiddischer Musik zeugen davon.) …

    … Und der Zuversicht, dass es besser werde. Und zwar nicht im Jenseits, sondern noch in dieser Welt.

    Mit beachtlichem, auch wirtschaftlichen Erfolg.

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      Es war zwar der Geographie geschuldet, lieber Bodo Walther, dass die Russen Ost- und nicht Westdeutschland besetzten. Es war nicht der Geographie, sondern der Kultur geschuldet, dass allein die katholischen Teile der DDR sich der Entchristlichung mit Erfolg erwehrten, wie übrigens die noch weiter östlich liegenden Polen. Wir reden also hier von kulturellen Prägungen.
      Dass die Moll-Töne des Klezmer etwas mit einer „Opfer-Rolle“ zu tun hätten, halte ich für ein böswilliges Gerücht. Eher etwas mit der Herkunft aus dem Arabischen über die iberische Halbinsel. Ähnliche Harmonien findet man etwa im Flamenco. Wenn Sie wissen wollen, woher die – im übrigen durch die Geschichte auf brutalstmögliche Weise widerlegte – Hoffnung kommt, dass es in dieser Welt besser werde, wenn man sich redlich bemüht, lesen Sie zur Abwechslung mal die Bibel, vor allem die Sprüche Salomons.

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        Dass Katholiken in der DDR „sich der Ideologie entzogen“ hätten, lieber Alan Posener,

        existiert auch wieder nur in Ihrem Kopf bzw. den Legendenbüchern der DDR-Block-CDU. In diese Nische CDU wichen Katholiken in der DDR aus, wenn sie „was werden“ wollten.

        Und „was wurden“.

        Vom Stellvertreter des Rates des Kreises Weissenfels für Handel und Versorgung, der die Kleinhändler schikanierte, …

        …bis zum DDR-Postminister, der die Briefe aufdampfen liess. Und zu dem die CDUheute sagt: „Die Stasi wars!“

        Allerdings gab’s in der DDR ein klares katholisches Geschlechterrollen-Bild:

        Karriere hatte der Mann zu machen. Musste dann halt Blockflöte werden.

        Die Frau hielt Abstand zur Ideologie. Auch im Hinblick auf ihre künftige Rolle als Kindererzieherin

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        Ja, diese glaubensstarken Eichsfelder Katholiken meinte ich auch, lieber Alan Posener,

        meinen Bruder in Christo Michael Heinemann zum Beispiel. Schon im Alter von 28 Jahren stellte er sich in den 1970ern aus christlicher Verantwortung der schweren Aufgabe als Stellvertreter des Rates des Kreises.

        Dann als Stellvertreter des Rates des Bezirkes. Und 1. Sekretär der Bezirksleitung der Block-CDU zu Halle.

        Dann wegen all dieser Erfahrungen wurde er Staatssekretär für Ernährungswirtschaft unter Lothar de Maiziere.

        Hatte das DDR-Knäckebrot vom VEB Filinchen zu privatisieren.

        Gehört ihm heute.

        „Das ist ein Jammer, wie übel Dir mitgespielt wurde in der DDR. Schade, dass wir uns da noch nicht kannten. Ich hatte damals, 1980 Verbindungen in die entscheidenden Kreise.“

        Sagte er mir mal.

        Da wurde mir ganz gruselich. Weil wegen dieser Verbindungen hatte er ja sein Landtagsmandat 1991 abgegeben.

        Wobei, „Eine Verpflichtungserklärung gibt es nicht.“ Sagte mir Lothar Tautz, einst Pfarrer zu Weissenfels, späterer SPD-Politiker.

        Michael hatte sich mit Leuten getroffen, die ihn befragten und zu deren Fragen er sich dann in der Katholischen Kirche kundig machte. Und berichtete.

        Und ein „Stasi-Mitarbeiter“ war jemand, der WISSENTLICH und WILLENTLICH dem Ministerium für Staatssicherheit diente.

        Und auch einem Gregor Gysi können Sie deshalb nicht beweisen, dass er wusste, daß sein Zuhörer ein Stasi-Offizier war. Weswegen Gysi alle Unterlassungsklagen dazu gewann.

        Und das Vorbringen: „Aber das musste er doch wissen, so blöd kann ein Mensch doch gar nicht sein.“ …

        Ja das ist halt kein wirklicher Tatsachenbeweis.

        Ich schicke Ihnen mal die von meinem Bruder in Christo, von Michael Heinemann (WHG Weissenfels, mal googeln)…

        … selbst verfasste Schilderung seines gottesfürchtigen Lebens.

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    Immerhin gibt es in Israel eine Demokratie, ein Parlament, das Gesetz kann bei entsprechenden Mehrheiten, geändert oder ganz abgeschafft werden. In Staaten wie dem Iran, Russland oder auch China ist das anders. Dort gibt es absolute Herrscher, die fest daran glauben, dass ihre Meinung über dem Gesetz steht.
    Als ich 1973/74 in einem israelischen Kibbuz gelebt habe, wurde in der Nähe des Kibbuz eine Grundschule von Terroristen überfallen, alle Kinder wurden brutal ermordet. Da die Schule damals nicht, wie zum Beispiel der Kibbuz selbst, streng bewacht wurde, konnten die Terroristen ohne Probleme eindringen und genauso wieder verschwinden.
    Eltern die mit solchen Erfahrungen weiterleben mußten, haben sich verändert. Das würde jedem von uns so gehen, behaupte ich jetzt mal. Wäre damals auch nur ein einziger Terrorist geschnappt worden, ich würde es verstehen, wenn Eltern für die Todesstrafe votiert hätten.
    Nach dem Überfall der Hamas ist die Stimmung in Israel vermutlich ähnlich emotional.
    Ich hoffe, dass – wenn schon Todesstrafe die Lösung sein muß – diese für alle Mörder gelten sollte, auch in Israel.
    In Bezug auf das Christentum ist trotz des Gebotes „Du sollst nicht töten“ auch immer wieder das Gegenteil passiert, sogar im Namen des „Kreuzes“. Und es gibt Bibelstellen im Neuen Testament, die auch nicht besonders pazifistisch klingen. Zum Beispiel erinnert der Brief von Paulus an die Korinther mit dem Satz:“Jeder, der den Herrn Jesus Christus nicht liebt, ist des Fluches würdig!“ doch in gewisser Weise an Texte aus dem Koran, die Islamisten gern in Erinnerung bringen, um mit Verweis auf Allah Ungläubige töten zu können.

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    „Ein Jude tut so etwas nicht“? Scheinbar doch. Und egal ob Jude, Christ, Hindu, Moslem oder sonst eine Richtung: Wer so ein Gesetz erlässt und es gar feiert, ist ein Rassist (und damit gar nicht weit von der Haltung der Hamas Terroristen entfernt) !

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      Das mosaische Recht schreibt die Todesstrafe für viele Handlungen vor, etwa für den Ehebruch der Frau und den coitus interruptus beim Mann. Ist insofern irrelevant. Die Evangelien entstanden in einer Zeit, da die Juden weitgehend machtlos waren. Immerhin aber konnten die Hohenpriester das Todesurteil gegen Stephanus wegen Häresie aussprechen und vollstrecken lassen. Saulus bewachte die Mäntel der frommen Mörder. (Was übrigens der legende widerspricht, Jesus sei von den Priestern zum Tode verurteilt, das Urteil aber von den Römern vollstreckt worden. Hätten die Priester Jesus töten wollen, hätten sie es gekonnt.) Und hätten Sie richtig gelesen, wäre Ihnen freilich aufgefallen, dass es hier nicht um eine religiöse Frage geht. Meine Verwandten sind fast alle säkulare Juden.

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        … werter APo, Sie wollen streiten. Ich habe lediglich geschrieben, das hebräische und neutestamentliche Schriften nicht gegen die Todesstrafe plädieren. Dass die Todesstrafe in bestimmten Fällen, von ‚Religiösen‘ und ‚Säkularen‘, gefordert wird, ist auch mir bekannt. Darum ging es mir nicht.

        Im Übrigen kommt, wie immer Ihr Text auch gelesen wird, kein ‚Säkularer‘ um diese Schriften herum.

        Außerdem begründen weder Sie noch Ihre Verwandten, warum Sie und sie gegen die Todesstrafe sind. Müssen sie und Sie auch nicht.

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        Danke für den Gedanken bezüglich des Vergleichs der Fälle Jesus-Stephanus. Das habe ich mir so noch nie bewusst gemacht.

        Wobei m. E. einzuwenden wäre: Es handelt sich nicht um einen Widerspruch. Selbst wenn der Sanhedrin selbst Todesurteile vollstrecken durfte (was ich weder bestätigen noch verneinen kann; mir fehlt das Wissen), konnte der Umweg über die römischen Strukturen politisch nützlich sein. Dass Besatzungsmacht und religiöse Autorität sich die Verantwortung für den Mord am Anführer einer Bewegung gegenseitig zuspielen wollen, während die Tötung eines seiner Anhänger nach dem Abflachen der Bewegung als überschaubares Risiko erscheint, kommt mir nicht unplausibel vor.

        Aber wie Sie richtig sagen: Das ist ohnehin Religion, nicht Tagespolitik.

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        Lieber Matt Sand, es sind natürlich Spekulationen. Aber die Evangelien sind in manchen Punkten erstaunlich detailliert, was nahelegt, dass sie auf Ereignisse anspielen, die den Zeitgenossen bekannt waren. So wurde das Vergehen des Jesus von Nazareth am Kreuz proklamiert: INRI – Iesus Nasarenus Rex Iudaeorum. Er habe sich als „König der Juden“ ausgegeben, also als den erwarteten Messias. Er wurde also nicht als Häretiker, sondern als Unruhestifter hingerichtet. Dass das auch im Sinne der Hohenpriester war, steht auf einem anderen Blatt. Später hat Matthäus die Römer zu exkulpieren versucht, indem er – ausgerechnet! – den als korrupten Bluthund bekannten Statthalter Pontius Pilatus die Unschuld des Nazareners bezeugen ließ.

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      Vom theologischen Standpunkt, lieber Hans, möchte ich sagen: Schon das Wort Jesu in der Bergpredigt, wonach bis zum Ende nicht ein Strich des Gesetzes vergehen werde und dass auch nicht eines der kleinsten Gebote aufzuheben sei, lässt sich durchaus als Bestätigung der alttestamentlichen Todesstrafe lesen.

      Einigermaßen verwundert lese ich als Christ folglich auch immer wieder die Empörung von Mitchristen über solche Deutungen (oder die absurde Behauptung, sie seien gar nicht möglich); oder setzt die von Jesus immer wieder angekündigte und für gerecht erklärte Zerstörung Jerusalems, die ja wohl durch bewaffnete Soldaten erfolgte, nicht voraus, dass es durchaus dem Willen und Plan Gottes entsprechen kann, dass Menschen getötet werden? Und zwar nicht in einem jenseitigen Sinn – in der Hölle. Ganz so einfach ist es also nicht. Auch wenn man dergleichen sicher unter Rückgriff auf andere Stellen entschärfen kann, was ich selbst auch immer wieder tue.

      Das Neue Testament hat für Menschen des 21. Jahrhunderts den bequemen Zug, dass es vollständig auf Menschen zurückgeht, die sich gar nicht in der Situation befanden, Staat machen zu müssen, und für die sich die Frage nach der Berechtigung der Todesstrafe folglich nur begrenzt stellte. Einer völligen Abwesenheit einer Meinung kommt das trotzdem nicht gleich.

      Und ja, eine Vorgeschichte, die gibt’s immer.

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        … ich meine; wer glaubt das das Morden von Menschen, dem Ebenbild Gottes, einschließlich seiner Würde, Vernunft, Moral und Beziehungsfähigkeit, ohne Konsequenzen bleibt, der irrt.

        Gegner der Todesstrafe meinen Mörder sind auch ein Ebenbild Gottes. Ist das so? Ich denke an 2. Mose 20,13. Das sollten selbst ‚Sekulare‘ hinbekommen.

        … aaaber wie geschrieben; eine Antwort ist schwierig. Allein der Missbrauch der Todesstrafe in der Historie macht die Beantwortung schwierig … für mich auch.

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        glaubt, dass … meinen, Mörder seien … Säkulare. Vielleicht einfach länger nachdenken und dann auch Rechtschreibung und Grammatik überprüfen. Die deutsche Sprache hat Besseres verdient als das, was viele Rechte ihr antun.

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        Alan Posener
        10. April 2026 um 14:23 Autor

        … ich merke, wie genussvoll Sie Rechtschreibefehler anderer hervorheben. Ich gönne es Ihnen. Gerade weil allein Sie hier korrigieren können. Auch sich selbst. 😉

        Und ‚was viele Rechte‘ … gääähn, ich sehe mich Richtung Norden und immer geradeaus. Wie oft noch?

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        Netzfund

        Zum Rechtschreibfehler: Es ist schön zu sehen, dass sich jetzt auch die Linken um Deutschland sorgen. Fehler passieren im Eifer des Gefechts – und leider auch solche, die nicht passieren dürfen. Sorgfalt ist schließlich auch eine deutsche Tugend. Aber wenn das alles ist, was der Gegner gegen uns ins Feld führt, dann haben wir wirklich keinen Grund zur Sorge. Eure Häme sei euch gegönnt, liebe Linke. Wir gewinnen trotzdem.

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        Das ist Ihr Problem, hans. Sie betrachten Diskussionen als „Gefechte“, bei denen Sie „Eifer“ an den Tag legen, weil sie „gewinnen“ wollen. Das sind totalitäre Denkweisen, Relikte Ihrer DDR-Sozialisierung, die Sie daran hindern, einfach in einen Meinungsaustausch mit anderen zu treten. Das ist der Grund, weshalb ich viele Ihrer Kommentare lösche. Hier herrscht Meinungsfreiheit. Nicht Freiheit für Eiferer, die nur „gewinnen“ wollen.

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        Dem „Hans“, einem ehemaligen politischen Gefangenen aus Cottbus eine „totalitäre DDR-Sozialisation“ vorzuwerfen, …

        … lieber APO,

        …. das ist, wie wenn man Ihrem in Theresienstadt verreckten Onkel eine „NS-Sozoalisation“ vorwerfen würde.

        Man muss viel Mao Tse Tung dafür gelesen haben.

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        Lieber Bodo Walther, Sie zitieren zuverlässig ein falsches Beispiel. Mein Großonkel – nicht Onkel – Alfred galt in der Familie als nicht ganz zurechnungsfähig. Von ihm ist überliefert, dass er in den Anfangsjahren des Regimes durch Berlin-Lichterfelde radelnd alle mit einem fröhlichen „Heil Hitler!“ grüßte. Sie hätten aber auch meinen Vater zitieren können, über den der Hausmeister seiner Wohnung in der Potsdamer Straße der Gestapo sagte: „Sie, wäre der nich Jude, der wär’n besserer Nazi wie Sie!“ Worauf der Gestapo-Mann sagte: „Dazu jehört nich viel.“
        Wer aber Arthur Koestlers „Sonnenfinsternis“ oder Erich Loests „Durch die Erde ein Riss“ gelesen hat, der weiß auch, dass in den Gefängnissen der totalitären Regimes nicht nur Leute einsaßen, die prinzipiell nicht einverstanden waren mit dem System. Es sind eben nicht alle frei, die ihrer Ketten spotten, und wer einsaß, hat Anspruch auf Respekt und Rente, aber nicht auf Unfehlbarkeit und Freiheit von Kritik. „Hans“ benimmt sich hier wie ein typisch besserwisserischer, ungehobelter, im Schwarzweißdenken befangener Ex-DDRler und Höcke-Fan, und wenn er partout auf diese Weise den Respekt verspielen will, der ihm wegen seiner Verfolgung gebührt, ist das seine Sache. Ähnliches gilt auch für Sie.

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        Lieber Alan Posener,

        nein, wer in den DDR-Gefängnissen einsaß, hat daraus keinen „Anspruch auf eine Rente“. Der Einigungsvertrag sah nicht mal vor, dass alle, die in DDR-Gefängnissen einsassen, unverzüglich zu entlassen seien. Vielmehr war das DDR-Urteil weiterhin zu vollstrecken (Regel), es sei denn es wird aufgehoben (Ausnahme).

        Weil es eben so ist, wie sie andeuten: Nicht alle, nur etwa 5 bis 7 Prozent aller DDR-Gefangenen waren aus Gründen politischer Verfolgung eingesperrt.

        Es ist ein böses Ding, dass die heutige „Aufarbeitung der SED-Diktatur“ unter Verweis auf die harten Haftbedingungen das alles zu einem ununterscheidbaren Brei verrührt.

        Ines Geipels schreibt in dem Buch, zu dem ich hier schrieb…
        https://starke-meinungen.de/blog/2026/04/11/muss-man-das-lesen-landschaft-ohne-zeugen/
        … dass die DDR nicht des Unrechts gedachte, das den mit dem Asozialen-Erlass Himmlers Eingefangenen gedachte. Sie nicht mit einer VVN-Rente bedachte.

        Nun, das tat auch der Westen nicht. Bis 2020, als die Personengruppe weitestgehend verstorben war.
        https://arolsen-archives.org/news/als-asozial-verfolgt-und-verleumdet/

        Und auch das hat ja seine zeitgeschichtlichen Gründe. Ihr Großonkel Alfred war bei aller Schrulligkeit eben kein „Arbeitsscheuer“.

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        Mein Großonkel Alfred war der Notwendigkeit des Arbeitens enthoben. Wie alle Oppenheim-Kinder, darunter meine Großmutter, war er mit einer üppigen Rente aus dem Familienvermögen versehen, das die Nazis dann dem deutschen Volke zukommen ließen (und das nach 45 bei den Kapitalisten arisiert und bei den Kommunisten vergesellschaftet blieb). Aber Sie haben natürlich mit Ihren Feststellungen Recht. Was ich sagen wollte, ist: Die Sozialisierung ist ein hartnäckig Ding. Man kann dem System, in dem man erzogen wurde, noch so kritisch gegenüberstehen; das heißt nicht, dass man von ihm nicht geprägt worden wäre. Sie unterstellen mir ja wiederholt, von meinen sieben maoistischen Jahren geprägt worden zu sein – ein Vorwurf,. mit dem ich mich hier auseinandergesetzt habe:
        https://starke-meinungen.de/blog/2013/06/25/was-ich-der-kpd-verdanke-1/
        Wichtiger würde ich die Prägung durch die sieben Jahre Reformschule betrachten, der ich auch äußerst kritisch gegenüberstand; und natürlich davor durch das Leben als Kind eines Kolonialbeamten in Kuala Lumpur.
        Was ich bei Erich Loest und Arthur Koestler sehr groß finde, ist ja gerade, dass ihre Protagonisten zwar im Gefängnis leiden und ihre eigenen Fehler reflektieren, aber eben nicht grundsätzlich von ihren Prägungen loskommen. Dem Leser bleibt die Freiheit, eigene und andere Schlüsse zu ziehen. Das Martyrium Rubaschows macht die Gedanken, die seinen Kopf erfüllen, während er auf seine Henker warten, nicht per se richtig.

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        Die Vorstellung, dass das Martyrium die Menschenseele veredle, lieber Alan Posener,

        ist tatsächlich lange wirksam gewesen, ist sie vielleicht heute noch. Die Theologie Thomas Müntzers besteht im Kern in der Annahme, dass die Erfahrung von Leid den Menschen Christus näher bringe. Und damit der Erlösung.

        Die Kommunisten haben dies auf ihrem Märtyrerfriedhof, der „Gedenkstätte der Sozialisten“ in Friedrichsfelde sehr wirksam säkularisiert.
        https://de.wikipedia.org/wiki/Gedenkst%C3%A4tte_der_Sozialisten

        Mit dazugehöriger Prozession. An einem, nach kirchlichem Vorbild „beweglichen Feiertag“. Immer am 2. Sonntag im Januar.

        Wenn ich mal Lust habe, schreibe ich vielleicht mal einen Blogbeitrag dazu.

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        Ja, das wäre interessant. Die Märtyrer sollten aber nach christlichem und kommunistischem (und nationalsozialistischem: Horst Wessel) Verständnis nicht ihre Seele veredeln, sondern als Blutzeugen andere Seelen für Jesus, Karl Marx oder Adolf Hitler gewinnen.
        Zwar heißt es in der Bergpredigt: „Selig, die verfolgt werden – um der Gerechtigkeit willen“; aber das ist nicht das Gleiche. Es sind nicht Blutzeugen, sondern es sind Menschen, die Gutes tun und darum verfolgt werden.
        Ich bewundere jeden und jede, der oder die Opfer bringt, auch für eine falsche Sache. Oder vielmehr: ich bewundere eben die Opferbereitschaft. Nicht unbedingt den Menschen. Denn das Opfer macht die falsche Sache nicht richtig und denjenigen, der Opfer bringt, nicht unbedingt zu einem guten Menschen, dessen Urteil Gewicht haben sollte. Aber da sind wir uns wohl einig. In Bezug auf unseren gemeinsamen Bekannten heißt das: Bloß weil er verfolgt wurde, heißt das nicht, dass sein Blödsinn kein Blödsinn ist.

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        APo: ‚Man kann dem System, in dem man erzogen wurde, noch so kritisch gegenüberstehen; das heißt nicht, dass man von ihm nicht geprägt worden wäre.‘

        … das ist falsch. Wenn dem so wäre gäbe es keinen gesellschaftspolitischen Machtwechsel. Ihre Behauptung begründet allein den Widerstand. Gott sei Dank.

        … und wenn Sie schreiben ‚Viele Ossis, vornehmlich aus der herrschenden Schicht, haben erstaunlich schnell begriffen, wie sie auch unter den neuen Bedingungen Karriere machen konnten.‘ … dann wissen Sie auch wie Sozialismus, auch der von ’33 – ’45, funktioniert. Ideologie ist eben nicht geografisch oder ethnisch begründet. Wer das behauptet, ist ein Rassist.

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        Niemand behauptet, dass Ideologie geografisch oder ethnisch begründet wird, hans, und wenn Sie noch so oft unterstellen, das würde ich tun. Mit „Ossis“ meine ich Menschen, die in einem System großgeworden sind, das von 1933 bis 1989 durchgehend eine Diktatur war, in der ein engstirniger Kollektivismus gepredigt wurde; und wo das Christentum gründlicher ausgemerzt wurde als sonst irgendwo in Europa, was vermutlich auch mit Luther und den Folgen zu tun hat, also weit zurückreicht. Ich rede, kurzum, von historischen, kulturellen und politischen Prägungen, die nicht einfach verschwinden, wenn ein Land von einem Tag zum nächsten das politische System wechselt.
        Was das Zitat von mir angeht, so machen Sie bezeichnenderweise aus einer negativen eine positive Aussage. Ich sage: Auch ein Republikflüchtiger kann viel von der Republik mitgenommen haben, aus der er geflüchtet ist. Und ich kenne da einige. Das heißt nicht, dass ich nicht den Mut der Republikflüchtigen bewundere.
        Was den „Machtwechsel“ angeht, so weiß ich nicht, was Sie damit meinen. Wird die AfD, wenn sie in Deutschland eine Mehrheit hat, die Machtverhältnisse ändern? Oder nur ein Teil des Führungspersonals auswechseln? Wie man an Polen und Ungarn sieht, heißt das noch lange nicht, dass damit Grundlegendes verändert worden wäre.

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        „Die Märtyrer sollten aber nach christlichem und kommunistischem (und nationalsozialistischem: Horst Wessel) Verständnis nicht ihre Seele veredeln, sondern als Blutzeugen andere Seelen für Jesus, Karl Marx oder Adolf Hitler gewinnen.“

        Jein, Alan Posener,

        noch mein (Ex-)Schwiegervater berichtete mir mit verzücktem Gesicht, dass er die „Resl von Konnersreuth“ leibhaftig gesehen habe.
        https://de.wikipedia.org/wiki/Therese_Neumann#Stigmata

        Diese Heiligkeit! Dass da jemand mit den Wundmalen Christi „ausgezeichnet“ war!

        Meine Lieblingsketzer, die Katharer deuteten im Mittelalter alle Verfolgung als Auszeichnung.

        Übrigens auch die Zeugen Jehovas. Als ich 1981/82 in Brandenburg war, traf ich zwei von ihnen. Wehrdienstverweigerung. Totalverweigerung. Auch nicht Bausoldat.

        Beeindruckend für mich war nicht, dass sie dafür die „üblichen“ 2 Jahre Haft auf sich nahmen. Beeindruckend für mich war, mit welcher HEITERKEIT sie das alles trugen. „Posttraumatische Belastungsstörungen“ infolge von Haft? Habe aus diesem Personenkreis noch nie was davon gehört. Die waren völlig im Einklang mit ihrem Schicksal.

        Weil ihr Jehova das so sieht? Na ja, vor allem, weil sie in einer Gemeinde lebten, die das als Gesamtheit so sah: Bringt alles näher rein in Jehovas Königreich.

        Ab 1983 (!) zog die DDR Zeugen Jehovas nicht mehr zum Wehrdienst ein. Die Kommunisten hatten sich an ihnen DIE ZÄHNE AUSGEBISSEN.

        Übrigens hat der Psychologe für so was auch einen Namen: „Selbsvictimisierung“. Die Lehre der Selbsvictimisierung heißt:

        „Die Welt ist böse, ich bin gut. Deshalb werde ich immer verfolgt werden, weil ich so gut bin und die Welt so böse!“

        Gibt es, wie gesagt, auch als Religion und es hatte auch mal in der alten Kirche Platz. Origenes lehrte so was, habe ich mir von einem Kirchengeschichtler sagen lassen.

      15. avatar

        In Konnersreuth war ich auch, auch im Haus der Therese, und habe mir ernsthaft überlegt, ein Buch darüber zu schreiben. Sozusagen ein Gegenstück zu Luise Rinser. Hab’s aber dann gelassen. Wenn sie mehr über die Zeugen Jehovas in der DDR erfahren wollen, müssten Sie mit Marko Martin reden. Vielleicht ist es kein Zufall, dass er, aus einer solchen Gemeinde und Familie stammend, außer dem leicht sächsischen Akzent so gar nichts „Ossimäßiges“ an sich hat. („Ossimäßig“ ist hier nicht geographisch gemeint, wie wir wissen, sondern bezeichnet einen bestimmten Typus, sozusagen das Spiegelbild des „Besserwessi“. Wir hatten das schon.)

  4. avatar

    Ja. Auch die Israelis können moralische Zweifel haben und entsprechende Debatten führen. Ohne Hilfe aus Europa. Daß aber eine Radikalisierung in Israel (auch mit Gründen) stattfindet, kann man aber aufgrund der Vorkommnisse und Übergriffe der Siedler z.B. im Westjordanland schon feststellen. Inwieweit ausländische Pro- oder Contra- Israel -Aktivisten damit Innenpolitik bzw. Stimmung in ihren jeweiligen Ländern machen wollen, versuche ich stets, von den Meinungsäußerungen über Israel zu subtrahieren. Überhaupt scheint mir die Beschäftigung mit Außenpolitik ohne etwas Kenntnis und Verbindungen zu den betreffenden Ländern nicht besonders gewinnbringend zu sein.

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