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Die Linkspartei und Israel

KI-generiertes Symbolbild von Google Gemini

Wer in Kreisen sogenannter Kulturschaffender etwas auf sich hält, übt Kritik an Israel; in migrantischen, sprich muslimischen Milieus gilt dies ohnehin. Das Zauberwort in der Kultur- und Linksszene lautet derzeit „Antizionismus“. Der Begriff klingt weniger anstößig als dessen unschöner Verwandter Antisemitismus. Seit Kurzem hat dieser dezidierte Antizionismus in Deutschland auch eine politische Herberge: in der Partei „Die Linke“.

Deren niedersächsischer Landesverband erklärte sich jüngst mit nicht geringem Stolz zum „ersten antizionistischen Landesverband“ der Partei. Prominentestes Mitglied dort ist die Co-Vorsitzende der Bundestagsfraktion, Heidi Reichinnek. Doch was bedeutet Antizionismus eigentlich – und was geschieht derzeit bei den Linken?

Der Zionismus

Der Zionismus (ohne das „Anti“) bezeichnete ursprünglich den Wunsch nach einer Heimstatt für Juden in Palästina. Als der Begriff Ende des 19. Jahrhunderts aufkam, lebten im damaligen britischen Mandatsgebiet Palästina Araber, Christen und Juden. Erst mit der Gründung der PLO im Jahr 1964 wurde die Bezeichnung „Palästinenser“ ausschließlich auf die arabische Bevölkerung angewandt.

Mit der Staatsgründung Israels am 14. Mai 1948 erreichte der Zionismus sein Ziel: einen eigenen Staat für Juden. Wer also heute von Antizionismus spricht, stellt damit letztlich das Existenzrecht Israels infrage. Die Parole „From the river to the sea, Palestine will be free“ lässt an Interpretation wenig Raum: Sie fordert nichts anderes als die Auslöschung Israels.

Der einseitige „Konflikt“

Der erste Versuch, Israel zu vernichten, begann bereits einen Tag nach seiner Gründung: Ägypten, Jordanien, Libanon, Syrien und der Irak führten über neun Monate Krieg gegen den jungen Staat – jedoch ohne Erfolg. Über die Jahrzehnte gab es wiederholt ähnliche, ebenso erfolglose Versuche, Israel in die Knie zu zwingen. Der bislang letzte Vorstoß war das Pogrom der Hamas am 7. Oktober 2023, bei dem etwa 1.200 Menschen ermordet wurden.

Häufig ist vom „Nahost-Konflikt“ oder einem Konflikt zwischen Israel und seinen arabischen Nachbarn die Rede. Das ist falsch! Tatsächlich ist es der wiederkehrende einseitige Versuch von arabischer Seite, Israel auszulöschen. Gäbe es diesen fanatischen Willen nicht, gäbe es auch keinen kriegerischen „Konflikt“. So einfach und doch so schwer dem linken politischen Spektrum zu vermitteln.

Antizionismus in der Linkspartei

Und damit kommen wir zurück zur Partei „Die Linke“. Bereits im Oktober 2025 forderte der Berliner Landesverbands der Linksjugend „Solid“ nicht Geringeres als eine Revolution, die „den Imperialismus aus der Region herauswirft“. Kürzlich nun kommentierte der Autor und Journalist Constantin Schreiber ein Werbevideo des niedersächsischen Landesverbandes der Linken. Nach dessen Betrachtung fragt man sich unweigerlich, ob es sich um Satire, eine Persiflage auf die eigene Partei oder bitteren Ernst handelt.

Im Tonfall eines Kriegsreporters schwadronieren ein Milchbubi und weitere „Genossen“ über einen angeblichen Genozid Israels und preisen den Antizionismus – also die Ausradierung Israels von der Landkarte. Gegen Ende des Videos heißt es mit wissendem Lächeln: „Nächster Halt: Antizionismus“.

Besiegelt wird die schaurige Vorstellung mit dem Absingen der kommunistischen Internationale. Als wäre das nicht gespenstisch genug, tönt aus dem Off die Losung der bewaffneten Schutztruppe der KPD aus den Zwanzigerjahren: „Rot Front!“. Constantin Schreibers Resümee dieser Exzentrik-Darbietung: ungebildet und dumm.

Gysi zur Weiterbildung

Nach Einschätzung des Historikers und Publizisten Hubertus Knabe gewinnen radikale Israel-Hasser in der Linkspartei zunehmend an Einfluss. Der richtet sich auch gegen den ehemaligen Parteivorsitzenden Gregor Gysi.

In dem Podcast „Gysi gegen Guttenberg“ sagte Gysi im März 2026: „Es ist deshalb gefährlicher geworden, weil viel mehr Menschen mit Migrationshintergrund […] in unsere Partei gekommen sind […]. Aber sie bringen eben Sichten auf Israel mit, die zum Teil falsch sind“. Die parteiinterne Arbeitsgemeinschaft „Migrantische Linke“ griff nach dieser Aussage zum Maximalvorwurf unter Linken und Grünen: Gysi habe „rassistische Narrative“ verwendet. In einer Mischung aus Chuzpe und Anmaßung fordern sie obendrein, Gysi solle zeitnah an einer antirassistischen Weiterbildung teilnehmen.

Später äußerten sich die Vorsitzenden der Bundestagsfraktion zu Gysi. Sprangen sie ihrem ehemaligen Vorsitzenden bei? Mitnichten. Sören Pellmnn mäkelte, die Wortwahl von Gysi sei unglücklich. Und auch Heidi Reichinnek fand kein Wort der Solidarität mit Gysi.

Nach dem Antizionismus-Beschluss der niedersächsischen Linken war für Andreas Büttner Schicht im Schacht – er trat aus der Linkspartei aus. Wie hätte er auch bleiben können? Büttner ist Beauftragter zur Bekämpfung des Antisemitismus im Land Brandenburg. Bereits Ende 2024 hatten mehrere prominente Berliner Linke die Partei wegen Antisemitismus verlassen: drei ehemalige Senatoren, der Ex-Fraktionschef im Abgeordnetenhaus und der finanzpolitische Sprecher.

Eine heikle Allianz

Antizionismus und Palästina-Solidarität sind zwei Seiten derselben Medaille. Dass beides von den Linken vertreten wird, ist merkwürdig. Israel ist die einzige Demokratie im Nahen Osten, dennoch bestreiten mehr und mehr Linke sein Existenzrecht. Die palästinensischen Organisationen wiederum stehen konträr zu dem, was die Linkspartei gesellschaftlich fordert – Stichwort: LGBTQ oder auch Frauenrechte. Dennoch hält die Partei unbeirrt an ihrer Solidarität fest. Das verstehe, wer will.

Seit fast acht Jahrzehnten lehnen palästinensische Organisationen einen dauerhaften Frieden mit Israel ab. Eigenverantwortung und Wohlstand für die Palästinenser scheinen ihnen keine lohnenden Ziele zu sein. Stattdessen verharren sie in dauerhafter Abhängigkeit von der UN, der EU und diversen Hilfsorganisationen. Hier zeigt sich eine interessante Parallele zur Programmatik der Linkspartei: Auch sie setzt primär auf staatliche Alimentierung statt auf weitestgehende Eigenverantwortung der Bürger.

Wolfgang Schäfer, 1951 in Bonn geboren und in der Zeit des Wirtschaftswunders aufgewachsen, lebt bis heute dort. Seine berufliche Erfüllung fand er in der Verlagsbranche – unter anderem beim Handelsblatt-Verlag, im Europa Union Verlag sowie als Verlagsleiter der Allgemeinen Jüdischen Wochenzeitung (heute: Jüdische Allgemeine). Im Herbst 2025 erschien sein Buch Beatles für Eilige.

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Über Wolfgang Schäfer

Wolfgang Schäfer, 1951 in Bonn geboren und in der Zeit des Wirtschaftswunders aufgewachsen, lebt bis heute dort. Seine berufliche Erfüllung fand er in der Verlagsbranche – unter anderem beim Handelsblatt-Verlag, im Europa Union Verlag sowie als Verlagsleiter der Allgemeinen Jüdischen Wochenzeitung (heute: Jüdische Allgemeine). Im Herbst 2025 erschien sein Buch "Beatles für Eilige".

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