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Wikileaks ist unsere letzte Chance

Von Tom Buschardt, Medientrainer und Kommunikationsberater:

Wikileaks ist überflüssig – und doch unverzichtbar. Unsere deutsche Demokratie braucht Wikileaks – aber anders als wir es auf den ersten Blick meinen.

Wir müssen nicht wissen, welcher Mini-Guillaume aus dem Büro des Außenministers den Amerikanern in Echtzeit den Stand der Koalitionsverhandlungen zuschachert. Es ist  uninteressant, ob ein Botschafter die Kanzlerin für „wenig kreativ“ hält.

Aber Wikileaks ist unsere letzte Chancen, den Qualitätsjournalismus in Deutschland wieder auf das hohe Niveau der 70er und 80er Jahre zu heben. Nicht mit Hilfe von Wikileaks, aber davon inspiriert. Weiterlesen

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Heldenlied und Schurkenstück

Alles Wikileaks, oder was? Wir Medienmacher scheinen derzeit kaum ein anderes Thema zu kennen als die vermeintlichen (zuweilen sogar tatsächlichen) Enthüllungsgeschichten auf der von Julian Assange etablierten Internetplattform. Dank Abertausender, oft als „vertraulich“ klassifizierter Dokumente wird dem Leser ein kleiner Einblick in das heikle Geschäft der gehobenen Diplomatie gewährt. Es ist die Schlüsselloch-Perspektive, die fasziniert.

Dabei sind viele der Depeschen alles andere als spektakulär. Aber sie vermitteln den Eindruck, dass unsere Vorstellung von der Banalität der Politik hin und wieder offenkundig mit der Wirklichkeit kompatibel zu sein scheint: Hinter den Kulissen der Macht gibt es ein Hauen und Stechen. Weiterlesen

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Die FDP mutiert zur Gay Party: Der Liberalismus verkommt im Guido-Mobil zum Kasperltheater

Wenn die Engländer zur Zeit des Oscar Wilde ganz unbefangen von einer gay party sprachen, so war das eine heitere, eine fröhliche Zusammenkunft. Erst im Laufe der Zeit hat sich der Begriff zu einer Bezeichnung eines homosexuellen Lebensstils gewandelt. Und an einer heiteren Liberalität in allen Dingen des Lebens kann ich sehr viel Sympathisches finden in einem Land, das für seinen reaktionären Bierernst und seine Bigotterie berüchtigt war.

Jetzt aber lese ich, dass der von WikiLeaks enttarnte Spion Helmut Metzner (41) eine persönliche Website betrieb, in der er sich als „MunterMacherMetzner“ inszenierte und auf Facebook Comicfiguren vom „kleinen Maulwurf“ zur Verharmlosung seiner Agententätigkeit bemüht. Weiterlesen

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Ein großes Loch

Von Alexander Görlach, Herausgeber und Chefredakteur „The European“:

Es ist überhaupt nichts Besonderes, dass Dossiers und Notizen angefertigt werden. Von Politikern, Wirtschaftsbossen, Medienmenschen. So machen das Diplomaten eben. Und was stand schon aufregend Neues in den Depeschen des amerikanischen Botschafters in Deutschland? Dirk Niebel eine „schräge Wahl“, Horst Seehofer „unberechenbar“. Das hätte Phil Murphy aus der Zeitung abschreiben können, das hätten Hillary Clintons Beamte beim Lesen von The European oder anderen deutschen Qualitätsmedien auch erfahren können.

Vielleicht gibt es die arme FDP-Wurst am Ende gar nicht, die sich aus vermeintlichem Geltungsdrang heraus dem Vertreter der letzten Supermacht in unserem armen und gebeutelten Land ans Bein geworfen und anheischig gemacht hat. Vielleicht ist es der Geltungsdrang des Botschafters selbst? Weiterlesen

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Wikileaks: Deep Throat goes Internet

Was würde Mark Felt heute machen, der Informant, der Watergate ausgelöst hat? Sich wieder in zugigen Tiefgaragen mit Reportern treffen, um seine Insider-Informationen weiterzugeben? Ein heutiger Mark Felt würde seine CD einschieben und die Daten hochladen – zu Wikileaks.

Nun hat Felt damals eindeutig kriminelle Machenschaften enthüllt. Die derzeitige Depeschen-Affäre ist nur insofern illegal, als der Informant ein Dieb ist und Daten gestohlen hat. Das ist ein klarer und wichtiger Unterschied, der die Fälle juristisch trennt. Doch für die Zukunft des Whistleblowing, also des Offenlegens von Dingen, die jemand nicht öffentlich sehen will, ist die Richtung klar: Geheimnisverrat wird künftig über das Netz betrieben. Weiterlesen

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Der Wahrheit schmutziger Tod

Tot oder lebendig. So beängstigend einfach ist das, wenn in Afghanistan Jagd auf Top-Taliban gemacht wird. Task Force 373 heißt eine Eliteeinheit der US-Armee, die nur eine Aufgabe hat: die Führer der Feinde ausschalten.

Gezielte Tötung wird das gemeinhin genannt. Auf der Liste stehen Islamisten ebenso wie Drogenhändler, Bombenbastler und Al-Qaida-Terroristen. Und wer auch nur einen kleinen Teil der mehr als 90.000 Dokumente über den Einsatz am Hindukusch liest, die jetzt auf der Internetplattform WikiLeaks für alle zugänglich gemacht wurden, kommt um eine Erkenntnis nicht herum: Krieg ist und bleibt ein schmutziges, ja ein dreckiges Geschäft. Weiterlesen

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Moderner Faschismus – Heli Killing in Bagdad

Unglücklich und sicher nicht hilfreich“ – mit diesem zynischen Kommentar reagierte US-Verteidigungsminister Robert Gates auf die jetzt von „wikileaks“ veröffentlichten Filme über das „Heli-Killing“ von Bagdad.

Ohne Not und geradezu mit diebischer Freude am Töten wurden Zivilisten in Bagdad anno 2007 von US-Soldaten aus der Luft förmlich hingerichtet. Auch auf Helfer, die herbeieilten eröffneten die schießwütigen Yankees das Feuer: Gesamtbilanz mindestens zwölf Tote und zwei schwer verletzte Kinder. Der ganz Banale alltägliche Faschismus von Besatzungssoldaten im Irak. Weiterlesen

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