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Aus meinem Songbuch (6): Back on the Road / Rehbraune Augen

Regio TV, Screenshot: Alan Posener

Diesen Song habe ich 1987 mit Klaus Kluge geschrieben. In der Begleitung ist der Einfluss von Stings „Every Breath You Take“ (1983) unüberhörbar, fast schon aufdringlich; doch die Melodie von Klaus Kluge und seine beiden Soli finde ich immer noch schön. Das Double-Tracking auf der Stimme klingt heute etwas altmodisch, stört aber nicht; für mich waren Songs wie dieser, die wir in der Spätphase der „Berlin Blues Band“ aufnahmen, auch deshalb schön, weil ich nicht mit einer Fake-Blues-Stimme, sondern einfach mit meiner Stimme singen konnte.

Auch der Text (siehe unten) gefällt mir – mit Abstrichen – immer noch. Ich glaube, die einzige Vorgabe von Klaus war die Anfangszeile, „Back on the road …“. Ich habe daraus in den beiden ersten Strophen eine widersprüchliche, gegenläufige Bewegung gemacht: in der ersten Strophe erzählt der Sänger, dass er zu seiner Liebe (seiner Frau?) zurückkehrt; in der zweiten, dass er wieder auf Tournee muss. Bei der ersten Strophe geht es um eine emotionale Reise, bei der zweiten um eine geographische. In der ersten Strophe beichtet er seine serielle Untreue, in der zweiten verspricht er, treu zu sein.

Zugegeben, die erste Strophe schrammt hart am Rande des Klischees vorbei; aber der Sänger sagt ja nicht: „Ich habe dabei immer an dich gedacht“, was ich immer unerträglich fand. Er sieht ein, dass seine one night stands eigentlich immer die Suche nach dem war, was er zu faul oder zu feige oder zu blind war, zuhause zu finden. Und das ist, glaube ich, fast immer der Fall.

Der Refrain ist schön, weil er eine Friedenserklärung ist; die Mühen der Berge sind vorbei, lass uns gemeinsam die Mühen der Ebene durchlaufen. Davon handelt die dritte Strophe.

Wir haben den Song bei einem nicht unbedeutenden Produzenten aufgenommen, dessen Name mir entfällt. Das Studio war, wenn ich mich nicht irre, am Roseneck in Berlin, da hatte der Produzent auch seine Privatwohnung, oder eine Privatwohnung. Und dorthin rief er mich dann, während im Kontrollraum am Mix noch gearbeitet war. Er lag mit einem Mädchen auf einem Bett oder Liegesofa und sagte: „Hör mal, die Melodie ist ganz nett.“ (Siehe oben. Finde ich auch.) „Aber auf Englisch und als ‚Berlin Blues Band‘ wird das nichts. Ich habe einen deutschen Text geschrieben. Vielleicht kannst du den singen.“

Ich schaute mir seinen Text an. Vielleicht war nur der Refrain fertig, jedenfalls erinnere ich mich nur an den Refrain. Er hatte aus meinem Text nur ein Wort genommen, nämlich „stone“, und nun ging das so:

Sie hatte rehbraune Augen, doch ein Herz aus Stein

Hm. Die Sache ist die, dass ich auch bei einem sehr guten Text wahrscheinlich abgelehnt hätte, denn ich bin der Ansicht, dass man eigentlich nur in seiner Muttersprache mit Herz und Verstand singen kann. Ich bin so zweisprachig, wie es nur geht, ich verstehe die Nuancen deutscher Gedichte und Texte besser als viele Deutsche, und doch geniere ich mich, deutsch zu singen, und ganz besonders, deutschen Rock.

Auf Berlinisch geht das noch am besten, aber im Kern denke ich: nee, geht nicht. Und noch bei den besten deutschen Rocksängern, wenn sie englisch singen, bin ich skeptisch; selbst Abba machte Fehler: „Now we’re old and grey, Fernando / Since many years I haven’t seen a rifle in your hand…“ Es müsste ja „For many years …“ heißen. Aber ich schweife ab. Ich hätte also selbst einen guten Text wahrscheinlich nicht singen wollen, aber „Rehbraune Augen …“ Näh. Ich glaube, wir kamen überein, dass er den Song mit deutschem Text selbst oder mit einem anderen Sänger aus seinem Stall aufnehmen könne. Ob er das je gemacht hat, weiß ich nicht. Ich denke wohl nicht.

Dennoch habe ich mich erschrocken, als ich kürzlich die Überschrift las: „Manuel Hagel: Sie hatte rehbraune Augen …“ Dachte schon, dann käme: „… doch ein Herz aus Stein.“

Zum Fall Hagel (man muss sich sein Lächeln im Interview ansehen) alles, was gesagt werden muss, von Mara Delius: „Wer hier einen unbedeutenden Ausrutscher sieht, weiß nicht, was es bedeutet, als Mädchen zuerst nach seinem Körper beurteilt zu werden, statt zunächst nach dem, was man zu sagen hat. Nichts anderes meint Sexismus. Kein Mädchen muss sich heute von einem Mann zur Eva machen lassen.“

Und hier der Text:

The War Is Over (Klaus  Kluge / Alan Posener)

Back on the road

The road that leads back to your arms

Out of the cold

To the solace of your charms

In all the girls, in all the faces

All I ever saw was you

 

Back on the road

The road that takes me from your arms

Back to the cold

With all the beauty and the charms

In all the towns, in all the places

All I’ll ever see is you

(Believe me baby)

 

The war is over for this rolling stone

Wait for me baby, I’m coming home

 

As times go by, through all the changes

All I’ll ever see is you

(Baby, baby)

I don’t mind the load

Or the stones I’m stumbling over

This is the road

The road that leads back to my home

 

The war is over …

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