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Der Anteil von autoritären Linken am vergifteten Diskurs –Zehn Thesen

Rechtspopulisten und Neurechte greifen den Pluralismus an, in dem sie für sich reklamieren, so etwas wie den “wahren Volkswillen” zu verkörpern. Die Antwort darauf wäre ein konsequenter Pluralismus. Von konservativ bis links. Leider macht der Teil der Linken, der autoritär ist, dabei nicht mit und bekämpft stattdessen konservative Demokraten ebenso sehr wie Rechte und überhaupt alles, was nicht so links ist wie er selbst. Liane Bednarz analysiert eine Haltung, die kaum weniger autoritär als die der Rechten ist..

Morgen finden in Brandenburg und Sachsen Landtagswahlen statt. Bei diesen wird die AfD aller Voraussicht nach jeweils über 20 Prozent einfahren, auch wenn die SPD in Brandenburg inzwischen wieder mit der AfD gleichauf liegt und die CDU in Sachsen erfreulicherweise wieder deutlich vor der rechtspopulistischen Partei mit ihrer innerparteilich starken rechtsradikalen Gruppierung „Der Flügel“ rangiert.

Vielleicht würde die AfD vergleichsweise noch mehr schwächeln, wenn ein Teil – und ja, es ist nur ein Teil – der Linken akzeptieren könnte, dass unterschiedliche politische Milieus unterschiedliche Wege gehen, um die Ausbreitung rechten Gedankenguts einzudämmen. Und wenn diese autoritären Linken aufhören würden, all jene, die nicht so links sind wie sie selbst, in den sozialen Medien oder in Form von Meinungsbeiträgen zu drangsalieren.

Keine linke “Meinungsdiktatur”, aber wachsende Intoleranz

Um es klar zu sagen: es gibt in Deutschland keine „Meinungsdiktatur“, wie Rechte behaupten, weil sie keinen Widerspruch an ihren rechten Thesen ertragen. Sehr wohl aber gibt es so etwas wie einen autoritären Teil der Linken, der in der Auseinandersetzung mit Rechten gerne alles über einen Kamm schert, „Nazis raus“ ruft und, besonders bitter, Konservative bzw. Liberal-Konservative, die die Auseinandersetzung mit Rechten suchen, im Grunde nicht wertschätzt. Oder allenfalls dann, wenn selbige keines der heiligen Mantren der autoritären Linken in Frage stellen.

Das gilt namentlich für den Umgang mit der „Antifa“. Diese ist in linksautoritären Kreisen sakrosankt. Aktuell konnte man das bei der Einschätzung der #unteilbar-Demo in Dresden sehen. Erfreulicherweise hat mit Jan Feddersen ein kluger Linker in der „taz“ darauf hingewiesen, wie in der Tendenz linksradikal und letztlich selbst ausgrenzend diese Demonstration ausgestaltet war

Dennoch erwarteten viele Linke, dass auch Konservative bei der Demo mitmachen. So warf namentlich Ferda Ataman dem sächsischen Ministerpräsidenten Michael Kretschmer in ihrer Kolumne auf „Spiegel Online“ vor, dass er bei #unteilbar nicht mitlaufen wollte. Kretschmer hatte seine Absage – auf die Ataman immerhin verlinkt – ausführlich und empathisch begründet. Nämlich so:

“Ich finde es gut und wichtig, dass es Menschen gibt, die die Demokratie und den Rechtsstaat bei der ,Unteilbar’-Demonstration verteidigen möchten. Auch dass sie ein Zeichen gegen die AfD setzen wollen, kann ich nachvollziehen. Dafür haben sie meinen Respekt”, sagte Kretschmer der “Freien Presse”. “Aber ich kann als CDU-Vorsitzender und Ministerpräsident nicht bei einer Veranstaltung dabei sein, bei der auch Kräfte wie die Antifa mit von der Partie sind. Der Zweck heiligt nicht immer die Mittel.”

Daraus machte Ataman:

Was wir nicht brauchen, sind zögerliche Typen wie Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer, die erklären, es sei gut, wenn Leute für Menschenrechte und Demokratie auf die Straße gehen, aber die CDU könne da nicht mitmachen, weil – Achtung – vielleicht auch “Kräfte wie die Antifa” dabei sind. Statt auf Antifaschisten rumzuhacken, liebe Unionsparteien, macht den Kampf gegen Faschismus lieber wieder bürgerlich. Er gehört nicht in die linke Ecke.“

Heilige “Antifa”

Wohlgemerkt schrieb Ataman das in einer Kolumne mit dem Titel: „Appell an die CDU: Macht den Antifaschismus wieder bürgerlich“. Tatsächlich aber hat sie von CDU-Bürgerlichkeit augenscheinlich wenig bis gar keine Ahnung, sondern will lediglich, dass CDU.ler und Konservative die Hand hochheben und sagen: „Ja, Frau Ataman, wir tun alles, was Sie wollen und kritisieren auch die linksradikale Antifa nicht länger.“

Im Grunde ist es immer dasselbe. Der autoritäre Teil der Linken führt sich auf wie ein fehlgeleiteter Gärtner, der jedwede mögliche rechte Blume des Bösen mit der Pinzette auf braune, welke Spuren untersucht, aber das linksradikale Gestrüpp unangetastet und munter wachsen lässt oder gleich mit Dünger übergießt. Damit mag er sich selbst moralisch unfassbar gut und toll fühlen, seine Doppelmoral stinkt indes derart zum Himmel, dass er dem ja gemeinsamen Anliegen aller Demokraten, das rechte Denken zurückzudrängen, schadet.

Liberal-konservative werden nur solange geschätzt, bis sie etwas gegen Linke sagen

Als jemand, der all dem selbst seit Jahren ausgesetzt ist, von Linken gehypt, aber sofort etwa in Form von Entfollowing auf Twitter oder wüsten Beschimpfungen fallengelassen wird, sobald ich etwas gegen die Antifa oder linke Gewalt wie beim G20-Gipfel sage, schreibe ich hier aus durchaus persönlicher Richtung. Und auch als jemand, der Kind eines Vaters ist, der bis zu seinem Tod Sozialdemokrat mit Parteibuch war, alles Rechte verabscheut hat, aber, so ähnlich wie ich nun spiegelbildlich auf der anderen Seite, sich Zeit seines Lebens von allem Linksradikalen abgegrenzt hat und Herbert Marcuse für einen geistigen Brandstifter hielt.

Zehn Thesen

Was aus all dem folgt, sind zehn Statements, jeweils verfasst in der Hoffnung, dass auch autoritäre Linke anfangen, ihr Verhalten zu überdenken

  1. Die Bundesrepublik Deutschland ist eine pluralistische Demokratie. Rechte greifen den Pluralismus an, indem sie behaupten, es gebe so etwas wie den einzig wahren „Volkswillen“ und eine „politische Einheitsfront“, die diesen verrate. Autoritäre Linke sollten diesen Rechten nicht den Gefallen tun, das Fantasma der „politischen Einheitsfront“ zu affimieren, indem sie versuchen, Konservative „auf Linie“ zu bringen.
  2. Die AfD erhält Zulauf aus ganz unterschiedlichen Milieus. Jedes davon muss auf seine Weise darum kämpfen, AfD-Wähler zurückzugewinnen. Der Diskurs verläuft insoweit vollkommen verschieden. Ehemalige Wähler der Linkspartei, der SPD, der CDU, aber auch frühere Nichtwähler sind ganz unterschiedlich anzusprechen.
  3. Es gibt kein Monopol auf den „Antifaschismus“. Liberale Konservative haben mit dem Begriff Schwierigkeiten, weil Linksradikale ihn gerne instrumentalisieren und damit etwa auch gegen den angeblichen „US-Imperialismus“ und den „Kapitalismus“ ins Feld ziehen. Liberale Konservative aber spüren genau, wo der rechtskonservative Graubereich beginnt und setzen ihre Energie dafür ein, diese Grenze zu markieren. Wissend, wie rasant der Übertritt ehemaliger Weggefährten hin zum Rechtsradikalismus und faschistoiden Ideen verlaufen ist. Insoweit sind sie, besser „wir“ selbstverständlich auch „Antifaschisten“.
  4. Das bundesdeutsche Ideal ist der individuelle Staatsbürger. Dieser lässt sich weder in rechte noch linke Ideenwelten widerspruchsfrei einpressen.
  5. Man darf nicht mit zweierlei Maß messen und die Antifa beständig schönreden. Teile der Antifa sind gewaltbereit. Etwas, was Linke auf der Rechten ja zu Recht auch nicht dulden. Ja, es gibt viele Antifa-Gruppen, namentlich im Osten, die Gewalt ablehnen, aber auch sie firmieren unter „Antifa“. Eine Abgrenzung von Gewalt sieht anders aus.
  6. Es ist seltsam, dass es bei der Diskussion um die „Antifa“ immer nur um die Gewalt geht. Dieselben Leute, die unterhalb der Gewaltschwelle beim Rechtsradikalismus richtigerweise genau hinsehen, verweigern den Diskurs über den gedanklichen Linksradikalismus der Antifa. Bei der rechtsextremistischen „Identitären Bewegung“ reicht die Ablehnung der Gewalt Linken richtigerweise ja auch nicht zur Verharmlosung aus.
  7. Das „Reden mit Rechten“ ist diffizil. Es kann schiefgehen und man muss stets und immer genau überlegen, in welchem Rahmen mit welchen Rechten gestritten werden kann. Der Grund, warum manche Konservative genau das befürworten, ist das Vertrauen in die Kraft des eigenen Arguments und das Bestreben, Zuhörer – vor allem solche, die wackeln – davon zu überzeugen, dass das rechte Denken in eine Sackgasse führt. Mit einem „Salonfähigmachen“ oder einer „Bühne bieten“ hat das nichts zu tun. Für Rechte ist ein solcher Diskurs weitaus unangenehmer als so mancher in einer der großen Talkshows mit Leuten, die oft viel zu wenig vorbereitet sind.
  8. Autoritäre Linke haben wenig Ahnung von politischer Strategie. Sonst wäre ihnen bewusst, dass zum Beispiel Michael Kretschmer kaum etwas Dümmeres machen könnte, als auf einer Demonstration präsent zu sein, auf der auch Linksradikale vor Ort sind. Auf so etwas wartet die AfD nur und könnte und würde das reichlich ausschlachten. Zudem würde ein solcher Auftritt all jenen, die als Konservative versuchen, Konservative, die rechts geworden sind, zurückzuholen, einen Bärendienst erweisen.
  9. Autoritäre Linke sollten sich die Mühe macten, nicht nur „Nazis raus“ zu rufen, sondern sich wirklich ernsthaft damit beschäftigen, warum es gerade in Ostdeutschland so viele rechte Tendenzen gibt. Dabei könnten sie von der SPD in Sachsen lernen.
  10. Und, aber das steckt schon in den anderen Thesen drin: Autoritäre Linke sollten endlich in der pluralistischen Demokratie ankommen.

Mal schauen, ob all das künftig besser klappt.

21 thoughts on “Der Anteil von autoritären Linken am vergifteten Diskurs –Zehn Thesen

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    Die Antifa war eine gute Sache, in manchen Gegenden ist sie es heute noch. Der Impuls zur Gründung antifaschistischer Gruppen war (nach strikt subjektiver Erfahrung) die Professionalisierung der rechten Skinheads durch Netzwerke der Neonazis. Wer ein paar Mal wegen Haaren oder Aufnähern von kampfsporterprobten Muskelbergen ein paar kassiert hatte, hat sich zusammengetan (hätten wir gewusst, dass der RCDS eine antifaschistische Ader hat, hätten wir natürlich die wackeren Helden um Hilfe gebeten). Es war also eher eine Selbsthilfegruppe von Punks und anderen Subkulturen, als der staatlich geförderte NGO-Apparat, der heute diesen Titel beansprucht. Das Ziel der Antifa war nicht die Weltordnung, sondern die 3-Zentner Kickboxglatze aus der Nachbarschaft. Mit den Subkulturen ist auch die Antifa in der Form verschwunden, wenn auch nicht überall. Ich kann mir sehr gut vorstellen, das Antifa in einer multikulturellen Stadt wie Frankfurt am Main doch etwas ganz anderes ist, als die Antifa in einem Vorort von Frankfurt an der Oder. Insofern pflegen heute die Linken einen Mythos der Antifa, wie es sie hier und da noch gibt und zehren von der alten street-credibility. Ich finde das eher peinlich, so wie 50-Jährige auf neuen Harleys.
    Wenn die konservativ-liberale-aufgeklärt-verfassungspatriotische-wasauchimmer Mitte sich nun über die Instrumentalisierung des Begriffes „Antifaschismus“ durch die Linke beschwert, dann ist das mindestens genauso peinlich. Antifaschismus war bis vor ein paar Jahren, als die CDU noch keine Konkurrenz durch die AfD hatte, eben noch gar kein Thema. Ich kann nur empfehlen, vielleicht ein paar Jahre mehr bei diesem Thema bei der Stange zu bleiben, dann funktioniert das auch mit dem Branding bestimmt besser. Biedenkopf meinte noch 2000, Sachsen hätte kein Problem mit Rechts, seine Nachfolger konnten lange ebenso nichts sehen, bis es Sitze im Landtag kostete. Wer anderen über Jahrzehnte das Feld überlässt, braucht sich über Instrumentalisierung nicht zu beschweren.

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    Bei Licht betrachtet, haben beide Seiten, die Organisatoren von #unteilbar wie auch Kretschmer, sich nicht gerade mit Ruhm bekleckert. Übertragen wir ihr Verhalten doch einmal auf eine analoge Situation:
    Der Fußballverein Grün-Weiß Kleinkleckersdorf möchte einmal für etwas gute Presse sorgen, und die Fanclubs schließen sich zusammen und rufen zu einer großen Veranstaltung im Stadion auf. Aber: Sie erklären, daß Fanschals nicht gern gesehen sind. Der Vereinspräsident lehnt seine Teilnahme an der Veranstaltung ab – aber nicht, weil er keinen Fanschal tragen soll, sondern weil er sich nicht im Stadion sehen lassen will, wenn auch die Hooligans auf den Rängen sitzen.

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    In Ihrem Text ist immer nur von “Rechten” die Rede.
    Eine Unterscheidung von rechts, rechtsradikal und rechtsextrem findet nicht statt.
    Damit rennen Sie bei der “autoritären Linken” offene Türen ein.
    Warum sollten die dann was anders machen ?

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    Ich würde die im Artikel beschriebene Problematik aber etwas erweitern. Auch die Medien haben in relativ großen Teilen die konservativen Werte mehr oder weniger ignoriert. Wenn man annimt die AFD und CDU Wähler seien Werte-Konservativ dann sind es mindestens 40% der Menschen die medial und in der Öffentlichkeit unterrepräsentiert waren. Und da wundert man sich wenn einige den Anpassungskurs der CDU nicht mitmachen wollen und AfD wählen. Auch wenn ich die AfD trotzdem nicht wähle kann ich verstehen warum Leute es tun.

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    Links /Rechts ist zur politischen Einordnung schon schwierig zu konkretisieren. Was sollen „autoritäre“ Linke sein? Wann sind Linke nicht autoritär? Von welchem archimedischen Punkt aus wird das definiert? Es bleibt nur das GG, um Demokraten von Nichtdemokraten zu unterscheiden

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      Lieber Herr Polenz, als jemand, der den Text von Ataman begeistert geteilt hat, sollte Sie das versuchen zu definieren. Bin gespannt. Beste Grüße, LB

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      Völlig richtig. Weshalb man als Grundgesetz-Demokrat nicht zusammen mit Linksradikalen demonstriert. Wie als Konservativer nicht zusammen mit Rechtsradikalen.

      Gruss,
      Thorsten Haupts

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    … ich halte nix von ‘links/rechter’ Differenzierung in der Politik, es gibt kein ‘links’ und kein ‘rechts’ in der Ideologie, es gibt ‘rinks’, es gibt ‘lechts’. Unterschiede in den sozialistischen Ideologien sind marginal – ob Sozialdemokraten und Kommunisten ’33 in die NSDAP oder National-Sozialisten in die SED, CDU, CSU, FDP, GRÜNE eintraten.

    Die AfD ist die einzige Partei in Deutschland ohne ehemalige NSDAP-Mitglieder.

    Auch wie ‘Polit-Straftaten’ in Deutschland in der Statistik auftauchen, sind Beweis genug. So werden, u.a., laut einer Antwort auf eine Anfrage der AfD Schmierereien am Büro des AfD-Abgeordneten Daniel Rausch in Sachsen-Anhalt als ‘rechtsmotivierte Straftat’ aufgenommen. Dort fand sich auch eine Hakenkreuz–Schmiererei.

    Selbst Plakatkampagnen der Sozialisten vor den Landtagswahlen in Sachsen und Brandenburg 2019 ‘bemühen’ national-sozialitische Rhetorik … puuh.

    ‘Rechts’ ist der Pappkamerad aller ‘BRD’-Sozialisten und ihrer ‘Mutti’. ‘Rechts’ wird ‘geschaffen’.

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    Dass Linke beständig und seit Jahrzehnten versuchen, echte Liberale oder Konservative unter Beschwörung der Bedeutung des Streits gegen “rechts” in Bündnisse mit Linksradikalen udn Linksextremisten zu ziehen, ist eine fortgeltende Konstante der alten Bundesrepublik.

    Kleine Anekdote aus meiner politischen Vergangenheit:
    Nach Rostock (1992?) gab´s ne Demo in Aachen gegen Neonazis. Im Namen der lokalen Gruppe des Rings Christlich Demokratischer Studenten RCDS telefonierte ich mit der Demo-Orga, um zu klären, ob unsere offene Teilnahme gewünscht sei. Beim ersten Anruf wurde ich vertröstet, das müsse man erst mal intern klären. Beim zweiten war es geklärt – wir könnten teilnehmen, wenn wir die offizielle Erklärung der Demo-Anmelder unterschreiben würden.

    Okay, besorgt und gelesen. Und laut gelacht – ich sollte als Christdemokrat unterschreiben, die Bundesrepublik sei ein imperialistischer Ausbeuterstaat etc. Kam natürlich nicht in Frage. Und beim letzten Gespräch mit der Demo-Orga wurde ich dann belehrt, die “Sache” sei doch so wichtig, dass eine Grundsatzverdammung der Bundesrepublik Deutschland und ihrer Politik drin sein müsse, wenn es der “sache” diene.

    Wir haben uns damals nicht beteiligt. Und es hat sich in 27 Jahren nichts geändert.

    Gruss,
    Thorsten Haupts

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      Lieber Herr Haupts, danke Ihnen sehr für diese Schilderung und dieses Beispiel, was 27 Jahre später die aktuelle Debatte perfekt illustriert. Es ist grotesk, aber passt es genau in das jetzige Bild. Und augenscheinlich hat sich in 27 Jahren wirklich nichts geändert. Und gut, dass Sie sich damals nicht beteiligt haben. Herzliche Grüße, Liane Bednarz

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      Doch, etwas hat sich in 27 Jahren schon geändert. Nämlich, dass die CDU unter Merkel inzwischen so weit nach links gerutscht ist, dass der eine oder andere aus dieser Partei so etwas unterschreiben würde. Ich denke da etwa an Daniel Günther aus Schleswig-Holstein oder Ingo Senftleben aus Brandenburg, die bedenkenlos mit der SED koalieren würden.

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        @Stevanovic

        “Wundert mich aber auch nicht – bis die Asylheime brannten war das Thema Faschismus im RCDS (mag mich im einzelnen irren) überhaupt nicht vertreten,”

        Stimmt. Etwa genausowenig wie die realsozialistischen Systeme des Ostblocks (und deren Freiheitsbewegungen in den achtzigern) in der studentischen Linken.

        “D.h. ich kannte einige, die sich beim RCDS für das Thema interessierten, aber eben nicht in Ihrem Sinne.”

        Nö, die kannten sie nicht. Wir haben damals Leute, die in der Richtung unterwegs waren, konsequent ausgeschlossen.

        “Nichts für Ungut.”

        Pruuust :-). Ich hatte es mit linken Mehrheiten in Studentenparlamenten zu tun. Seitdem weiss ich über das Demokratieverständnis von Linken alles, was man wissen muss.

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      Ich musste gerade Tränen lachen: Der RCDS Anfang der 90er wollte gegen Nazis demonstrieren. Sie haben natürlich im konkretem Fall recht und im Hinblick auf die Linke, die bestimmt mehr als einen Splitter im Auge hat, natürlich auch. Dass Ihnen damals der Stahlhelm im eigenem Auge nicht aufgefallen ist, amüsiert mich aber sehr. Wundert mich aber auch nicht – bis die Asylheime brannten war das Thema Faschismus im RCDS (mag mich im einzelnen irren) überhaupt nicht vertreten, weswegen Sie sich auch an die Linken hängen mussten, als es nicht mehr zu übersehen war. Antifaschismus ist für die CDU so neu wie das Thema Integration. Das ist kein Vorwurf, sondern eine Feststellung. Kohl meinte vor 20 Jahren, Deutschland sei kein Einwanderungsland, dass ist gar nicht so lange her. Die CDU baut sich seitdem Kompetenzen und Netzwerke auf, alles geht seinen Weg. Sie können aber der Linken nicht vorwerfen, damals nicht offen gewesen zu sein, wenn Ihr Verein keinen Verdachtsmoment bot, sich im geringsten für dieses Thema zu interessieren. Hätte mich ein RCDSler angesprochen, hätte ich das Motto meiner Demo für die Schlafmützen auch nicht geändert. D.h. ich kannte einige, die sich beim RCDS für das Thema interessierten, aber eben nicht in Ihrem Sinne. Nichts für Ungut.

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    Wenn ich Sie jetzt richtig verstanden habe, scheiden sich Linke und autoritäre Linke (was immer das auch genau ist) an der Gewaltfrage. Der bürgerliche Antifaschismus existiert leider kaum. Mir selbst ist es ziemlich egal, ob ein Herr Kretschmar in der Demo mitläuft oder nicht. Das macht in der Bekämpfung des modernen Faschismus keinen Unterschied. Es macht aber sehr wohl einen Unterschied, wenn 1) staatliche Institutionen den Rechtsradikale inkl. der Terrororganisationen decken und vor Strafverfolgung schützen, wenn 2) bei Polizei und Bundeswehr Rechtsradikale faktisch geduldet werden und 3) wenn die bürgerlichen Parteien bereitwillig die Grundsätze des (bürgerlichen) Humanismus opfern, sobald Wähler zu den Rechten abwandern wollen. Es macht auch einen Unterschied, dass die Auflösung der (gesellschaftlichen) Mitte als Konsequenz aus der neoliberalen Ausrichtung von Wirtschaft und Gesellschaft eintrat, die durch ebendiese bürgerliche (politische) Mitte betrieben wurde. Tatsache ist auch, dass rassistische und rechte Gewalt gegen Andersdenkende längst im Alltag in den Kiezen angekommen ist, ohne dass die bürgerliche Mitte sich auch nur einen Dreck dafür interessieren würde. Wir brauchen eine wirksame Strategie gegen Rechts. Die bürgerliche Mitte steht da eher im Weg, solange sie über die gesellschaftlichen, sozialen und wirtschaftlichen Ursachen und ihr eigenes Versagen im Kampf gegen Rechts schweigen will. Die Gewaltfrage ist da nur ein Randthema.

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    Nun die Probe aufs Exempel Frau Bednarz!

    Der Text enthält viel Richtiges – aber wie konsequent sind Sie wirklich in dem, was sie sagen?

    Wollen Sie nicht Thilo Sarrazin rehabilitieren?

    Der hat all das abgekriegt, was Sie in ihrem Blogpost ansprechen.

    In der Affäre um “Deutschland schafft sich ab” haben sich zwei sehr wesentliche Punkte bestätigt:

    1. Die Medien lügen.
    2. Von der Meinungsfreiheit Gebrauch machen, bedeutet den Job aufs Spiel zu setzen.

    Sarrazin hat viele Probleme angesprochen, die auch die AfD angesprochen hat. Eben weil diese Probleme nun mal existieren. Er hatte allerdings immer vor, diese Probleme im demokratischen Rahmen zu lösen.

    Hätte man seine Thesen im Jahr 2010 nicht diffamiert, sondern als Anregung wahrgenommen, wäre Deutschland der Rechtsruck erspart geblieben.

  10. avatar

    Interessante Thesen über die man nachdenken kann. Aber wenn Twitter Follower einem entfolgen, ist dass ihr Recht in der pluralistischen Demokratie. 😁

    1. avatar

      Klar, fällt aber nun einmal auf, wenn selbige über Jahre meine Tweets geliked haben und allesamt in dem Monat entfolgen, in dem ich kritisch über autoritäre Linke twittere.

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