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Hosianna – Kreuziget ihn! Von Populismus und Auferstehung

Auferstehung Christi, 1499, von Perugino. Quelle: Wikimedia

Das Auf und Nieder der Volksstimmungen, nun massiv verstärkt durch die klassischen und sozialen Medien, kannte man schon im alten Rom und Jerusalem. Heute König – morgen Verbrecher: Auch davon handelt die Passions- und Ostergeschichte. Mit Happyend für die, die daran glauben. Erlebt das auch die FDP mit Kubicki?

An Palmsonntag, so erzählen es die Evangelisten, zieht der jüdische Wanderprediger Jesus von Nazareth mit seinen Jüngern in Jerusalem ein, dem politischen und religiösen Zentrum der Israeliten. Das Volk jubelt ihm zu mit Hilferufen an einen König oder Gott. Er soll sie von der römischen Fremdherrschaft befreien. Doch schon fünf Tage später, als Roms Statthalter Pilatus seine Freilassung anbietet, weil er keine Schuld an ihm sieht, wünscht ihn die Menge ans Kreuz.

Politiker, Sport- und Filmstars und andere Promis können von solchen Stimmunschwankungen viele unschöne Lieder singen. Robert Habeck zum Beispiel, auch er eine Art moderner Prediger, war eine ganze Weile der beliebste Politiker im Land. Bis zum berüchtigten Heizungsgesetz. Seitdem stehen er und mit ihm die Grünen in den Augen vieler für so ziemlich alles Böse, das man sich denken kann. Ohne dass sich an ihm selbst etwas geändert hätte.

Befördert wird dieser Fahrstuhleffekt von den Medien. Für die Boulevardzeitungen galt schon immer: „Wer mit ‚Bild‘ nach oben fährt, fährt mit ihr auch in den Keller.“ Erfahren musste das etwa der vormalige niedersächsische Minister- und dann kurzeitige Bundespräsident Christian Wulff. Auch er galt wie der ehemalige Grünen-Star als Schwiermutters Darling, bis es mit ihm durch seine Affäre steil nach unten ging. Oder Karl-Theodor von und zu Guttenberg, den manche schon als Merkel-Nachfolger im Kanzeramt sahen, bis er als Lügen-Baron enttarnt wurde.

Geliehner Glanz

Politiker und andere Promis, die sich selbstverliebt bereitwillig auf dieses Spiel der Medien einlassen, müssten zumindest ahnen, dass ihr Glanz immer nur ein kurzzeitiger, geliehener ist. Irgendwann sind es die Journalisten leid, Lobgesänge auf sie zu dichten, und die Leser und Zuschauer, sie zu konsumieren. Auf das Hosianna folgt dann auch hier das „Kreuziget ihn!“

Beides in aller Regel unangemessen. Weder sind Regierende uneingeschränkte Helden noch Bösewichter. Das Publikum möchte es in ihnen sehen – mal das eine, mal das andere. Um sich daran zu erfreuen oder zu ergötzen, weil sie es an sich selbst im Kleinen oft kennen.

Politiker, an die keine großen Hoffnungen geknüpft werden wie Olaf Scholz oder Friedrich Merz, haben es da im Vergleich leichter. Sie können in der öffentlichen Wahrnehmung kaum tiefer sinken. Wenn sie allerdings, wie der jetzige Kanzler, vor ihrer Wahl dennoch hohe Erwartungen zu wecken versuchen, kann es auch mit ihnen schnell vorbei sein.

Wiederaufstehung der FDP durch den Mann von der Förde?

FDP-Politiker Wolfgang Kubicki. Foto: Olaf Kosinsky. Wikemedia CC BY-SA 3.0 de

Auf den „König der Juden“ wartete vor 2000 Jahren die Höchststrafe: der Foltertod am Kreuz. Die Evangelisten dachten sich jedoch mehr als hundert Jahre danach eine schöne Wendung aus, die Menschen heute noch Hoffnung macht. Der Messias, der Erlöser, wie ihn seine Jünger nannten, stand aus dem Grab wieder auf, sprach zu ihnen und fuhr in den Himmel auf, wo er bis zum Jüngsten Gericht thront, unerreichbar für die Niedertracht gehässiger Kommentare in den sozialen Medien (sofern man annimmt, dass es im Reich der Engel und Gottes kein W-Lan gibt).

Gefallene Engel hienieden können daraus die Lehre ziehen, die Hoffnung nie fahren zu lassen. Auch aus dem tiefsten Umfrage-Grab kann es eine Wiederauferstehung geben, falls man daran nur ganz feste glaubt. Wolfgang Kubicki, seit Urzeiten Gott-sei-bei-uns der FDP, hat den österlichen Weckruf erhört. Er will die liberale Leiche als neuer Vorsitzender erretten und wiederbeleben. Wahrscheinlich hofft er auf ein Pfingstwunder, wenn 50 Tage nach Ostern der Geist aus der Flasche auf die verbliebenen Jünger niederfährt.

Spielen die Medien da mit? Und wie lange? Vermutlich bis zum erneuten politischen Tod der FDP bei der nächsten Landtagswahl. Frag nach bei Westerwelle im Himmel und Lindner in der Hölle.

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Ein Gedanke zu “Hosianna – Kreuziget ihn! Von Populismus und Auferstehung

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    Mir tut der Wein leid, den Kubicki trinkt. Wad muss der wohl leiden. Ich bin mir bewusst, das das kein besonders geistreicher Kommentar ist. Aber zu meiner Ehrenrettung: wenn ich zuviel intus habe, habe ich bessere ideen als die FDP zu retten. Der letzte, dem ich es zugetraut hätte, war Volker Wissing. Aber der hat ja nun offenbar besseres zu tun. Frohe Ostern ….. und dann mache ich mal wieder einen guten Roten von der Golan Heights Winery auf.

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