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Trump in der Iran-Falle

In die Enge getrieben: US-Präsident Donald Trump

Nach dem Scheitern der Verhandlungen mit dem iranischen Regime haben die USA und Israel nur die Wahl, den Krieg wieder aufzunehmen – mit noch verheerenderen Folgen für die Region, die Weltwirtschaft und sie selbst. Oder zu kapitulieren. Ein Triumph für die Mullahs und die Amerika- und Israelfeinde so oder so.

Wer erwartet hatte, dass sich die USA unter Führung von Vizepräsident Vance und Irans Führung bei ihren ersten direkten Gesprächen seit Jahrzehnten in Islamabad auf eine Lösung ihres uralten Konflikts einigen würden, gab sich einer Illusion hin. Die Positionen beider Seiten liegen viel zu weit auseinander: Die USA und Israel bestehen zurecht auf ein Ende des iranischen Atom- und Raketenprogramms und der Unterstützung für das iranische Terrornetzwerk. Trump verlangt zudem die sofortige Öffnung der Straße von Hormus. Das Mullah-Regime, im Hochgefühl, die wochenlangen Bombardierungen überlebt zu haben, lehnte das alles kategorisch ab.

Trump hat jetzt nur die Option, entweder neue Angriffe zu befehlen, sobald die US-Armee ihre Waffenbestände aufgefüllt hat, ggfs. auch mit Bodentruppen. Oder klein beizugeben. Das Erstere wäre mit gigantischen Risiken verbunden, auch für ihn selbst. Denn es hat sich gezeigt, dass der hochgerüstete islamische Gottesstaat selbst von der stärksten Militärmacht der Welt und der stärksten der Region nicht zu besiegen ist. Jedenfalls nicht aus der Luft. Allein bei der Befreiung eines abgeschossenen Piloten verloren die USA mehrere Kriegsflugzeuge und Hubschrauber.

Mit neuen, womöglich noch stärkeren Bombardements könnten die USA und Israel zwar weitere iranische Führer ausschalten und die Infrastruktur des Landes zerstören. Das würde das Regime aber wahrscheinlich auch nicht in die Knie zwingen, sondern ihm eher noch mehr Rückhalt bei seinen Anhängern verschaffen. Und den USA und Israel erst recht den dann berechtigten Vorwurf der Weltöffentlichkeit einbringen, das Völkerrecht zu zertrümmern und schwere Kriegsverbrechen zu begehen.

Ein endloser Krieg?

Wollte Trump Bodentruppen einsetzen, um beispielsweise die iranische Ölhalbinsel Kharg oder die tief im Landesinneren verbunkerten Atomanlagen zu erobern und/oder das Regime gewaltsam zu stürzen, müsste er erst ein riesiges Truppenkontigent zusammenziehen und liefe Gefahr, wie Bush im Irak die USA in einen jahrelangen selbstmörderischen Krieg mit hohen Verlusten auch auf US-Seite hineinzuziehen. Das exakte Gegenteil von dem, was er seinen Wählern versprochen hat. Die Rufe nach seiner Ablösung auch aus seinem MAGA-Lager würden noch lauter. Die Zwischenwahlen im Herbst würden mit einer katastrophalen Niederlage für ihn enden.

Für Israel und die Golfstaaten hieße es ein Wiederaufflammen des Kriegs, dass sie mit neuen iranischen Angriffen rechnen müssten. Denn das Regime verfügt trotz der massiven Zerstörungen offensichtlich immer noch über ein großes Arsenal an Drohnen und ballistischen Raketen. Sollte der Iran wie angedroht die Entsalzungsanlagen am Golf zerstören, würden die Glitzerstädte dort unbewohnbar. Und auch Israel konnte die iranischen Angriffe trotz seiner hochmodernen Systeme nicht alle abwehren.

Für die Weltwirtschaft, die schon jetzt massiv unter den Folgen des Kriegs leidet, wären die Schäden bei einer weiteren Blockade der Straße von Hormus unabsehbar. Nicht nur die Öl- und Gasvorräte gehen besonders in Asien und Afrika zur Neige, auch die an anderen Rohstoffen und beispielsweise Dünger. Die Benzinpreise und die weltweite Inflation würde explodieren, der Hunger zunehmen, ganze Industrien und Millionen an Arbeitsplätzen gerieten in Gefahr. Auch in den USA.

Folgen für die globale Ordnung

Klein beizugeben und einzugestehen, dass der von ihm ohne klare, erreichbare Ziele vom Zaun gebrochene Krieg ein schwerer Fehler war, widerspricht jedoch Trumps narzistischem Naturell. Deshalb liebäugelt er nun mit einer Seeblockade Irans. Die würde jedoch den Welthandel und die USA ebenfalls schwer treffen.

Auszuschließen ist allerdings nicht, dass Trump angesichts dieser Ausweglosigkeit den Krieg kurzerhand für beendet erklärt und sich neuen oder alten von ihm entzündeten Konflikten zuwendet, um von seiner Niederlage abzulenken.

Für Genugtuung, gar Schadenfreude gibt dennoch keiner Anlass. Wenn das iranische Regime überlebt, leidet nicht nur die Bevölkerung weiter. Wenn es das Atomprogramm fortsetzen kann (die großen Mengen hochangereicherten Urans dafür haben die USA und Israel nicht finden und zerstören können) und rasch wieder aufrüstet, bleibt die Bedrohung für Israel, die gesamte Region und Europa bestehen. Zugleich wäre es das engültige Ende der USA als globale Ordnungs- und militärische Führungsmacht. Die Hoffnung, irgendwann wieder zu einer geregelten friedlichen Weltordnung zurück zu kehren, wäre erst recht perdu. Putin, Chinas Xi und alle anderen autoritären, imperialistischen Mächte würden triumphieren. Und mit ihnen die globalen US- und Israelfeinde.

Vermittelt China?

Auch Israels Premier Netanjahu bleiben kaum sinnvolle Optionen. Er kann zwar die Angriffe auf die Hisbollah im Libanon fortsetzen und ausweiten, um so auch die iranische Führung weiter unter Druck zu setzen. Allerdings haben schon frühere Kriege dort gezeigt, dass die aus Teheran gelenkte Terrormiliz militärisch ebenfalls nicht zu besiegen ist und sie sich nach jeder Militäroperation rasch wieder erholt.

Der einzige Ausweg, der Trump und Netanjahu jezt noch offensteht, ist wohl, die Waffenruhe zu verlängern, der iranischen Führung neue Angebote zu machen und auf eine Vermittlung Chinas zu hoffen. Peking hat, anders als Putin, eigenes starkes Interesse an einem Ende des Konflikts, da es auf Öl- und Gaslieferungen aus Iran und der Region und einen ungestörten Welthandel angewiesen ist. Die Führung in Peking hatte deshalb auf die Waffenruhe gedrängt und das mit China wie den USA verbündete Pakistan bei seinen Vermittlugsbemühungen unterstützt.

Aber wird sich Trump in die Abhängigkeit von China begeben? Auszuschließen ist bei ihm nichts – im Schlechten wie im Guten.

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Ein Gedanke zu “Trump in der Iran-Falle

  1. avatar

    Iran. Quelle: Wikipedia
    „Israel und die USA haben ihren völkerrechtswidrigen Krieg schon verloren“, „Die Ziele sind völlig unklar“, „Sie werden sie nie erreichen“, „Das nächste Vietnam“: Die Sessel-Strategen und Social-Media-Militärexperten überbieten sich mal wieder. Was aber, wenn sie alle komplett daneben liegen?“
    Sessel-Stratege L.Greven, hier vor ein paar Wochen
    Ansonsten haben Sie das Versagen der USA unter Führung von Trump gut beschrieben.

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