

So, ihr Lappen, jetzt gibt’s vom alten Papa aber so richtig eins auf die zwölf: Mal abgesehen davon, dass die Farbe total scheiße lesbar ist, dass ihr noch dazu die Schmiererei hingekrakelt habt (das B bei „es lebe“ ist echt eine Zumutung), habt ihr auch noch ein denkmalgeschütztes Gebäude verhunzt.
Übrigens ein Gebäude, das aus dem Schutt des Zweiten Weltkriegs erbaut wurde. Und weil ihr von Geschichte wahrscheinlich genau null Ahnung habt: Geht einfach mal in den Volkspark Friedrichshain, 500 m weiter, da gibt es den sogenannten Monte Klamotte – sieht aus wie ein Hügel, ist aber keiner, ist nämlich auch alles Schutt aus dem Zweiten Weltkrieg. Zurück zu dieser sozialistischen Prachtallee, die (übrigens völlig zu Recht) Europas längstes, zusammenhängendes Baudenkmal ist und die als am weitesten westlich gebaute Paradestraße im „sozialistischen Klassizismus“ gilt:
Hier haben am 17. Juni 1953 die Werktätigen gegen den beschissenen Sozialismus der DDR protestiert. Also die Leute, die diese Straße gebaut haben, an der ihr jetzt postuliert: „Es lebe der Sozialismus.“ Die hätten euch, und auch das mit Recht, rechts und links eine geschallert.
Und was soll in Gottes Namen der Davidstern im O von Sozialismus? Okay, dämliche Frage. Antisemitismus ist ja links außen gerade total en vogue. Ich hab euch vorm geistigen Auge: Da krabbelt ihr aus irgendeiner versifften WG, mit ’ner Kufiya um den Hals gewürgt, haltet euch moralisch und intellektuell für die Speerspitze der Welt und taumelt unter dem Absingen der Internationale an den Strausberger Platz. Der Davidstern ist natürlich nur Israelkritik – ihr seid ja keine Antisemiten. Gott bewahre. Im Zweifel erklärt ihr, dass die Juden ja nicht exklusiv Semiten sind, dass Semiten ja ganz viele Ethnien umfassen. Und wenn ihr „from the river to the sea“ grölt, dann wisst ihr maximal, von welcher See die Rede ist. Auf die Frage nach dem Fluss käme wahrscheinlich nur noch ein Stammeln. Eure selektive Empathie könnt ihr euch direkt in die Haare schmieren – anständige Menschen (Gottes willen, was für eine antiquierte Formulierung) fühlen mit allen Opfern, egal, was für eine Religion oder Nationalität sie haben. Eurer Hybris tut das natürlich keinen Abbruch. Ihr seid die Geilsten. Judenfreier Sozialismus. Mega. Vor der Tür, vorm Strausberger Platz 1, gibt es immerhin einen Stolperstein. Eure Kollegen 33 haben direkt um die Ecke schon mal vorgelegt. Kollegen? Yep. Schon damals. Von Gulag über Progrome – „Den Sozialismus in seinem Lauf, hält weder Ochs noch Esel auf.“
Wie, mit den Nazis heute habt ihr nichts zu tun? Das sehen die aber ganz anders: Nationalsozialisten waren Sozialisten – güllt es durch die braune Szene. Jetzt seid nicht zickig. Nehmt das doch als Angebot, um gemeinsame Sache zu machen. Bei den Juden seid ihr ja schon mal einer Meinung. Und dass der böse Westen über eine hergeschwurbelte NATO-Erweiterung Russland so in die Ecke drängt, dass Russland sich verteidigen muss, damit es überhaupt noch überleben kann – auch da werdet ihr schon auf einen gemeinsamen Nenner kommen. Klappt ja in der realen Politik schon ganz gut. Die Herrenreiterin Wagenknecht kuschelt sich von links an die lesbische nicht-queere Weidel nach rechts.
Immerhin wart ihr bei der Auswahl eurer Schmierereien ja schon sehr zielgerichtet: Zweiter-Weltkriegs-Schutt, von erzwungenen Sozialisten als Gebäude in Form gebracht, die lieber heute als morgen den Sozialismus in die Tonne getreten hätten. Es geht doch nix über knackige Autokratien. Ihr denkt ernsthaft, ihr seid gegen das „System“ und in dem System, dass ihr wollt seid ihr natürlich unter den Gewinnenden. Am Arsch die Mücken! In dem System, dass ihr wollt gibt es keine Gewinner. Ausser ein paar Nasen an der Spitzen.
Bon-Bon: Ihr schmiert an eine Gebäude an einer Wiese, an der im März 1540 die Stadt 39 Juden verbrannt hat. Geiles Umfeld für so richtig aufrechte Menschen im Kampf für Gerechtigkeit und Frieden.
Ich habe mir alle Mühe gegeben, meine tiefe, tiefe Verachtung für euch in Worte zu fassen. Ich hoffe, es ist mir gelungen.