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Warum wir den Juden den Holocaust nicht verzeihen

Fotocredit: iStock/marexx

Die Reaktionen auf den Krieg in Gaza zeigen: Noch immer müssen sich die Deutschen an ihrer Vergangenheit abarbeiten. Ein Fall für den Psychoanalytiker.

Es ist ziemlich einfach, zum Antisemiten zu werden. In der Grundschule war einer meiner Klassenkameraden Jude. Als ich ihn zuhause besuchte, biss mich der Hund der Familie in die Wade. Seitdem hege ich eine tiefe Abneigung gegen … Cockerspaniels.

Nein, so funktioniert das nicht! Ein derart ernstes Thema lässt sich nicht flapsig angehen. Eher so: Wenige Jahre später, Ende der 70er, zogen wir in die Niederlande. Im Fernsehen lief eine neue vierteilige Serie namens „Holocaust“, über die jeder redete. Im Fußballtraining wurde ich mit „Heil Hitler!“ begrüßt. So lernte ich als Zwölfjähriger auf die harte Tour, dass Deutsche nicht überall wohlgelitten waren und dass es dafür gute Gründe gab.

Die Sportreporter der 70er und 80er hatten diese Lektion verinnerlicht. Kommentatoren wie Ernst Huberty, Rudi Michels, Rolf Cramer oder Eberhard Figgemeier (der Letzte der alten Schule, danach kamen die Beckmanns und Kerners) bewahrten selbst dann die Contenance, wenn die Bundesrepublik bei einer Fußball-WM gerade ein glorreiches Match gewonnen hatte. Als Deutscher ziemte es sich nicht, Hurrapatriotismus zu zeigen.

Die falsche „Lea“

Als Jugendlicher störte mich das. Was hatte ich mit dem Mist zu tun, den Opa fabriziert hatte! Aber noch mehr nervte mich, alle naslang ermahnt zu werden, man dürfe jene unseligen Jahre der deutschen Geschichte auf keinen Fall vergessen – als wäre dies eine realistische Option gewesen. Vergessen war unmöglich. Dafür sorgte schon die Nervensägen-Allianz aus Fernsehmachern, Lehrern und Politikern, die bei jeder passenden und unpassenden Gelegenheit zum Gedenken – also Nicht-Vergessen – aufriefen. Es war so anstrengend.

Als dann auch noch die allgegenwärtige Lea Rosh, die gleich zwei Talkshows moderierte (nämlich „III nach 9“ und „Freitagnacht“), zum Bau eines riesigen Holocaust-Mahnmals in Berlin aufrief, war die Schmerzgrenze überschritten. Ich bekenne: Lea Rosh wurde zu meinem Feindbild. Ich hatte nämlich gelesen, dass sie in Wirklichkeit gar nicht „Lea“ hieß (ein Name hebräischen Ursprungs, der bis heute in Israel beliebt ist), sondern Edith Renate Ursula. Ich wiederhole: Edith – Renate – Ursula. Ging‘s noch deutscher?

Damals kam mir zum ersten Mal der Gedanke, dass die Deutschen Heuchler waren. Schlimmer noch: großkotzige Heuchler. Sie hatten der Welt den Krieg erklärt, Europa in ein leichenübersätes Trümmerfeld verwandelt und Millionen von Juden systematisch ermordet. Wer eine solche Bilanz vorzuweisen hat – das hatten mich meine Kindheitsjahre in Holland gelehrt –, sollte vor allem eines tun: die Klappe halten. Aus Achtung vor den Opfern und weil es nichts zu rechtfertigen gab. Lea Rosh aber redete, redete und redete. Und irgendwann begriff ich, dass genau diese Art der Vergangenheitsbewältigung den Nerv der Nazi-Kinder und Nazi-Enkel traf. Lea Rosh lebte vor, wie man als Täternation den Holocaust zu verarbeiten versuchte: Die Deutschen mussten die besseren Juden werden.

Auf der Suche nach den schlimmeren Nazis

Einer, der die diese Metamorphose meisterlich bewältigte, war der grüne Außenminister Joschka Fischer. Als 1999 darüber debattiert wurde, ob deutsche Truppen erstmals seit 1945 wieder an einem Kriegseinsatz im Ausland teilnehmen sollten, hätte er dies so rechtfertigen können: „Serbien hat den Kosovo angegriffen. Wir müssen den Kosovo verteidigen.“

Doch mit solch nüchternen, unemotionalen Begründungen hätte er die grüne Basis, die immer noch einem Nostalgie-Pazifismus nachhing (der Kampf gegen die Nachrüstung lag erst 15 Jahre zurück) nicht überzeugen können. Hier musste schärferes Geschütz aufgefahren werden. Also schwor Fischer auf einem Grünen-Parteitag die Delegierten auf „Nie wieder Auschwitz!“ ein.

Es war eine infame Parole. Zum einen, weil damit impliziert wurde, die Serben hätten vor, Konzentrationslager zu bauen, um systematisch Menschen zu ermorden. Zum anderen, weil dadurch die Einzigartigkeit des Holocaust bestritten wurde. Ja, die Deutschen hatten Schlimmes getan, aber – siehe da! – die Serben schienen genauso böse zu sein.

Es war schon paradox: Ausgerechnet die Kinder und Enkel von Nazis machten es sich fortan zur Aufgabe, neue Nazis aufzuspüren und zu brandmarken. Papa und Opa dankten es. Seitdem haben die Deutschen nicht länger das alleinige Patent auf den Holocaust; er ist eine Art Weltkulturerbe geworden.

Selektives Mitgefühl

Der teutonische Saulus fühlt sich prächtig in seiner neuen Rolle als Paulus. Und wie das biblische Vorbild gefällt sich der geläuterte Deutsche als Prediger. Er belehrt die Welt darüber, wie diese sich zu verhalten habe. Kein Wort verliert der Moralapostel hingegen darüber, dass deutsche Firmen Waffen in Krisengebiete liefern – man muss halt zwischen Sonntagsreden und Tagesgeschäft zu unterscheiden wissen.

Auch ist er sich durchaus bewusst, an wen er seine Standpauken richtet. Schwarzafrika muss keine Zurechtweisungen befürchten. Die Gemetzel, Massaker und Vertreibungen in Ruanda, Kongo, Elfenbeinküste und Südsudan ließen und lassen den Deutschen kalt. Auch was im fernen Asien passiert, berührt ihn nur am Rande. „Myanmar? Da war doch was … Egal!“ Und Bergkarabach? „Das hört sich nach Kraxeln und Skifahren an.“ Selbst im Nahen Osten ist das Interesse selektiv. Drusen und Kurden müssen ohne deutsche Anteilnahme auskommen.

„Schauen wir genau hin!“ (aber nur bei Israel)

Hochinteressiert und hypersensibel erweist sich der gemeine Germane hingegen, wenn es um ein Land geht, das nicht größer ist als Hessen und seit fast 80 Jahren ums Überleben kämpft. Beim Thema Israel springen sämtliche Sensoren sofort an. Das Reaktionsmuster ist dabei stets das Gleiche: Sobald Israel militärisch oder terroristisch attackiert wird und zurückschlägt, schnellt der erigierte deutsche Zeigefinger hoch. Doch angeprangert werden nicht etwa die Angreifer, die keinen Hehl daraus machen, dass sie alle Juden töten und den Judenstaat Israel auslöschen wollen, sondern die Verteidiger. Keinen Staat betrachten die Deutschen so kritisch wie Israel. Das geht so weit, dass dem Land unterstellt wird, es begehe in Gaza einen Genozid.

Spätestens jetzt begreift man, dass hier nicht der Politologe, sondern der Psychologe gefragt ist – Doktor Freud, übernehmen Sie! Der Fall liegt wie folgt: Da gibt es eine Nation, die einen Genozid begangen hat und die selbst gut 80 Jahre später zwanghaft die Nachfahren jener Menschen kritisiert, die diesen Genozid überlebt haben. In der Regel geschieht das auf verdruckste oder Von-hinten-durch-die-Brust-ins-Knie-Manier.

Beispielhaft lässt sich dies am umstrittenen „Hunger“-Titelbild der „Stern“-Ausgabe Nr. 32/2025 aufzeigen. In großen Lettern war dort zu lesen: „Schauen wir genau hin! Gerade wegen unserer Geschichte muss Deutschland dazu beitragen, den Gaza-Krieg zu beenden. JETZT“. Es braucht seine Zeit, um diese verschwurbelte Aussage zu dechiffrieren. Man spürt beim mehrfachen Lesen, wie die „Stern“-Redakteure darum gerungen haben, die richtigen Worte zu finden – und am Ende doch gescheitert sind. Denn was man eigentlich sagen wollte, war: „Wir haben vor einiger Zeit schreckliche Verbrechen begangen und würden alles tun, um dieses Stigma endlich loszuwerden.“

„Am deutschen Wesen soll die Welt genesen“

Aber warum fällt es uns so schwer, Frieden mit unserer Vergangenheit zu schließen? Die Antwort ist im Nationalcharakter zu finden. Seit Beginn der Neuzeit glauben die Deutschen die übrigen Erdbewohner darüber belehren zu müssen, wie man richtig zu leben habe. Ob Martin Luther, Immanuel Kant oder Karl Marx – sie alle fühlten sich bemüßigt, der Menschheit Handlungsanweisungen an die Hand zu geben.

Dem heute gern belächelten Ausspruch „Am deutschen Wesen soll die Welt genesen“ (Emanuel Geibel, 1861) lag ein hoher ethischer Anspruch zugrunde. Auch im wörtlichen Sinn: Die Deutschen blickten auf Völker herab, die wie „die Südländer“ Fünfe gerade sein ließen. So viel teutonische Hochnäsigkeit ist seit 1945 nicht mehr möglich. Durch den Holocaust hat Deutschland seinen moralischen Hochsitz unwiederbringlich zerstört.

Die Wunde, die nicht zuheilen will

Eine Tatsache, die vor allem jene Deutschen verdrängen, die noch immer den Rest der Menschheit mit unerbetenen Ratschlägen behelligen. Bloß ist das mit der Verdrängung so eine Sache. Sie gelingt umso weniger, je häufiger die Wirklichkeit am Trauma kratzt.

Diese Wirklichkeit heißt Israel. Dessen bloße Existenz erinnert die Deutschen daran, dass sie – unbeabsichtigt und ungewollt – ihres dazu beigetragen haben, die israelische Staatsgründung zu forcieren. Selbst unter jüdischen Skeptikern setzte sich in den 1940er-Jahren die Erkenntnis durch, dass Juden nur in einem eigenen Staat vor Verfolgung geschützt waren. Und wann immer Israel mit einem Vergeltungsschlag oder Retourangriff auf die Vernichtungsversuche seiner Feinde reagiert, kommuniziert es uns Deutschen: „Wir haben uns einmal abschlachten lassen; wir werden es kein zweites Mal zulassen.“ Prompt ist der verdrängte Holocaust wieder präsent.

Man ist irritiert darüber, dass die ehemalige Außenministerin Annalena Baerbock zwar die Ukraine vor dem Aggressor Russland in Schutz nahm, nicht jedoch Israel vor dem Aggressor Hamas. Schlimmer noch, man ist fassungslos, dass sie und ihre Vorgänger mit Abermillionen Euro eine Regierung unterstützten, deren erklärtes Ziel die Auslöschung Israels ist („From the River to the Sea, Palestine will be free“).

Unabhängig davon stellt sich generell die Frage, ob es vielleicht bei manchen Deutschen das Unterbewusstsein ist:  die uneingestandene, ja verdrängte Sehnsucht, dass es Israel irgendwann nicht mehr gibt. Denn in einer Welt ohne Judenstaat würden die Deutschen nicht fortwährend an ihre Vergangenheit erinnert und könnten endlich jenen Schlussstrich ziehen, der ihnen seit über 80 Jahren partout nicht gelingen will. Was meinen Sie, Doktor Freud?

Frank Jöricke, Jahrgang 1967, ist Autor des antinostalgischen Nostalgiebuchs „Früher war alles anders“. Er schreibt für den „Playboy“, „Die Welt“, „Neues Deutschland“, „Trierischer Volksfreund“, „Cicero“ und „Freitag“. Seinen Durchbruch als Autor hatte er mit dem Roman „Mein liebestoller Onkel, mein kleinkrimineller Vetter und der Rest der Bagage“.

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49 Gedanken zu “Warum wir den Juden den Holocaust nicht verzeihen;”

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    Was der Herr Walther valles so beobachtet?
    Naja, mit seiner Zeitzeugenschaft als „politischer Häftling in der ehem. DDR“ wars bei dem Herrn nicht weit her und als er dann auch noch anfing, gegen andere Betroffene der DDR-Diktatur zu hetzen, hat man ihn kurzerhand aus dem Zeitzeugenportal entfernt. Mit einem gewaltigen Arschtritt. Und wer dann noch so primitiv über seine Schwester her z9ieht ist auch nicht gerade ein Beispiel grenzenloser Geschwisterliebe. Wobei auch bis heute noch nicht klar ist, was überhaupt der Grund für seine „versuchte“ Republikflucht war. Zumal sein ständiger Kontakt zum Knastpfaffen in Brandenburg – der ja als Zuträger des MfS bekannt wurde – zu denken gibt, Nicht umsonst wurde ihm ja nach der Haft sofort eine Einstellung als „Brigadier“ angeboten. Ein Lügenmaul, ein Hochstapler und ein Menschenverächter. Aber auch ihzn wird sein Karma eines Tages ficken!

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    Der „obsessive Blick auf Israel“, lieber Ben Frick,

    hat Ursachen, die sind etwas älter als der Holocaust. Und da würde ich dann Frank Jöricke auch widersprechen.

    Für mich, als ich am 13. März 1985 aus der DDR-Haft freigekauft wurde, war Israel ein Ziel, das ich jetzt anzusteuern hatte, um meinem Gott für die mir geschenkte Freiheit zu danken.

    Ja, auch ich hatte in meiner Not in der Arrestzelle geschrien und ebendas versprochen.

    Ich glaube noch heute, dass alle Probleme dieser Welt in Jerusalem wie unter einem Brennglas zu erkennen sind.

    Und ich gestehe: Ich weiss die Lösung nicht.

    Israel ist in den USA unter Evangelikalen obsessiver besetzt als unter Juden.

    Hat alles wenig mit Vätern und Grossvätern zu tun.

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      Lieber Bodo Walther,
      jein. Antisemitismus gibt es überall, da bin ich bei Ihnen. In Deutschland kommt m.E. aber etwas Eigenes hinzu: die Mischung aus Schuldkomplex, moralischem Auftrumpfen und der Neigung, das Eigene im Anderen zu verorten. Das hat dann doch wieder viel mit Vätern und Großvätern zu tun, oder genauer gesagt mit dem, was darüber gesprochen wurde. Und mit dem, was nicht.
      Ob sich „alle Probleme dieser Welt“ in Jerusalem wie unter einem Brennglas zeigen, weiß ich ehrlich gesagt nicht. Ich war nie dort.

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      Jerusalem, lieber Ben Frick

      ist die Heilige Stadt. Aufs Rationale runtergebrochen ist sie es dadurch, dass Milliarden von Menschen glauben, dass dem so sei. Und dort ihre Niederlassungen haben.

      Ich gebe einschränkend zu: Das betrifft nur die westliche Welt.

      Für Inder oder Chinesen ist Jerusalem halt eben so eine von den Städten dieser Welt.

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    Ich habe nicht den Eindruck, dass es an Deutschen fehlt, die Waffenlieferungen an diverse Staaten kritisieren, lieber Frank Jöricke.

    Ja, Myanmar, Bergkarabach, Zentralafrika – die Liste ließe sich fortsetzen –…: Das Interesse der deutschen Öffentlichkeit an diesen Ereignissen ist, gemessen an Israel und Gaza, marginal. (Wobei Deutschland in dieser Hinsicht nur ein Muster bestätigt, das nicht auf es beschränkt ist. „Vergessene“ Konflikte sind das ja nicht, weil sie explizit in Deutschland „vergessen“ wären.)

    Im Gegensatz zu Aserbaidschan, Zentralafrika, dem Sudan und Myanmar hat Israel eine Zivilgesellschaft, die Kritik nicht nur hören, sondern auch umwerten kann. Mehr noch: Es fehlt in Israel selbst nicht an Menschen, die das Vorgehen in Gaza als genozidal beschreiben (was ich selbst nie habe und auch hier ausdrücklich bestreiten will). Im Gegensatz zu (zum Beispiel) der Situation in den erstgenannten Staaten wurde der Krieg in Gaza allerdings von einer demokratisch gewählten Regierung geführt, die (noch) rechtsstaatlicher und zivilgesellschaftlicher Kontrolle unterliegt.

    Übrigens wird in keinem dieser Länder um deutsche Ratschläge gebeten. Warum auch? Aber das heißt ja nicht, dass Kritik aus Deutschland sachlich falsch sein muss.

    Es befriedigt mich nicht, dass die bloße Tatsache, dass Israel und Gaza in Deutschland besondere kritische Aufmerksamkeit erhalten (und andere, die sie auch oder viel mehr verdienen würden, weit weniger) Ihrer Ansicht nach ein antisemitisches Sediment in der deutschen Bevölkerung belegen soll (selbst falls es das tatsächlich gibt). Oder einen ins Aggressive nach außen gewendeten Selbsthass. Offen gesagt, hat dieser Denkansatz in meinen Augen sogar das Potenzial, zu einer Immunisierung von Israels Regierung gegen Kritik ausgebaut zu werden.

    Ich selbst erliege, wenn ich mit „propalästinensischen“ Menschen diskutiere, immer wieder der Versuchung, ihnen Gegenrechnungen ins Gesicht zu schleudern: Und was ist mit Kurdistan? Was mit dem Sudan? Was mit Saudi-Arabien? Wenn ich sie wiederum bei manch einer proisraelischen Stimme lese, wie etwa bei Ihnen, frage ich mich, warum das Offensichtliche nicht gesehen wird: Dass Kritik an einer Stelle nicht substanzlos ist, weil sie an anderer Stelle unterbleibt, wo sie es ebensowenig wäre. Und warum eigentlich nicht beim Judenstaat beginnen, auf ihn fokussieren – gerade weil seine Existenz eine indirekte Folge des Holocaust ist und dieser Staat deshalb ein Rechtsstaat sein und bleiben muss? Gerade weil Israels Überlebenskampf von Anfang an seinen Erfolg Deutschland mitverdankt?

    Ich vermag nicht zu sagen, ob die Mehrzahl der deutschen Kritiker des Vorgehens in Gaza 2023 – 25 sich Ähnliches gedacht hat. Ich vermute zwar, nein. Und trotzdem halte ich es für intellektuell schlüssig, sich als einen Hauptadressaten von Kritik jemanden auszusuchen, bei dem eine reale Chance besteht, dass sie etwas bewirkt. Bei Autokraten ist das in der Regel nicht der Fall. Selbst Sanktionen (die ich gegen Israel rundweg ablehne) tun es oft nur sehr begrenzt und verlangsamt.

    Und da reden wir noch gar nicht vom Westjordanland.

    Die Massaker des Oktober 2023 wurden mit Waffen ausgeführt, mit denen die Hamas die Existenz Israels niemals auch nur annähernd hätte gefährden können. Tatsächlich hätte Israel über die Technologie verfügt, von den Planungen zu wissen und diese Angriffe zu verhindern oder im Ansatz zurückzuschlagen. Eine hervorragend ausgebildete und optimal ausgerüstete reguläre Armee stand (und steht) gegen eine an zumindest an Zahl und Bewaffnung hoffnungslos unterlegene Terrormiliz. Deren hauptsächliche Stärke war und ist ihre Bereitschaft, sich hinter der Zivilbevölkerung zu verstecken.

    Ich wüsste andererseits auch nicht, wo in der Welt eine Situation bestünde, die analog zu Gaza gelagert ist: Da drängt sich eine Bevölkerung von zwei Millionen auf einem Gebiet von der Größe eines deutschen Landkreises, aus dem sie nicht emigrieren kann und der kaum Perspektiven bietet. Antisemiten faseln von der Nachahmung des Warschauer Ghettos. Das ist absurd und dreist, keine Frage. Aber kann man wirklich so erstaunt sein, dass diese Assoziation aufkommt? Und das ja bei weitem nicht nur in Deutschland.

    Im Falle des Krieges in der Ukraine liegen die Dinge sowieso völlig anders: Der Aggressor ist militärisch haushoch überlegen. Es besteht keine ernsthafte diplomatische und politische Option. Für Israel besteht sie gegenüber den Palästinensern sehr wohl.

    „Da gibt es eine Nation, die einen Genozid begangen hat und die selbst gut 80 Jahre später zwanghaft die Nachfahren jener Menschen kritisiert, die diesen Genozid überlebt haben. In der Regel geschieht das auf verdruckste oder Von-hinten-durch-die-Brust-ins-Knie-Manier.“

    Welche Art Kritik deutscherseits an Israel, lieber Frank Jöricke, würden Sie denn legitim und nicht „zwanghaft“, „verdruckst“ oder sonstwie unanständig nennen? Überhaupt keine, weil vor einem Menschenleben der Holocaust von Deutschland ausging? Oder, wenn überhaupt, nur eine, die von entsprechend lauter Kritik an jeglichen anderen Menschenrechtsverletzungen begleitet ist?

    Es sei erwähnt, dass der Holocaust wohl nie sein tatsächliches Ausmaß erreicht hätte, hätten die übrigen europäischen Völker sich ihm entschlossen verweigert oder den fliehenden Juden ihre Grenzen geöffnet. Den Holocaust erdacht, geplant und ausgeführt zu haben, liegt ohne jeden Zweifel in der Verantwortung Deutschlands. Und doch ist er auch ein gesamteuropäisches Verbrechen, an dem Millionen Menschen beteiligt waren, die nicht zur „deutschen Nation“ (wenn es so etwas gibt) gehört haben.

    Um es zusammenzufassen: Nein, ich kann mich Ihrer kollektivpsychologischen Deutung nicht anschließen – halte sie sogar für verfehlt. Deutschland möchte gerne moralische Supermacht sein, soviel ist offensichtlich. Aber das liegt meines Erachtens eher daran, dass die Deutschen ganz allgemein qua ihrer Schulbildung ganz genau wissen, dass es keine generationenübergreifende Kollektivschuld gibt. Nahezu kein heute lebender Deutscher kann für den Holocaust auch nur das Geringste.

    Was mir hingegen einleuchtet, ist der Gedanke, dass es kein Zurück zum Davor gibt. Deutschland will anders sein. Das „anders“ muss sich gegen den Nationalsozialismus definieren.

    Ja, es wäre schön, wenn mehr Deutsche daraus die Konsequenz ziehen würden, (auch) die arabischen Epigonen der Nazis zu kritisieren. Es ist aber bequemer, sich auf Israel zu beschränken und in einen Antisemitismu zurückzufallen, den man gar nicht bemerkt – denn die Gnade der späten Geburt ist ja real.

    Und das gilt bei weitem nicht nur für Deutschland! Denn fast alle anderen großen Flächenstaaten Europas haben Palästina anerkannt. Deutschland nicht. Es war und ist auch einer der größten Waffenlieferanten Israels, und das über nahezu den gesamten Gaza-Krieg hinweg. Man kann sich also fragen, ob das, was sie an Deutschland monieren, nicht eigentlich in relativen Grenzen bleibt. Ich denke, ja.

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      Lieber Matt Sand,
      „Die Massaker des Oktober 2023 wurden mit Waffen ausgeführt, mit denen die Hamas die Existenz Israels niemals auch nur annähernd hätte gefährden können“
      das halte ich für einen Irrtum: Sinwars ‚Aktion‘ war keineswegs ein emotionaler Racheakt, sondern hat, nüchtern geplant und erwiesen, Israel international ins Abseits befördert. Er konnte ganz genau kalkulieren (aufgrund seines langen Aufenthaltes in Israel), wie Netanjahu reagieren musste und wie ‚liberale‘ Staaten reagieren werden. Hätte Israel nicht daß Glück gehabt, daß sich Trump da eindeutig positioniert hätte, hätte es Israel innerlich zerrissen und Israel wäre außenpolitisch komplett isoliert worden. Sie haben aber sicher Recht, wenn Sie davon ausgehen, daß das Mitgefühl für unter diesem Krieg leidenden Bevölkerung – durch die israelischen Bombardements und durch die Hamas – grundsätzlich nichts mit Antisemitismus zu tun hat. Wenn man jedoch berücksichtigt, daß die israelische Armee die Bevölkerung vor den Bombardements warnt (war andere Terrorkrieg führende Länder nicht tun), sieht das von Ihnen geschilderten Szenarium doch etwas anders aus.

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        Lieber Klaus J. Nick – Sie monieren völlig zu Recht. Ich muss offen zugeben, dass ich nach einer Nacht drüber schlafen Manches in meinem Beitrag so nicht mehr schreiben würde, weil es undurchdacht ist.

        Dazu gehört die Suggestion, Kritik an oder Sanktionen gegen autoritäre Staaten seien per se wenig bis gar nicht aussichtsreich, und auch die Behauptung, Israel habe gegenüber den Palästinensern eine diplomatische und politische Option, die der Ukraine fehle. Da habe ich mich hinreißen lassen, Überlegungen problematisch zuzuspitzen, die zudem noch von Grund auf faul sind.

        Ich habe in den zwei Jahren des Gaza-Krieges das entschlossene militärische Vorgehen der Netanjahu-Regierung fast durchgehend verteidigt. Dahinter stehe ich auch jetzt noch. Die Hamas ist ohne militärische Mittel nicht zu besiegen, solange sie nicht international geächtet wird und dem auch Taten folgen. In den arabischen Staaten insbesondere. Und sicher ist es auch arrogant, aus mitteleuropäischer Perspektive das Aufgeben der strategischen Position zu wünschen, die Israel in verschiedenen Kriegen erlangt hat.

        Aber: Wenn Netanjahu und seine politische Klientel keinen Staat Palästina wollen, was wollen sie denn? Und waren die Ziele dieses Krieges nicht auch nach innen gerichtet – wie Sie selbst ja schon andeuten?

        Es hätte rückblickend sehr wohl die Option bestanden, die militärische Gewalt weniger breit einzusetzen oder in der Intensität früher zurückzufahren. Dass man nicht hart zurückschlägt und dabei auch viele zivile Opfer in Kauf nimmt, ebenso das Anwachsen des Völkermordvorwurfs, konnte niemand erwarten. Die zwei Jahre in der gewesenen Form waren dennoch keine Notwendigkeit. Die Hamas hat hier meines Erachtens nicht so sehr auf die zentrifugalen Kräfte der Demokratie spekuliert, sondern auf den religiösen Nationalismus der israelischen Regierungskoalition. Was Sie vielleicht auch meinten. Nach zwei Jahren der Bombardements ist die Hamas aber weder vernichtet noch militärisch erledigt – allein schon das muss die Frage aufwerfen, ob der gewählte Weg auf Dauer weiter verfolgbar ist.

        Was ich über die Waffen der Hamas gesagt habe, möchte ich von einem rein militärischen Standpunkt aus verstanden wissen – wenn das nicht deutlich wurde, ist es fraglos meine Schuld. Israel kämpft heute eben nicht mehr „ums Überleben“, wie Frank Jöricke es beschreibt. Es ist das wirtschaftlich vitalste, politisch stabilste und militärisch stärkste Land der Region und grenzt derzeit an keinen Staat, der an einem Waffengang ein Interesse zeigt.

        Die Möglichkeit eines „inneren Zerreißens“, die Sie in den Raum stellen, sehe ich so nicht. Jedenfalls keines, das gleichbedeutend mit einer Auslöschung des Staates Israel wäre. Auch die Handlungszwänge, denen die westlichen Staaten unterliegen, halte ich für nicht so eindimensional.

        Gerade deshalb funktionierte das widerliche Kalkül der Hamas ja so gut. Einen Krieg in Gaza sauber führen zu wollen, war immer illusorisch. Ja, Israels Armee hat Manches getan, um es wenigstens zu versuchen – wie viel und ob es genug war, kann und will ich nicht beurteilen. Dass der praktische Nutzen von „Gehen Sie, wir werden angreifen!“ überschaubar ist, im Gazastreifen zumal, ist andererseits offensichtlich. Die Hamas hat richtig spekuliert: Die vorhandenen Solidaritätsressourcen sind nicht unerschöpflich, sind ungleich verteilt und werden zusätzlich dadurch gefährdet, dass der Likud und seine Koalitionspartner politisch nun eben mehr wollen als die Niederlage äußerer Feinde. (Das Ganze hätte aber auch schiefgehen können, für die Hamas. Die Anerkennung durch westliche „Schwergewichte“ wie Frankreich, Großbritannien, Kanada, kam ja erst im Herbst 2025.)

        Die zunehmende politische Isolation Israels ist in der Tat besorgniserregend. Ob man schon von „im Abseits stehen“ sprechen kann, weiß ich nicht, zumal dieser Prozess nicht nur einseitig ist. Es bestand ja z. Bsp. keine Notwendigkeit, Emmanuel Macron zur unerwünschten Person zu erklären. Und sicher war es auch nicht Glück, dass Trump sich auf die israelische Seite stellte. Vielmehr wusste Netanjahu sehr genau, dass ein republikanischer Präsident Israel immer begünstigen muss. Auch auf Deutschland konnte gerechnet werden. Bezüglich der übrigen freien Welt ist die Lage weniger klar, und die Anerkennungswelle für Palästina muss aus Sicht der Terroristen in der Tat traumhaft sein.

        Man kann deshalb auch fragen, worauf Frank Jörickes Diagnose der „Zwanghaftigkeit“ deutscher Israelkritik sich eigentlich stützt: Haben die Außenminister anderer europäischer Länder sich durch die Bank deutlicher mit Israel solidarisiert? Ist es erwiesen, dass deutsche Medien Israel besonders häufig kritisieren und dabei besonders scharf moralisieren – verglichen etwa mit französischen, italienischen oder polnischen? Klafft in Deutschland das Missverhältnis von Kritik an Israel und an anderen Staaten besonders weit auseinander, auch hier wieder im internationalen Vergleich? Stehen kritischen journalistischen Stimmen nicht viele solidarische gegenüber, womöglich gar mehr als anderswo? Und last but not least, aber definitiv rhetorisch: Ist Deutschland eigentlich das einzige Land mit einem eingewurzelten Antisemitismus-Problem?

        Die Wirklichkeit sieht doch wohl eher so aus, dass Deutschland zu den wenigen verlässlichen Verbündeten Israels gehört, die deutschen Leitmedien keineswegs willig in die Völkermord-Vorwürfe eingestimmt haben und dass die übergroße Mehrheit der deutschen Bevölkerung nicht auf „Pro-Palästina“-Demos gegangen ist. Aber, seltsamerweise, Deutschland wird pathologisiert.

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        Lieber Matt Sand, einerseits kritisieren Sie zurecht die Gleichsetzung von individuellem Verhalten und ‚Verhalten von Ländern‘. Dann differenzieren Sie wieder nicht und wollen Deutschland ander Seite Israels sehen.
        Unser Land ist, wie jedes moderne westliche Land, USA, Israel, GB, Frankreich, Spanien völlig gespalten bei dem Welt- und Menschenbild. Sie haben ja Recht, Antisemitismus ist keine deutsche Erfindung, wohl aber das mangelnde Vertrauen in die eigene Urteilskraft und Gefühlswelt, weswegen das oft so stereotyp und unbedingt in diesem Land daherkommt. Irgendwie macht man aus allem eine hochorganisierte Industrie..
        Und daß nur eine Minderheit auf Demos geht ist eine Binsenweisheit. Selbst wenn sie von ganz oben und unten Einsatz von viel Steuergeld organisiert werden.

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    Der gemeine Germane, um Ihr Wort aufzugreifen, bewältigt in Jahrzehnten einen bemerkenswerten Dreisprung: vom lauten Täterschweigen über den verqueren Sündenstolz zum tumben Weltenrichter. Nicht leicht zu ertragen.

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      Der „gemeine Germane“ ist ja zweifellos eine diagnostische Abstraktion, lieber Wolfgang Schäfer: Der Deutsche schlechthin – das ist, wie einige, vielleicht viele Deutsche sind, aber die meisten Einzelmenschen, für sich genommen, eben nicht. Der heutige Durchschnittsdeutsche ist ja z. Bsp. auch nicht der von 1966, denn der ist in den meisten Fällen tot; wer das heutige Durchschnittsalter hat, ist 1980 oder später geboren.

      Es gibt wohl nur wenige Individuen, die alle drei von Ihnen behaupteteten Stadien tatsächlich durchlaufen haben könnten: Denn Täter kann man heute fast nur noch sein, wenn man über 95 ist. Wer den Nationalsozialismus als Kind bis zur Pubertät erlebt hat, dem darf man es wohl zubilligen, Opfer und nicht Täter zu sein.

      Was Sie also (denke ich) meinen, ist: Die Generallinie der Mentalitäten hat sich in Generationen gewandelt. Hoffentlich hat sie das! Allein – große kulturelle Verschiebungen in knappe Formeln pressen zu wollen, ist ein Unterfangen, das allzu schnell in die intellektuelle Bärenfalle führt.

      Denn: Woher die Sicherheit rührt, dass gerade „der“ heutige Deutsche so arrogant-moralisierend sein soll, ist mir nicht klar geworden. Man müsste zur Einschätzung des Durchschnitts ja eigentlich die große Masse analysieren; durch eine Aneinanderreihung von Einzelauszügen eines Diskurses ist das aber nicht geleistet. Was besagt schon eine Äußerung einer Außenministerin, was ein Titelblatt einer Zeitung, auch wenn sie ein Leitmedium ist? Man könnte sagen, dass beides auf eine gewisse Art repräsentative Qualität hat. Ich neige eher zu der Deutung, dass es Versuche sind, einem Bündel widersprüchlicher Motive gerecht zu werden, mit mehr oder weniger bescheidenem Ergebnis. Aber beides sind letztlich nur Momentaufnahmen, die erst qualifiziert werden können, wenn man sie mit einem größerem Ereignisrahmen abgleicht. Kein Mensch ist ohne Fehler, Redaktionen sind es erst recht nicht.

      Für die Zeitzeugen des Holocaust – als Erwachsene – ist die Chose gründlich beforscht. Wie aber sieht es mit dem heutigen Durchschnitt aus?

      Derart krasse Kollektivdiagnosen über Mentalität und Verhalten (und in diesem Fall betreffen sie immerhin mindestens 60 Millionen Menschen) sind als journalistische Provokationen durchaus tauglich. Mit sachlichen Befunden sind sie nicht zu verwechseln. Die Provokation, wenn sie von guten Motiven geleitet ist, will ja gerade den Widerspruch, damit ein Problem klarer eingegrenzt und korrekter erfasst wird.

      Insofern kann ich sie dann auch gut ertragen.

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        Lieber Matt Sand, natürlich gibt es einen Unterschied zwischen individueller Mentalität und dem, was eine Region, ein Land, ein Staat (ein Kollektiv) so als Blaupause für einen Lebensstil (erlaubte, angemessene Empfindungen) so anbietet. Und da hat es (sicherlich nicht nur) inDeutschland eine doch recht rasante Entwicklung vom Militarismus zu faktisch offenen Grenzen für alle und Regenbogenbogenflaggen und der Abschaffung bzw. Neuerfindung von Geschlechtern gegeben. Ob dieser neue Radikalindividualismus bei gleichzeitigem Radikalschutz und Radikalregulierung gegen Viren, Feinstaub, Klima und anderen Dingen, die nur teilweise verstanden wurden, wirklich der menschlichen Natur dienen oder nicht doch Phantasiekonstrukte von Avantgarden, muss sich noch herausstellen. Insbesondere bei der Jugend, die ja jetzt wieder geschützt werden soll. Wahrscheinlich genau vor letzterem. Für Deutschland typisch ist wohl dieses wagnerianische ‚entweder oder‘ bzw. „Dinge um ihrer selbst Willen tun“.

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    Übrigens, Frank Jöricke,

    als ich den Kommentar zu meiner Oma schrieb, setzte ich hinzu, dass das auch 2026 noch immer nicht ratsam sei „so was“ heute „zuzugeben“.

    Die Reaktionen darauf zeigen:

    Die „Opa-war-kein-Nazi-Fraktion“ hat wohl auch auf diesem Blog die Mehrheit. Gerade deshalb ist Ihr Beitrag sehr gut.

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      Lieber Bodo Walther, wenn ich das sagen darf (mit der Bitte, es in der ja hier öffentlichen Diskussion, die wir ja aufgrund eines gewissen Restes an Sendungsbewusstsein vermutlich, alle suchen, nicht misszuverstehen):
      Wer persönliche, familiäre Anekdoten als Beitrag zur Zeitgeschichte anführt, macht sich auch eher persönlich angreifbar bzw. empfindlich. Es ist mir klar, daß hier das Bemühen um Ehrlichkeit – nötiger denn je in diesen Zeiten – dahinter steht. Da Sie aber nicht erwarten können, daß andere das feinfühlig respektieren, sollte man gut abwägen, was man da einsetzt (was ja auch einen gewissen Reiz hat.). Sie können aber auch davon ausgehen, daß die allzu selbstgerechten Bewerter, Einordner und ‚Experten‘ vielleicht das eine oder andere Mal richtig liegen, aber stets selber tiefer in die eigene komplexe und verdruckste Gefühlslage blicken lassen, als jenen vielleicht recht ist. Das sei auch den allzu reflexhaften Kommentierern, die meinen, die Wahrheit würde heute das erste Mal in der Menschheitsgeschichte offen auf dem Tisch liegen, gesagt: Hier lesen alte weiße Männer mit einer gewissen Lebenserfahrung mit.

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      Lieber Bodo Walther,
      wo genau in meiner Reaktion sich die „Opa-war-kein-Nazi-Fraktion“ versteckt, würde mich wirklich interessieren. Ich habe sie beim Schreiben jedenfalls nicht gesehen. Aber siehe meine Antwort auf Ihre Belehrung.

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      Es ist unerheblich, ob die Großeltern der Kommentatoren auf diesem Blog Nazis waren oder nicht, lieber Bodo Walther.

      Denn ganz egal, was sie waren: Niemand, der hier kommentiert, hat auch nur den geringsten Anteil an irgendeiner Schuld für Weltkrieg und Holocaust (es wäre ein arger Zufall, wenn doch). Schuld ist, wenn sie überhaupt kollektiv sein kann, so doch nicht an die Nachkommen übertragbar. (Und war nicht die Unterstellung des Kollektivschuldvorwurfs für die unmittelbaren Zeitzeugen so bequem, weil sie so trefflich dafür taugte, sich als Opfer der Siegerjustiz fühlen zu können statt als Täter – oder wenigstens durch Konformismus Mitverantwortliche – des Holocaust?)

      Verantwortung: Ja, die ergibt sich aus den Wunden der Vergangenheit, die in die Gegenwart reichen, und die man nicht heilen kann – nur ihre Folgen begrenzen. Die deutsche Verantwortung ist real, ist aktuell, ist unbequem. Worum es hier geht, ist: Wer entscheidet, was sie konkret bedeutet?

      Es scheint, dass es vielen Menschen – darunter auch manchen Juden – nicht behagt, dass diese Verantwortung oft nicht in dem Sinne interpretiert wird, dass in Bezug auf den Umgang mit den Palästinensern das israelische Regierungsnarrativ vorbehaltlos zu übernehmen ist. Was, wohlgemerkt, für sich genommen noch nicht das Geringste mit einer Delegitimierung Israels oder mit Hamas-Apologetik zu tun haben, ja, noch nicht einmal mit einer Ablehnung eines harten militärischen Kurses gegen die Hamas einhergehen muss.

      Da kommt dann auf einmal wieder „die deutsche Nation“ als überindividuelle, überzeitliche Größe ins Spiel, die den Holocaust begangen hat. Dabei ist das sachlich falsch. Richtig ist: Der Holocaust ging von Deutschland aus, er wurde in Deutschland von Deutschen geplant, Deutsche schufen die dazu nötige Infrastruktur, Deutsche stellten die meisten Täter und führten eine Situation herbei, in der sie auch Antisemiten anderer Länder für den Völkermord mobilisieren konnten.

      Bei Frank Jöricke „gibt“ es die deutsche Nation einfach. Sie handelt als Kollektiv, sie hat kollektive psychologische, ja pathologische Charakteristika. Dabei ist die Hinterfragung dieses Konzepts der Anfang aller Kritik am Nationalsozialismus.

      Das ist sehr unschön. Aber durch diese Debatten müssen wir wohl durch, wenn die „Es-sollte-jetzt-endlich-mal-Schluss-sein“-Fraktion auf Dauer nicht triumphieren soll. Die ist nämlich leider gerade politisch sehr umtriebig.

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    Lieber Herr Walther,
    ein guter Gedanke! Man ist zu spät dran und will nachholen, was man all die Jahre versäumt hat. Bloß funktioniert Geschichte so halt nicht.

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      Lieber Herr Jöricke,

      eigentlich wollte ich „nachholendE Widerstandskämpfer“ schreiben. Aber Sie haben auch so verstanden.

      „Was ?“ Fragte meine Tante Sigrun nach Omas Beerdigung. „Das hat Mutti Dir alles erzählt? Uns Kindern hat sie das nie erzählt.“

      Der Wille, Oma und Opa verstehen zu wollen, beginnt frühestens in der Enkelgeneration. Wenn überhaupt.

      Und selbst heute noch ist es nicht ratsam, zu erzählen, was Oma erzählt hat:

      Dass sie schon 1923 in der NSDAP war. Bis zum „Röhmputsch“ 1934: „Wie der Führer mit uns alten Kampfgefährten umgegangen ist: Schäbig. Da trat ich aus.“

      Nicht ratsam ist das Erzählen solcher Geschichten weil es noch im Jahr 2026 Meschen gibt, die daraus „schlussfolgern“:

      „Kein Wunder bei dem Walther. Schon seine Oma trug das Goldene Parteiabzeichen.“

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        Lieber Herr Walther,
        Sie wollen doch nicht leugnen, dass „Ihr familiäres Milieu“ Sie maßgebend geprägt hat. Und, ja, da können Sie sogar Dinge prägen, von denen Sie gar nichts gewusst haben. Vielleicht prägt manches „Ungesagte“ mehr als ein klar formuliert es Bekenntnis und eine ehrlich ausgesprochene Reue. Im familiären Umfeld habe ich beides erlebt. Ein Großvater, dem es sehr wichtig war, zu erzählen, wie er in den letzten Tagen des Krieges mit 16 meinte, noch für den Endsieg kämpfen zu müssen. Und wie falsch er damals lag. Dagegen ein anderer Familienzweig, der auch zur „Avandgarde“ der Partei gehörte und bis zum Ende mitgemacht hat, stellte es nach den 1000 Jahren so dar, als habe man da nur aus „Idealismus“ mitgemacht, weil man das mit der „Heimatverbundenheit“ so gut gefunden habe. Dieser Fremd- und Selbstbetrug prägt auch die Nachkommen. Den einen mehr, den anderen weniger. Den einen in die eine, den anderen in die andere Richtung. Der Satz mit dem Bodo und der Großtante ist zwar ziemlich plakativ bzw. unterkomplex aber die Grundannahme, dass die Familie gerade für die politische Sozialisation eine nicht zu unterschätzende Größe ist, können Sie nicht bestreiten. Der Satz könnte aber auch lauten: Ist ja klar, dass der Bodo so ein radikaler Linker geworden ist, weil er schon als Jugendlicher die Geschichten seiner Großtante….

        … so verstanden hat, dass die „frühe Bewegung“ eigentlich eine „soziale“ war (diese Geschichte wird bei uns in einem anderen angeheirateten Familienstrang gerne Mal erzählt).

        … immer verlogen und jämmerlich fand.

        Schon das Beispiel von Ihnen und Ihrer Schwester zeigt ja, dass Menschen mit ziemlich gleichen familiären Prägungen in wichtigen Fragen des Lebens grundverschiedene Ansichten entwickeln können.

        Ich finde, es ist wichtig, über sowas zu reden. Wenn ich Leute treffe, die eine ziemlich unreflektierte Russlandangst haben, interessiere ich mich schon für deren Familiengeschichte. Es ist ja etwas anderes, wenn der auf einer traumatischen Fluchterfahrung beruht oder auf einem schlechten Gewissen, weil der Opa als Soldat an Progromen beteiligt war und eine „Rache“ auch nach Jahrzehnten noch für wahrscheinlich hielt.

        Mich würde daher schon interessieren, wie die Geschichte der Großtante nach dem Röhm-Putsch weiter ging.

        MfG 68er

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        Lieber Achtundsechziger,

        die Geschichte der Oma habe ich zum Teil erzählt. Sie hat ihren Kindern verschwiegen, dass sie mal das Goldene Parteiabzeichen trug.

        Verschämt.

        Oma ist als Rentnerin 1962 nach dem Westen und sie erzählte mir das 1985, als ich freigekauft war und ich sie besuchte und sie die ganze Nacht schluchzte vor Glück und Erleichterung um ihren Enkel. Sie war nie wieder so offen mir gegenüber wie in diesen Tagen.

        Oma erzählte mir dass sie auch angewidert ausgetreten sei 1934, weil die Kameraden alle gesungen hätten:

        „Jagt sie raus, die ganze Judenbande,
        jagt sie raus aus unserem deutschen Vaterlande,
        jagt sie nach Jerusalem
        und hackt Ihnen dort die Beine ab
        sonst kommen sie wieder heem (Heim).“

        Dazu weiß ich aber nicht, ob das eine Erzählung im Nachhinein war. Großmutter war eine kultivierte Frau. Hatte in Weimar in den 1920ern Kunst und Kunstgewerbe studiert und dann bis 1962 einen Kunsthandwerksbetrieb geführt. Auch in der DDR. Kunsthandweberei. Mein Vater hatte den Betrieb dann übernommen:
        https://starke-meinungen.de/blog/2025/02/20/nach-dem-vater-oder-warum-es-in-ostdeutschland-kein-68-gibt/

        Großmutter nahm generell Abstand vom Proll. Kann also auch sein.

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        P.S.:

        Lieber Achtundsechziger,

        da sie fragten, „wie es weitergegangen sei“ mit Oma nach dem Austritt aus der NSDAP 1934: Also wenn Sie wissen wollen, ob sie von irgendwelchen Drangsalierungen deswegen berichtet hat, nein, das hat sie nicht.

        Ihr Leben lief „ganz normal“ weiter. Als brave deutsche arische Handwerksmeisterin. Meinen blinden Opa, den Kriegskrüppel aus dem 1. Weltkrieg, hat sie geheiratet, auf dass sie in der Männerwelt des Handwerks akzeptiert werde. Er konnte ihr damit (gar nicht erstaunlicherweise) helfen.

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        Lieber Herr Walther,
        schlicht Bullshit. Die NSDAP war von Anfang an eine offen antisemitische, antidemokratische und gewaltbereite Partei. Das wusste man 1923. Das stand im Programm, das war Straßenagitation, das war Kern der Bewegung. Wer damals eintrat, tat das nicht ahnungslos, sondern trotz oder wegen genau dieser Inhalte.

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        Lieber Ben Frick,

        Sie sind auch so ein nachholender Widerstandskämpfer.

        Antisemitismus war bis in die 1940er sogar üblich unter gestandenen NS-Gegnern wie Niemöller oder Goerdeler. Götz Aly beschreibt das sehr ausführlich in seinem Buch „Wie konnte das geschehen?“

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        Lieber Bodo Walther,
        Sie erwecken oben den Eindruck, Ihre Oma sei 1934 aus der NSDAP wegen des Antisemitismus ausgetreten. Das ist schon fast Comedy.
        Weil Familiengeschichten gerne als moralische Ausweise ins Feld geführt werden: in meiner Familie gibt es alles: von Nazis über Profiteure und Mitläufer bis hin zu einem Freimaurer, der v.a. deshalb angefressen war, weil die Nazis seine Loge verboten und seine „Brüder“ verfolgten. Das war seine eigentliche Familie und Heimat. Seine Frau, eine Cornwallerin, hasste Deutschland. Er brachte sie nach Bayern, zusammen mit einer Tochter, meiner Oma, nach Ausbruch des 1.WK. Er arbeitete für die Bayerische Hypo in London. Heldengeschichten kann ich nicht bieten. Diese Oma, zeitlebens stolze Engländerin, war dann auch die einzige, die später gesprochen hat: fabelhaftes Gedächtnis, gute Portion Humor.
        Gekämpft habe ich zunächst v.a. mit der Familie.

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        Lieber Ben Frick

        ich wollte nicht den Eindruck erwecken, Oma hätte vor 45 was gegen Antisemitismus gehabt. Sorry, wenn ich das habe.

        Ich schrieb ja auch, dass ich nicht sicher sei ob das nicht eine Erzählung im Nachhinein gewesen sei.

        Antisemitismus ist auch nicht zwangsläufig Auschwitz. Oma wollte nichts davon wissen, wohin die Juden gebracht wurden. Sagen wir mal so.

        Und wurde 1945 darauf gestoßen.

        Etwas nicht wahrhaben zu wollen, wenn man es nicht wahrhaben will. Weil es der eigenen Selbstbeschreibung als doch guter Mensch zuwiderläuft, das funktioniert eigentlich immer ganz gut.

        Auch bei Oma.

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        Lieber Bodo Walther,
        „Keiner hat etwas gewusst“ ist auch so eine Lüge. Ich kenne die Idealisierungen und das Schweigen anderer Familienmitglieder. Je größer das Schweigen, desto größer die Verantwortung oder die Scham, meine Vermutung.
        Ab 1933 grenzte Deutschland die Juden aus und verfolgte sie. Sie sind nach und nach aus dem Berufs- und Geschäftsleben verschwunden, überhaupt verschwunden. Alle haben das mitbekommen, viele euphorisch begrüßt, viele profitiert, viele einfach hingenommen. Das habe ich nicht aus Geschichtsbüchern, sondern aus Erzählungen. Aber man kann mich korrigieren.
        Mein Urgroßvater wurde zum Leidwesen der Familie nach Passau versetzt. Dann kamen sie zurück nach München, was meine Oma eigentlich ganz gerne mochte. Sie war am Gymnasium in der Klasse mit vielen Jüdinnen (Fun-Fact: sie sprach anfangs kein richtiges Deutsch und verstand während ihrer ganzen Schulzeit ihre Englischlehrer nicht so richtig). Sie sprach ruhig und überlegt, mit einem leisen, trockenen Humor. Die Fassung verlor sie nur beim Thema Katholiken, da kam eine Schärfe zum Vorschein, die ich sonst an ihr nicht kannte.
        Dass es für das deutsche Schweigen in den Familien kein Wort gibt, wundert mich. Die Omertà ist lächerlich dagegen.

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        „Habe ich nicht gewusst“, lieber Ben Frick,

        ist eine Antwort auf eine Anklage. Und wer anklagt, findet die Wahrheit nicht.

        Was Siemeinen ist das „hättest Du wissen müssen!“.

        Meine Schwester z.B. sagt, sie habe nicht gewusst, dass die Pillen, die körperfremden Substanzen, die sie vom 18. bis zum 23. Lebensjahr schluckte, …

        … und die sie schluckte, um ihre Sprintkraft zu erhöhen, …

        … dass dies ein Doping gewesen sei.

        Und dabei ist doch das Zufügen körperfremder Substanzen zur sportlichen Leistungssteigerung die Legaldefinition von Doping.

        Die ganze Geschichte vom DDR-Zwangsdoping, erfunden als Erklärung westdeutscher Oberstudienräte zu den DDR-Sporterfolgen („Alles Schummel, alles Betrug“) …

        … und die möglicherweise auch Sie glauben …

        … und an die ein ganzer Deutscher Bundestag glauben will und zu dem CDU und SPD im Koalitionsvertrag Einiges vereinbart haben,…

        … dieses „unwissentlich gedopt“, das gab es meiner bescheidenen Ansicht in der DDR doch gar nicht.

        Trotzdem steht das Narrativ.

        Und die Betroffenen waren tatsächlich in der DDR so ahnungslos, wie sie heute tun.

        Weil der Mensch tatsächlich nicht weiss, was er nicht wissen will.

        https://starke-meinungen.de/blog/2025/10/22/meine-schwester-gesine-so-was-wie-ein-beitrag-zum-ddr-zwangsdoping/

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        Zum gewusst und nicht gewusst haben erzähle ich gerne die Anekdote meiner Oma, die in einer Unterhaltung einmal vehement bestritt, damals gewusst zu haben, dass es Konzentrationslager gab.

        Aber sie hätte doch mitbekommen, wie die Juden behandelt wurden, sie hatte die Reichspogromnacht erlebt, konnte sich gut erinnern, an die „Kauft nicht bei Juden“ Schmierereien und vermittelte mir glaubhaft, dass sie das nicht gut fand. Auf die Frage, ob man darüber geredet habe, antwortete sie:

        Das durfte man nicht, dann wäre man abgeholt worden und ins KZ gekommen.

        Was soll man da noch glauben?

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        Lieber Bodo Walther,
        was Sie alles bei mir hineinlesen, erstaunt mich. Zum DDR-Doping habe ich im Übrigen keine Meinung, schlicht, weil ich mich damit nie beschäftigt habe. Das führt auch ziemlich weit vom Thema weg. Ich möchte weder anklagen noch spreche ich über Schuld oder gar Erbschuld. Der deutsche Schuldkomplex. Aus Angst vor Schuldzuweisung bleibt in vielen Familien alles verkrampft und verstockt. Und das betrifft ja nicht nur das Dritte Reich. Wenn ich Blöd- und Unsinn gemacht habe (hoffentlich mit zunehmendem Alter seltener), erzähle ich jemandem davon. Nicht, um mich anzuklagen, sondern weil es entlastet. Genau darum ging es u.a. auch in Frank Jörickes Text: um Verdrängung und ihre Folgen und nicht um (moralische) Tribunale. Diese Ebenen auseinanderzuhalten scheint vielen Kommentatoren hier schwerzufallen, erlaube ich mir anzumerken.

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        „Zum DDR-Doping habe ich im Übrigen keine Meinung, schlicht, weil ich mich damit nie beschäftigt habe.“

        Sagen Sie, lieber Ben Frick,

        können Sie sich vorstellen, dass es im Dritten Reich Menschen gab, die sagten: „Zu diesen Juden habe ich im Übrigen keine Meinung, schlicht, weil ich mich damit nie beschäftigt habe.“ ?

        Können Sie sich nicht vorstellen? Warum nicht?

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        Lieber Bodo Walther,
        das ist ein Vergleich von Äpfeln mit Straßenlaternen. Sich heute zu einem Thema nicht zu äußern, mit dem man sich nie beschäftigt hat, ist etwas grundlegend anderes als zu behaupten, man habe zu dieser Sache mit den Juden keine Ahnung und Meinung gehabt, weil man sich nie damit beschäftigt habe. Das letztere ist Nachkriegserzählung.
        Denn es war unmöglich, sich nicht damit zu beschäftigen. Die Judenverfolgung war öffentlich, alltagsnah: Propaganda, Ausgrenzung, Gewalt, Gesetze, Pogrome und ja, Deportationen. Menschen verschwanden aus Geschäften, Berufen, Schulen und schließlich aus Wohnungen und Häusern, wurden in Judenhäuser gepfercht. Das war sichtbar, hörbar, erfahrbar.
        Nehmen wir Buchenwald. Das KZ wenige Kilometer von Weimar entfernt, auf dem Ettersberg. Sichtbar, angebunden, beliefert, bewacht. Häftlingstransporte, Zwangsarbeit, SS-Präsenz, Teil der örtlichen Realität. Man musste nicht wissen, was genau dort geschah, um zu wissen, dass dort etwas geschah.
        Auch an der Front wurde niemand im Unklaren gelassen. In einem Richtheft des OKW („Der Jude als Welparasit“), verteilt bis auf Kompanieebene, hieß es unmissverständlich: „In diesem Krieg, der um Sein oder Nichtsein des deutschen Volkes geht, müssen wir uns täglich daran erinnern, daß es das Judentum war, das diesen Krieg gegen uns entfesselt hat. Ob uns der Jude dabei als Bolschewist oder als Plutokrat, als Freimaurer oder in sonst irgendeiner Tarnung, oder auch ganz ohne Maske gegenübertritt, ist gleich: er bleibt immer derselbe.“ Gedruckt übrigens von Burda.

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        Es gibt Forschung zum „Gewollten Nichtwissen“ https://www.mpg.de/16831533/interview-gewolltes-nichtwissen. Dafür wurde auch an der TU Dresden in Zusammenarbeit mit dem Max Planck Institut eine Studie, warum viele Menschen darauf verzichten ihre Stasiakte einzusehen, durchgeführt. „Gewolltes Nichtwissen ist dann nicht akzeptabel“, sagt Christoph Engel in dem Interview (Link), „wenn man dadurch Dritten schadet.“ Götz Aly hat in seinem Buch »Warum die Deutschen? Warum die Juden?« den geschichtlich tief verwurzelten Prozess des Antisemitismus in Deutschland dargelegt.
        Wollten Sie, Bodo Walther, eigentlich einfach nichts wissen über die Propaganda der AfD gegen Muslime oder entsprach dies Ihren Überzeugungen? Warum?

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        Liebe Kerstin,
        die Studie zum „gewollten Nichtwissen“ erklärt ein allgemeines psychologisches Muster, bezieht sich aber weder konkret auf das Schweigen über die NS-Zeit noch auf familiäre NS-Erzählungen. Auch Götz Alys Buch hat damit nur indirekt zu tun.
        Das Schweigen (und Idealisieren) nach 1945 ist keine bloße Form von Nichtwissen, sondern eine nachträgliche Umdeutung dessen, was man gesehen, gehört und erlebt hat.
        Da hilft letztlich nur, sich anzuschauen, wie das in der eigenen Familie gelaufen ist. Das beantwortet keine Studie und kein Buch.

      16. avatar

        „Dafür wurde auch an der TU Dresden in Zusammenarbeit mit dem Max Planck Institut eine Studie …“

        Liebe Kerstin,

        am Mittwoch schrieb ich meine Erstsemesterklausur in Geschichtswissenschaften. Gemeinsam mit 300 hoffnungsvollen jungen Studenten. Die alle mal ein Master werden wollen.

        Vorigen Monat war mein Mandant, der Klempnermeister, zur sachsenweiten Meisterfeier der drei Handwerkskammern.

        „Weist’e wie viele Klempnermeister 2025 ihren Meisterbrief machten?“

        „Sprich!“

        „Null!“

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        „…eine nachträgliche Umdeutung dessen, was man gesehen, gehört und erlebt hat.“

        Das allerdings, lieber Ben Frick, schließt nicht aus, dass der Erzähler oder die Erzählerin das selbst glaubt,

        meine Schwester z. B. empfiehlt sich mit der Geschichte, dass sie in der DDR völlig arglos zwangsgedopt wurde, und dann mit dem Sport aufhörte, um ihrem armen Bruder (also mir), der „infolge eines gescheiterten Fluchtversuchs in der DDR in Haft saß, den Häftlingsfreikauf zu ermöglichen“.

        https://www.ddr-zeitzeuge.de/ddr-zeitzeugen-recherchieren/ddr-zeitzeuge/gesine-tettenborn-585.html

        – Das ist zwar zum Ersten nicht wahr, weil ich schon zwei Monate freigekauft und im Westen war, als sie bei ihrem Sportklub beantragte, vom Sport entpflichtet zu werden.

        – Das ist zwar zum Zweiten nicht wahr, weil ich in der zweiten Haft auch nicht „infolge eines gescheiterten Fluchtversuchs“ in Haft saß, sondern unter dem Vorwurf, ein Agent zu sein.

        – Und das ist zwar zum Dritten auch deshalb nicht wahr, weil es sie gar nie interessiert hat, dass sie 5 Jahre für eine Diktatur Reklame lief, in der ihr eigener Bruder in Geheimdienstzelle einsaß. Und zwar am ersten Tag ihrer 5-jährigen Karriere und bis zum Ende ihrer 5-jährigen Karriere.

        Und trotzdem, lieber Ben Frick, glaubt sie selbst, dass dem so war. Und ein ganzer Sack voll Doktoren der Geschichtswissenschaft bei der Bundesstiftung Aufarbeitung glaubt das auch. Weil sie eben ein guter Mensch ist.
        https://starke-meinungen.de/blog/2025/10/22/meine-schwester-gesine-so-was-wie-ein-beitrag-zum-ddr-zwangsdoping/

        Tcha, da frage ich Sie nun als erfahrenen Familientherapeuten: Was macht man da?

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        Mich störte die Arroganz Bodo Walthers in seiner Frage an Sie, Ben Frick. Seine Antwort an mich zeigt sehr schön eine Abwehrreaktion. Das anschließende Schweigen über den NS nach 1945 war wahrscheinlich eine (Schuld)Abwehrreaktion der Täter und Mitwisser. Dass Täter schwiegen, dürfte angesichts der Taten nicht verwundern. Die Deutschen beriefen sich ja oft auf das Nichtwissen, sei es nun gewollt gewesen oder eine nachträgliche Lüge. Außerdem dürfte nach 1945 ein »gewolltes Nichtwissen« der Gesellschaft und deren Kinder geherrscht haben. Vielleicht erinnern Sie sich an die Diskussion um die Wehrmachtsausstellung noch in den 90-igern. Geschwiegen wurde allerdings gar nicht. Ich sah meine Mutter weinen, wenn die alten Kameraden in der Gartensparte voller Begeisterung über den Westfeldzug sprachen. Manchmal – auch wenn Aufzeichnungen und Ansprechpartner in der eigenen Familie fehlen – ist es effektiver, Bücher darüber zu lesen.

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        Können Sie mir mal erklären, liebe Kerstin

        warum das, was Ludwig Greven im SPIEGEL über seinen Vater ausbreitet, …

        https://www.spiegel.de/geschichte/zweiter-weltkrieg-mein-vater-der-nationalsozialist-a-1284425.html

        … Warum das eine ehrliche Auseinandersetzung mit der eigenen Familiengeschichte ist.

        Und warum das, was ich über meine Schwester ausbreite eine ganz üble Denunziation. Noch dazu der eigenen Familie. Obwohl alles, was ich darin erzähle bereits im Buchhandel zu erwerben ist oder von ihr selbst ins Netz gestellt wurde.

        Und obwohl Ludwig Grevens Erzählung auch gar keine Gegenerzählung ist.

        Also sein Vater hat sich doch gar nicht in den Bundestag gestellt und auf seine schlechten Träume verwiesen, die meines Erachtens nach jeder ehemalige Frontsoldat gehabt haben musste.

        Und sein Vater hatte doch gar nicht im Bundestag gefordert, ihn wegen dieses Seelenzustandes den politisch Verfolgten des Nationalsozialismus gleichzustellen.

        Oder Sie, Alan Posener, können Sie mir das erklären ?

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        Vielleicht zur Erinnerung, worum es im Artikel Frank Jörickes ging: nicht um DDR-Doping, nicht um Studien und auch nicht um Gegenwarts-Gesinnungsfragen, sondern um die deutsche Nachgeschichte des Holocaust und darum, wie sie heute offenbar in einem obsessiven Blick auf Israel endet. Vor diesem Hintergrund entgleiste die Diskussion dann recht zuverlässig. Statt darüber zu sprechen, wie sich nach 1945 die Erzählung des Nichtwissens etablieren konnte (inkl. der zu einem bestimmten Zeitpunkt allseits beliebten Westfronterzählungen) und wie das in den eigenen Familien tatsächlich lief, wich man in thematische Seitengassen aus. Das mag jeweils für sich interessant sein, und interessiert mich auch tatsächlich teilweise sehr, lieber Bodo Walther, ersetzt aber keine Auseinandersetzung damit. Wenn es am Ende in keiner Familie, abgesehen der rührend gepflegten Ausnahmen, je Nazis, Profiteure und Mitläufer gegeben haben will, erzählen wir uns wohl alle etwas vor.

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        Ich möchte Ihnen, Bodo Walther, trotz Ben Fricks berechtigten Einwandes, dass das Hauptthema ein anderes ist, antworten. Ludwig Greven fordert in seinem Spiegel-Text eine Aufarbeitung der Vergangenheit, damit diese nicht von Generation zu Generation weitergegeben wird. Selbst habe ich nicht nur gute Erfahrungen mit der Aufarbeitung gemacht. Deshalb möchte ich die Diskussion für mich auch beenden. Sie, Bodo Walther, versuchen m. E. die Aufarbeitung an sich zu delegitimieren und verglichen diese wiederholt mit der Aufarbeitung von Kleiderstücken. Ihre Schwester kenne ich nicht. Prof. Maaz hat in seinem Buch »Gefühlsstau« (1991) sehr gut beschrieben, wie junge Menschen in der DDR für die Ideologie missbraucht wurden. Hinzu kam die Informationspolitik der DDR. Ich nahm zur Kenntnis, dass Sie die Bruder-Schwester-Geschichte anders darstellen und dafür Belege anführten. Das wir uns unterschiedlich erinnern, halte ich für normal, mensch denke nur an Familienfeiern. Ich habe mich sehr intensiv mit der Fragilität von Erinnerungen beschäftigt. Auch Dokumente zeichnen nicht immer ein eindeutiges Bild, denn sie entstanden unter bestimmten Bedingungen, wie Sie selbst in Ihrem Beitrag ausführten. Es geht in der Aufarbeitung auch um das Aufzeigen von Strukturen. Dann jedoch unterstellen Sie Ihrer Schwester Neid auf den Bruder. Vielleicht braucht es irgendwann mal eine Aufarbeitung der Aufarbeitung.

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        Liebe Kerstin,

        die „Struktur“ in der DDR-Diktatur für den Einsatz als Reisekader ins Nichtsozialistische Wirtschaftsgebiet, NSW, ist einfach erklärt:

        Als Reisekader, auch als Sport-Reisekader kam grundsätzlich der nicht in Betracht, der Westverwandtschaft hatte. Die DDR-Führung nahm an, dass bei diesem Personenkreis eine erhöhte Gefahr bestehe, dass diese von einer Westreise nicht zurückkehrten. Und die Annahme war nicht unbegründet.

        Meine Schwester war schon mit 14 in Weißenfels ein Sprint-As. Aber Sportlehrer Laue sagte:
        „Sportschule kannste vergessen bei Deinen Großeltern und Tante und Onkel im Westen, wie wir wissen. Das werden die da oben nie genehmigen.“

        Und dann zog meine Schwester und unsere weiteren drei Geschwister nach Ilmenau und ich zur Lehre nach Dresden. Und ihr dortiger Sportlehrer wusste von der Westverwandtschaft GAR NICHTS. Und schickte sie nach Erfurt auf die Sportschule. Und die wussten von der Westverwandtschaft auch GAR NICHTS.

        Und als ich einsaß, liefen die Telefone zwischen den Bezirksverwaltungen Erfurt und Halle des Ministeriums für Staatssicherheit heiß. Und nun kam das mit der Westverwandtschaft „raus“. Und sie musste sie sich zur Westverwandtschaft positionieren („Keinen Kontakt. Nie gehabt.“). Und zu ihrem bösen Bruder sowieso („Keinen Kontakt mehr. Ich verurteile sein Verbrechen.“).

        Das war alles so wie es war. Und das macht (leider) die Biografie meiner Schwester so interessant und spannungsgeladen. Und (leider) so schön vorzeigbar im Gruselkabinett der DDR-Aufarbeitungsindustrie.
        https://starke-meinungen.de/blog/2025/10/22/meine-schwester-gesine-so-was-wie-ein-beitrag-zum-ddr-zwangsdoping/

      23. avatar

        Wieso, Bodo Walther, glauben Sie mich ständig angreifen und belehren zu müssen? Für das Verhältnis von Geschichtsstudenten und dem Meisterbrief z. B. kann ich nichts, sehe dies allerdings auch kritisch, wie ich auch manches an der Aufarbeitung kritisch sehe, die allerdings mehr als Zwangsdoping und Opferrente ist und auf viele Akteure zurückgeht. Wohin ein Mangel an Aufarbeitung nach Diktaturen führen kann, kann mensch heute in Russland sehen. Ich kann Ihnen noch ein Buch zur Aufarbeitung empfehlen »Die unbequeme Vergangenheit« von Nikolai Epplée. Ich wuchs auch in der DDR auf. Mein Vater war als Orchestermusiker NSW-Reisekader, obwohl unsere Familie offen Westverwandtschaft pflegte, also ohne die sonst häufigen geheimen Treffen in Prag oder auf irgendwelchen Parkplätzen. Das hat mir schon in der Schule Probleme bereitet und meine Berufswahl eingeschränkt. Als ich mich für ein Auslandsstudium interessierte, sollte ich diese Verwandtschaft offenlegen und die Kontakte danach abbrechen. Das habe ich tatsächlich erwogen, dann jedoch wieder verworfen. Gerade deshalb weiß ich, in welche Loyalitätszwänge (Staat vs. Familie) wir als Heranwachsende gebracht wurden. Jede einzelne meiner Entscheidungen in der DDR hat etwas mit meinem Aufwachsen in dieser zu tun. Es war ein Lügenland. Das Orchester gab auch manchmal Konzerte z. B. in der BRD. Deshalb existierte in meiner Stasiakte ein Ermittlungsbericht zu meiner Person. Damals war ich 17 und sollte gar nicht selbst reisen. Wusste ich das die Stasi Reisekader und deren Familien überprüfte? Ja. Was wollten die wissen? Dafür gab es ein Formblatt. Habe ich darunter gelitten? Zu mindestens wusste ich, dass ich mich zu verhalten hatte. Und was die Gleichstellung in der Opferrente betrifft. Als Jurist sollten Sie doch wissen, dass es keine Gerechtigkeit gibt. Was die „DDR-Aufarbeitungsindustrie“ betrifft. Ich habe nichts gegen Kritik an der Aufarbeitung, nur etwas gegen Ihr Feindbild, den obsessiven Blick auf Ihre Schwester und die Opferrolle, die Sie dabei heute m. E. einnehmen.

      24. avatar

        Es gab das von Ihnen so genannte Zwangsdoping in der DDR nicht, werte Kerstin.

        Zwang, das ist, als ich am 23. Januar 1981 in Handschellen über den Leipziger Hauptbahnhof geführt wurde und in diesen Gefangenen-Waggon einzusteigen hatte.

        Und der Polizist rief:

        „Bei Fluchtversuch wird geschossen. Im Gleichschritt Marsch!“

        Und Ihr „Ich bin aber auch aus der DDR“ und dass Sie sich da auskennen mit Zwang und Verfolgung und so…

        Das ist
        – so
        – so
        – so
        langweilig.

        Sie wissen doch gar nicht, was Zwang ist.

      25. avatar

        P.S.

        Mein Klassenkamerd Olaf, mit dem ich 1979 einen herrlichen Ungarn -Urlaub erlebte, wollte unbedingt Weinbau studieren.

        Und verpflichtete sich drei Jahren zu den „bewaffneten Organen“.

        Und wurde zum Wachregiment „Feliks Dzieshinski“ gezogen. Um die 10 Objekte zu bewachen die das Regiment als Wachregiment des Ministeriums für die Sicherheit des Staates zu bewachen hatte.

        Und ab dem zweiten Dienstjahr war auch das zehnte dran: Das Untersuchungsgefängnis.
        Immer mal ein paar Wochen.

        Da hatte er dann des Nachts durch die Zellentüren zu Ärger, ob solche Typen wie ich noch lebten oder sich die Pulsadern aufgeschnitten hatten: „Hände auf die Bettdecke! Ich will Ihre Hände sehen!“

        Können Sie sich denken, warum ich mit ihm eher umgehen kann?

        Weil er nicht behauptet, zu dem allen gezwungen worden zu sein.

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        Schön das Sie, Bodo Walther, wissen, was ich weiß, erlebt und gesehen habe. Das ist das Problem mit Leuten, wie Ihnen, die glauben alles zu wissen und schon immer gewusst zu haben. Beim Begriff »Zwangsdoping« hätte ich besser nur »Doping« geschrieben.

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    Lieber Herr Nick,
    da haben Sie recht. In jedem Hass steckt auch ordentlich Selbsthass. Man hat Mist gebaut, gewaltigen Mist, aber ist nicht in der Lage, sich das einzugestehen. Lieber projiziert man die negative Energie auf das Opfer von früher und führt damit die unselige Tradition der Vorfahren fort.

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    Danke Frank Jöricke,

    Die „Aufarbeitung“ als ein Versuch, „Lehren aus der Geschichte“ zu ziehen, führt meines Erachtens auch zur Umdichtung derselben. Geradezu zwangsläufig gebiert sie nachholend Widerstandskämpfer

    In der „Aufarbeitung der DDR-Diktatur“ beobachte ich heute politische Gruppen wie Bündnis90/GRÜNE die vor 1990 nach Alternativen zum Bonner Rechtsstaat und seinem Grundgesetz suchten. Und sei es in der Alternative einer nun aber wirklich sozialistischen DDR.

    Und die heute reden, als hätte sie das Grundgestz erfunden. Und als sei dasselbe eine unveränderliche Offenbarung.

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    Ja, ich vermute genau das alles auch schon länger. Gerade Lea Rosh ist mir gleichfalls immer eine Spur zu theatralisch aufgetreten. Und die Reaktion vieler Niederländer auf die „Moffen“ (die Deutschen) scheint einem ähnlichen psychologischen Reflex zu entspringen, wie die der deutschen Aufarbeitungs-Oberlehrer und -innen, die bemerkenswert schnell mit entrüsteter Miene andere als ‚Nazis‘ verunglimpfen, wenn sie nicht ihrer Meinung sind: Das Land hatte allzu viele Nazi-Kolaborateure und auch der Reflex gegen Israel (z.B. ESC-Boykott aufgrund der Teilnahme Israels) spricht in dem Zusammenhang Bände. Ich weiß nicht, ob das individuell heilbar ist. Man kann nur versuchen, diesen Komplex immer wieder als solchen zu benennen, damit sich dieser nicht auch noch über Generationen fortpflanzt. (Dabei lieben Israelis die Niederlande fast so, wie Berlin..).

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