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Eine einfache Geschichte. Ein junger Mann, sexuell unerfahren, will endlich seine Unschuld verlieren („Unschuld“ ist ein relativer Begriff, schon klar) und gerät in eine schäbige Bar, wo man zu exorbitanten Preisen warmen Sekt verkauft und die Mädchen darauf warten, abgeschleppt zu werden. Und er wird abgeschleppt. Von Lola. Doch wie es sich herausstellt, ist Lola ein Mann.
So weit, so der Stoff damals – 1970 – für Herrenwitze. Auch in der Popmusik: „Sweet Loretta Martin thought she was a woman / But she was another man … / Get back, get back to where you once belonged …“ Das Neue und Skandalöse an „Lola“ war, dass der Song, der als Herrenwitz beginnt – „I’m not dumb, but I can’t understand / Why she walks like a woman and talks like a man“ – in eine Romanze mündet: Ich bin zwar nicht der männlichste Mann, den man sich vorstellen kann, aber ich weiß schon, wer ich bin, ich bin ein Mann und freue mich darüber, und Lola auch.
In diversen prüden Ländern durfte der Song darum gar nicht gespielt werden, oder nur unter Auslassung der Schlussstrophen. Ob „Lola“ wirklich die erste „Gay-Rock-Ballade“ war, weiß ich nicht. Aber es war sicherlich eine der ersten. (Meine Schwester nahm erst 1974 mit Tom Robinson „A Dyke’s Gotta Do (What a Dyke’s Gotta Do“ auf.)
Schön ist auch die Selbstcharakterisierung des Sängers als Anti-Mann: „I’m not the world’s most physical guy … I’m not the world’s most passionate guy … I’m not the world’s most masculine man.“ Und die unsterbliche Zeile: „Girls will be boys and boys will be girls“. So ist es, und es mag für den Typ Herrenwitz „mixed up, muddled up“ und „shook up“ sein (kleine Anspielung auf Elvis hier, der diese Kulturrevolution lostrat: „I’m All Shook Up“); „but not for Lola“. Wunderbar. Raus aus der Schmuddelecke, Lola. Du bist OK.
Es blieb Heinz-Rudolf Kunze, dem Barden des deutschen Spießers, vorbehalten, aus der Romanze wieder einen Herrenwitz zu machen. (Beide Texte findet man unten.)
Aus der Bar in Soho ist eine Imbissbude in Dortmund-Nordstadt geworden (ich wohnte dort von 1971 bis 1974), wo es früher einen großen Schlachthof gab und passenderweise gleich daneben die Linienstraße, eine Bordellmeile nach niederländischem Vorbild. Der Sänger – offenbar ein Freier – spricht Lola an: „Darf ich bitten oder woll’n wir erst tanzen?“ Höhö. Lola ist peinlich berührt und „rührt in ihrer Cola wie ertappte Emanzen“. Höhö. Sie will führen: „wie Alfred Dregger“, damals ein Law-and-Order-Scharfmacher in der CDU: Höhö.
Erst als der Sänger „voll ist“ und „kein Fall für Carmen“ mehr, schleppt Lola ihn ab. Und da weiß er nicht, ob das Liebe ist, oder „nur ein schwacher Trost“. Und obwohl er am Ende zugibt, dass er nach dieser Begegnung seiner sexuellen Identität nicht ganz sicher ist, „doch das ist ja heute keiner / Höchstens Lola“, bleibt der Song beharrlich bei dem, was dem gemeinen deutschen Kneipengänger und Schlagerkonsumenten zuzumuten ist, oder 1990 – der Song erschien 20 Jahre nach der „Kinks“-Aufnahme, und zwar auf Kunzes Album „Ausnahmezustand“ – zuzumuten war. Heute wählt der Spießer AfD: „Deutschland, aber normal!“ Höhö.
Und ganz am Ende, damit klar ist, dass wir uns noch im Herrenwitz-Modus befinden, kommt im Abspann eine „typisch schwule“ Stimme mit Dortmunder Akzent, also vermutlich Lola, und sagt: „Lass gut sein Günter / Ich muss noch fahrn“. Höhö.
Vergessen wir das ganz schnell. „Lola“ ist ein schönes Lied, nichts für Viktor von Schmuddelwitz. Und heute, wo die Kultur-Konterrevolution wütet, von Moskau bis Washington via Ostdeutschland, nötiger denn je.
Lola – Ray Davies
I met her in a club down in old Soho
Where you drink champagne and it tastes just like Coca-Cola
C-O-L-A, Cola
She walked up to me and she asked me to dance
I asked her her name and in a dark brown voice she said, „Lola“
L-O-L-A, Lola, Lo-Lo-Lo-Lo-Lola
Well, I’m not the world’s most physical guy
But when she squeezed me tight, she nearly broke my spine
Oh, my Lola, Lo-Lo-Lo-Lo-Lola
Well, I’m not dumb, but I can’t understand
Why she walks like a woman and talks like a man
Oh, my Lola, Lo-Lo-Lo-Lo-Lola, Lo-Lo-Lo-Lo-Lola
Well, we drank champagne and danced all night
Under electric candlelight
She picked me up and sat me on her knee
She said, „Little boy, won’t you come home with me?“
Well, I’m not the world’s most passionate guy
But when I looked in her eyes, well, I almost fell for my Lola
Lo-Lo-Lo-Lo-Lola, Lo-Lo-Lo-Lo-Lola Lola Lo-Lo-Lo-Lo-Lola, (2x)
I pushed her away / I walked to the door / I fell to the floor / I got down on my knees
Well, I looked at her, and she at me
Well, that’s the way that I want it to stay
And I always want it to be that way for my Lola
Lo-Lo-Lo-Lo-Lola
Girls will be boys and boys will be girls
It’s a mixed up, muddled up, shook up world
Except for Lola Lo-Lo-Lo-Lo-Lola
Well, I’d left home just a week before / And I’d never, ever kissed a woman before / But Lola smiled, took me by the hand
She said, „Little boy, gonna make you a man“
Well, I’m not the world’s most masculine man
But I know what I am and I’m glad I’m a man
And so is Lola
Lo-Lo-Lo-Lo-Lola
Lola – Heinz-Rudolf Kunze
Ich traf sie in ’nem Imbiss in Dortmund-Nord
Es roch stark nach Schaschlik und ’n bisschen nach Abort
Und sie hieß Lola
L.O.L.A. Lola
Ich sagte: Darf ich bitten oder woll’n wir erst tanzen?
Sie wurde rot und rührte wie ertappte Emanzen
In ihrer Cola
C.O.L.A. Cola lalalala Lola
Nun seh ich nicht grad aus wie Arnold Mitteregger –
Ich führe, sagte sie, das klang wie Alfred Dregger
Meine Lola
L.O.L.A. Lola
Ich bin ja ziemlich blöd, aber so blöd bin ich nicht:
Sie hatte Haare auf den Zähnen und auch mitten im Gesicht
Oh meine Lola
L.O.L.A. Lola
Lalalala LolaLo-Lo-Lola …
Wir tranken und kamen uns langsam abhanden
An der Neonröhre hingen vergammelte Girlanden
Wenn ich umfiel, baute sie mich immer wieder auf
Bis sie sagte: So, mein Sohn, jetzt gehn wir zu mir rauf!
Wenn ich voll bin, bin ich kein Fall für Carmen
Doch sie nahm mich untern Arm, sie kannte kein Erbarmen
Meine Lola lalalala Lola lalalala Lola
Lola lalalala Lola lalalala Lola
Ich schrie: Lass mich gehn!
Sie wollte nicht verstehn
Sie sagte: Nicht mit mir!
Ich sagte: Gut dann eben nicht
Und bestellte noch Bier
Ist das nun Liebe oder ist das nur ein schwacher Trost?
Ich sage immer was ich denke und ich sagte: Prost
Auf dein Spezielles, Lola
L.O.L.A. Lola
Girls heißen Alf und Boys heißen George
Nicht nur in London sondern jetzt auch schon in Dortmund-Nord
Und er hieß Lola
Lalalala Lola
Ich war gerade erst zuhause ausgezogen
Ich hatte noch niemals meine Mami belogen
Lola lächelte nur und fasste mich an
Und sagte: Ich bin es längst – heut wirst auch du ein Mann!
Ich werd gern zur Brust genommen, also bin ich wohl einer
Ganz sicher bin ich nicht, doch das ist ja heute keiner
Höchstens Lola
L.O.L.A. Lola lalalala Lola
Lola (lass gut sein Günter
Ich muß noch fahrn) lalalala Lola
Lalalala Lola
Neues zum Thema auf der nach oben offenen Skala der Hypersensibilität:
https://www.nzz.ch/feuilleton/musik/moby-kritisiert-the-kinks-ist-lola-transphob-ld.1930933
Nur kurz noch eines: Soweit ich informiert bin, hat sich Maxim Biller nie zu Kunze geäussert. Ich versiche mir das gerade vorzustellen, und dabei überkommt mich eine inneres Grinsen.
Kunze war ein aufstrebender Künstler und sang das Lied vor deutschem TV-Publikum 1984 (?). 1990 wäre es schon nur noch sehr eingeschränkt zeitgemäß. Es waren 12 Jahre nach Davies und dann machte es Sinn im Deutschland der früheren 80er.
Witzisch ging damals so (Sketchup, Gedächtnisprotokoll):
Zwei ältere Damen unterhalten sich.
Die eine: Meine Tochter heiratet einen Mexikaner, aber sie wollen warten, bis der Peso besser steht.
Die andere: Ja, kann man bei einem so jungen Mann denn gar nichts machen?
Im Interview meinte Kunze, nach den Trümmern von Ina Deter wolle er mit dem Lied beitragen, die Männlichkeit wieder zusammenzufügen. Aber das macht er gar nicht.
Girls heißen Alf und Boys heißen George
Nicht nur in London sondern jetzt auch schon in Dortmund-Nord
Boy George …. kam richtig schwul rüber und war es auch, lief auf allen Kanälen. Kunze fügt im Lied nichts zusammen, sondern er spricht etwas an, was jeder sah, jeder wusste, aber noch selten jemand aussprach. Kunze normalisierte die Moderne. Alle konnten vor dem Fernseher kichern und so mancher/manche warf sich wissende Blicke zu. Es wurde öffentlich ausgesprochen. Das Thema war da. Subversiv oder ein Tabubruch war das alles nicht, gefühlt war jeder Zweite Künstler damals schwul. Thomas Anders-herum (mit Herrenwitz-Betonung), aber ausgerechnet der war nicht schwul. Kunze hat Normalisierung für das deutsche Fernsehpublikum betrieben und das Publikum war damals, was man heute cringe nennt. Herrgott…ich finde den Sketchup Witz noch heute zum Totlachen. Er wollte, dass das Publikum lernt, darüber zu sprechen. Meine Mutter hatte mir eine poppige Hose gekauft, das poppige war, dass sie hellblau war. Einfach mal verrückt sein und aus der Rolle fallen. Kunze hat das Publikum dort abgeholt, wo es stand. Ich weiß nicht, ob mit Kunzes pädagogischem Ansatz große Kunst entsteht, der Text klingt mir nach bemühten Abiturienten „…und rührte wie ertappte Emanzen…“ im Ernst…Dortmund-Nord? Wenn das lyrische Ich ertappte Emanzen assoziieren kann, wäre es nach Amsterdam getrampt. Wer ausgerechnet in ranzigen Imbissbuden 1984 seine erste (bezahlte) Erfahrung suchte, redete nicht so. Selbst in Kleinstädten gab es schon abgewetzten roten Plüsch. Oder das Lied spielt in den 20ern, so mit Kohlestaub. Oder das lyrische Ich ist wirklich zufällig in einer Imbiss-Bude und es ergibt sich eine Gelegenheit. Aber für sich unerfahren in der Imbiss Bude abschleppen lassen redet es dann doch zu abgebrüht. Wäre auch ein anderer Plot als in der Vorlage. Ist auch egal, es passt hinten und vorne nicht. Und das finde ich die viel größere Schwäche als den Herrenwitz.
Diese Version des Liedes finde ich grauenhaft, weil ich Kunze als Sänger grauenhaft finde. Ich kenne oder kannte niemanden, der seinen Gesang bei „Dein ist mein ganzes Herz“ verstanden hat. Hübsche Melodie, der Junge leidet, Prost. Kneipenmusik, nach paar Bier super zum Refrain-Mitgrölen. Laut „enden wie Diplomaten“ rufen und schnell das Bierglas greifen. In den Momenten mochte ich das Lied wirklich. Aber das ist alles Geschmackssache. Der Text machte in 1983 einen Sinn. Didn`t age well, schon Ende 1984 eigentlich überholt. Zeitgleich kamen Ärzte mit Claudias Schäferfund und Franky goes to Hollywood mit Relax raus. Mama, darf ich so was später auch? Einen Scheiß darfst du.
Na gut, ein Vergleich ist nachliegend, weil Cover, aber jetzt im Ernst: Ich weiß nicht, womit Kunze das verdient hat. Ray Davies…da zittern meine Fensterscheiben, wenn ich den Namen laut ausspreche. Kunze und Davies zu vergleichen ist wie einen Schwimmer, der auf seinem peak eine Transition beginnt gegen Mädchen antreten zu lassen (ist das jetzt schon Herrenwitz? Auf jeden Fall bemüht cringe – ich habe es noch drauf).
Das Original kennt jeder auf jedem Kontinent, das Lied ist ein Kracher. Davies lyrisches Ich ist die ultimative Coolness, das knallt, wen, was und wann es will, ohne in Selbstzweifel zu geraten. Seiner selbst vollkommen bewusst. Akzeptiert sich, wie er ist und nimmt, was kommt. Geht zum ersten Mal in den Puff und ist ganz er selbst. Chapeau! Great Lebowski Rising. Das Material, aus dem Batmans gemacht werden. So waren die Leute (die ich kannte) nicht, aber sie wollten alle so sein. Deswegen drehe ich bei Davies auf und bei Kunze ab. Großes Kino gegen ZDF-Vorabendserie „Einsatz in Dortmund Nord“. Wer hat Bock sich ein Lied anzuhören, dass einem den eigenen Cringe soo ungeschickt vor Augen hält? Doch… „den Farbfilm vergessen“ hören wir uns an, wenn wir beim Kofferpacken Viertel vor Scheidung sind. Sie packt wieder alles in eine Ecke und ich kriege das Scheißding so nicht zu.
Ja, Stevanovic, so kenne und mag ich Sie. Fulminant. Schade, dass Sie nicht Autor sein wollen. Was den deutschen Schlager angeht, so will ich ihn nicht runtermachen; er hat seine Momente: „Ich will ’nen Cowboy als Mann“ und „Ich will alles“; „Hey Boss, ich brauch mehr Geld“ und „Griechischer Wein“; „Er gehört zu mir“, „Marmor, Stein und Eisen bricht“ und „Über sieben Brücken“. Und, und, und. Wie Sie sagen, ein relativ getreues Abbild der deutschen Befindlichkeiten, dort, wo man sich nicht schämt, deutsch zu sein und sich nach der Arbeit in der Kneipe trifft. Etwa in der Dortmunder Nordstadt, wo man, als ich mich dort aufhielt, um das Proletariat für seine Revolution zu begeistern, sich verabschiedete mit: „Habt einen guten Orgasmus!“ Ich kenne mich mit Helene Fischers Oeuvre zu wenig aus, aber ich bin mir relativ sicher, dass es sich lohnen würde, das unter diesem Gesichtspunkt näher anzuschauen. (Dass sie gut singen kann, bewies sie mit ihrem Cover von Bob Dylans „Make You Feel my Love“.) Hätte man aus „Lola“ einen guten deutschen Schlager machen können? Sicher. Und vermutlich wollte Kunze das. Es ist ihm nicht gelungen, auch aus den von Ihnen benannten Gründen.
@Stevanovic
Als großer Bewunderer der Künstlers Heinz Rudolf Kunze sage ich Ihnen, dass ich „Lola“ vom Album „Ausnahmezustand“ von 1984 gar nicht ausstehen kann. Nicht musikalisch – schon das Lied von den Kinks ist Schrott – nicht textlich.
Da hat er so viel besseres fabriziert.
Aber dies scheint sein Schicksal zu sein: Seine „Gassenhauer“ werden seinem phänomenalen Werk nicht im Ansatz gerecht.
Aber zum Glück ist ja alles Geschmackssache. Kritik in der Kunst letztlich Schall und Rauch.
„Ich mag Genesis! Aber nur die alten Platten mit Peter Gabriel!“ Hahaha.
Wunder gibt es immer wieder…lieber Truthe, Sie sind der zweite Mensch, der sich in meinem Leben als Kunze Fan outet. Ein Freund wollte mich vor Jahrzehnten in die Mysterien des Kultes einführen, aber die Stimme liegt mir gar nicht. Ich weiß, dass es da einen tieferen Kunze geben muss und dass es schlicht falsch wäre, ihn als Künstler nach den paar populären Liedern zu beurteilen. Alles, was sich rund um sein Lola Lied gesehen habe (okay, natürlich Youtube), deutet darauf hin, dass es ein Starter-Projekt war, um Aufmerksamkeit und einen Fernsehauftritt zu bekommen. Das Sperrige im Text, das angestrengte Dortmund-Nord, sehe ich als versuche eines jungen Künstlers, eine persönlich Spur in einem kommerziellen Projekt zu hinterlassen. Es gab ja kein Tiktok oder ähnliche Kanäle der Selbstvermarktung, sondern nur drei TV-Programme. Ich verkaufe mich, aber ich schmuggle etwas aufklärerrisches mit rein. Doch es flutschte halt nicht, weil es wahrscheinlich kein eigentlicher Kunze war. Vielleicht hätte er einen anderen Weg nehmen und der Melodie (yo, auch ein Gassenhauer) seine Geschichte anfügen sollen, statt zu versuchen, schlauer als Davies zu sein. Der singt nicht über ein Bild, der ist im Bild. Womit ich einen Grund habe auf meine zwei guilty pleasure hinzuweisen. Juliane Werdings „Am Tag als Tommy Kramer starb“. Das Lied an sich ist super für das Lagerfeuer, aber den Text hält kaum jemand aus, weil er wie „Griechischer Wein“ vollkommen ohne Ironie und Ausgang ist. Ich dachte, nach der Haftbefehls Doku würde er mal irgendwo auftauchen. Werding singt mit dem Ernst und Schmerz einer Hinterbliebenen. Nichts großes, aber Gänsehaut. Das zweite ist „der Hund von Baskerville“. Die Teenie Schmerzhymne in ein Europa Hörspiel zu verwandeln ist richtig deutsch-psychodelisch. Ozzy, wenn er mit rheinischem Karnell aufgewachsen wäre. Das nenne ich eine gelungene Adaption. Albern auf jeden Fall und Kunst gewiss nicht, aber ich muss herzlich lachen, jedes Mal, wenn ich ihn höre. Und das ist allemal besser als Kunzes Lola, da schalte ich weg.
Es ist also nicht Schlager oder Cover, das hier hängt, hier hängt es an Kunze. Nicht weil er nicht Davies ist, sondern weil er schlecht als deutscher Davies ist. Ob Kunze besser als Kunze gewesen wäre, werde ich diesem Leben nicht mehr versuchen herauszufinden. Aber Ihnen und meinem Freund wünsche ich allen Spaß der Welt.
PS: Zu Genesis mit Peter Gabriel habe ich mit Gewalt versucht eine Verbindung herzustellen. Ich wartete und wartete, keine Epiphanie. Ich kann mich schwach an Carpet crawler erinnern …aber Mama auf meiner ersten guten Anlage, das werde ich nie vergessen. Es muss ja nicht immer an der Kunst liegen.
Lola von Kunze kannte ich gar nicht und das hat für mich was von Karnevalslied und ist absolut was anderes als die paar Hits die ich von ihm kenne. Ging einfach daneben der Versuch in einem vorgegebenem musikalischen Rahmen und einem gesetzten Thema einen guten deutschen Text zu dichten.
Mir hat damals sein visuelles Erscheinen immer Schmerzen bereitet. Dieses stellvertretender Sparkassenleiter-Outfit mit Turnschuhen und Schulterpolstern. Das wirkte in dem Business irgendwie falsch und trotzdem hatten die Hits irgendwas, das sie zu Hits machte. Er war der „Klaus“ in der Pop und „Rock“-Scene und die erfolgreichen Texte finde ich noch heute gut gemacht. Und heute Frage ich mich noch mehr als damals, wieso man glaubte, dass jedes Lied ein mittelmässiges Saxophonsolo enthalten musste.
https://youtu.be/EVqTB0Ddte0?is=f9buaHnrGJaGebuZ
Na gut.. ich habe sog. Herrenwitze nie besonders witzig gefunden, ich dachte früher immer, weil ich nicht erwachsen genug bzw. noch zu albern geblieben wäre.. Vielleicht sind sie aber auch eher was für Verklemmte, zu kurz gekommene, letztlich für Leute, die nicht nicht treu sind und es mal wagen müssten, sie selber zu sein (um mal einen konstruktiven Hinweis zu versuchen, statt draufzuhauen und zu bewerten). So gesehen bleibt der „spießige“ AfD höchst wahrscheinlich eher bei sich, als der möchtegern-Gutmensch von den ‚Grünen‘, der SPD oder den ‚Linken‘. Verklemmtheit geht nicht durch Schauspielern weg, sondern mündet in Hässlicherem, Verquasterem. Und so gesehen teile ich Ihre Textkritik: Der Text von Kunze ist billig und Herrenwitze was für Feiglinge.
Da schau her. Deine Schwester hat mit Tom Robinson einen Song aufgenommen. Bin begeistert. Wir haben mit unserer alten Kapelle den Robinson Song „Better decide wihich side you’re on“ gecovert. Um im Wahlkampf 1980 Franz Josef Strauss zu bekämpfen….. hat natürlich niemand verstanden.
Tom Robinson hat auch seinen Song „Right On Sister“ meiner Schwester gewidmet. https://killyourpetpuppy.co.uk/news/tom-robinson-band-emi-records-1978/