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Warum erst so spät? – Rückblick auf den islamistischen Anschlag auf dem Weihnachtsmarkt 2017 in Berlin

FOTO. IMAGO / PEMAX

Unsere Autorin Eva Quistorp blickt kritisch auf die fehlende Verhinderung des islamistischen Anschlags auf dem Berliner Breitscheidplatzplatz zurück.

14.12.2017. Wieso wurde dieser islamistische Anschlag nicht verhindert, wieso der Typ nicht festgenommen oder abgeschoben, wieso der Platz überhaupt nicht gesichert, warum wurden die Opfer nicht benannt und ausreichend entschädigt? Ein paar einfache Fragen zum Berliner Anschlag vor einem Jahr – Fragen, die ich hier schon vor einem Jahr stellte.

Der Jahrestag des IS-Anschlages gegen den Weihnachtsmarkt an der Gedächtniskirche – zwölf Todesopfer und mehr als sechzig Opfer insgesamt – war kurz vor Weihnachten, und man merkte es in den Medien. Einen guten Anfang machte eine Dokumentation in mehreren Teilen in der ARD. Zahlreiche Zeitungen griffen das Thema sodann auf.

Ich bemerke aber auch, dass es bei den meisten ein ganzes Jahr gebraucht hat, bis sie dieselben Fragen gestellt haben, die ich unmittelbar nach dem Anschlag zum Beispiel im Perlentaucher (hier) gestellt habe. Es waren einfache Fragen, aber sie lagen auf der Hand:

Wieso wurde dieser islamistische Anschlag nicht verhindert, wieso der Typ nicht festgenommen oder abgeschoben, wieso der Platz überhaupt nicht gesichert, warum wurden die Opfer nicht benannt und ausreichend entschädigt?

Und heute stellt sich eine weitere Frage: Warum werden die richtigen und nötigen Fragen von Behörden und Senat in Berlin, von der Bundesregierung, den Kirchen und Moscheen und Medien fast erst ein Jahr später offen gestellt, warum wird der Zorn der Angehörigen, der sich in einem offenen Brief an Merkel äußerte, erst so spät wahrgenommen, und wieso kann Angela Merkel sich wieder so doof und unschuldig stellen?

Die stille Mahnwache ist den Angehörigen und den Schwerverletzten zuliebe passend. Doch die Schilder gegen den islamistischen Terroranschlag wurden immer wieder beschädigt, die genaue Bezeichnung der Herkunft des Terrors – der globale IS in Europa und Nordafrika – wurde verschleiert, auch in den meisten Medien, wo man den Namen des Attentäters berühmt machte, aber sich scheut, seine Ideologie und seine Herkunft aus dem „Islamischen Staat“ zu benennen

Was wird getan, damit so ein IS-Anschlag, unterstützt von islamistischen Predigern in Hildesheim oder in Moscheen in Berlin, sich nicht wiederholen kann auf andere Art? Die Predigten in vielen Moscheen, die den aus ihrer Sicht dekadenten Westen, die Demokratie und Frauenrechte beschimpfen, und die Abschottung verkünden, tragen wohl eher zum Aufstieg der Salafisten als zur Prävention des islamischen Extremismus bei.

Da werden Gebete allein und der Aufruf zur Toleranz und Friedlichkeit unter den Religionen nicht helfen. Auch deshalb nicht, weil die deutsche Politik immer wieder die Kooperation mit konservativen Imanen sucht, die nichts gegen die Todesdrohungen gegen Seyran Ates oder Hamed Abdel-Samad unternehmen, die den Koran nicht historisch kritisch interpretieren und die das Kopftuch für Lehrerinnen fordern.

Wie gesagt, es sind viele einfache Fragen. Zum Teil genau dieselben wie vor einem Jahr, Fragen zum Zusammenleben der verschiedenen Religionen und zum Erhalt von Sicherheit und Rechtsstaat und Religionskritik in diesem Lande und in Europa. Hartnäckige Fragen.

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