

{"id":10046,"date":"2024-04-12T14:10:46","date_gmt":"2024-04-12T12:10:46","guid":{"rendered":"https:\/\/starke-meinungen.de\/blog\/?p=10046"},"modified":"2026-02-01T18:16:32","modified_gmt":"2026-02-01T17:16:32","slug":"der-krieg-gegen-israel-ist-die-fortsetzung-des-holocausts","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/starke-meinungen.de\/blog\/2024\/04\/12\/der-krieg-gegen-israel-ist-die-fortsetzung-des-holocausts\/","title":{"rendered":"Der Krieg gegen Israel ist die Fortsetzung des Holocausts"},"content":{"rendered":"<p><em>Der Speisesaal im Kibbuz Nir Oz mit den Fotos der ermordeten und verschleppten Kibbuz-Mitglieder. Foto: Alan Posener<\/em><\/p>\n<p><em>Vortrag, gehalten vor der Gesellschaft f\u00fcr Sicherheitspolitik e.V., Sektion Bremen, 11. April 2024<\/em><\/p>\n<p>Beginnen wir mit der humanit\u00e4ren Krise, die einem das Herz zerrei\u00dfen muss. Allein im Fl\u00fcchtlingslager Zamzam verhungern pro Stunde zwei Kinder. Hunderttausende Kinder werden, innerhalb des kommenden Jahres sterben. Nach Einsch\u00e4tzung der Vereinten Nationen, die ihre Hilfsoperationen wegen der unsicheren Lage einstellen musste, sind 18 Millionen Menschen vom Hungertod bedroht.<\/p>\n<p>Moment: 18 Millionen? Dann kann nicht Gaza gemeint sein, wo \u00fcberhaupt nur zwei Millionen Menschen leben. Nein. Wir reden vom Sudan. Das Massensterben dort ist Folge eines Machtkampfs und eines B\u00fcrgerkriegs, vor allem aber Folge einer Politik der ethnischen S\u00e4uberung und des Einsatzes von Hunger als Waffe in der Provinz Darfur. Und wie reagiert die internationale Gemeinschaft? Die Welt\u00f6ffentlichkeit? Gibt es Beschl\u00fcsse des Sicherheitsrats? Anklagen vor dem Weltgerichtshof? Jetten die Au\u00dfenminister der USA und der EU hin und her, um ein Ende der Gewalt zu vermitteln? Richten die USA eine humanit\u00e4re Luftbr\u00fccke ein? Ist die Bundeswehr vor Ort, um die Lebensmittelverteilung zu sch\u00fctzen? Vor allem aber: Gibt es an westlichen Universit\u00e4ten t\u00e4glich Demonstrationen? Organisieren Intellektuelle Petitionen, bekunden ihre Betroffenheit und Emp\u00f6rung? Schreiben sich Leitartikler die Finger wund?<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Nein? Und warum nicht? Weil die T\u00e4ter arabischst\u00e4mmige Gener\u00e4le und ihre Milizen sind und die Opfer vor allem Schwarze. Das interessiert niemanden. Das ist nicht sexy. Das Gewissen internationaler und auch westlicher Politiker, Medien, Intellektueller und Jugendlicher steht nur auf, wenn Juden die T\u00e4ter und Araber die Opfer sind. Das ist der Kern des so genannten Nahostkonflikts.<\/p>\n<p><strong>Der &#8222;Nahostkonflikt&#8220; ist ein Euphemismus und meint den Krieg gegen Israel<\/strong><\/p>\n<p>Ich sage: des so genannten Nahostkonflikts. Das ist ein Euphemismus. Es geht nie um \u201eNahost\u201c. Es geht um Israel. Um den j\u00fcdischen Staat. Um sein Recht auf Existenz. Um den Krieg, der seit \u00fcber 100 Jahren gegen die Juden in Pal\u00e4stina gef\u00fchrt wird. Nicht um den Nahen Osten insgesamt. Niemand hat es gek\u00fcmmert, dass der Libanon von 1976 bis 2005 von Syrien besetzt war. Da ging es um Araber gegen Araber. Uninteressant. Niemand hat es vor 1967 gek\u00fcmmert, dass die von den Vereinten Nationen f\u00fcr einen arabischen Staat vorgesehen Gebiete im ehemaligen britischen Mandatsgebiet Pal\u00e4stina von Jordanien beziehungsweise \u00c4gypten besetzt wurden. Da ging es um Araber gegen Araber. Uninteressant. Zu \u201ebesetzten Gebieten\u201c wurden diese Gebiete erst, als sie nach dem Sechstagekrieg Israel zufielen.<\/p>\n<p>Pl\u00f6tzlich wurden die dort lebenden Araber, die bis dahin Jordanier oder \u00c4gypter gewesen waren, zu \u201ePal\u00e4stinensern\u201c. Als Jordanier oder \u00c4gypter hatten sie keine Rechte, wie ja bis heute weder das eine noch das andere Land eine Demokratie ist. Das hat niemand interessiert. Dass sie heute weniger Rechte haben als die B\u00fcrger Israels, das ist pl\u00f6tzlich \u201eApartheid\u201c. Dass die Kindersterblichkeit in den \u201ebesetzten Gebieten\u201c niedriger, die Lebenserwartung h\u00f6her ist als in Jordanien und \u00c4gypten: Egal. Sie sind Opfer Israels. Dass die \u201ebesetzten Gebiete\u201c im Jahre 2012 nach dem \u201eHappy Planet\u201c-Gl\u00fccksindex an dritter Stelle unter den arabischen Staaten rangierten: Egal. Sie sind Opfer Israels. Dass die Araber unter israelischer Besatzung eine, wenn auch eingeschr\u00e4nkte, Selbstverwaltung haben: \u00a0Egal. Sie sind eben \u201edie Pal\u00e4stinenser\u201c, die von Israel besetzt und unterdr\u00fcckt sind.<\/p>\n<p><strong>Der Pal\u00e4stinenser Julius Posener &#8211; gecancelt<\/strong><\/p>\n<p>Niemand k\u00fcmmert es, dass dieses Wort \u201ePal\u00e4stinenser\u201c schon einen Alleinvertretungsanspruch auf das ganze ehemalige britische Mandatsgebiet Pal\u00e4stina beinhaltet. Als h\u00e4tten nach 1949 die B\u00fcrger der Bundesrepublik nicht nur gesagt, ihr Staat sei der einzig legitime deutsche Staat, die einzige legitime Nachfolgerin des Deutschen Reichs, sondern nur sie seien \u00fcberhaupt Deutsche. Aber lassen Sie mich kurz hier pers\u00f6nlich werden. 1945 schrieb mein Vater als Hauptmann der britischen Armee 1945 stolz an die Verwandten in Jerusalem, und zwar in deutscher Sprache, er habe als erster Pal\u00e4stinenser den Rhein \u00fcberquert. Wenn ich das heute erz\u00e4hle, schauen mich die Leute verst\u00f6rt an. Ich sehe doch gar nicht arabisch aus. Auch der Name \u201ePosener\u201c klingt irgendwie \u2026 na ja, jedenfalls auch nicht arabisch, eher, \u00e4hm, j\u00fcdisch. Was sie nicht begreifen: im Zweiten Weltkrieg gab es Pal\u00e4stinenser, die auf Seiten der Nazis k\u00e4mpften, mit dem Ziel, die anderen Pal\u00e4stinenser mithilfe der Deutschen auszurotten. Das waren Araber. Und es gab Pal\u00e4stinenser, die auf Seiten der Alliierten k\u00e4mpften, mit dem Ziel, den Nazismus auszurotten. Das waren Juden. Zu ihnen geh\u00f6rte mein Vater. Dazu gleich mehr.<\/p>\n<p>Hier nur so viel, dass die Pal\u00e4stinenser \u2013 die arabischen Pal\u00e4stinenser \u2013 durch diese Usurpation des Namens zur autochthonen Bev\u00f6lkerung des Gebiets zwischen dem Fluss und dem Meer, also zwischen dem Jordan und dem Mittelmeer, avancierten, w\u00e4hrend die Juden zu Fremden, Invasoren, Kolonialisten erkl\u00e4rt werden, obwohl es dort schon seit 4000 Jahren\u00a0 Juden gibt, die von babylonischen, pagan-griechischen und r\u00f6mischen, christlich-byzantischen christlich-katholischen muslimisch-arabischen und t\u00fcrkisch-muslimischen Eroberern wiederholt unterdr\u00fcckt, vertrieben und massakriert wurden, wovon der 7. Oktober 2023 nur das vorl\u00e4ufig letzte Beispiel war.<\/p>\n<p><strong>\u00d6ffentliche Meinung und Zivilcourage<\/strong><\/p>\n<p>Dieser Vortrag handelt von der \u00f6ffentlichen Meinung als Waffe. Was bedeutet das? Das bedeutet, dass in einer Demokratie die Meinung der Mehrheit z\u00e4hlt. Und das ist auch gut so. Aber Meinungen, Vorurteile, Emotionen sind darum auch gef\u00e4hrliche Waffen. Karl Popper sagte denn auch, dass die Demokratie nicht immer, vielleicht nicht einmal in der Regel die besten Menschen ins Amt bringt und daf\u00fcr sorgt, dass die beste Politik gemacht wird. F\u00fcr die Demokratie spricht nach Karl Popper eigentlich nur, dass man schlechte Politiker wieder loswerden und schlechte Politik korrigieren kann, ohne eine Revolution machen zu m\u00fcssen. Freilich bedeutet Demokratie auch, dass schlechte Politiker gew\u00e4hlt und gute abgew\u00e4hlt werden. Und Demokratie bedeutet auch, dass manchmal Politiker ihrem besseren Wissen und ihrem Gewissen folgen m\u00fcssen, auch gegen ihre W\u00e4hler. Eine Tatsache, die von Populisten gern verdr\u00e4ngt wird. John F. Kennedy nannte dieses antipopulistische Verhalten \u201eZivilcourage\u201c.<\/p>\n<p>Die \u00f6ffentliche Meinung wird zur Waffe in einem Konflikt oder Krieg, wenn sie der einen Seite hilft und der anderen schadet; man sieht zurzeit in den USA, wie die Republikanische Partei, einstmals die Partei Ronald Reagans und, ja auch von George W. Bush, die Partei der Verteidigung der Demokratie weltweit, heute einer isolationistischen Stimmung folgt, wie vor dem Zweiten und nach dem Ersten Weltkrieg und die Waffenhilfe f\u00fcr die Ukraine blockiert. Pr\u00e4sident Wolodomir Selenski hat sehr deutlich ausgesprochen, was passiert, wenn diese Waffen nicht kommen: die Ukraine wird den Krieg verlieren. Und dann \u00fcber kurz oder lang aufh\u00f6ren zu existieren.<\/p>\n<p>Israel ist noch mehr von der \u00f6ffentlichen Meinung in den USA und Europa abh\u00e4ngig. Und man sieht sowohl an US-Pr\u00e4sident Joe Biden wie auch an der Bundesregierung, wie schwer es heute f\u00e4llt, zu Israel zu stehen. Macht die gegenw\u00e4rtige Regierung in Jerusalem Fehler? Selbstverst\u00e4ndlich. Ist sie konzeptionslos und konfus, strategisch ohne Vision, taktisch ohne Geschick? Ja. Geht es in diesem Vortrag darum? Nein. Jeder in diesem Raum k\u00f6nnte vermutlich einen Plan f\u00fcr eine Nachkriegsordnung in der Region entwickeln, jeder in diesem Raum w\u00fcrde sich w\u00fcnschen, dass es auf dem Weg zu dieser Ordnung weniger zivile Tote und mehr Hilfe f\u00fcr die zivile Bev\u00f6lkerung g\u00e4be.<\/p>\n<p>Aber darum geht es nicht. Nicht in diesem Vortrag, und auch nicht grunds\u00e4tzlich, weil die Delegitimierung des j\u00fcdischen Staates, die D\u00e4monisierung des j\u00fcdischen Staates, die Anwendung doppelter Ma\u00dfst\u00e4be \u2013 wie kommen die Urheber der Kriege in Serbien, Afghanistan, im Irak in Libyen, gegen den IS in Syrien und im Irak dazu, Israel wegen ziviler Toter und eines versehentlichen Angriffs auf Mitarbeiter eines Hilfswerks zu verurteilen? \u2013 weil all das lange vor dem 3. Oktober wirksam war, jetzt wirksam ist und in Zukunft wirksam sein wird, wenn Binyamin Netanyahu l\u00e4ngst Geschichte ist, Israel aber nach wie vor der Jude unter den Staaten sein wird, eben weil es ein j\u00fcdischer Staat ist.<\/p>\n<p><strong>Was Juden nicht sind, und was Israel nicht ist<\/strong><\/p>\n<p>Und hier nur zur Begriffskl\u00e4rung: Israel ist ein j\u00fcdischer Staat, wie Deutschland, der Name sagt es, ein deutscher Staat ist. Der Nationalstaat des j\u00fcdischen Volkes, kein religi\u00f6ser Staat wie die islamische Republik Iran. Um den Unterschied klarzumachen, wollte Staatsgr\u00fcnder David Ben Gurion lieber von \u201eHebr\u00e4ern\u201c als von Juden reden; wer nach Israel kam, wurde \u201eHebr\u00e4er\u201c und lie\u00df die Eigenschaft als \u201eJude\u201c, als allenfalls geduldete, aber wechselweise verachtete und gef\u00fcrchtete Minderheit, mit allem, was dieser Zustand an charakterlicher Verbiegung mit sich bringt, hinter sich, wird erst Staatsb\u00fcrger im vollen Sinn des Worts, nicht dank der Gro\u00dfz\u00fcgigkeit des Mehrheitsvolks, des Wirtsvolks, wie man fr\u00fcher sagte, womit die anderen nicht G\u00e4ste waren, sondern Parasiten, sondern aus eigenem Recht.<\/p>\n<p>In der gegenw\u00e4rtigen Krise h\u00e4lt die Bundesregierung zu Israel, obwohl das in gro\u00dfen Teilen ihrer Basis nicht popul\u00e4r ist, von Absurdit\u00e4ten wie der Anklage der Sandinisten \u2013 ausgerechnet dieser Banditen! \u2013 gegen Deutschland wegen Beihilfe zum V\u00f6lkermord. Das muss man der Ampel bei aller Kritik im Einzelnen hoch anrechnen. Man muss aber fragen, darum geht es in diesem Vortrag, warum gro\u00dfe Teile der Basis der jetzt regierenden Parteien \u2013 und von Teilen der Opposition, etwa der Linkspartei und des BSW \u2013 von vornherein geneigt sind, Israel kritisch zu sehen, von einem Apartheidstaat reden, einem Unterdr\u00fcckerstaat, einem rassistischen Staat, einem neokolonialen Projekt, das sich gegen People of Colour richtet, einem Werkzeug des westlichen Imperialismus und dergleichen mehr.<\/p>\n<p>Dass gro\u00dfe Teile der AfD Israel unterst\u00fctzen, weil sie Israel genauso sehen, aber das gut finden, m\u00fcssen wir hier nicht diskutieren.<\/p>\n<p>Es geht also nicht um Einzelheiten des gegenw\u00e4rtigen Konflikts. Es geht nicht darum, dass in den Medien seit Beginn der israelischen Antiterroroperation die frei erfunden Verlustzahlen der Hamas wiederholt werden. Dass niemand fragt, wie viele der angeblich zivilen Opfer eigentlich Hamas-K\u00e4mpfer sind. Es geht nicht darum, dass immer wieder von israelischen Angriffen gegen Krankenh\u00e4user berichtet wird, obwohl es sich um Angriffe gegen Terrorzentralen der Hamas handelt, die zynischerweise und gegen alle Regeln des Krieges in Krankenh\u00e4usern eingerichtet wurden. Es geht nicht darum, dass seit Monaten behauptet wird, in Gaza w\u00fcrden Menschen bald hungers sterben, die Hungersnot aber \u2013 anders als im Sudan \u2013 nie eintritt. Es geht nicht darum, dass dieser Konflikt mit einem Pogrom, einem Massaker, einer Inszenierung der Endl\u00f6sung der Judenfrage eingeleitet wurde, dass zu dieser Inszenierung widerliche Gewalt gegen j\u00fcdische Frauen geh\u00f6rte, brutalste Massenvergewaltigungen, die Verst\u00fcmmelung lebender und toter Frauen, die halbtot einer johlenden, Meute vorgef\u00fchrt wurden, alles Dinge, die der Islam \u00fcbrigens strengstens verbietet, und dass die Mehrheit der Organisationen, die \u00a0in der #MeToo-Bewegung t\u00e4tig waren und sind, schallend schweigen, dass also j\u00fcdische Frauen faktisch aus der weiblichen Menschheit ausgeschlossen werden \u2013 es geht um die Frage, wie es zu einer solchen F\u00fchllosigkeit kommt. Es geht darum, wie es kommen kann, dass man Israel heute gegen\u00fcber so wenig Mitgef\u00fchl zeigt, wie gegen\u00fcber Deutschland nach 1945.<\/p>\n<p><strong>Die Lust am T\u00e4terstaat<\/strong><\/p>\n<p>Im Namen des Antifaschismus wurden schreckliche Verbrechen an Deutschen begangen, Terrorbombardements, Massenvergewaltigungen, millionenfache Vertreibung, ethnische S\u00e4uberung, Landraub. Das Mitleid hielt sich in Grenzen, weil Deutschland der T\u00e4terstaat war, weil die Deutschen das Volk der T\u00e4ter waren; ja bis heute besteht darum eine Scheu, an dieses Leid zu erinnern, selbst, ja gerade unter Deutschen. Aber so falsch diese Scheu ist: immerhin stimmt es, dass Deutschland den Krieg begonnen, die Nachbarl\u00e4nder unterworfen hat, die slawischen V\u00f6lker versklaven, die Juden ausrotten wollte \u2013 und bei letzterem Kriegsziel ziemlich weit gekommen ist.<\/p>\n<p>Israel aber ist das Gegenteil des Zerrbilds, das eine bestimmte angeblich progressive, angeblich linke Theorie aus ihm machen will. Um diese Theorie geht es, nicht um die Einzelheiten der aktuellen Etappe des ewigen Widerstands der Juden gegen den ewigen Versuch, sie vom Gesicht der Erde zu tilgen.<\/p>\n<p>Man versteht ja, wie gut es manchen Deutschen tut, wenn sie sagen k\u00f6nnen: Die Juden tun den Pal\u00e4stinensern das an, was wir ihnen angetan haben. Das relativiert die deutsche Schuld gleich zweifach. Man versteht, wie sich gerade bei deutschen Linken, die sich \u2013 sogar aus ehrenhaften, wenn auch falschen Gr\u00fcnden &#8211; weigerten, in die deutschen Klagen \u00fcber Vertreibung und Annexionen einzustimmen, das Verdr\u00e4ngte als Klage \u00fcber die Vertreibung der Pal\u00e4stinenser wiederkehrt. Wie der v\u00f6lkische Nationalismus, den man bis zur Selbstverleugnung bek\u00e4mpft, wiederkehrt in der Vorstellung, \u201ePal\u00e4stina\u201c den Pal\u00e4stinensern judenrein \u00fcbergeben zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Beginnen wir daher mit einer aktuellen Losung: \u201eFree Palestine from German Guilt!\u201c Das riefen junge Deutsche zu Beginn der israelischen Offensive vor dem Au\u00dfenministerium in Berlin. Nach dieser Lesart sind die Deutschen schuld an dem Elend der Araber. Der Holocaust habe erst zur Massenauswanderung der Juden aus Europa und also zur Masseneinwanderung der Juden nach Pal\u00e4stina gef\u00fchrt, wodurch erst die Juden demographisch stark genug wurden, sich gegen die Araber zu behaupten und sie sogar 1948 teilweise zu vertreiben. Pal\u00e4stina von deutscher Schuld befreien hie\u00dfe also konsequent, Pal\u00e4stina von den Juden zu befreien.<\/p>\n<p>Die Losung unterstellt aber auch, die Deutschen w\u00fcrden vor lauter schlechtem Gewissen wegen des Genozids an den Juden sich nicht trauen, Israels Genozid an den Pal\u00e4stinensern zu kritisieren. So muss man logischerweise dieses schlechte Gewissen attackieren, damit sich Deutschland einreiht in die Phalanx der Staaten des globalen S\u00fcdens, die Israel als Apartheid-Staat, als Staat wei\u00dfer Siedler, als neokolonialistisches Projekt bek\u00e4mpfen. Im Grunde genommen sagte das schon vor 50 Jahren der deutsche Terrorist Dieter Kunzelmann: Die Deutschen m\u00fcssten ihren \u201eJudenknax\u201c \u00fcberwinden, bevor sie sich einreihen k\u00f6nnten in den revolution\u00e4ren Kampf der V\u00f6lker gegen den Imperialismus.<\/p>\n<p>Deutsche RAF-Terroristen lie\u00dfen sich denn auch folgerichtig von pal\u00e4stinensischen Terroristen an der Waffe ausbilden. Daf\u00fcr r\u00e4chten sie sich, indem sie in der nach Entebbe entf\u00fchrten Passagiermaschine die Selektion der j\u00fcdischen von den nicht-j\u00fcdischen Geiseln vornahmen. Sie taten es anhand der Nachnamen: Schmidt \u2013 freilassen; Posener \u2013 hiergeblieben. Das war 1976. Vor fast 50 Jahren, und erst 30 Jahre nachdem deren V\u00e4ter erzwungenerma\u00dfen mit dem Morden aufh\u00f6ren mussten.<\/p>\n<p><strong>Die postkoloniale Theorie und die Singularit\u00e4t des Holocausts<\/strong><\/p>\n<p>Aus dieser Haltung heraus ist die nur scheinbar akademische Diskussion um die Einmaligkeit \u2013 die Singularit\u00e4t \u2013 des Holocausts zu verstehen. Schon 1955 behauptete der afrokaribische Politiker und Autor Aim\u00e9 C\u00e9saire, die Wei\u00dfen w\u00fcrden an Hitler nicht etwa \u201edie Erniedrigung des Menschen an sich\u201c kritisieren, sondern \u201edas Verbrechen gegen den wei\u00dfen Menschen, die Dem\u00fctigung des Wei\u00dfen und die Anwendung kolonialistischer Praktiken auf Europa, denen bisher nur die Araber Algeriens, die Kulis in Indien und die Neger Afrikas ausgesetzt waren.\u201c \u00c4hnliches schrieb C\u00e9saires Sch\u00fcler, der Psychoanalytiker Frantz Fanon, der zum wichtigsten Theoretiker der antikolonialen und postkolonialen Bewegung wurde.<\/p>\n<p>Nach dieser Lesart ist der Kolonialismus, die Entmenschlichung des kolonialisierten Menschen, das Ur-Verbrechen der Wei\u00dfen; der Holocaust ist nur ein weiteres Kapitel in diesem Buch des wei\u00dfen Schreckens, das sich nunmehr gegen andere Wei\u00dfe richtet.<\/p>\n<p>Man k\u00f6nnte ganze Abende mit einer Kritik dieser Sichtweise zubringen. Setzen wir voraus, dass der Kolonialismus und gar die Sklaverei aus heutiger Sicht nicht zu rechtfertigen sind. Halten wir aber auch fest, dass Unterdr\u00fcckung und Sklaverei kein ausschlie\u00dflich europ\u00e4isches Ph\u00e4nomen waren und sind. Die muslimischen Araber haben die schwarzen V\u00f6lker\u00a0Afrikas\u00a0vom siebenten Jahrhundert an immer wieder \u00fcberfallen. Fast 800 Jahre lang haben Araber mit Hilfe \u00f6rtlicher Machthaber den Handel mit afrikanischen Sklaven betrieben und hatten bereits \u00fcber zehn Millionen Afrikaner deportiert, bevor die Europ\u00e4er um 1500 auf der Bildfl\u00e4che auftauchten. Halten wir auch fest, dass T\u00fcrken und sarazenische Piraten jahrhundertelang hellh\u00e4utige Europ\u00e4er gefangen nahmen und als Sklaven verkauften, gern auch Frauen als Sexsklavinnen, wovon etwa Mozarts \u201eEntf\u00fchrung aus dem Serail\u201c handelt.<\/p>\n<p>Die Araber haben \u00fcberdies ehedem christliche Gebiete wie Nordafrika, Spanien, Sizilien und Pal\u00e4stina kolonisiert, die T\u00fcrken haben das ehemalige Kernland des ostr\u00f6mischen Reichs unterworfen. W\u00e4hrend die Europ\u00e4er Afrika, Amerika, Indien und Ozeanien kolonisierten, haben die Osmanen den Balkan kolonisiert.<\/p>\n<p>Halten wir auch fest: Auch V\u00f6lkermorde sind keine europ\u00e4ische Erfindung. Niemand kann leugnen, dass der deutsche V\u00f6lkermord an den Herero und Namib ein unverzeihliches Verbrechen war, aber das gilt auch f\u00fcr den t\u00fcrkischen V\u00f6lkermord an den Armeniern, vom W\u00fcten der Mongolen gar nicht erst zu reden. Nicht erst gegen die kolonisierten V\u00f6lker erwiesen sich die Europ\u00e4er als grausam \u00a0was die Europ\u00e4er einander etwa in den 30 Jahren zwischen 1618 und 1648 im Namen der Religion antaten \u2013 und in den vier Jahren 1914 bis 1918 im Namen der Nation und der Kultur \u2013 \u00fcbertrifft an Barbarei so ziemlich alles, was sie als Kolonialisten anstellten, von den millionenfachen Morden Lenins, Stalins und Mao Zedongs an der eigenen Bev\u00f6lkerung ganz zu schweigen.<\/p>\n<p>Kurzum, die Unmenschlichkeit hat viele Gesichter, und der europ\u00e4ische Kolonialismus ist nur eines davon, und weder eine wei\u00dfe Erfindung noch erst recht das Muster f\u00fcr den Holocaust. Denn das unterscheidet ja den Holocaust gerade von all den kolonialen Verbrechen, und nur deshalb ist er singul\u00e4r: Den Nazis ging es eben nicht darum, die Juden auszubeuten und zu unterdr\u00fccken, wie ein koloniales Volk. Es ging ihnen darum, die Juden vom Gesicht der Erde zu tilgen. Die Nazis folgten nicht dem Muster der Unterdr\u00fcckung des Herero-Aufstands, sondern dem Muster der Judenpogrome des Mittelalters und der Neuzeit.<\/p>\n<p><strong>Der Antisemitismus ist \u00e4lter als der Rassismus<\/strong><\/p>\n<p>Und es ist eben nicht so, dass der Rassismus erfunden wurde, um die Unterwerfung der Kolonialv\u00f6lker zu rechtfertigen und dann erst auf \u201eWei\u00dfe\u201c wie die Juden angewendet wurde. Vielmehr ist es umgekehrt. Es ist kein Zufall, dass 1492 das Jahr des Aufbruchs des Kolumbus nach Amerika und zugleich der Vertreibung der Juden aus Spanien ist. Die Fahrten des Kolumbus markieren den Beginn der globalen Expansion Europas, der kolonialen Unterwerfung der Welt; doch zugleich markieren sie den Beginn der Ideologie der Limpieza de Sangre, der Reinheit des Blutes, die nicht gegen die Azteken, Inka und Maya in S\u00fcdamerika angewendet wurde, sondern gegen die Conversos in Spanien, gegen die Juden und Muslime, die zum Christentum konvertiert waren, um der Vertreibung zu entgehen, und auf die nun der Terror der Inquisition angesetzt wurde.<\/p>\n<p>Juden galten damals in Spanien ebenso wenig als \u201eWei\u00dfe\u201c wie Muslime. Die Antisemiten schlossen sie ebenfalls aus dem Haus der Wei\u00dfen aus, indem sie die Juden zu \u201eSemiten\u201c erkl\u00e4rte, also zu Br\u00fcdern und Schwestern der Araber. Wenn jetzt \u201ePeople of Colour\u201c ihrerseits die Juden aus dem Haus des globalen S\u00fcdens ausschlie\u00dfen, indem sie sie zu Wei\u00dfen erkl\u00e4ren, so zeigt das nur, dass der Antisemitismus fast beliebig seine Form \u00e4ndern kann, wie das Monster in den \u201eAlien\u201c-Filmen, wie ein Virus, das immer wieder mutiert, um die Abwehrmechanismus der K\u00f6rper zu unterwandern. Wie Jean-Paul Sartre sagte: Es kommt nicht darauf an, was der Jude macht. Es kommt darauf an, wie ihn der Antisemit sehen will. Sondern sich die Juden ab, wirft man ihnen vor, sich nicht integrieren zu wollen; assimilieren sie sich, wirft man ihnen vor, sich zu tarnen, um die Gesellschaft heimlich zu zerst\u00f6ren; sind sie eine Diaspora, wirft man ihnen vor, zur Staatenbildung unf\u00e4hig zu sein; bilden sie einen Staat, wirft man ihnen vor, Nationalisten zu sein; sind sie friedfertig, sagt man ihnen nach, vom Soldatischen und Heldischen nichts zu verstehen, bilden sie eine Armee, wirft man ihnen vor, Militaristen zu sein. Und so weiter und so fort. Der Spruch stimmt schon: Den Juden wird man Auschwitz nie verzeihen.<\/p>\n<p><strong>Es geht um den Antisemitismus, um eine Ideologie, nicht um Personen<\/strong><\/p>\n<p>Und \u00fcbrigens; ich sage es hier, weil es wichtig ist. Ich habe oben von Antisemiten gesprochen, und die gibt es, und zwar nicht zu knapp. Aber der Antisemitismus ist eben nicht einfach die Eigenschaft oder Meinung bestimmter Menschen, die man isolieren, neudeutsch canceln k\u00f6nnte. Er ist ein eben ein Virus, der den Geist krank macht. Auch derjenigen, die von sich ehrlich behaupten k\u00f6nnen, sie seien keine Antisemiten. Die Philosophen der Frankfurter Schule glaubten, die Ursache des Antisemitismus im autorit\u00e4ren Charakter gefunden zu haben. Der nach oben katzbuckelt, sucht nach unten ein Opfer, das er treten kann. Radfahrerhaltung. Damit w\u00e4re die antiautorit\u00e4re Revolte zugleich die L\u00f6sung vom Antisemitismus.<\/p>\n<p>Es ist anders gekommen. Die antiautorit\u00e4ren 68er w\u00e4hnten sich frei vom Antisemitismus \u2013 und fielen postwendend der Pandemie des Antizionismus zum Opfer.<\/p>\n<p>Die postkoloniale Theorie feiert den antikolonialen Befreiungskampf der V\u00f6lker des globalen S\u00fcdens und ist bereit, ihnen allerlei Unvollkommenheiten nachzusehen: \u00d6konomische Misserfolge, Unterentwicklung, Hunger? Alles Erbe des Kolonialismus. Korruption? Diktatur? Stammesfehden? Unterdr\u00fcckung der Frau? Genitalverst\u00fcmmelung? Schwulenfeindlichkeit? Alles Geburtswehen einer besseren Gesellschaft. Wenn sich aber ein seit 2000 Jahren grundlos unterdr\u00fccktes Volk seinen eigenen Staat bildet, eine Demokratie obendrein, in der die Frauen und die Schwulen gleichberechtigt sind, wenn dieses Volk nicht nur mit den Kibbuzim die einzigen freiwilligen sozialistischen Gesellschaften der Erde schafft, sondern zugleich die nach den USA dynamischste High-Tech-Industrie des Planeten \u2013 dann ist dieses Israel nicht etwa das Modell eines Entwicklungslands, ein Beispiel \u2013 wie S\u00fcdkorea oder Taiwan oder Singapur \u2013 f\u00fcr die M\u00f6glichkeiten des globalen S\u00fcdens, sondern ein Vorposten des Imperialismus und Kolonialismus. Dann ist das Lob etwa f\u00fcr die Freiheit, die LGBTQ+ Menschen in Israel genie\u00dfen, \u201ePinkwashing\u201c: eine blo\u00dfe rosarote T\u00fcnche, Makeup, die nur die h\u00e4ssliche Fratze des kolonialistischen Siedlerregimes unkenntlich machen soll.<\/p>\n<p>Und wenn wir beim Siedler-Regime sind: Ja, die Siedlungen im Westjordanland sind problematisch, wenn es auch merkw\u00fcrdig ist, dass ausgerechnet jene, die hierzulande Multikulturalismus predigen und feiern und kein Problem damit zu haben scheinen, dass ganze Stadtviertel No-Go-Areas f\u00fcr Schwule, unbegleitete Frauen oder Juden mit Kippa sind, das Westjordanland wiederum ethnisch rein arabisch halten wollen, was es \u00fcbrigens nie war. Wo sind denn die j\u00fcdischen Erzv\u00e4ter und Erzm\u00fctter Abraham und Sarah, Isaak und Lea, Jakob und Rebekka begraben? In Hebron, einer Stadt, die bis zum Pogrom von 1929 eine j\u00fcdische Gemeinde hatte und heute zu 95 Prozent f\u00fcr Israelis gesperrt ist. Wo stand der Tempel des j\u00fcdischen K\u00f6nigs Salomon? Auf dem Tempelberg in Jerusalem, wo Juden heute nicht beten d\u00fcrfen. Wohin wurde der geblendete j\u00fcdische K\u00e4mpfer Simson von den Philistern geschleppt? Nach Gaza. Wo wurde der Jude Jesus geboren? In Bethlehem, der Stadt des j\u00fcdischen K\u00f6nigs David. Und so weiter und so fort.<\/p>\n<p>Wenn aber Postkoloniale, arabische Nationalisten und muslimische Maximalisten das \u201eSiedlerregime\u201c kritisieren und dessen Ende fordern, so meinen sie nicht die Siedlungen in Hebron oder rings um Jerusalem, sondern Israel insgesamt, das als wei\u00dfes Siedlerregime wie das wei\u00dfe Siedlerregime in Rhodesien oder das Burenregime in S\u00fcdafrika bezeichnet wird. In dieser Lesart sind die Juden per definitionem Siedler, ob sie nun im Kibbuz arbeiten oder in der Fabrik, ob sie Unternehmer oder Arbeitnehmer sind, \u00c4rzte oder M\u00fcllwerker, Akademiker oder Entertainer, ob sie eine Minderheit sind, wie im Westjordanland, oder eine Mehrheit, wie in Israel. \u00a0Und ihnen ist nicht, wie in S\u00fcdafrika oder Simbabwe, die Enteignung zugedacht, sondern die Vertreibung und Vernichtung.<\/p>\n<p><strong>Der Gro\u00dfmufti, der F\u00fchrer, der Islam und die Blockfreien<\/strong><\/p>\n<p>Tats\u00e4chlich ist der Kampf gegen Israel aber nicht etwa ein antikolonialistischer Befreiungskampf, sondern die Fortsetzung des Holocausts mit anderen Mitteln. Mohammed Al-Husseini, Gro\u00dfmufti von Jerusalem, der schon 1929 Pogrome gegen Juden in Pal\u00e4stina \u2013 etwa in Hebron &#8211; organisierte, ver\u00f6ffentlichte 1937 ein Pamphlet, in dem er alle Muslime aufforderte, Mohammeds Kampf gegen die Juden fortzusetzen, die er als \u201eMikroben\u201c und \u201eAbschaum aller L\u00e4nder\u201c bezeichnete. Die kommende Wiedergeburt der Muslime machte er von der Ausrottung aller Juden abh\u00e4ngig. Ab 1941 agitierte Al-Husseini von Deutschland aus f\u00fcr die Vernichtung der Juden, warb Bosnier und Kroaten f\u00fcr die Waffen-SS an und wurde zur Belohnung von Heinrich Himmler zum SS-Gruppenf\u00fchrer ernannt. Mit Adolf Eichmann und anderen Technikern der Endl\u00f6sung besprach der Mufti wie Pal\u00e4stina nach dem Sieg Rommels gegen die Briten judenrein zu machen sei.<\/p>\n<p>Das war die Zeit, als sich mein Vater, bis dahin als Bauingenieur in Pal\u00e4stina t\u00e4tig, zur britischen Armee meldete.<\/p>\n<p>Wenige Tage vor Kriegsende wurde Al-Husseini von den Deutschen ausgeflogen und landete schlie\u00dflich in \u00c4gypten, von wo aus er den Terrorkampf gegen die Juden in Pal\u00e4stina weiter organisierte, auch mit Hilfe von bosnischen, kroatischen, deutschen und spanischen Faschisten. Als die arabischen Staaten 1948 den von den Vereinten Nationen ins Leben gerufenen j\u00fcdischen Staat angriffen, bildete Al-Husseini eine arabische Regierung f\u00fcr ganz Pal\u00e4stina, \u201cfrom the River to the Sea\u201c, nicht wahr, die von \u00c4gypten, Syrien, Libanon, Irak, Saudi-Arabien und Jemen anerkannt wurde. Nach dem gescheiterten Vernichtungskrieg blieb Al-Husseini bis 1962 Pr\u00e4sident des Islamischen Weltkongresses. Trotz seiner N\u00e4he zu den Nazis und seines Judenhasses \u2013 oder gerade deshalb \u2013 wurde er 1955 auf der Bandung-Konferenz der Blockfreien als Held des Antikolonialismus gefeiert. Sein ber\u00fchmtester Sch\u00fcler war Jassir Arafat, der Husseins Kampf fortsetzte. Aber auch Mahmud Abbas, im kommunistischen Moskau ausgebildet pries den Nazi Al-Husseini als Vork\u00e4mpfer.<\/p>\n<p>Mit anderen Worten: Es f\u00fchrt eine gerade Linie vom Kampf der Nationalsozialisten gegen die Juden zum Kampf der arabischen Staaten, der Fatah und Hamas gegen Israel. Israel ist nicht etwa, wie die Postkolonialen meinen, ein Vorposten des Kolonialismus und Imperialismus; Israel wird bek\u00e4mpft, weil es ein j\u00fcdischer Staat ist; \u00a0es ist nicht so, wie der lange Zeit von deutschen Politikern gefeierte sogenannte Philosoph Achill Membe aus Kamerun meint, dass Israel die Politik der Trennung fortsetzt, die auch f\u00fcr die Nazis und die Kolonialisten kennzeichnend ist; vielmehr sind Israels Feinde, ob sie sich Hamas oder Hisbollah nennen, ob sie in Teheran sitzen oder in Beirut, Damaskus oder Gaza, Fortsetzer des Werks der Nationalsozialisten, und die postkolonialen Theoretiker und antiisraelischen Demonstranten von Berkeley bis Bremen ihre n\u00fctzlichen Idioten.<\/p>\n<p>Und nicht nur sie. So m\u00fcsste man dieser Tage erwarten, dass Intellektuelle postkolonialer Couleur, Akademiker und ihre Studentinnen permanent auf die Stra\u00dfe gehen, um auf die vergessenen humanit\u00e4ren Katastrophen dieser Erde aufmerksam zu machen. Am Horn von Afrika hungern \u00fcber 36 Millionen Menschen; in der Sahel-Zone sind es \u00fcber 34 Millionen, in der \u201eDemokratischen Republik\u201c Kongo 27, in Afghanistan 24, im Jemen 21, in Pakistan 20, im Sudan I8, in Syrien 15 Millionen Menschen, die dringend humanit\u00e4re Hilfe brauchen.<\/p>\n<p><strong>Wo sind die postkolonialen Freunde des Globalen S\u00fcdens?<\/strong><\/p>\n<p>Sie sind alle mit Gaza besch\u00e4ftigt. Sie haben alle vollauf damit zu tun, Israel davor zu warnen, weiter gegen die Hamas-Terroristen vorzugehen, Israel f\u00fcr eine angebliche humanit\u00e4re Krise verantwortlich zu machen, die seit Monaten bevorsteht, aber nie eintritt. Merke: Elend ist nur sexy, wenn man Juden daf\u00fcr verantwortlich machen kann.<\/p>\n<p>Auch die anderen \u2013 die wirklichen \u2013 humanit\u00e4ren Krisen sind das Ergebnis von Gewalt. In fast allen F\u00e4llen sind Islamisten diverser Couleur und korrupte Regimes verantwortlich. Vom Sudan haben wir schon gesprochen. In der Sahelzone hat das W\u00fcten islamistischer Banden dazu gef\u00fchrt, dass staatliche Strukturen nicht mehr funktionieren. Die radikalislamischen Taliban lassen den verhassten Westen ihre Bev\u00f6lkerung ern\u00e4hren; sie haben Wichtigeres zu tun, etwa Frauen zu unterdr\u00fccken. Und so weiter und so fort.<\/p>\n<p>Die Postkolonialen aber, denen es angeblich darum geht, die Augen der westlichen Gesellschaften f\u00fcr diese Leiden zu \u00f6ffnen, schweigen. Denn erstens passen Krisen, f\u00fcr die man den Westen nicht verantwortlich machen kann, nicht in ihr Weltbild; und zweitens sind sie selbst Opfer jener Obsession, die sie anderen vorwerfen. Sie haben einen \u201eJudenknax\u201c. Und das hindert sie, da muss man dem Kunzelmann sogar nachtr\u00e4glich Recht geben, am Eintreten f\u00fcr die Vergessenen dieser Erde, die, so viel ist sicher, nicht in Gaza leben.<\/p>\n<p>Was ist zu tun? Ich wei\u00df es nicht. Wir haben es mit einer Pandemie zu tun. Betrachten Sie diesen Vortrag, diesen Abend als eine Art Impfung. Die bekanntlich keinen vollst\u00e4ndigen Schutz gew\u00e4hrt, aber hilft. Und empfehlen Sie die Impfung weiter. Denn diese Krankheit kann t\u00f6dlich sein. Nicht f\u00fcr die Betroffenen. Sondern f\u00fcr die Betreffenden. F\u00fcr die Juden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div class=\"shariff shariff-align-left shariff-widget-align-left shariff-buttonstretch\" style=\"display:none\"><ul class=\"shariff-buttons theme-white orientation-horizontal buttonsize-medium\"><li class=\"shariff-button facebook shariff-nocustomcolor\" style=\"background-color:#4273c8\"><a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/sharer\/sharer.php?u=https%3A%2F%2Fstarke-meinungen.de%2Fblog%2F2024%2F04%2F12%2Fder-krieg-gegen-israel-ist-die-fortsetzung-des-holocausts%2F\" title=\"Bei Facebook teilen\" aria-label=\"Bei Facebook teilen\" role=\"button\" rel=\"nofollow\" class=\"shariff-link\" style=\"; background-color:#3b5998; color:#3b5998\" target=\"_blank\"><span class=\"shariff-icon\" style=\"fill:#3b5998\"><svg width=\"32px\" height=\"20px\" xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\" viewBox=\"0 0 18 32\"><path fill=\"#3b5998\" d=\"M17.1 0.2v4.7h-2.8q-1.5 0-2.1 0.6t-0.5 1.9v3.4h5.2l-0.7 5.3h-4.5v13.6h-5.5v-13.6h-4.5v-5.3h4.5v-3.9q0-3.3 1.9-5.2t5-1.8q2.6 0 4.1 0.2z\"\/><\/svg><\/span><span class=\"shariff-text\" style=\"color:#3b5998\">teilen<\/span>&nbsp;<\/a><\/li><li class=\"shariff-button twitter shariff-nocustomcolor\" style=\"background-color:#595959\"><a href=\"https:\/\/twitter.com\/share?url=https%3A%2F%2Fstarke-meinungen.de%2Fblog%2F2024%2F04%2F12%2Fder-krieg-gegen-israel-ist-die-fortsetzung-des-holocausts%2F&text=Der%20Krieg%20gegen%20Israel%20ist%20die%20Fortsetzung%20des%20Holocausts&via=starkemeinungen\" title=\"Bei X teilen\" aria-label=\"Bei X teilen\" role=\"button\" rel=\"noopener nofollow\" class=\"shariff-link\" style=\"; 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