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There are places I’ll remember … (3). Bruce Springsteen, der Rostgürtel und die Straßen von Minneapolis

Bruce Springsteen erhält von Präsident Barack Obama die Freiheitsmedaille. Foto: Pete Souza, Public Domain

Zu den vielen Vorwürfen, die gegen die so genannte Elite – gemeint ist die akademisch gebildete Mittelschicht, die seit der Bildungsexplosion der 1960er Jahre in den Medien und Erziehungsinstitutionen, den Parlamenten und dem Staatsapparat tonangebend ist – vorgebracht werden, gehört die Behauptung, sie habe nie die Sorgen und Wünsche derjenigen ernst genommen, die sie sozial zurückgelassen haben. Das räche sich nun im Aufstieg der Populisten.

Exemplarisch wird da J.D. Vance genannt. Vance – selbst Aufsteiger, inzwischen Vizepräsident der USA – hat ja in „Hillbilly Elegy“ aus eigener Erfahrung das Leben derjenigen geschildert, die schwarze Aufsteiger verächtlich „White Trash“ nennen und die Hillary Clinton „deplorables“ – Bedauernswerte – genannt hat. Es wird freilich übersehen, dass „Hillbilly Elegy“ gerade von jenen linksliberalen Intellektuellen gefeiert wurde, die auch George Packers „The Unwinding“ gefeiert haben, das 2013 den Niedergang der Industrie – und der Arbeiterklasse – in den USA beschrieb.

Und dass es in der Rockmusik – dem eigentlichen Soundtrack der Bildungsexplosion, bei der in Großbritannien die Labour Party, in Deutschland die SPD Willy Brandts, in den USA eher Dwight D. Eisenhowers damals noch liberale-konservative Republikaner Pate standen –  immer wieder um jene geht, die weniger von jener Revolution profitierten.

Hier ist nicht zuletzt, wenn nicht gar zuerst Bruce Springsteen zu nennen, der selbst aus New Jersey stammt, wo ja in den Augen der New Yorker nur „deplorables“ leben. In Songs wie „The River“ (1980) und „My Hometown“ (1985) kommen die Abgehängten selbst zu Wort: „I come from down in the valley, where Mister, when you’re young / They bring you up to do like your Daddy done“. So fängt „The River“ an, der die konservative Einstellung der Arbeiter in den Kleinstädten des „Rust Belt“ anspricht.

Der Junge schwängert seine Freundin – „Mary“, ein generischer Name für Mädchen aus der Kleinstadt – noch vor seinem 18. Geburtstag, zu dem er dann eine Mitgliedskarte der Gewerkschaft und eine Jacke geschenkt bekommt, damit er das Mädchen vor dem Friedensrichter heiraten kann. Keine kirchliche Hochzeit für Sünder.

Als Ort wird Johnstown genannt, eine Stadt in Pennsylvania, die als Zentrum der Kohle- und Stahlindustrie im frühen 20. Jahrhundert 67.000 Einwohner hatte; heute sind es keine 20.000. Der Ich-Erzähler arbeitet auf dem Bau für die „Johnstown Company“. Aber „lately there ain’t been much work here / on account of the economy“. Hier lässt Springsteen seinen Erzähler etwas sagen, was mir immer die Fremdscham – nicht für den jungen Mann, sondern für Springsteen als Texter – ins Gesicht treibt: „Es gibt in der letzten Zeit hier wenig Arbeit, so von wegen der Ökonomie.“ Als wäre der Mann zu doof zu begreifen, weshalb die Industrie und mit ihr die Jobs wegziehen, und müsste deshalb seine Zuflucht zu einem Fremdwort nehmen. Wenn die Rechtspopulisten meinen, die Linken hätten ein paternalistisches Verhältnis zur Arbeiterschaft, so könnten sie sich auf diese Zeile berufen.

In „The River“ geht die Ehe in die Brüche; Mary versinkt in Alkoholismus oder Depressionen oder beides, und am Ende ist es nicht klar, ob der Sänger sie – oder das gemeinsame Kind – möglicherweise aus Verzweiflung ermorden will. Fünf Jahre später kehrte Springsteen mit „My Hometown“ in die Stadt zurück: Wieder ein Ich-Erzähler, der von seinem Vater erzählt, aber der Vater scheint weniger streng und vielleicht etwas wohlhabender gewesen zu sein: Er setzt den Achtjährigen auf seinen Schoß und an die Steuer seines großen Buick, während sie durch die Stadt fahren und der Vater meint: „Schau dir das gut an: das ist deine Heimatstadt.“

Und wieder geht es um die Arbeitslosigkeit. Die Textilfabrik wird geschlossen. „Foreman says these jobs are going, boys / And they ain’t coming back to your hometown …“

Was tun?

„Last night me and Kate we laid in bed / Talking about getting out / Packing up our bags, maybe heading south…“ Besser jedenfalls als mit Mord im Herzen herunter an das trockene Flussbett fahren. Stattdessen nimmt der Erzähler seinen Jungen, setzt ihn hinter das Steuer des Autos, fährt herum und zeigt ihm die Stadt, die nicht mehr die geschäftige Stadt des Großvaters ist  – „Now Main Street’s whitewashed windows / And vacant stores“ – und sagt ihm trotz alledem: „This is your hometown“.

Liberale Globalisten wie ich reden leicht von kreativer Zerstörung, von der Innovationskraft des Marktes, der Mobilität des Kapitals und der notwendigen Mobilität der Menschen. Aber Menschen wollen auch eine Heimat haben, hängen an Orten, Erinnerungen, an Familie und Freunden, am Gewohnten und Gewöhnlichen. Daran erinnerten Springsteens Songs lange vor Packer und Vance.

Nun sind die Populisten an der Macht und behaupten, den „vergessenen Männern“ eine Stimme zu geben. Und Springsteen hat einen Protestsong geschrieben, „Streets of Minneapolis“. In drei Tagen geschrieben, aufgenommen und fertig produziert, so wie John Lennon das in seiner politischen Phase wollte und etwa mit „John Sinclair“ und „Attica State“ auch gemacht hat. Springsteens Song ist, wie das „Wall Street Journal“ vorhersehbar schreibt, „vorhersehbar schlecht“. Ja. Das waren auch Lennons Songs zum politischen Gebrauch.

Mit etwas mehr Zeit hätte Springsteen einen Song schreiben können über die Fremdheit des Immigranten, der seine Heimatstadt verlässt – „packing up my bags / heading north“ – nicht aus Lust und Laune, sondern weil zuhause die Jobs fehlen, weil die Drogenbosse das Land regieren, weil Korruption und Gewalt allgegenwärtig sind – um dann im Gelobten Land – „the broken promise land“, wie Freddy Fender in seinem wunderbaren Song „Across the Borderline“ singt – wie ein Krimineller gejagt zu werden von Banden, die so gesetzlos agieren wie die Banden in der Heimat.

Stattdessen ist „Streets of Minneapolis“ eine Hymne geworden „In the dawn’s early light / Citizens stood for justice / their voices ringing through the night“. Oder „We’ll take a stand / for this land / and the stranger in our midst.“ Anerkennenswert, ja. Aber – und das weiß Bruce Springsteen so gut wie Bob Dylan – die Kunst gefährdet sich selbst mehr als die Mächtigen, wenn sie predigt.

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15 Gedanken zu “There are places I’ll remember … (3). Bruce Springsteen, der Rostgürtel und die Straßen von Minneapolis;”

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    Lieber Alan Posener,

    Es mag sein, dass „Poor Boy“ von den Lords nicht so Ihr Ding war. Für mich persönlich haben die Lords eine ganz große Bedeutung. Es war mein erstes Konzert, ich war 16 Jahre alt, als ich live zum ersten Mal eine richtige Beatband erlebt habe. Und ich war wie hypnotisiert. Nicht nur vom „Poor Boy“, sondern auch von „Shakin all over“ und diesem Evergreen „Greensleeves“. Mag schon sein, dass es für professionelle Musikkritiker anders wahrgenommen wurde, aber schließlich haben die „schlauen“ Manager von Decca auch die Beatles abgelehnt. Auch Kritiker können sich irren, genauso wie ich und Sie auch. Es kommt viel auf die Umstände an bei der Wahrnehmung von Musik.
    Auch „Give Peace A Chance“ hat für mich durchaus mehr Bedeutung gehabt als was Sie darin sehen. Die komplette Beat-Bewegung, die letztendlich die 68er Generation geprägt hat, sollte nicht unterschätzt werden. Sicher waren die Anfänge textlich stümperhaft, aber schon da war irgendwas anders als alles, was es vorher gegeben hat.

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      Lieber Hans Happe, als Berliner habe ich die Lords sehr gemocht, obwohl „Shakin‘ All Over“ im Original von Johnny Kidd and the Pirates besser ist. Ich habe die Lords oft gesehen, in kleinen Clubs, in der „Neuen Welt“ und beim „Deutsch-Amerikanischen Volksfest“.
      Der Punkt bei „Poor Boy“ ist, dass der Text einfach voller Fehler ist:
      „Venn I voss born, you know / I couldn’t speak and go / My maser vorked each day / And she learned me to say:/ Poor boy, you must know wowo / Poor boy ze life is a hard road wowo / Poor boy, poor boy you must say, yayayayay / Life ist very hard to stay yayayayayay …“
      Abgesehen davon, dass kein Mensch bei der Geburt schon gehen und sprechen kann, ist „go“ das falsche Verb („walk“ wäre richtig), ebenso wie „learned“ (taught) und „stay“ (meint wohl „durchhalten“); außerdem müsste es „every day“ heißen, „life“ (ohne Artikel), und von der Aussprache will ich gar nicht reden. Übrigens kamen die Lords aus dem bürgerlichen Bezirk Zehlendorf, daher auch der Name. Ich habe nie verstanden, wieso die den Text nicht wenigstens einem DJ von AFN oder BFBS vorgelegt haben, um die Fehler auszubügeln.
      Es geht also nicht um die „Wahrnehmung von Musik“, sondern um das Verfassen von Texten.
      Sänger Ulli Günther wollte auch deutsch singen, aber da die erste deutsche Single ein Flop war, stieg die Band auf englische Texte um. Als Solo-Künstler hat „Lord Ulli“ deutsch gesungen. Es war besser, weil man nur in der Muttersprache mit Herz und Verstand singen kann. Wie Gunter Gabriel, Drafi Deutscher und letztlich auch Achim Reichel von den Rattles begriffen haben.
      Übrigens bin ich der Letzte, der die „Beat-Bewegung“ und ihre Rolle für 68 unterschätzen würde. Ich stehe exemplarisch für diese Verbindung, wie ich an verschiedener Stelle reflektiert habe, zuletzt in meinem Dylan-Buch. „Give Peace a Chance“ hatte aber mit der „Beat-Bewegung“ wenig zu tun, Lennon und Ono haben die Nummer 1969 aufgenommen – um sich jenem Teil der 68er Bewegung als Hymnenschreiber anzudienen, der pazifistisch war, so wie die Stones mit „Street Fighting Man“ sich ein Jahr zuvor dem militanten Teil der Bewegung angedient hatten. Auch ein schlechter Song, oder besser: ein schlechter Text, der gerade in Deutschland auch deshalb von der Linken gefeiert wurde, weil man ihn – wie „Sympathy for the Devil“ – missverstand.
      Noch einmal: nichts gegen die Beatmusik. Sie war gerade in ihren Anfängen weder musikalisch noch textlich „stümperhaft“, wie Sie behaupten. „Please Please Me“ ist musikalisch bis heute atemberaubend und textlich ein Meisterwerk des double entendre. Auch „She Loves You“ ist textlich hoch originell, nicht zuletzt dort, wo der Song auf Worte verzichtet und mit „Yeah, yeah, yeah“ die schiere Freude am Leben und an der Liebe zelebriert. Eher wurde sie problematisch, wo sie sich selbst musikalisch und textlich zu ernst nahm.
      Kurzum, wer mit 17 das alles nicht toll fand, hatte kein Herz; wer mit 30 nicht kritisch-selbstkritisch zurückblickte, hatte keinen Verstand; und wer mit 60+ noch nostalgisch die 60er Jahre verklärt, verschließt sich selbst die Möglichkeit, mehr zu sein als ein Denkmal.

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    Ich denke nicht, das Kunst sich selbst mehr schädigt als den Mächtigen. Für mich ist Kunst eine Ausdrucksform des Menschen, die alles beinhalten kann, was Menschen bewegt. Ich denke dabei an Songs wie „We shall overcome“ zum Beispiel, aber noch viel stärker an den Blues, der zunächst „nur“ eine Ausdrucksform einer unterdrückten und ausgebeuteten Gruppe von Menschen war. Aber Blues ist meiner Meinung nach auch Kunst, obwohl sie in der Urform sehr einfach strukturiert ist. Es geht dabei aber nicht um seelenlose „Kunst“, die keine Ziele kennt, sondern nur sich selbst. Und alles, was der Mensch als Ziel ansteuert oder zusammen mit anderen ansteuern will, kann auch Predigt sein, warum denn nicht? Songs von Bob Dylan, z.B. Masters of War, sind Kunst und Predigt.
    Aber auch einfache Menschen ohne Bekanntheitsgrad können durch Musik eine Botschaft senden. So wie ich vor ein paar Tagen ein Stück Musik geschaffen habe, das ich Cry For Humanity (deutsch: Ruf nach Menschlichkeit) genannt habe. Dabei war ich beim Gitarrensound beeinflußt vom Song „Machine Gun“ von Jimi Hendrix, auch etwas, was als Predigt gesehen werden kann und trotzdem große Kunst ist. Bruce Springsteen hat sicher bessere Songs geschrieben, ohne Frage, aber da hatte er auch länger dran gearbeitet. Für mich ist das vorwiegend akustische Album Nebraska sein Meisterstück.

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      Nun ja, lieber Hans Happe, aber Ihre Beispiele belegen eher meine These, dass die Kunst nicht predigen soll. „We Shall Overcome“ ist keine Predigt, sondern eine Hymne. Sie war die christlich grundierte Hymne einer christlich grundierten Bewegung – der Bürgerrechtsbewegung. Ob sie heute noch irgendwo (außerhalb deutscher Kirchen, mit dem Tremolo weißhaariger Pfarrersfrauen) gesungen wird, weiß ich nicht. Viele Rockmusiker wollten solche Hymnen schreiben – siehe etwa „Give Peace A Chance“ oder „Power to the People“ von John Lennon, „We Are the World“ und diese ganzen Songs, aber keine erreichte die breite Akzeptanz von „We Shall Overcome“, weil sie nicht aus der Bewegung kamen. Das wirkte im Wortsinn wie aufgesetzt.
      Der Blues wiederum ist eine hochgradig individuelle Ausdrucksform, gerade weil die Grundformen einfach sind. Und ich kenne keinen Blues-Song, der predigt. Ginge auch gar nicht, weil der Blues für die christlichen Afro-Amerikaner tabu war: Teufelsmusik. Der Blues thematisiert auch selten die Ausbeutung, viel öfter den Sex, den Alkohol, das Ende der Liebe und den Misserfolg, darin der Countrymusik wesensverwandt.
      „Masters of War“ freilich ist tatsächlich eine Predigt, oder vielmehr ein politischer Vortrag, und ich halte den Song textlich für einen der schwächsten von Bob Dylan; er folgt der vulgärmarxistischen These, dass Kriege von den Rüstungskonzernen angezettelt werden, weil sie daran verdienen wollen, was immer schon Unsinn war. Kapitalisten ist es egal, woran sie verdienen, ob an Schwertern oder Pflugscharen. Und weder der 2. WK noch der Kalte Krieg noch die Kriege in Korea und Vietnam noch die Jugoslawien-Kriege noch der Krieg in Afghanistan noch der in der Ukraine oder der gegen Israel wurde von Rüstungskonzernen angefangen.
      Deutsche Musiker sollten möglichst keine englischen Texte schreiben, es geht meistens schief. Man denke an „Poor Boy“ von den Lords. „Cry for Humanity“ etwa bedeutet: „Weine um die Menschheit“, nicht „Schrei nach Menschlichkeit“. Was in „Machine Gun“ nicht vorkommt. Da singt Hendrix im Namen eines vietnamesischen Bauern, dass er den Soldaten, der ihm mit dem Maschinengewehr kommt, mit der Machete zerhacken wird, was mehr weh tun wird. Nichts für Ungut.

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    Lieber Alan,
    wie gesgat, ich finde, Ihr Text kommt sehr gut ohne die von mir monierte Passage aus.
    Beste Grüße,
    Francis Keller

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    Lieber Alan,
    ich halte die Meinungsfreiheit für ein hohes Gut und die Beachtung von Sprachwandelerscheinungen für selbstverständlich. Wenn, und auch nur dann, ich bei Ihnen offensichtliche Nachlässigkeiten feststelle, geschieht dies stets in dem Wissen, dass Sie zu gutem Stil fähig sind und über alle Ressourcen verfügen, die nötig sind, um guten Stil zu pflegen. Ihr Text kommt sehr gut ohne die von mir monierte Passage aus. Ob Sie sich in diesem Zusammenhang in der Gefahr sehen, „politisch korrekte Plattitüden“ „nachzuplappern“ (von wem, von welcher übermenschlichen Macht, soll diese wirklich furchteinflößende Bedrohung in Berlin Anfang 2026 ausgehen?), ist nicht Gegenstand meiner Anmerkung. Dies alles aber nur der Vollständigkeit halber. Einer Ihrer nächsten Texte wird sicher wieder besser.
    Bleiben Sie gesund und guter Dinge.
    Beste Grüße.

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      Lieber Francis, ich beachte sehr wohl „Sprachwandelerscheinungen“. Das Verschwinden des Genitivs. Die Tatsache, dass ich von den Technikern bei Springer am Telefon geduzt werde. Das Bemühen, genderneutral zu schreiben. Die unaufhaltsame Verhunzung der deutschen Sprache durch Anglizismen: „liken“, „dissen“, „outsourcen“, „cringe“ (auch als Adjektiv) usw. usf. Die Verteufelung des Worts „Neger“, obwohl das die Verdeutschung von „negro“ ist, nicht von „nigger“. Die Tatsache, dass man jemanden als „weiß“ – natürlich pejorativ – bezeichnen kann, aber nicht als „schwarz“ usw. usf.. Ich muss aber solche Erscheinungen weder gutheißen noch muss ich ihnen folgen.
      Der politisch korrekte Terminus „African Americans“ ist irreführend. Man redet auch nicht von „European Americans“. Oder von „türkischen Deutschen“. Oder „jüdischen Deutschen“. oder von „afrikanischen Israelis“. Hier soll man sich schämen, eine dunkelhäutige Frau zu fragen, wo sie herkomme, weil das insinuiert, sie sei nicht von hier. In Amerika soll ich auch nach zehn Generationen und mehr die Herkunft aus Afrika betonen. Das hätten die reaktionären Black(!) Muslims und andere rassistische Gruppen gern. Ich sehe darin einen Rückschritt und werde auch nicht Native Americans „Asian Americans“ nennen, bloß weil sie vor Urzeiten aus Asien kamen.

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    Hallo Alan,
    der Springsteen-Song hat Ihnen nicht gefallen … geschenkt.
    Immer öfter leider gönnen Sie sich allerdings ohne Not grobe Nachlässigkeiten, die weit unter Ihren Möglichkeiten liegen.
    In diesem Fall ist Ihre Formulierung „( … ) [diejenigen,] die schwarze Aufsteiger verächtlich „White Trash“ nennen ( … )“ weder zeitgemäß, noch angemessen („Die Schwarzen“ gibt es übrigens nicht und es gab sie auch zu keinem Zeitpunkt; weder in den USA, noch sonst irgendwo, außer eben in der Imagination von denjenigen, die diesen Umstand nicht berücksichtigen wollten und wollen).
    Der Ausdruck „White Trash“ hat seinen Ursprung im frühen 19. Jahrhundert in der in spezifischen Regionen verwendeten Umgangssprache nicht-weißer Einwohner untereinander. Bereits Mitte des 20. Jahrhunderts wurde „White Trash“ von Autoren wie zum Beispiel Hunter S. Thompson (1966) und Jim Thompson (1957) verwendet. Ihre Darstellung ist schlicht falsch. Es ist auch stark zu bezweifeln, ob Hilary Clinton mit „Deplorables“ dasgleiche gemeint hat.
    Mir wäre das nicht ausgefallen, wenn ich nicht wüsste, dass Sie es besser können. Und wenn ich mir etwas wünschen dürfte, dann dass Sie schnell wieder zu gutem Stil und hoher Qualität zurückfinden.
    Bleiben Sie gesund und guter Dinge.
    Beste Grüße,
    Francis Keller

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      „Say it loud, I’m black and I’m proud“- James Brown, 1968. „Schwarze gibt’s gar nicht“ – Francis Keller, 2026. Ich bin bei James Brown.
      Und was „White Trash“ angeht, so schreibt Matt Wray: „The term white trash dates back not to the 1950s but to the 1820s. It arises not in Mississippi or Alabama, but in and around Baltimore, Maryland. The best guess is that it was invented not by whites, but by African Americans (both free and enslaved) as a term of abuse—to disparage local poor whites.“ Guter Stil entsteht nicht, wenn man politisch korrekte Platitüden nachplappert (bitte die Alliteration beachten!), sondern wenn man sagt, was ist.

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    Hallo Herr Posener,

    hatte Sie schon im Radio zum Thema gehört.

    Was mich aber mehr interessiert: Welche Romane haben Sie denn gelesen und können Sie davon welche empfehlen?

    Herzliche Grüße

    68er

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      Was habe ich gelesen? Uff … „Here I Am“ von Jonathan Safran Froer. Fängt stark an, lässt dann aber nach und wird ein sehr deprimierender und viel zu langer Beziehungsroman. Davor „Therapy“ von David Lodge. Fängt an als deprimierender Beziehungsroman, wird aber zum Schluss sehr positiv, was mir aber auch nicht recht war, weil ich das als konstruiert empfand. Danach las ich „The Seven Dials“ von Agatha Christie, in Vorbereitung auf die Netflix-Miniserie; aber der Roman ist zwar sprachlich witziger als die Serie, hat dennoch einen sehr schwachen Plot und fesselt nicht wirklich. Hingegen habe ich drei Sachbücher gelesen, die ich wirklich empfehlen kann: James Hawes, „Die kürzeste Geschichte Deutschlands“, die zwar für einen Preußen-Fan wie mich schwere Kost war, aber auf jeder Seite einem Stoff zum Nachdenken gibt; Peter Longerich, „Die Abrechnung“ über den so genannten Röhm-Putsch, eine unterbelichtete Etappe in der aufhaltsamen Machtergreifung Hitlers; und „John & Paul. A Love Story in Songs“ von Ian Leslie, was mich viele Beatles-songs völlig neu sehen oder vielmehr hören ließ. Das ist, wie ich sehe, keine wirkliche Romanempfehlung, aber ich bin dennoch froh, dass ich die Zeit dafür gefunden habe.

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