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12 Thesen gegen die Irankrieg-Kritiker

Kampfflugzeuge der US-israelischen Verbündeten über Iran. Quelle: Wikipedia

„Israel und die USA haben ihren völkerrechtswidrigen Krieg schon verloren“, „Die Ziele sind völlig unklar“, „Sie werden sie nie erreichen“, „Das nächste Vietnam“: Die Sessel-Strategen und Social-Media-Militärexperten überbieten sich mal wieder. Was aber, wenn sie alle komplett daneben liegen?

„Krieg ist Scheiße“, pflegte Altkanzler Helmut Schmidt zu sagen. Er wusste, wovon er sprach. Schließlich hatte er am Vernichtungskrieg von „Adolf Nazi“ mitgewirkt und war später Verteidigungsminister, als die Bundeswehr im Kalten Krieg gegen die Rote und die DDR-Volksarmee stand. Er sagte allerdings auch: „Manchmal muss man Kriege führen. Aber dann muss man wissen, was man erreichen will und ob man es erreichen kann. Und wie man aus dem Krieg wieder rauskommt.“

Meine Wette: Israel und die USA wissen das alles vielleicht nicht genau, aber ziemlich genau. Deshalb – als militärischer Laie und ehemaliger Kriegsdienstverweigerer – zwölf Thesen gegen die wilden Behauptungen der angeblichen Besserwisser, Defätisten, selbsternannten Experten, Mullahfreunde und unverbesserlichen Pazifisten auch in den Reihen der Politiker und Parteien:

1. Der Krieg gegen die Islamische Republik läuft durchaus nach Plan, auch wenn die beiden kriegsführenden Regierungen ihn selbstredend nicht offenbaren, um den Gegner nicht einzuweihen und hm Möglichkeiten zur Abwehr zu geben: Der Führer und Oberbefehlshaber Khamenei wurde in den ersten Minuten der Militäroperation ausgeschaltet, jetzt auch sein Ersatzmann Laridschani, Chef des Sicherheitsrats und starker Mann des verbliebenen Regimes. Daneben zahlreiche andere militärische und politische Führer. Mit einer unfassbaren Präzision dank jahrelanger Vorbereitung der israelischen Aufklärung und Spionage.

2. Der angebliche neue Führer Khamenei junior wurde bisher nicht gesehen, vielleicht gibt es auch ihn gar nicht mehr oder er kann nicht führen, weil er schwer verwundet wurde bei dem Schlag gegen seinen Vater. Es mag weitere Ersatzleute geben, aber das Regime zerbröckelt. Die Basidsch-Milizionäre, die Bluthunde des Regimes, die im Januar auf Geheiß des obersten Führers die Protestierenden niedermetzelten, laufen in Scharen davon, seit die iraelische Armee begonnen hat, auch ihre Kontollposten und Kasernen zu bombardieren. Ihr Befehlshaber Soleimani wurde zusammen mit Laridschani beseitigt. Damit bricht die Basis des Unterdrückungsapparats weg.

3. Viele der iranischen Raketen, Raketenstellungen und Rüstungsanlagen wurden bereits zerstört. Das iranische Regime setzt zwar seinen Beschuss Israels und der Golfstaaten fort, aber mit abnehmender Intensität, weil ihm offensichtlich die Raketen und Drohnen ausgehen. Je länger der Krieg dauert, desto deutlicher wird sich das zeigen.

4. Der Iran hat keine Luftabwehr und keine Kriegsmarine mehr. Die Überlegenheit in der Luft und zu Wasser ist in jedem konventionellen Krieg die Voraussetzung für einen Sieg. Daran ändert nichts, dass das Regime immer noch über viele Drohnen verfügt. Die können zwar Schäden anrichten und Menschen töten, aber nicht den Krieg entscheiden.

5. Durch die Sperrung der Straße von Hormus hat das Regime auch die eigenen Öl- und Gasexporte blockiert und sich die wichtigste Einnahemquelle genommen. Die USA haben zudem Förder- und Verladeanlagen und Israel Öllager zerstört.

Breite Front gegen die Mullahs – ohne die Europäer

6. Mit seinen wahllosen Angriffen auf die Golfstaaten und selbst die Türkei und Aserbaidschan hat das iranische Regime die Front gegen sich gestärkt und sich vollständig isoliert. Der enge Verbündete Russland kann zwar Zielinformationen liefern, aber wegen seiner eigenen großen Schwierigkeiten und Mängel im Krieg gegen die Ukraine keine Waffenhilfe leisten. Es ist daher nur eine Frage der Zeit, bis dem Regime militärisch die Luft ausgeht.

7. Die iranische Bevölkerung steht in großer Mehrheit an der Seite Israels und der USA, die sie als Befreier betrachten. Wann hat es das je gegeben, dass Millionen die Bombenangriffe der angeblichen Feinde und den Tod ihrer Führer bejubeln? In Nazi-Deutschland jedenfalls nicht.

8. Die Hisbollah hat als verlängerter Arm des Mullah-Regimes eine weitere Front gegen Israel eröffnet und die israelische Armee dadurch gezwungen, auch ihre Stellungen im Südlibanon und in Beirut zu bombardieren und eine Bodenoffensive zu starten. Israel hat jedoch nach dem Terrornngriff der Hamas bewiesen, dass es einen Mehrfrontenkrieg erfolgreich führen kann. Die USA sowieso.

9. Die sunnitischen arabischen Staaten unterstützen nach den iranischen Angriffen die Operation gegen das ihnen verhasste schiitischen Regime in Teheran, Rivale Saudi-Arabiens im Ringen um die Vorherrschaft im Nahen Osten. Selbst nun das ebenfalls schiitische Katar, das bisher die Führung der Hamas beherbergte und sie finanzierte, sie aber nun auswies.

10. Die Hamas, durch die israelische Offensive in Gaza ohnehin dezimiert, fällt damit als Unterstützer aus. Die Huthis verhalten sich ebenfalls auffallend ruhig. Womöglich, weil sie keine Direktiven und keine Raketenlieferungen mehr aus Teheran erhalten.

11. Deutschland und die übrigen europäischen Staaten spielen wie schon während des Gazakriegs keine Rolle. Kanzler Merz, Frankreichs Präsident Macron und der britische Premier Starmer mögen ihren Protest zu Protokoll geben. Aber das beeindruckt weder die USA noch Israel. Sie sind nicht auf europäische Hilfe angewiesen. Sie können den Krieg alleine führen.

12. Wenn jedoch Trump als Reaktion auf die Weigerung der übrigen Nato-Staaten, sich an der Sicherung der Schifffahrt durch die Meerenge von Hormus zu beteiligen, wie er nun erneut droht aus dem Bündnis austritt, hätten sie mit Zitronen gehandelt. Die USA würden dann wahrscheinlich selbst gegen europäisches Cash keine Waffen und keine Feindaufklärung mehr an die Ukraine liefern. Auch weil sie ihre Abwehrwaffen am Golf verbrauchen. Deutschland und die anderen Staaten müssten entweder entsprechend mehr liefern, wozu sie mangels ausreichender Rüstungsbetriebe und eigener Bestände kaum in der Lage sind. Oder zusehen, wie die Ukraine als Folge ihre Neins zum Irankrieg ihren Verteidigungskrieg verliert. Und sie selbst zu nächsten Ziel Putins werden.

Und das alles, weil die Europäer Trump und Netanjahu zutiefst misstrauen und viele in ihnen, nicht den Mullahs die Schurken sehen, obwohl die seit 47 Jahren Terror und Krieg verbreiten, auch Europa bedrohten und die eigene Bevölkerung auf brutalste Weise unterdrückten. Mehr gegen seine eigenen Interessen und Werte handeln kann man nicht.

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8 Gedanken zu “12 Thesen gegen die Irankrieg-Kritiker;”

  1. avatar

    Europa handelt schon massiv gegen seine eigenen Interessen, indem es die Ukraine massiv gegen den Agressor Russland unterstützt und damit dessen – völkerrechtswidrigen – Angriffskrieg verlängert. Insofern wäre es ein Fortschritt, würde das in Ihrer These 12 Prognostizierte Realität.

    Von „Werten“ wollen wir dabei bitte aber nicht mehr reden, Herr Greven. Die gelten nicht und galten nie.

    Nun soll Deutschland auch in den ebenso völkerrechtswidrigen Angriffskrieg der USA und Israels gegen den Iran eintreten – nichts anderes bedeutet eine Beteiligung an der Sicherung Öl – Seewegs: Ein „robustes Manadat“.

    Für einen „militärischen Laien und Kriegsdienstverweigerer“ hängen sich Sie sich ziemlich weit aus dem Fenster, Herr Greven. Wenn aber Stammtischstrategen in Deutschland auf „Defätisten“ und „unverbesserliche Pazifisten“ – oder „Lumpenpazifisten“ – schimpfen, beschleicht mich ein etwas mulmiges Gefühl. Von Leuten wie Ihnen möchte ich nicht regiert werden.

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      „Von „Werten“ wollen wir dabei bitte aber nicht mehr reden, Herr Greven. Die gelten nicht und galten nie.“ Sehe ich ganz genauso. Aber das gilt auch für das vermeintliche Interesse des Landes, das ‚unsere‘ gewählten Akteure zu vertreten vorgeben: Z.B. wenn Friedrich Merz sich mit Donald Trump aus rein innenpolitischem Kalkül überwirft. Leider hat Träumer- und Träumer*innen-Deutschland noch nicht begriffen, daß es kein anderes Land (und auch nicht das Völkerrecht) gibt, das unsere Interessen vertritt und während ein kluger aber allseits hier geschmähter Viktor Orban für seine Bevölkerung versucht, das beste herauszuholen, indem er zwischen Ukraine, Russland, der EU und den USA laviert, rutscht D mit seinem bräsigen und bequemen Mitte-Idealismus-Populismus (‚Atom‘-, Kohle-, Gas-, Wehrpflicht-Aus) immer weiter in Richtung multiple Altersdemenz. Und da muss ich wohl auch einräumen: DAS ist nicht ‚die Politik‘ schuld. Niemand im Land, der CDU, SPD, ‚Grüne‘ (leider auch AfD) gewählt hat, wird sich ernsthaft darüber beklagen können, wenn entweder das mafiöse Russland oder die die ebenso mafiöse Ukraine unsere digital gesteuerte Infrastruktur nach Belieben an- und abschaltet und in der Folge US-Strategen ein digitales Protektorat hier einrichten. Der Fehler ist selbstgestrickt und Pazifismus ist zwar verständlich, aber nach dem idealistischen Desaster der letzten 15 Jahre keine Lösung mehr.. (Aber wir haben ja ‚Experten‘ wie Masala..)

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      Keine Sorge, ich werde weder Sie noch dieses Land regieren. Nehme mir jedoch die Freiheit, meine fundierte Ansicht zu äußern. Und ich rede nicht von Werten. In Kriegen geht es nie um Werte, sondern um Interessen. Das sehr verständliche Interesse Israels ist, nicht vom iranischen Regime mit Atombomben vernichtet zu werden. Unser Interesse als Deutsche und Europäer sollte sein, die islamistische Bedrohung, die vom Iran seit 1979 ausgeht, zu bekämpfen und als große Exportnation Handelswege zu sichern. Worum es Trump geht, weiß er wahrscheinlich selbst nicht. Spielt aber keine Rolle. Eine Welt ohne die Mullahs wäre eine bessere. Deutschland flezt sich aber wie immer in den Lehnstuhl und lässt andere die „Drecksarbeit“ (Merz) machen.

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        L.Greven:
        „Und ich rede nicht von Werten.“
        Ich bezog mich auf folgendes:
        „Mehr gegen seine eigenen Interessen und Werte handeln kann man nicht.“ Zitat oben in ihrem Beitrag.
        Und nein, ich bin explizit anderer Meinung als Sie in der Hinsicht, dass durch diesen Krieg die islamistische Bedrohung von Iran oder sonstwem eigedämmt werden kann. Das funktionierte nicht im Irak, nicht in Afghanistan, nicht in Syrien. Der Terror nährt neuen Terror – bald streiten wir uns wieder über die nächste „Flüchtlingswelle“.
        Keine Sorge, Herr Greven, „wir“ erledigen genug „Drecksarbeit“. Ehrenvolle „Drecksarbeit“, mit Flüchtlingen z.B.. Die kostet ja auch. Die muss ja auch wer machen, oder?
        Und das meine ich nicht ironisch.

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        Mit den Werten meinte ich die Menschenrechte, die das iranische Regime seit 1979 mit Stiefeln tritt. Kriege schaffen keine Demokratie. Aber sie können – siehe 1945 in Deutschland – die Voraussetzungen dafür schaffen, indem sie ein Gewaltregime beseitigen. Ziel Israels und der USA ist, wie ich geschrieben habe, nicht Regimechange. Aber sie ermöglichen ihn im Nebeneffekt. Hilfe für Geflüchtete ist keine „Drecksarbeit“, im Gegenteil. Ich mache das seit vielen Jahren. Viel wichtiger ist jedoch, die Ursachen zu beseitigen, damit Menschen nicht ihre Heimat verlassen müssen, wie in der Ukraine; wie im Iran seit dem islamischen Umsturz vor fast 50 Jahren.

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    Ganz interessant – weil ich mich gerade mit Satire beschäftige – die gestrige ZDF-„Anstalt“. Die im großen und Ganzen auf der selben Linie lag wie dieser Artikel und auch sehr kritisch ins Gericht ging mit Teilen der linken Mullah-Versteher. Ich bin allerdings auch nicht sicher, ob Trump irgendwelche klar definierten Kriegsziele hat. Der interessiert sich jedenfalls einen Scheiss für das iranische Volk. Dass Israel diesen Krieg aus guten Gründen führt und führen muss, d’accord. Aber was machen die Israelis, sollte das iranische Terror-Regime dann doch nicht zusammenbrechen? Gibt es für diesen Fall wirklich einen Plan?

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    Letztlich können wir alle nur spekulieren, aber daß Donald Trump die Gründe für seine Strategie nicht offen legt, darf wohl mit Gewissheit als klug gelten.
    Nach den Massakern an den Demonstranten im Iran (30000 Tote, wenn ich mich richtig erinnere), kann ich die Ablehnung des von Israel und den USA geführten Krieges nur psychologisch als schlechtes Gewissen deuten. In D übrigens in großer Harmonie von Friedrich Merz und großen Teilen der AfD. Innenpolitik.
    Nüchtern betrachtet schlägt Donald Trump mit dem auch bei seinen Wählern nicht beliebten Krieg viele Fliegen mit einer Klappe
    1) China
    2) komplette Arabische Halbinsel im westlichen Boot
    3) Sicherheit Israels
    4) militärische Leistungsschau, u.A. für Putin
    5) Europa abermals vorgeführt, mittelfristig gezwungen die Realität anzuerkennen, damit als strategischer Partner trainiert
    6) Sicherung der Handelswege
    7) Begrenzung der Verbreitung von Kernwaffen
    Das ist schon einiges an Kollateralnutzen.
    Habe ich schon erwähnt, daß ich Donald Trump für einen guten Präsidenten halte?

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