Kennen Sie Arnold Böcklins „Die Toteninsel“ ? Das wären diese Gemälde hier …
Das unten stehende Werk ist ein Zitat dieser Bilder.

Foto oben: „Die Toteninsel“, fotografiert von Bodo Walther
Erkennen Sie das Stadtwappen am Landungssteg? Es ist das Wappen Halles an der Saale: Zwei Salzkristalle, jeweils oberhalb und unterhalb einer Salzsiedepfanne. Und die vier Kirchtürme auf der Insel sind die der Marktkirche Unserer Lieben Frauen in der Stadt.
Gemalt ist es 2012 von Ralph Penz und derzeit ist es in der Kunsthalle in der Talstraße in Halle zu sehen,
Na ja, ist doch klar:
Da können Sie ja nur noch zum Satiriker werden und eine Webseite namens „Hölle an der Saale“ aufmachen. Mit einem Zähler auf der Seite, wie viele Einwohner der Stadt nun diese Woche „de Schegge jebaggt“ haben. Also „die Schecke“, also ein scheckiges, billiges Pferd bepackt haben. Und aus der Stadt geritten sind,
Bei den letzten Bundestagswahlen errang der AfD-Kandidat die meisten Erststimmen.
Alles verloren in Halle? „Verloren für die Demokratie“, wie Jana Hensel meint?
Nö, gar nüscht ist verloren. Die (von einem privaten Verein betriebene) Kunsthalle in der Talstraße z.B. ist uns immer einen Weg nach Halle wert. Die halte ich sogar noch für interessanter als das Leipziger „Bildermuseum“.
„Freilich!“, so werden Sie jetzt vielleicht sagen, „Freilich stellen sich auch in Halle Kulturschaffende diesem kulturlosen Rechtsdrall entgegen!“
Aber sind Sie sich da sicher?
Also sicher in der Annahme, dass Künstler eben links seien? Oder links zu sein hätten?
Künstler wehren sich zuallererst gegen die Kürzung staatlicher oder kommunaler Zuschüsse für die Kunst. Und die erfolgt in einer Stadt wie Halle mit ständig schrumpfenden Geldzuweisungen völlig jenseits von rechts oder links.
Und glauben Sie nicht, dass ausgerechnet „Populisten“ solch unpopuläre Maßnahmen propagieren würden.
Wie auch immer, lieber Bodo Walther.. was mich erschreckt ist, daß sich niemand der Autoren sich wenigstens um einen Blick auf Vorgänge in der Wirtschaft und der Arbeitswelt wenigstens bemüht. Und da meine ich nicht Statistiken, wie ‚Bruttosozialprodukt‘, Arbeitsmarktzahlen u.Ä. (was sagen die überhaupt aus?).
Klar, eine Volkswirtschaft durchläuft immer Zyklen, Auf- und Zusammenbrüche, aber in den ‚Fünfneuenbundesländern‘ gab es eine Deindustrialisierung (genau: wieder „blühende Landschaften“), wie jetzt im Westen, im Ruhrgebiet, demnächst in Süddeutschland, in Nordengland, USA (Baltimore, Denver..). Mit politischen Folgen, was denn sonst?
Aber die exDDR- Wähler sind „politisch unreif, keine gelernten Demokraten, Jammerlappen, oder ungeliebt (Hensel)“… wenn sie die „Faschisten“ wählen. Würde ich als wasanderesstudierthabender derartig barsch und unwissend auf ‚Kulturschaffende‘ blicken, könnte man mir eine ungesunde Borniertheit attestieren, letztere scheinen sich damit aber ganz wohl zu fühlen. Die Spaltung des Westens in in seine beruflichen/kulturellen Milieus.. Welche der sich neu bildenden Spezies Mensch wird wohl überleben? Oder kommt eine lachende dritte Spezies? ( -> Berlinale)
Der „Kulturschaffende“ (was für ein diktaturbelastetes Wort, es stammt aus der 1933 von Goebbels geschaffenen Reichskulturkammer), lieber KJN,
der Künstler ist nicht „links“. Er ist zuerst Künstler, will davon leben und braucht einen Mäzen. Das ist hier (anders als in den USA) der Staat. D.h. die im Augenblick Regierenden, welche die Fördermittel verteilen.
Und die betreiben den „Kampf gegen Rechts“.
Es ist schon viel, wenn in dieser Situation ein Künstler nicht einstimmt in das Lied gegen Rechts. Weil er einfach ja nur Kunst machen will.
Finsterer als heute? In Halle ist es gar nicht so finster. Meine Tochter studiert dort seit einem halben Jahr. Ihr gefällt es sehr gut dort und sie findet auch die Menschen – Nachbarn, Kommilitonen, Café-Gäste, Hausmeister, Verkäufer…. – angenehm und offen. Viel angenehmer und offener als in Berlin.
Ich war natürlich auch wiederholt dort, um sie zu beschen, und kann das (mit meinem oberflächlichen touristischen Blick) nur bestätigen. Ich habe mir z.B. das fantastische Landesmuseum für Vorgeschichte angesehen – das ist besonders gelungen, auch in der Art der Präsentation und den Texten super. Politisch ist die Stadt gespalten. An auffallend vielen Häusern der Nordstadt stehen Sprüche und Bekenntnisse der Gegnerschaft zur AfD. So viele habe ich noch nirgends sonst gesehen. Meine Tochter erzählte, es gäbe bestimmte Viertel, in denen die AfD-Anhänger und auch richtige Nazis, die es in Halle natürlich auch gibt, zuhause sind. Dort fahre ich lieber nicht hin, so weit geht mein Interesse an diesen Dingen dann doch nicht.
Wie jetzt, Herr Walther. Eben stand dort doch noch etwas anderes? Nämlich dass es früher in Halle „noch finsterer“ gewesen wäre als heute? Darauf habe ich mich bezogen. Jetzt hat mein Kommentar keinen Sinn mehr und Sie können ihn gerne löschen. Womit ich das Kommentieren wieder beende.
Joachim Ernst Behrend (der deutsche ‚Jazzpapst‘ und SWF-Mitgründer) kritisierte in seinem „Jazzbuch“ bereits das „Musikbeamtentum“ in den deutschen Rundfunk-Bigbands als Gegensatz zu den US-Bands. Aber auch das hat damals nicht zu einer Politisierung der Kunst gesorgt. Ich meine, da ist noch was anderes dazu gekommen: So eine Art linker Polit-Glamour, mit dem sich das Produkt besser vermarkten lässt. Der Telekom-Ableger ‚Congstar‘ macht es ähnlich mit einem linkswokenstudi-WG-Klischee, und erklärt AfD-Wähler als unerwünschte Kunden. Es ist wie vor 90 Jahren: Irgendwas ist immer ‚hip‘ und dann ganz plötzlich nicht mehr. Wirklich ernsthaft ist das nie. Nur die Kunst selber ist es.
Lieber Roland Ziegler,
ja zunächst hatte ich geschrieben, dass Halle zu DDR-Zeiten noch finstrer gewesen sei. Und dass viel gebaut und erneuert wurde nach der Wende.
Und dass vor der Wende die Mauer stand und die Menschen nicht weg laufen konnten. Das ist auch der Inhalt aller DDR-Nostalgie: „Früher waren alle noch da!“
Weshalb es für das Gefühl im Osten wenig hilfreich ist, auf die Millionen hinzuweisen, mit dem das Altenheim im Osten renoviert wurde.
Es geht darum, dass es ein Altenheim ist.
Aber auch im Alltenheim geht noch was ab. Das hatte ich doch geschriebn, dass in Halle an Kunst „mehr los ist“ als in Leipzig.
Und doch:
Als der „Große Kurfürst“ Friedrich Wilhelm von Brandenburg 1682 nach dem Erwerb des ehemaligen Erzbistums Magdeburg die Universität gründete, ….
Da kam dann 1815 noch die Universität Wittenberg dazu und dann wurde es die Uni Halle-Wittenberg. Und dann hatte die Landesregierung 1993 noch die schräge Idee, die Technische Hochschule in Magdeburg zu einer „Volluniversität“ auszubauen.
Das alles hat Halle als Hochschulstadt ziemlich entwertet. Wozu braucht ein Land mit 2 Millionen Einwohnern gleich 2 1/2 Universitäten?
Im Gegensatz zu Leipzig findet der Student in Halle aber was zum Wohnen. Was eben mit dem Ruf der Staädte zu tun hat. Immobilienpreise sind ja bekanntlich Glaubenssachen.